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 04 - Historische Bahn 

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Fortsetzung von
[CH] Rhätische Bahn RhB: Déri-Lok Ge 2/4 205 von 1913 (24 Farb-B von 1974) [www.drehscheibe-online.de]

Beleuchten wir nun das Schicksal der fünf umgebauten Ge 2/4 der Rhätischen Bahn RhB. Die 300 PS-Lokomotiven mit dem riesigen Déri-Repulsionsmotor entsprachen 30 Jahre nach der Inbetriebsetzung nicht mehr den Ansprüchen des Streckendienstes. 1943-46 wurden fünf der sieben Lokomotiven gründlich modernisiert und den aktuellen Bedürfnissen des Betriebes angepasst. Ge 2/4 202, 206 und 201 wurden 1943 zu Rangierlokomotiven Ge 2/4 213, Gea 2/4 211 und Ge 2/4 212 mit Mittelführerstand und beidseitigen Vorbauten umgebaut. Das kleine a in der Typenbezeichnung der Lok 211 weist auf die Akkumulatoren-Batterien hin, die der in Chur stationierten Rangierlokomotive das Rangieren auf den Gleichstromgleisen der Aroser Bahn und auf nicht elektrifizierten Anschlussgleisen erlaubten. 1966/67 wurde Gea 2/4 211 zur Gem 2/4 umgebaut. Die Batterien wichen einer Diesel-Generatorgruppe von 230 PS. Der entsprechende Vorbau wurde etwas breiter, und die Lok 211 erkannte man seither an ihrem Einholm-Stromabnehmer. Bemerkenswert ist auch der Einfüllstutzen neben der Führerhaustür.
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Auf der gegenüberliegenden Führerstandsseite fehlte die Einstiegstür. RhB Gem 2/4 211 ex Ge 2/4 202 in Chur. Die Zweikraft-Rangierlokomotive wurde 2001 ausrangiert und verschrottet.
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Edit: Vorhin hat mich eine Mail erreicht mit der Frage, wie denn vor 1943 der Rangierdienst in Chur erledigt wurde. Im "Jeanmaire"-Standardwerk über die RhB fand ich die Antwort. Man rangierte mit den dafür ungeeigneten Ge 2/4 im Originalzustand, und für die Übergabe zur Arosa-Bahn war ein SLM-Benzintraktor Gm 2/2 51 zuständig, der aber bei Kriegsausbruch 1939 wegen der Treibstoffrationierung durch eine Dampflokomotive G 3/4 ersetzt werden musste. Die Kohle wurde im 2. Weltkrieg ihrerseits immer teurer. Der Kostendruck des zweimännigen Dampf-Rangierbetriebs und die Unzulänglichkeiten der Original-Ge 2/4 im Rangierdienst führten 1943 zum Bau der Ge(m) 2/4 211-213.

Die aus Umbau entstandenen RhB-Rangierlokomotiven von 1943 erhielten einen raschlaufenden Seriemotor, welcher über ein Getriebe mit der vorhandenen Blindwelle verbunden wurde. Mit 55 km/h Höchstgeschwindigkeit waren sie auch für Übergabefahrten zu Nachbarbahnhöfen geeignet. Ge 2/4 212 ex Ge 2/4 206 war ab 1975 lange Zeit in Samedan stationiert, wo diese Aufnahmen entstanden.
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Zum Kerngeschäft in Samedan gehörte das An- und Abhängen der Autotransportwagen, die den zahlungswilligen Automobilisten die anstrengende Fahrt von Thusis über den Julierpass ins Engadin ersparten.
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Ge 2/4 212 hielt bis 2006 durch, am Schluss leistete sie Rangierdienst in Landquart. Sie steht seit 2017 im alten, braunen RhB-Anstrich vor der riesigen Modelleisenbahnanlage „Chemin de fer du Kaeserberg“ in Granges-Paccot bei Fribourg.
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Ge 2/4 213 ex Ge 2/4 201 habe ich zu meiner eigenen Verwunderung offenbar kein einziges Mal fotografiert. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ich kaum je nach Ilanz kam, wo sie ab etwa 1980 häufig stationiert war. Ge 2/4 213 wurde schon 1992 nach einem Unfall in Ilanz verschrottet.

1945/46 baute SLM Winterthur die Ge 2/4 203 und 204 zu den Vorspann-Lokomotiven Ge 2/4 221 und 222 um. Sie erhielten die gleichen modernen Hochleistungsmotoren wie die SBB Re 4/4 401-426 (die späteren Re 4/4 I 10001-10026), welche die vorhandene Blindwelle über ein Zahnradgetriebe antrieben. Die Leistung stieg auf fast 600 PS, die Höchstgeschwindigkeit von 45 auf 55 km/h. Der Lokomotivkasten von 1913 wurde beibehalten, aber der zweite Stromabnehmer wich den Widerständen einer fremderregten Gleichstrom-Widerstandsbremse. Ge 2/4 221 ex Ge 2/4 203 als Rangierlokomotive (blaue Scheibe) in Samedan.
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Die beiden Umbaulokomotiven leisteten bis 1965 vornehmlich Vorspann- und Schiebedienste am Albula, wo die Ge 4/4 601-610 von 1947/53 mit den steigenden Zuglasten manchmal überfordert waren. Bei einem derartigen Einsatz entgleiste Ge 2/4 221 wegen zu hoher Geschwindigkeit in der Einfahrkurve Bever und wurde schwer beschädigt. Nach der Inbetriebnahme der Ge 6/6 II 701-707 in den Jahren 1958/65 leistete eine Ge 2/4 221/222 bis 1975 Rangierdienst in Samedan. Ab diesem Zeitpunkt waren sie nur noch unregelmässig als Vertretung oder als Zweitlok im Rangierdienst der grossen Bahnhöfe zu erleben. Jene Maschine, die in Samedan stationiert war, half gelegentlich im Lokalverkehr nach Pontresina oder im Mittagszug nach S-chanf aus, und sie wurde in der winterlichen Hochsaison für kurzfristig eingesetzte Gepäck-Extrazüge verwendet. Ge 2/4 221 in Samedan, im Hintergrund der altertümliche Bahnhof-Schneepflug X 9125.
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Ge 2/4 221 und Ge 6/6 704 „Davos“ am Güterschuppen Samedan. Es sieht fast so aus, als würden sie sich um den alten Stückgutwagen streiten.
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Wenn 1978 an einem Einsatztag der Reserve-Rangierlokomotive Ge 2/4 221 auch gleich noch Ge 4/6 354 von 1914 im Engadiner Güterzug eingeteilt ist, dann ist das Glück des Eisenbahnfreundes vollkommen.
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Das war’s, die alte Ge 4/6 fährt leider bis ans andere Bahnhofende durch.
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Ge 2/4 221 wurde 1998 verschrottet.

1972 war Ge 2/4 222 ex Ge 2/4 204 die reguläre Rangierlokomotive in Samedan. Sie verschiebt einen eben aus Thusis angekommenen, beladenen Autotransportwagen. Rechts Triebwagen ABe 4/4 501 von 1939.
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Ge 2/4 222 abgestellt in Chur.
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In frischen Farben leistet Ge 2/4 222 um 1990 Rangierdienst in Landquart. Die 1946 modernisierte Lokomotive ist 2018 die letzte betriebsfähige Ge 2/4 der RhB.
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Es folgen die „grossen Schwestern“ der Ge 2/4, die Ge 4/6 351-355.

mein HiFo-Inhaltsverzeichnis:
[www.drehscheibe-foren.de]



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.01.19 12:52.

Re: [CH] RhB: Umbaulokomotive Ge 2/4 213 (1 B)

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 13.12.18 08:10

Hallo Werner,
danke für Deine phantastische Fortsetzung Deiner RhB-Serie!
Was eine Re 4/4 401 - 426 war, musste ich erst bei Wikipedia nachsehen. Ich kannte sie nur unter den späteren Nummern 10001 - 10026.
Heute komme ich in die seltene Situation, Deinen Bericht mit einem Bild einer fehlenden Lok ergänzen zu können.

Am 6.6.1983 fotografierte ich in Chur die Ge 2/4 213:

https://abload.de/img/rhb-ge213-1045007x6d8i.jpg




Vermutlich ist das leider auch mein einziges Bild von der Lok.
Viele Grüsse
Stefan

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg

Moin Werner,

eine 1'B1'-E63 auf Schmalspur - wer hätte das gedacht!
;-))

Danke fürs Zeigen,

Martin
Auch für die Gem's vielen Dank,Werner!
Ein Bild von der braunen 212 darf ich noch beisteuern,war nicht leicht ohne Personen drauf:

http://666kb.com/i/dzhbzru8u83zhedpz.jpg

Viele Grüsse vom Genfersee!
Olaf



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:12:13:09:30:33.
Hallo Werner,

während ich bei Deinen vorherigen Beiträgen nur erstaunt war, was es in der Schweiz so alles gegeben hat, kann ich bei der RhB immerhin auf eigene Aufnahmen zurückgreifen. Die Ge2/4 221 habe ich im April 1976 in Samedan genau so auch fotografiert. Ein Jahr später fuhr ich über die Albulastrecke von Samedan nach Chur, wo die Ge2/4 213 untätig herumstand. Deshalb habe ich, so wie Stefan, auch nur eine Aufnahme dieser Maschine. Dafür aber in Farbe:
Dia 2818.jpg

Freue mich schon auf die weiteren Beiträge.

Gruß Werner


Re: [CH] RhB: Umbaulokomotive Ge 2/4 212 (mB)

geschrieben von: iw

Datum: 23.12.18 09:36

Hallo Werner,

vielen Dank für diese tollen Beiträge über die Fahrzeuge der RhB.

Von den Umbauloks habe ich nur eine einzige je gesehen, und zwar die 212 in Ilanz am 1.9.89:

https://abload.de/img/rhbge2-4212ilanz1.9.8i7emr.jpg

Grüße iw
http://abload.de/img/singaturkopiey2u56.jpg
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