DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Guten Morgen.
Da geht man nichtsahnend über einen Flohmarkt, stöbert mal hier und da und findet plötzlich eine dicke, etwas angegammelte Mappe
mit der Aufschrift "OEG". Natürlich hat mich das elektrisiert und nach kurzem duchblättern wechselte das "Altpapier" für einen
niedrigen einstelligen €urobetrag den Besitzer.
Neben diversen Betriebsanweisungen etc. für den Bahnbetrieb, originalen Bedienungvorschriften für diverse Fahrzeuge (vom Halbzug bis zum Gt8)
fand sich auch, leider völlig ohne weitere Anmerkungen diese Skizze:
https://up.picr.de/35403148rq.jpg
Es war also in den 80ern eine neue Fahrzeuggeneration geplant, als Ergänzung zu den Düwag Gt8.
Da ich bisher in der einschlägigen Fachpresse, soweit mir was vorliegt, und bei Tante Gugel hierüber noch nichts gefunden habe, vermute ich,
daß diese Skizze die Schreibtische der OEG-Verantwortlichen nie verlassen hat.
Gedacht war wohl an einen in jeder Dimension "gestreckten" Stadtbahnwagen M, ob als C, S oder D vorgesehen, dadrüber schweigt sich die Zeichnung aus.
Ein "S" wäre wohl aus Kompatibilitätsgründen naheliegend gewesen, und aus grundsätzlichen Erwägungen, wie die OEG eben so war. ;-)
Erstaunlich ist das schwebende Mittelteil, da habe ich, trotz der vorgesehenen Wagenbreite von "nur" 2400mm (die Gt8 sind 2500mm breit) etwas
Zweifel bezüglich der Hüllkurve. Mit vier angetriebenen Drehgestellen, deshalb wohl auch das schwebende Mittelteil, wäre das ein wahres
Kraftpaket geworden, und ein Umbau oder Einbau eines Niederflurmittelteils dürfte kein Problem dargestellt haben.
Leider kam es nicht dazu, und es wurden dann doch nochmal 6 Gt8 der klassischen Bauart (111-116) nachbestellt.

Es wäre ein der OEG würdiges Fahrzeug geworden.

P.S: Ja, heute ist der 31. März. Deswegen habe ich diesen Beitrag nicht morgen erstellt, es ist KEIN Aprilscherz. Die Unsauberkeiten im Bild
liegen dadran daß ich dieses aus zwei, schon etwas angegammelten Teilen, zusammensetzen mußte.

[www.fingers-welt.de]<--- BITTE BEACHTEN! Bilder vom Treffen 2019 sind jetzt anschnur!
http://up.picr.de/34056767tg.gif
An Röhren kann man sehen, wenn sie gehen. Und auch riechen, wenn sie siechen.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:03:31:16:58:25.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Flohmarktsfund!

Ich kannte vom RN2000 bisher nur diese Variante:

http://www.kastenlok.de/bernhard_koenig/HiFo/RN2000kl.jpg



Leider ist die Zeichnung nicht datiert und auch der Betrieb ist nicht ersichtlich - vielleicht die kleinere Straßenbahnvariante?

Interessant auch das Datum aus 1984 aus der Entwurfszeichnung für die OEG. Als ich im Herbst 1981 mit Werner Rabe beim technischen Direktor der OEG, Dipl.-Ing. Lederer, saß, um die Vorbemerkungen zur OEG-Fahrzeugstatistik durchzusprechen, war es Lederer, der den Satz formulierte: "Da die Planungen für ein einheitliches Schienenfahrzeug für den Rhein-Neckar-Raum noch nicht abgeschlossen sind, erwirbt man als Übergangslösung von den Stadtwerken Bielefeld, Abt. Verkehrsbetriebe, zunächst vier zehnachsige Einrichtungs-Straßenbahnzüge...". Die Planungen waren also fast drei Jahre später auch noch nicht abgeschlossen bzw. abgebrochen.

Viele Grüße

Bernhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:03:31:17:17:41.
Faszinierend! Dem Tatzelwurm auf M8-Basis bin ich im Web schon mal begegnet. Er kommt etwas gewöhnungsbedürftig rüber, aber die Hüllkurve dürfte bei dieser Drehgestellanordnung und einem gut 8,2 m langen Mittelteil kein Problem sein. Da die schwebenden Drehpunkte, anders als Jakobsdrehgestelle, in Kurven nicht auf der Gleismitte bleiben, sondern deutlich nach außen verschoben werden, wird das Kurveninnenprofil nicht stärker beansprucht als beim Jakobsprinzip.

Den vom hannoverschen Tw 6000 abgeleiteten Entwurf sehe ich dagegen zum ersten Mal. Danke fürs Einstellen! War nicht noch sehr viel früher mal eine verkleinerte Version des Frankfurter U2 als RN-Einheitswagen im Gespräch?

Sonnige Grüße aus HH
Helmut U.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:03:31:17:45:45.
In jungen Jahren habe ich mal den Begriff "RN2000" gehört, mir aber nichts darunter vorstellen können.
Diesen aufgeblasenen M8 sehe ich auch zum allerersten Mal.
Bei der zweiten, kürzeren (von Bernhard König gezeigten) Variante kam mir auch zuerst der Stadtbahnwagen Hannover in den Sinn.
Das einzige moderne, aber noch hochflurige Fahrzeug, das sich danach nach Rhein-Neckar verirrte, war dann der M8 in der Heidelberger Variante.
Auch in Ludwigshafen gab es ja derartige Überlegungen, als deren Resultat der Krefelder 846 mehrere Wochen auf den Linien 37 und 48 probegefahren wurde. Zu einer Bestellung kam es nie.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:03:31:20:55:51.
Moin Gemeinde,

Der 1bügler schrieb:
Guten Morgen.
...
Neben diversen Betriebsanweisungen etc. für den Bahnbetrieb, originalen Bedienungvorschriften für diverse Fahrzeuge (vom Halbzug bis zum Gt8)
fand sich auch, leider völlig ohne weitere Anmerkungen diese Skizze:
[up.picr.de]
Es war also in den 80ern eine neue Fahrzeuggeneration geplant, als Ergänzung zu den Düwag Gt8.
Da ich bisher in der einschlägigen Fachpresse, soweit mir was vorliegt, und bei Tante Gugel hierüber noch nichts gefunden habe, vermute ich,
daß diese Skizze die Schreibtische der OEG-Verantwortlichen nie verlassen hat.
...

Diese Schlussfolgerung verstehe ich nicht. Auf der gezeigten Zeichnungskopie (hier etwas sehr vermessen, als Skizze bezeichnet) ist doch deutlich der Vermerk: "Zu Top 2".
Mit etwas Verständis vom Geschäftsbetrieb einer Aktiengesellschaft, kann man schließen, dass es sich um eine Anlage zu einer Aufsichtsratsvorlage handelte. Folglich hat sie sehr wohl die Schreibtische der OEG-Verantwortlichen verlassen.

Zitat:
...
Gedacht war wohl an einen in jeder Dimension "gestreckten" Stadtbahnwagen M, ob als C, S oder D vorgesehen, dadrüber schweigt sich die Zeichnung aus.
Ein "S" wäre wohl aus Kompatibilitätsgründen naheliegend gewesen, und aus grundsätzlichen Erwägungen, wie die OEG eben so war. ;-)
...

Auch hier eine Anmerkung: Sicher wäre eine "S-Variante" für die Kuppelbarkeit mit den vorhandenen Gt8 sinnvoll gewesen. Da die OEG aber bereits 1966 die Simatic eingeführt hatte, könnte ich mir auch vorstellen, dass eine innovative Variante in der Überlegung war.

Zitat:
...
Erstaunlich ist das schwebende Mittelteil, da habe ich, trotz der vorgesehenen Wagenbreite von "nur" 2400mm (die Gt8 sind 2500mm breit) etwas
Zweifel bezüglich der Hüllkurve. Mit vier angetriebenen Drehgestellen, deshalb wohl auch das schwebende Mittelteil, wäre das ein wahres
Kraftpaket geworden, und ein Umbau oder Einbau eines Niederflurmittelteils dürfte kein Problem dargestellt haben.
Leider kam es nicht dazu, und es wurden dann doch nochmal 6 Gt8 der klassischen Bauart (111-116) nachbestellt.

Es wäre ein der OEG würdiges Fahrzeug geworden.
...

Das Fahrzeug war meiner Kenntnis nach nicht als Ergänzung der GT8 für die OEG geplant, sondern sollte die Grundlage für diverse Varianten auch der anderen in dieser Region tätigen Verkehrsunternehmen werden. Der Tod des RN 2000 kam mit dem geplanten VDV-100%-Niederflurfahrzeug mit neuentwickelten Einachsfahrwerken eines Professors aus Aachen.

In diesem Entwicklungskonsortium befanden sich neben einigen Verkehrsbetrieben der Rhein-Neckar-Region u.a. auch die Rheinische Bahngesellschaft Düsseldorf. Nachdem abzusehen war, dass die Entwicklung des VDV-Niederflurfahrzeugs noch etliche Jahre dauern würde, stiegen die Verantworlichen der OEG aus diesem Projekt aus und bestellten kurzfristig die 6 Gt8-Nachbauten mit einer Option zur Nachrüstung einer Klimanalage(!).

Wenn man sieht, was aus dem VDV-Niederflurfahrzeug wurde, war diese Entscheidung wohl sinnvoll, da eine aufwändige und teuere Neukonstruktion des RN-2000 entfiel.

Soweit mein Senf zum Bericht zum RN-2000 und den Folgen.

Gruß aus Mannheim
RZ
Hallo RZ,
die Erklärung zum Interessenverlust an diesem Projekt passt. Schön, dass sich noch jemand an diese Zeit erinnert.

Für die beiden Strassenbahnbetriebe dies- und jenseits des Rheins wurde der VDV 2000 immer interessanter, man war ja auch zahlreich in den Entwicklungsgremien vertreten und durfte dann entsprechend herumreisen. Der Ausgang dieser technischen Eskapade ist hinreichend bekannt, EEFs sollte man nicht haben wollen.

Ein weiteres Problem dieser Fahrzeuge mit Überlänge war und ist immer noch die "kurze" Schiebebühne in der ZWM, die auch im Zuge weiterer Fahrzeugbeschaffungen immer wieder für Heiterkeit aller Beteiligten der Fahrzeuginstandhaltung sorgte, wenn die vorgeschlagene Fahrzeuglänge 30m überschritt.

Gruß aus Monnem,
Radrueckenmass
Moin RZ.
Was "TOP 2" (wohl "Tagesordnungspunkt 2") bedeutet ist mir schon klar.
Nur: Diese Abkürzung stand auf jedem der Blätter in dem Ordner drauf, warum auch immer.
Und mit dem "nicht verlassen" meinte ich, daß diese Zeichung ;-) eher weithin unbekannt geblieben ist,
siehe die Antworten auf den Ausgangsbeitrag.
Das weitere Schicksal dieses und anderer (?, gab es noch mehr Vorschläge außer dem XXXL-M8, dem Schrumpf-U2, dem unseligen EEF-Glump und dem Pseudohannoveraner?)
Ideen hast du ja schon beschrieben.

Danke für die Mitarbeit.

[www.fingers-welt.de]<--- BITTE BEACHTEN! Bilder vom Treffen 2019 sind jetzt anschnur!
http://up.picr.de/34056767tg.gif
An Röhren kann man sehen, wenn sie gehen. Und auch riechen, wenn sie siechen.
Der M-Wagen-Abklatsch ist ein alter Hut. Hier habe ich einen ganzen Ordner mit recht detaillierten Ausführungen, den mir der User Radrueckenmass dankenswerterweise überlassen hat.

In meinem GTN-Bericht bin ich bereits auf dieses Fahrzeug eingegangen und habe die Zeichnung gepostet: [www.drehscheibe-online.de]

Dass ein abgewandelter TW6000 im Gespräch war, ist ebenfalls weitläufig bekannt. Doch eine Zeichnung dazu habe ich bisher auch noch nicht gesehen. Kurios ist die ER-Version mit Klappstufen.

Die Bezeichnung "RN2000" stammt aus den frühen 70ern und sollte erst ein 2,5 m breiter U2-Wagen sein. Er sollte das erste gemeinsame Fahrzeug der vier Rhein-Neckar-Betriebe mit Perspektive werden und das Standardfahrzeug für die spätere Stadtbahn sein.
Ab Ende der 70er plante man eine Adaption des Hannoveraner Tw6000, aus dem dann im Laufe der 80er Jahre der modifizierte M-Wagen wurde (breiter, länger, keine Klapptritte mehr).

Diese Planung wurde Ende der 80er eingestellt, als die Niederflurtechnik in absehbare Nähe rückte.



[www.semmelbahn.de]


Jetzt neu: Die Semmelbahn im Fratzenbuch: [www.facebook.com]
.

Re: [OEG] Und es gab ein Niederflurmodell!

geschrieben von: Gleis MA 11-12

Datum: 02.04.19 00:27

Moin,

es gab in den 90ern sogar ein aus Holz handgefertigtes Niederflurmodell. Mittig ein vierachsiger Drehgestellhochflurer mit aufgesattelten Niederflurendteilen auf Drehgestellen. Ich durfte mir das Modell mal ansehen. Zeichnungen wurden meines Wissens davon nicht erstellt.

Gruß aus Mannheim
RZ

Re: weitläufig bekannt?

geschrieben von: Helmut Ulrich

Datum: 02.04.19 17:01

Traugott Wembske schrieb:
Dass ein abgewandelter TW6000 im Gespräch war, ist ebenfalls weitläufig bekannt.
Na ja, "weitläufig" wohl eher nicht. Ich bilde mir ein, damals bundesweit recht gut orientiert gewesen zu sein, was Entwicklungen auf dem Straßenbahnsektor betrifft, Lektüre diverser Fachzeitschriften inklusive. Und als gebürtiger, über gut vier Jahrzehnte standorttreuer Hannoveraner hätte ich ebenfalls Wind davon bekommen können, dass "unser" Baumuster als Vorbild für RN-Planungen gehandelt wurde. Ich vermute, die "Weitläufigkeit" des Bekanntheitsgrades dieser RN-2000-Variante wird sich wohl auf den Rhein-/Neckar-Raum beschränkt haben. Immerhin, der ist ja groß genug ;-)
Radrueckenmass schrieb:
Ein weiteres Problem dieser Fahrzeuge mit Überlänge war und ist immer noch die "kurze" Schiebebühne in der ZWM, die auch im Zuge weiterer Fahrzeugbeschaffungen immer wieder für Heiterkeit aller Beteiligten der Fahrzeuginstandhaltung sorgte, wenn die vorgeschlagene Fahrzeuglänge 30m überschritt.
Das ist schön ausgedrückt und auch bis in die "Neuzeit" ein beliebtes Problem...
Traugott Wembske schrieb:
Der M-Wagen-Abklatsch ist ein alter Hut. Hier habe ich einen ganzen Ordner mit recht detaillierten Ausführungen, den mir der User Radrueckenmass dankenswerterweise überlassen hat.

Für jemanden, der die Zeichnungen bekommen hat, ist das mit Sicherheit so.
Für alle anderen nicht. Ich kannte dieses Mega-Teil auch nur aus Erzählungen, und ich habe zu dieser Zeit schon gelebt...