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Heute soll eine große Gruppe von Bahnhöfen vorgestellt werden, die nicht explizit einem Baustil zuzuordnen sind, sondern als Typen- oder Einheitsbauten bestimmter Bahnverwaltungen eine eigene Kategorie bildeten, und als solche in manchen Fällen sogar von den Denkmalschutzbehörden als schützenswert eingestuft worden sind (z. B. Altenkirchen/Westerwald).
Viele, vor allem größere Bahnen hatten ihre typischen Baustile, geschuldet dem Zwang zur Rationalisierung und dem Vorhandensein eigener Architekten.
Das bekannteste Beispiel sind sicher die württembergischen Einheitsbahnhöfe, hauptsächlich für Nebenstrecken, die offenbar nach mehreren Entwürfen genau baugleich ausgeführt wurden. Über sie gibt es einen eigenen Wikipedia-Artikel:
Einheitsbahnhof (Württemberg) bei Wikipedia
Sehr viele, offenbar im Ursprung baugleiche Bahnhöfe, entstanden um 1900 in Österreich-Ungarn - darüber gab es hier im Forum einmal einen sehr interessanten Beitrag mit vielen, heutigen Bildern aus allen möglichen Regionen von Galizien bis Südtirol, wo man noch die immer wiederkehrende Architektur erkennt. Ich kann den Beitrag aber leider nicht mehr finden, kann dazu jemand helfen?
Jetzt aber zu den Beispielen. Beginnen wir mit Württemberg. Auch viele größere Bahnhöfe der Zeit 1870-1890 folgten einen einheitlichen Baustil mit klassizistischen Elementen, Sandsteinmauerwerk und symmetrischer Fassadengestaltung. Typisch war und ist der Stationsname an der Seitenfront. Baugleich waren sie aber nicht, insbesondere in der Gesamtgröße waren sie an die Bedeutung des Bahnhofs angepasst.
Calw von 1872 (Bild aus Wikipedia):
Erst für ganz kleine Bahnhöfe hatte die Württembergische Staatseisenbahn dann ihre Einheitstypen entwickelt, die jeweils baugleich waren.
Bekannt, weil heute im Freilichtmuseum Wackershofen wieder aufgebaut, ist:
Kupferzell von 1892 (Bild aus Wikipedia), Typ IIa:
Als größte deutsche Staatsbahn baute die
Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung eine Vielzahl von Bahnhöfen. Stilistisch sind, je nach Bauperiode, viele Gemeinsamkeiten erkennbar, aber nicht wie in Württemberg explizite Baumuster, die sich wiederholten. Baugleiche Bahnhöfe findet man oft entlang jeweils einer Strecke, während mir ein überregional gemeinsames Baumuster (im Sinn der "Normalien") bisher nicht bekannt ist. Ein typischer Vertreter für viele kleine, eingeschossige Bahnhöfe mag dieser sein:
Odertal von 1884:
Etwas größer und sicher auch sehr typisch preußisch:
Wolmirsleben von 1893:
Auch Privatbahnen hatten ihre Einheitsstile. Die Lübeck-Büchener Eisenbahn hatte (mindestens) in Wandsbek, Ahrensburg, Bargteheide, Bad Oldesloe, Reinfeld und Ratzeburg sehr ähnliche klassizistische Empfangsgebäude, die sich allerdings auch, wie in Württemberg, in der Größe unterschieden.
Bargteheide von 1864-1865:
Hoffe, es gefällt.
Wie immer freue ich mich über Ergänzungen. Vor allem auf die Bildgalerie über Österreich-Ungarn würde ich gern hier verlinken, wenn es sie noch gibt.
Christopher
4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:03:25:21:13:12.