04 - Historisches Forum
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geschrieben von: cw
Datum: 06.01.19 23:17
Ein gutes neues Jahr an alle!
Nach einer Unterbrechung durch Feiertage und Urlaub soll es jetzt weitergehen mit Architekturstilen, diesmal der (Neo-)Renaissance.
Wie immer sind Kommentare, Korrekturen und Ergänzungen erwünscht, wie Ihr seht, habe ich in den bisherigen Beiträgen alles eingearbeitet (oder rausgenommen, was falsch zugeordnet war).
Beim heutigen Thema sind die frühesten Beispiele dem italienischen Renaissancestil nachempfundene Bahnhöfe vornehmlich -aber nicht nur - im süddeutschen Raum.
Erlangen von 1843-44:
Konstanz von 1863:
Düren von 1874:

geschrieben von: cw
Datum: 06.01.19 23:26
Inhaltsverzeichnis Architekturstile: [
www.drehscheibe-online.de]
Im Stil der Neorenaissance entstanden dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe zum Teil großer, repräsentativer Bahnhofsgebäude, häufig als Hauptbahnhöfe großer Städte. Hier ein paar Beispiele, die Reihe ließe sich noch ausgiebig fortsetzen (z. B. Frankfurt/Main Hbf, Hannover Hbf). Diese schönen Beispiele habe ich zur Hand.
Berlin Lehrter Bahnhof von 1868:
Hildesheim Hbf von 1884:
Mainz Hbf, ebenfalls von 1884:
Bremen Hbf von 1885-1889:
Düsseldorf Hbf von 1891:
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:03:25:21:08:20.
geschrieben von: cw
Datum: 06.01.19 23:30
Hier muss ich wieder die Forumskompetenz fragen. In Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden gab und gibt es in großer Zahl Bahnhöfe in einem ähnlichen Stil, mit Elementen der Renaissance oder des Barock, aber natürlich in der Gründerzeit gebaut. Wie wird dieser Stil bezeichnet? Hier ist mal ein schönes Beispiel aus den Niederlanden. Wenn die auch hier hingehören, habe ich noch mehr.
Groningen von 1872:

Danke für die Bilder! Einen echten Renaissancebahnhof wird man wohl kaum finden, die gezeigten Beispiele sind alle im 19. Jahrhundert entstanden und somit der Neorenaissance zuzurechnen. Die die Renaissance aber natürlich lokal unterschiedliche Ausprägungen besitzt, kommen so unterschiedliche Bauten wie die italienisch inspirierten Beispiele Erlangen oder Lehrter Bahnhof zustande oder die der norddeutsch-niederländischen Renaissance folgenden Bahnhöfe von Groningen und Düsseldorf.
Düren würde ich eher als Neoklassizistisch bezeichnen. Hildesheim und Konstanz sind eindeutig neugotisch, ein für Bahnhofsbauten eher selten verwendeter Stil.
Klapauzius
geschrieben von: abde44
Datum: 07.01.19 00:45
Kleine Korrektur bzg. der Jahreszahlen bei den Abbildungen (ich nehme mal an das damit das Datum der Postkarte gemeint ist, und nicht das Baujahr der Bahnhöfe):
Die Aufnahme vom Lehrter Bahnhof in Berlin dürfte ca. um die vorletzte Jahrtausendwende sein und das Bild aus Hildesheim definitiv ca. 1910 - 1920; erkennbar an der Strassenbahn.
Guten Morgen,
Belgien zählt oder zählte früher manche Renaissance Bahnhöfen sehr oft im flämischen Stil ( auch in Wallonien).
Als Beispiel nehme ich die Strecke 78 ( 49 km) Mons - Tournai. Alle diesen Gebäude ausser Mons bestehen noch.
Die Daten sind die Daten der kompletten Beendigung.
Mons 1870
Jemapes 1898
Saint-Ghislain 1890
Péruwelz 1899
Tournai 1879
mfG aus Mons
José
.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:01:07:08:09:55.
geschrieben von: cw
Datum: 07.01.19 20:26
Witzig, den Bahnhof Düren hatte ich zunächst unter "Neoklassizismus" aufgenommen, und wurde von einem Leser darauf hingewiesen, daß er der Neorenaissance zuzuordnen ist.
Bei Hildesheim Hbf bin ich von dem ausgegangen, was Wikipedia sagt.
Fazit: die Zuordnung ist wohl nicht immer ganz eindeutig. Deshalb lasse ich jetzt erstmal alles so stehen. Danke aber für die Rückmeldungen, und danke vor allem an José für die Beispiele aus Belgien.
Bin gespannt, ob Ihr noch weitere hier passende Bahnhöfe für mich habt!
Mein Anliegen ist übrigens, ein kleines, meinetwegen laienhaftes Werkzeug zu geben, damit man einen Baustil zuordnen und beschreiben kann. Das kommt für meinen Geschmack in der Literatur oft zu kurz. (Ein Beispiel: Krefeld Hbf, ein gutes Buch über den Bahnknoten Krefeld gerade erschienen, ein ganzes Kapitel über den Hauptbahnhof, aber auf die Architketur wird praktisch nicht eingegangen.)
Hoffe also, es interessiert. Weitere Beiträge sind in Vorbereitung.
Christopher
PS: Übrigens, die Jahreszahlen in den Dateinamen sind die Baujahre der Bahnhofsgebäude, nicht das Jahr der Aufnahme/Abstempelung o.ä.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:01:07:20:28:25.
geschrieben von: EP 5
Datum: 07.01.19 20:44
cw schrieb:
Witzig, den Bahnhof Düren hatte ich zunächst unter "Neoklassizismus" aufgenommen, und wurde von einem Leser darauf hingewiesen, daß er der Neorenaissance zuzuordnen ist.
Hallo Christopher,
kannst mir als Laie denn bitte mal den Unterschied zwischen "Neoklassizismus" und "Neorenaissance" erklären???
Viele Grüße,
Marc
geschrieben von: cw
Datum: 07.01.19 20:59
Aber bitte, Neorenaissance: siehe oben, das beste Beispiel sicher Berlin Lehrter Bahnhof.
Neoklassizismus siehe hier
Christopher
Guten Morgen,
Fünf Fotos von den Bahnhöfen von Calais, Cambrai, Douai, Roubaix und Valenciennes vor dem 2WK. Valenciennes kenne ich ziemlich gut und ist eine angenehmer Bahnhof. Leider besteht das gastronomische Restaurant nich mehr aber das Büfett hat eine schöne Terrasse mit gutem Sicht auf den Strassenbahnen.
Sie stammen alle aus dem Ende des 19.Jhs. Ich kann nicht sagen ob sie noch bestehen, ausser Roubaix und Valenciennes, die ich persönlich kenne.
mfG aus Mons (35 km von Valenciennes)
José
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:01:08:11:36:33.
geschrieben von: EP 5
Datum: 08.01.19 10:01
Hallo,
danke für Deine beiden Hinweise hinsichtlich der Begriffe „Neoklassizismus“ und „Neorenaissance“.
Zum Baustil des Lehrter Bahnhofes habe ich eine kurze Textpassage aus dem Werk "Historische Bahnhofsbauten" von M. Berger (Berlin, 1986) gefunden, die ich gerne zitierte: „Besonders die eklektizistischen, aus vielen Formen der Antike und der Hochrenaissance komponierten triumphbogenartigen Hallenabschlüsse, hinter denen sich nichts anderes als die schlichte Ingenieurkonstruktion verbarg, trugen die Züge eines unechten Klassizismus, der aber dem Prunkbedürfnis der Auftraggeber und dem Geschmack vieler Zeitgenossen entsprach.“
Alfred Gottwaldt hatte mir mal einen von ihm verfassten Text über den Lehrter Bahnhof zukommen lassen, darin steht: „Die äußere Architektur des Empfangsgebäudes, die sich an den Formen der italienischen Hoch-Renaissance anlehnt, ist in Zementputz ausgeführt mit Ausschluss der Gesimse und Säulen, welche von gebranntem Ton und aus Sandstein hergestellt sind. (…). Dieser Bogen war kein funktionales Eingangstor, sondern zeigte lediglich eine Schauseite im Stil eines antiken Triumphbogens, was den ‚Architekten den Vorwurf des Eklektizismus eingetragen hat‘ (Harald Reissig).“
Eklektizismus: „Rückgriff auf die Stilmittel verschiedener Künstler früherer Epochen mangels eigenschöpferischer Leistung (in der bildenden Kunst und Literatur)“, Duden.
Auch wenn die Architektur des Lehrter Bahnhofs bei manchen Autoren in der Kritik steht, finde ich es schade, dass dieses Gebäude in den 1950er Jahren durch Abriss zerstört wurde.
Viele Grüße,
Marc
Guten Abend,
Bevor diese Beiträge auf der Seite 2" verschwinden", möchte ich drei Bahnhöfe aus den Nierlanden zeigen.
Der gewaltige Bahnhof von Amsterdam Centraal (1989) en het Rijksmuseum von demselben Architekt, J.H.Cuyper.
Der von Den Haag ('s-Gravenhage) Hollands Spoor und der von Nijmegen (1894 im Jahre 1954 abgerissen).
Bild 1 : Amsterdam C.S.
Bild 2 : eine andere Ansicht. Bemerkenswert ist die Windrose (links), Ostlicher Wind.
Bild 3 Het Rijksmuseum
Bild 4 . Den Haag H.S.
Bild 5 . Nijmegen (1894-1954)
en goeienavond aan iedereen
José uit Mons in België
geschrieben von: cw
Datum: 09.01.19 20:15
... für die schönen Beispiele aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden! (Gibt es auch noch welche aus Luxemburg?)
Damit ist das ja schon eine sehr gute Sammlung geworden.
Hier sind noch zwei Beispiele von mir:
Plauen oberer Bahnhof:
Schwerin von 1890:
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:01:23:09:56:59.