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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
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Fortsetzung von
[CH] Rhätische Bahn RhB: Déri-Lok Ge 2/4 205 von 1913 (24 Farb-B von 1974) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] RhB: Umbaulokomotiven Gem 2/4 211, Ge 2/4 212-213 und 221-222 (16B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] RhB: Ge 4/6 353 und 354 von 1914 vor Personenzügen (28B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] RhB 1979: Ge 4/6 353 von 1914 vor dem Engadiner Güterzug (25B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] RhB 1980: Ge 4/6 355 von 1914 vor dem Güterzug nach Disentis (19B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] RhB 1980: Ge 4/6 355 von 1914 vor dem Güterzug von Disentis nach Chur (18B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] RhB 1980: Ge 4/6 355 mit B 1121-1123 in der Rheinschlucht (8B) [www.drehscheibe-online.de]

Die 1921-29 gebauten Ge 6/6 401-415 strahlen einen eigentümlichen Zauber aus, sie sind von einem Mythos umgeben, den sonst nur besonders wohlgeratene Dampflokomotiven besitzen. Das habe ich diesen Sommer einmal mehr am eigenen Leib gespürt. Als ich das erste Mal mit dem fahrplanmässigen historischen Personenzug von Davos nach Filisur reiste, ersetzte eine Ge 4/4 I die erwartete braune „Krokodil-Lokomotive“. Nichts gegen die historischen Personenwagen, aber ich muss gestehen, ich war etwas enttäuscht. Beim zweiten und dritten Versuch hat es dann geklappt. Die sagenhafte Optik ist das eine, das Akustik das andere. Man muss einfach einmal das mahlende, nur dezent klappernde Geräusch der anfahrenden oder beim Umfahren des Zuges mit hoher Geschwindigkeit vorbeistrampelnden Ge 6/6 gehört haben. Das kann die Ge 4/4 nicht bieten, nicht einmal entfernt. Wenn die historischen Personenzüge im nächsten Sommer wieder fahren, kehre ich zurück, ganz sicher!

Als elektrische Version der 1909 patentierten Gelenk-Dampflokomotive System Garratt besitzen die Ge 6/6 der RhB einen zentralen Lokkasten mit beidseitigen Führerständen, der auf zwei symmetrischen Antriebsdrehgestellen ruht. Die Drehgestelle tragen längere Vorbauten, deren Herz ein 420 kW starker Elektromotor ist. Die Kraft des Motors wird über einen Schrägstangenantrieb System Winterthur auf die drei mit Kuppelstangen verbundenen Antriebsachsen übertragen. Im Gegensatz zu den schon 1920 eingeführten „Krokodil“-Lokomotiven der SBB ruhen die Achsen der schmalspurigen RhB-Schwestern in einem massiven Aussenrahmen.

Das Leistungsvermögen der für die Engadiner Linie beschafften Ge 4/6 reichte für die Bedürfnisse der Albulastrecke bei Weitem nicht aus. So entstanden die ersten elektrischen Schmalspurlokomotiven der Schweiz mit sechs Antriebsachsen. Laufachsen waren 1921 nicht mehr nötig, um die geforderte Leistung in dem nur 13,3 m langen und 66 t schweren Triebfahrzeug unterzubringen. SLM, MFO und BBC bauten 15 Lokomotiven, verteilt auf vier Lieferungen in den Jahren 1921, 1922, 1925 und 1929. Die Ge 6/6 401-415 bewährten sich dermassen gut, dass die RhB-Dampflokomotiven schlagartig aus dem Streckendienst ausschieden und grösstenteils zum Verkauf ausgeschrieben werden konnten. Nach der Inbetriebnahme der Ge 6/6 II 701-707 wechselte die Typenbezeichnung der „Krokodile“ auf Ge 6/6 I. Unter Schweizer Eisenbahnfreunden wie auch RhB-intern nannte man die Lokomotiven nach der Achsfolge schlicht „CC“, wie die Fliege.

Nun werde ich in lockerer Folge die 14 Ge 6/6 I der RhB vorstellen, die ich selber erlebt habe. Ge 6/6 I 401 ist 1974 einem Unfall zum Opfer gefallen und vorzeitig ausrangiert worden. Deshalb beginne ich mit Ge 6/6 I 402 von 1921. Mein ältestes Porträt zeigt sie 1974 in Samedan. Gut zu erkennen sind die Kurbeln, welche wegen des Aussenrahmens nötig sind, um die Antriebskraft von den Kuppelstangen auf die Achsen zu übertragen.
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Im Oktober 1977 überzuckert herbstlicher Neuschnee die Lärchenwälder am Hang hinter Samedan, als Ge 6/6 I 402 auf dem hintersten Depotgleis den Begleitwagen für ihren Güterzug abholt.
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Zufallsfund: Auch auf diesem Schnappschuss vom Juli 1977 ist B 2274 der Begleitwagen zu Ge 6/6 I 402 vor dem Güterzug, Ausfahrt Bever Richtung Albula.
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Ge 6/6 I 402 mit Frühzug von Chur nach Thusis, Juli 1979, Gegenlichtaufnahme in der Einfahrt Reichenau-Tamins. Die Anhängelast ist durchaus sehenswert. D2 4061 von 1931 ist einer von nur vier zweiachsigen Gepäckwagen mit geschlossenen Plattformen. AB 1531 stammt von 1966, der Mitteleinstieg-Personenwagen hat Jahrgang 1948, der während der Fahrt besetzte Postwagen gehört der neuesten Generation Z 91-99 von 1966/69 an.
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Bevor ich den Zug von vorne aufnehmen kann, fährt er leider schon ab.
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Dank Ortskenntnis stelle ich den Zug bereits in der Einfahrt Bonaduz.
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Der Bahnhof Bonaduz strahlte vor 40 Jahren noch einen ländlichen Charme aus.
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Die Wiesen und Gärten hinter dem Zug sind längst mit Mehrfamilienhäusern überbaut. Immerhin blieb das Bahnhofgebäude schön restauriert erhalten.
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Im Februar 1981 steht Ge 6/6 I 402 mit einem kurzen Personenzug nach Dovos in Filisur. Er besteht aus je einem B und einem AB der Einheitsbauart I und wiederum einem D2 mit geschlossenen Plattformen. Rechts angeschnitten der einem Albula-Schnellzug angehängte Autotransportwagen Thusis - Samedan.
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In der winterlichen Hochsaison verkehren separate Autotransportzüge. Ge 6/6 I 402 hat zwei verkürzte Bernina-AB der Einheitsbauart und sechs beladene Flachwagen am Haken.
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Auch Ge 6/6 I 403 habe ich an diesem Tag vor einem Autozug fotografiert. Bei der Ausfahrt aus dem Albulatunnel ist die Sonne eben hinter dem Horizont verschwunden. Der Flugschnee hat ein eigenartiges Muster auf die Seitenwände der Personenwagen gezeichnet. Der 115 Jahre alte Albulatunnel wird zurzeit durch einen Paralleltunnel ersetzt und anschliessend zum Flucht- und Rettungsstollen umgebaut.
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Damals waren die Autos noch bunt. Die Abendsonne beleuchtet die Dreitausender um Piz Ela (3339 m).
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Ge 6/6 I 403 und 409 (links) in Samedan. Am Schnellzug aus Chur nach St. Moritz hängen Speisewagen WR 3812 von 1930 und A 1251 von 1939, ein „Fliegender Rätier“.
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Ge 6/6 I 403 von 1921 leistet dem Triebwagen ABe 4/4 503 von 1940 Vorspann.
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Ge 6/6 I 403 vor einem B EW II in Samedan.
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Im August 1974 steht Ge 6/6 I 403 vor einem Güterzug aus Samedan in Tiefencastel. Am Zugschluss fallen die drei modernen, vierachsigen Schiebewandwagen von 1970 auf, rechts angeschnitten das Postauto nach Lenzerheide.
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Lokführer und Zugführer besprechen sich vor der Abfahrt Richtung Thusis.
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In der Schinschlucht kann ich den Güterzug nicht stellen. In Thusis ist Ge 6/6 I 403 vor mir eingetroffen.
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Fortsetzung folgt.

mein HiFo-Inhaltsverzeichnis:
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Gruss, Werner



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:12:23:09:28:04.

Re: RhB 1974-1980: Ge 6/6 I 402-403 (19B)

geschrieben von: RR

Datum: 22.12.18 19:22

Besten Dank für die hervorragenden Beiträge über die Schweizer Bahnen und ganz speziell die RhB!

Ich freue mich auf die weitere Fortsetzung und wünsche mit meiner Aufnahme der Ge 6/6 I 404 (Chur, Dezember 1980) frohe Festtage.

404 Chur Dez 1980 v2.jpg

Reiner

Re: RhB 1974-1980: Ge 6/6 I 402-403 (19B)

geschrieben von: Christian Protze

Datum: 22.12.18 20:18

Moin moin!
Krokodile - immer wieder schön!
Bitte beim 2. Bild die Betriebsnummer von 602 auf 402 ändern...
Der grüne R4 auf dem ersten Bild aus Bonaduz, ist das deiner von dem schon öfters berichtet wurde?

Gruß
Christian

RhB 1997: Ge 6/6 I 402

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 22.12.18 20:32

Hallo Werner,
danke, dass Du jetzt auch die bekanntesten RhB-Fahrzeuge vorstellst!
Meine letzte Begegnung mit der Ge 4/4 I 402 hatte ich am 20.9.1997 im VHS in Luzern:

https://abload.de/img/rhb-ge402-00978186iejb.jpg




Fahrend gefielen mir die "Krokis" allerdings wesentlich besser.
Viele Grüsse
Stefan

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg

Re: RhB 1974-1980: Ge 6/6 I 402-403 (19B)

geschrieben von: wernerhardmeier

Datum: 22.12.18 20:38

Christian Protze schrieb:
Der grüne R4 auf dem ersten Bild aus Bonaduz, ist das deiner von dem schon öfters berichtet wurde?

Ah, nein, der R4 meiner Mutter, den ich dann noch für kurze Zeit übernommen habe, bis mir einer der Zylinder die Motorhaube verbeulte, war dunkelgrün, nicht grasgrün. Der Nachfolger, ein Neukauf R4 GTL, war gelb.

Gruss, Werner
Hallo Werner,

danke für den Bilderbogen. Diese Loks habe ich leider in Betrieb erlebt, obwohl ich früher mit dem "Töff" öfters in der Schweiz unterwegs war . Im Sommer 2008 war ich beruflich zwei Wochen in der Schweiz und konnte in Landquart das erste Mal eine abgestellte Ge 6/6 Museumslok im Ringlokschuppen fotografieren. Hinten im Hof stand sogar noch die abgestellte blaue Ge 6/6.

Grüße
Markus