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Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: sukram01

Datum: 03.12.18 22:33

Das kommt davon, wenn man die eigenen Sammlung durchgeht - es tauchen immer wieder interessante Bilder auf. So auch hier, obwohl das aufgefundene Material nur von mäßiger Qualität ist. Es geht um den S-Bahnunfall am 17.05.2006 im Bochumer Hbf. Ein frischgebackener Fahrdienstleiter hatte quasi seine erste Schicht im Stellwerk auf dem Bochumer Hauptbahnhof in der Nacht zu verrichten und hat dann gleich alles falsch gemacht, was irgendwie falsch zu machen geht. Näheres findet sich an dieser Stelle: [forum.zusi.de], zusammengefasst hat er die ausfahrende S-Bahn in ein Stumpfgleis geschickt, wo die Fahrt dann an einem Fahrleitungsmast endete. Dem Triebfahrzeugführer hat er zuvor über ein Ersatzsignal mitgeteilt, dass alles in Ordnung sei. Über verletzte Fahrgäste und Bahnmitarbeiter ist mir nichts bekannt, aber vielleicht weiß man im Forum etwas näheres.

Die Sache wurde Monate später vor Gericht verhandelt und wenn ich mich richtig erinnere, wurde der junge Mann verurteilt. Gleichzeitig rügte das Gericht die Abläufe bei der Deutschen Bahn AG, die es zuließen, dass ein völlig unerfahrener Mitarbeiter allein auf ein Stellwerk gesetzt wird. Die Unfalllokomotive wurde am 18.09.2006 bei Bender in Opladen verschrottet.

Nun zu den Bildern, die ich damals mit meiner analogen Kamera aufgenommen habe.

imm027_28A.jpg
Lokomotive 143 607-0 vor dem durch den Aufprall verbogenen Fahrleitungsmast

imm025_26A.jpg
Der Aufprall hat nicht nur den Mast zerstört, sondern auch das Mastfundament aus dem Boden gehebelt

imm028_29A.jpg
Die Rückseite der Unfalllokomotive, der folgende Wagen ist aufgeklettert und hat dabei Frontpartie der Maschine eingedrückt.

Guter Gruß aus den Tiefen des Ruhrpotts

--
Markus

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: KBS435

Datum: 03.12.18 22:56

Hallo,

hier steht "4 Schwer- (d.h. m.W. stationäre Behandlung im Krankenhaus) und 6 Leichtverletzte" [www.bahnen-im-bergischen.de] und hier sehr ausführlich, wie es zu dem Unfall kam und wie er vom Gericht gewürdigt wurde.[openjur.de] Ich finde, sehr lesenswert.

Viele Grüße
KBS435

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: bpfi

Datum: 04.12.18 02:03

Hallo,

lesenswert und lachenswert. Daß es einge Sekunden dauert bis eine Bremsung einsetzt, wußte ich gar nicht. Wahrscheinlich bremst der letzte Wagen zuerst. Dann würde mich noch interessieren, wie der Fdl dem Tf den Abfahrauftrag gab? Mit Diktieren des Befehls gibt der Fdl seine Zustimmung zur Abfahrt, da müssen schon vorher alle weiteren Vorbedingungen efüllt sein. Er kann nicht sagen "warte mal, ich muß noch Weichen umstellen". Den Abfahrauftrag gibt sich der Tf der S-Bahn normal selbst, außer es macht dies eine örtliche Aufsicht. Oder ein Fdl, das trifft aber eher auf Nebenbahnen ohne Ausfahrsignal zu.

Tschüß,

Bernd

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: sukram01

Datum: 04.12.18 06:36

Stichwort Prellbock: Stimmt, das habe ich vergessen zu schreiben. Das zerdepperte Ding lag noch Wochen vor Ort herum, als alle andere Spuren des Unfalls längst getilgt waren. Der Fahrleitungsmast wurde einige Meter weiter neu errichtet, denn das alte Fundament war auch nicht mehr zu gebrauchen..

--
Markus

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: V 100 098

Datum: 04.12.18 10:14

Hallo,

es dauert je nach Länge des Zuges und der Bremsart mehrere Sekunden,
bis die volle Bremsleistung im Zug erreicht ist .
Die Durchschlaggeschwindigkeit der Druckluft beträgt mindestens 250 m/s.
Daraus folgt auch, das eine Bremsung der Wagen von vorn nach hinten erfolgt
(ebenso das Lösen). Bei einer EP-Bremse geht das natürlich schneller.

Viele Grüße
V 100 098

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: Frank St.

Datum: 04.12.18 12:32

Man kann natürlich sich an solchen Kleinigkeiten reiben, die der sehr anschaulichen Beschreibung der Abläufe, die zu diese Ereignis geführt haben, keineswegs abträglich sind. Für von einem Bahn-Laien verfasst ist das sehr ordentlich geschrieben.
Und was ist daran falsch, dass ein mechanisches Luftbremssystem eine gewisse Zeit benötigt bis zur vollen Bremsleistung?

Bemerkenswerter finde ich eher, dass auf diese Weise die Berufskarriere eines jungen Eisenbahners gleich wieder zerstört wurde, ohne das er sich je richtig hätte bewähren oder empfehlen können, und ihm letztlich angesichts der vielen auch entlastenden Argumente keine Zukunft bei seinem Arbeitgeber, bei dem nach dem Richterspruch ein Gutteil einer Mitverantwortung lag, gewährt wurde. Nach einigen tadellosen Dienstjahren hätte man sicher nicht so scharf reagieren dürfen.

Grüße
Frank

Zu meinen Beiträgen:
- Eisenbahnen [www.drehscheibe-foren.de]
- Historisches Forum [www.drehscheibe-foren.de]
- Straßenbahnen [www.drehscheibe-foren.de]

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: Betriebsbeobachter

Datum: 04.12.18 14:13

Frank St. schrieb:
Nach einigen tadellosen Dienstjahren hätte man sicher nicht so scharf reagieren dürfen.

Er wurde im April 2006 abgenommen und hat den Bumms im Mai 2006 verursacht. Rein rechnerisch sind das gerade mal tadellose Dienstwochen.

Na da fällt mir doch das hier ein!

geschrieben von: 6083

Datum: 04.12.18 14:14

sukram01 schrieb:
Der Aufprall hat nicht nur den Mast zerstört, sondern auch das Mastfundament aus dem Boden gehebelt

Hallo,

na da sprechen wir doch mal das passende Urteil: [www.youtube.com]

Gruß
Christian

Re: Eisenbahnunfall 17.05.2006 in Bochum Hbf

geschrieben von: bpfi

Datum: 05.12.18 01:55

Hallo,

das stimmt natürlich so wie Du das schreibst, und das kann ich als Tf so unterscheiben. Im Bericht steht aber leider, daß es einige Sekunden dauert bis die Bremsung wirkt, und das ist so falsch. Die Bremsung wirkt sofort, selbst ohne ep ist in 1 Sek. vorne schon Bremsdruck da. Nur bis zum vollen Druck dauert es etwas länger.
Aber die wirklich Verantwortlichen klagt man nicht an. Es kann doch nicht angehen daß ein Neuling seine 1. Nachschicht, und dazu noch gleich mit mehreren Betra´s, alleine macht.
Oder wie bei Eschede, da wurde der Hersteller der Radsätze verklagt, und nicht der Verantwortliche der die Ultraschalluntersuchung ausgesetzt hat. Und auch nicht die Stelle, die den Radsatz trotz Flachstelle und Unterschreitung des Radreifengrenzmaßes weiterlaufen ließ.


Tschüß,

Bernd

Wenn Volkes Seele kocht...

geschrieben von: Roststab

Datum: 05.12.18 17:11

ist es schwer einen klaren Kopf zu behalten. Man möchte gerne mit rasen, besonders wenn man ein Urteil ungerecht findet.

Aber war das Urteil ungerecht? Dies hätte nicht sein dürfen, das war nicht korrekt, jenes war nicht möglich. Trifft auch auf diesen Fall zu und in der Verhandlung hat man dies zu berücksichtigen. Daß der Beschuldigte evtl. nicht hätte eingesetzt werden dürfen, entbindet ihn nicht von seiner Verantwortung. Ihm bleibt es frei, wenn er um diesen Umstand weiß, nicht tätig zu werden. Das evtl. jemand anderes eine Mitverantwortung trägt, weil er ihn evtl. sogar verbotwidrig eingesetzt haben könnte, ist nicht der Gegenstand dieses Prozesses. Unüblich heißt nicht, der Einsatz darf nicht sein. Wird während des Prozesses festgestellt, daß hier verbotswidrig gehandelt worden ist, leitet die Staatsanwaltschaft sofort eine neues Verfahren ein. Normalerweise erfolgt das sogar schon während der Ermittlungen zum akuten Fall.

Die Fehlhandlung, nämlich das Nichtprüfen des Fahrweges durch die Fingerprobe, ist ihm zu Recht vorzuwerfen. Daß er um diese Prüfung wußte, es aber unterlassen hat, dafür ist er bestraft worden. Alle Begleitumstände auch die Unfallfolgen sind zu seinen Gunsten berücksichtigt worden, denn sonst wäre das Urteil mit 30 Tagessätzen a 25 € = 750 € nicht so milde ausgefallen. Wenn ich es richtig verstanden habe, war es auch nur eine Bewährungsstrafe.

Persönlich tut der junge Mensch mir leid, aber Mitleid und Rechtsprechung gehen leider stets getrennt Wege.

Re: Wenn Volkes Seele kocht...

geschrieben von: 01 1066

Datum: 06.12.18 11:16

Roststab schrieb:
[...] denn sonst wäre das Urteil mit 30 Tagessätzen a 25 € = 750 € nicht so milde ausgefallen. Wenn ich es richtig verstanden habe, war es auch nur eine Bewährungsstrafe.


Moin Heinz,

das hast Du richtig verstanden (Verwarnung mit Strafvorbehalt ist eine "Geldstrafe zur Bewährung").

Vielen Dank für die Aufklärung (o.w.T)

geschrieben von: Roststab

Datum: 06.12.18 19:10

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)