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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo HiFo,

manchmal sind es Zufälle, die einen wirklich umhauen. So passierte es mir gestern. Ich wollte gestern mal schauen, was denn so zum Stichwort "Wagenwerkstätten" im Internet zu finden ist - natürlich hatte ich die Bergisch-Märkische Eisenbahn und die KED Elberfeld im Hinterkopf. Aber was dann passierte, haute mich um. Aber der Reihe nach... Ich stieß auf diese Bilder:

https://abload.de/img/09hvc3i.jpg

https://abload.de/img/105oceg.jpg

https://abload.de/img/16p5dik.jpg

Da war meine Neugier geweckt, woher kommen diese Bilder?
Nun ja - aus einem Fotoalbum, dass die letzten 120 Jahre als Familienschatz überdauert hat. Umso dankenswerter ist, dass dieser Schatz der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird. Alle Seiten wurden eingescannt und auf der Internetseite bereitgestellt. - Eine Fundgrube nicht nur für Sachsen-Fans. Wunderbare Dampflok- & Wagen-Fotos: [www.berndhartenberger.com]

Stellt sich die Frage: Wer war Oberfinanzrat Gustav Bergk? Da bei einzelnen Bilder "Bergk'sche Lenkachsen" benannt werden, liegt die Vermutung nahe, dass er an dieser technischen Weiterentwicklung beteiligt war. Weiß jemand vielleicht näheres? - Es wäre doch nett, wenn das geballte HiFo-Wissen ein kleines Dankeschön an den Besitzer des Fotoalbums zurückgeben könnte.

Zu jedem Bild könnte man jetzt ganze Interpretationen schreiben - ich will aber mein Highlight herausgreifen:


https://abload.de/img/20160225174303-kopierniov.jpg


Irgendwann fielen mir dann die beiden Gefährte etwas links von der Mitte auf: Es sind zwei der drei bei der sächsischen Staatsbahn vorhandenen Thomas-Dampftriebwagen (Hohenzollern 293-295/1883).
Betriebsaufnahmen oder weitere Angaben zu den Triebwagen sind extremst rar. Im Sachsen-Report 6 heißt es, dass die Wagen im Leipziger Raum und im Vorort-Verkehr nach Pirna eingesetzt worden seien. Dem widersprechen die Angaben im Buch "150 Jahre Schienenfahrzeuge aus Nürnberg". Hier wird angegeben, dass die Wagen "nach ihrer Beschaffung etwa zehn Jahre im Raum Löbau/Zittau eingesetzt gewesen sein [sollen]. Danach wurden sie im Raum Pirna und auf der Strecke der Gaschwitz-Meuselwitzer Bahn verwendet."
In dem Buch finden sich auch die Angaben aus den Jahresberichten des Sächs. Stsb., wonach 1899 noch alle drei Triebwagen verzeichnet waren, in den Berichten von 1900 und 1901 aber nur noch ein Exemplar gelistet war.

Und wenn man jetzt träumen darf... Es ist ja bald Weihnachten: Auch die KED Elberfeld hatte zwei Thomas-Dampftriebwagen, die 1895 in Bochum B.M.E. sationiert waren und wohl auf der Strecke nach Herne fuhren. Wenn man dazu nähere Informationen kriegen könnte, oder sich ein Bild ...

Aber lassen wir das. Hier noch mal ein Detailausschnitt mit den beiden Triebwagen.


https://abload.de/img/20160225174303rffz5.jpg



Mein Dank geht an Bernd Hartenberger für die Erlaubnis, die Fotos hier zeigen zu dürfen!

Christian




PS.: An alle später Lesenden: Erfahrungsgemäß antworten die meisten Leser innerhalb der ersten 24 Stunden auf einen Forumsbeitrag. Gelesen wird er aber auch noch Wochen später. Ich freue mich natürlich auch noch nach Tagen, Wochen, Monaten über jede Rückmeldung, Anregung und Kritik!

http://abload.de/img/signatur26pu08.jpgZu meinem HiFo-Inhaltsverzeichnis: Vor 100 Jahren in...

und zu meiner Internetseite über die KED Elberfeld, Essen und Cöln und deren Vorläufern ...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:12:06:22:29:16.

Eine grandiose Entdeckung!

geschrieben von: Pollofan

Datum: 18.11.18 17:09

Was mögen das für silbern farbige "Behälter" auf dem ersten Bild vor dem Schmalspurwagen sein? Lampengehäuse?

Gruß Detlef der Pollofan

Re: Eine grandiose Entdeckung!

geschrieben von: TomyN

Datum: 18.11.18 18:13

Von der Form her erinnert mich das eher an einen Kohlen'eimer' (Kohlenschütte ist das richtige Wort, wie ich jetzt festgestellt habe: [www.amazon.de] ) oder ggf. einen Abfalleimer, wobei ich deren hohe Anzahl schon verwunderlich finde.

Wunderbare Bilder, auch Werkstattaufnahmen (Als Kind durfte ich noch eine Transmission live erleben).



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:11:18:18:15:01.

Re: Eine grandiose Entdeckung!

geschrieben von: tmmd

Datum: 18.11.18 18:25

TomyN schrieb:
(Als Kind durfte ich noch eine Transmission live erleben).
Kannst du heutzutage auch noch, z.B. bei einer Führung durch die MaLoWa Bahnwerkstatt.

Re: Kohlenschütten in Wagenneubauwerkstatt

geschrieben von: Mikado-Freund

Datum: 18.11.18 18:57

TomyN schrieb:
Von der Form her erinnert mich das an eine Kohlenschütte […], wobei ich deren hohe Anzahl schon verwunderlich finde.
Hallo „TomyN“,

das Bild ist ja lt. Beschreibung in einer Wagenneubauwerkstatt entstanden. Es ist daher zu vermuten (wenn nicht sogar davon auszugehen), dass die noch zu bauenden Wagen mit Ofenheizung versehen werden sollten.



Gruß

Walter


_________________

@ Christian mal wieder vielen Dank fürs Zeigen derartiger Raritäten!

Lampengehäuse sind es definitiv nicht,

geschrieben von: Pollofan

Datum: 18.11.18 20:53

denn die habe ich auch noch unter dem Schmalspurwagens, an der linken Ecke, entdeckt. Kohlenschütten könnte sein, aber so viele? Eine pro Wagen müsste reichen.
Interessant finde ich ja noch die Art der Anfertigung der Seitenwand. Man schraubt erst längere Bretter an, läßt sie unten überstehen und bringt sie dann auf die richtige Länge. Einfacher ist es doch gleich die richtige Länge auszumessen. Aber die Sachsen werden sich schon was bei gedacht haben.

Gruß Detlef der Pollofan
Pollofan schrieb:
Interessant finde ich ja noch die Art der Anfertigung der Seitenwand. Man schraubt erst längere Bretter an, läßt sie unten überstehen und bringt sie dann auf die richtige Länge.
Einfacher ist es doch gleich die richtige Länge auszumessen. Aber die Sachsen werden sich schon was [da]bei gedacht haben.
Richtig. Nämlich, dass die Methode „einmal lang dran runter“ die deutlich unkompliziertere - und wesentlich einfachere der beiden ist …! ;-)

Zur vermeintlich hohen Anzahl der Kohlenschütten: ich kann daran nichts ungewöhnliches feststellen. In einer Neubauwerkstatt wird man doch sicherlich mehr als nur einen Wagen bauen? Allein auf diesem Bild scheinen mir zwölf - oder noch mehr Stände erkennbar zu sein und man kann nicht sagen, wie viele weitere davon sich darüber hinaus noch im Rücken des - und rechts vom Fotografen verbergen …!


Gruß

Walter

Re: Lampengehäuse sind es definitiv nicht,

geschrieben von: TomyN

Datum: 18.11.18 22:00

Hi,
du kannst dann schneller arbeiten, ansonsten musst Du auch beim zusägen der Bretter aufpassen, dass sie exakt gleich lang sind.
Erst festschrauben und dann global auf Länge schneiden ist auch durchaus heute noch üblich und gibt halt wirklich eine exakte Kante.

Tomy

Re: Lampengehäuse sind es definitiv nicht,

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 18.11.18 22:01

Pollofan schrieb:
denn die habe ich auch noch unter dem Schmalspurwagens, an der linken Ecke, entdeckt. Kohlenschütten könnte sein, aber so viele? Eine pro Wagen müsste reichen.
Es gab doch m.W. die Kohleheizung für Kurzstrecken, bei der man Kohlen draußen zum Glühen gebracht und dann in Kästen in den Wagen gestellt hat; da brauchst du mehr als einen. Neulich gab's hier ein Bild so eines Wagens. Geht natürlich nur mit harter Steinkohle oder Koks.

Gruß Thomas

Re: Eine grandiose Entdeckung!

geschrieben von: TomyN

Datum: 18.11.18 22:02

Ja, als Museumsobjekt gibt's sowas auch im Deutschen Museum, aber so richtig live inkl. arbeitenden Maschinen habe ich es seither nicht mehr erlebt.

Tomy
Hallo Christian,

hier nun nach dem vielen Staunen über die Quelle einige Antwortversuche:

Oberfinanzrat Bergk:
Das ist ja im Text des Vorwortes des Albums, das dem Ururgroßvater von Bernd Hartenberg,
eben jenem Oberfinanzrat Bergk, gewidmet war, erklärt. Er war Chef dieser Werkstätten.

Lenkachsen:
Ich hatte bereits hier über die historische Entwicklung von Lenkachsen kurz eine Quelle
zitiert: [www.drehscheibe-online.de]

Demnach gab es zunächst gekuppelte Lenkachsen. Das waren solche, bei denen die mittlere
Achse z.B. in einem seitlich beweglichen Gestell gelagert war. Von diesem Gestell wurden die
Endachsen über eine parallelogramm-ähnliche Gestängekonstruktion angelenkt, so dass sie
ähnlich einem Einachs-Drehgestell im Rahmen der Beweglichkeit des Schakengehänges in eine
radial zum gefahrenen Bogen passende Stellung gedreht werden und auch wieder zurück.
Dazu war das Gestell der mittleren Achse auf Rollen in einer Querführung gelagert. Genau diese
Konstruktion ist beim Bild 29/35 zu sehen (Personenwagen mit Bergk'schen Lenkachsen von 1895).
Ich habe mir mal erlaubt, von der mittleren Achse eine Ausschnittsvergrößerung zu machen und
darin mit Pfeilen die bezeichnete Rollenführung zu kennzeichnen (Foto: Slg. Hartenberg).
Ein solcher Wagen stand 2004 im Zughotel Wolkenstein, auch davon ein Foto (Aufn. G. Werner [+]).

20160225174329-2560x1707-800er_800x450.jpg


Deutlich ist bei dem Wolkensteiner Wagen die Rollenführung der mittleren Achse wie auch der Lenkgestellrahmen der
Endachsen (zusätzlich zum Längsträger) zu erkennen. Zusammen mit dem Lenk- und Führungsgestänge war dieser weitere
Gestellrahmen mit seiner Drehpunktführung ein riesiger Unterhaltungsaufwand, der bei mangelnder Pflege und Unterhaltung
die vermeintliche Sicherheit der Lenkachsführung sogar ad absurdum führte.

IMG_1652-800er_800x424.jpg


Deshalb gab man das alsbald zugunsten der sogenannten freien Lenkachsen auf, für die es hier eine gut verständliche
Erklärung gab: Versch. Autoren, Preuß. Min. öff. Arbeiten etc. (Hrsg.): Das Deutsche Eisenbahn der Gegenwart, Verlag,
Berlin, 1911:
"Bei den Untergestellen der 2- und 3-achsigen Wagen muß hinsichtlich der Anbringung der Radsätze auf ihre Beweglichkeit in Gleiskrümmungen
besondere Rücksicht genommen werden.
Wie vorgeschrieben, müssen die Laufflächen der Räder eine konische Form haben, die folgenden Zweck hat:
Läuft eine Achse in eine Gleiskrümmung ein, so wird der Spurkranz des äußeren Rades an den Schienenkopf anlaufen; auch wird er je nach der
Geschwindigkeit durch die auftretende Fliehkraft mehr oder weniger gegen den Schienenkopf gedrängt. Das äußere Rad läuft hierbei infolge der
konischen Lauffläche auf einem größeren, das innere dagegen auf einem kleineren Durchmesser. Durch die verschieden großen Laufkreise wird
eine Drehung und radiale Einstellung der Achse in der Gleiskrümmung stattfinden.
Aus dieser Überlegung heraus muß bei jedem Wagen den Achsen so viel Spiel in den Führungen am Untergestell gegeben werden, daß ein möglichst
zwangloses Einstellen der Achsen beim Durchfahren von Krümmungen eintritt.
Von den vielen Einrichtungen, die dieses Einstellen teils zwangsläufig besorgen, teils ohne jede besondere Einwirkung erlauben, findet bei fast allen
Verwaltungen durchweg die sogen. freie Lenkachse Anwendung, die in einer besonderen Aufhängung der Tragfedern und in dem Spielraum der
Achsbuchse in den Achshaltern ihr wesentlichstes Merkmal hat. Die besondere Aufhängung der Tragfedern bringt nach dem Durchfahren der
Krümmung selbsttätig die Achse wieder in ihre gewöhnliche Stellung. Das Spiel, das die Achse in ihrer Führung hat, richtet sich nach der Krümmung
und dem Radstand und ist bei kleinem Radstand gering, bei großem erheblich.
Bei 3-achsigen Wagen muß außerdem noch für ein genügendes Spiel der Mittelachse in den Achshaltern in Bezug auf die Querrichtung des Wagens
Sorge getragen werden mit Rücksicht auf die Bogenhöhe der Krümmung und den dadurch bedingten seitlichen Ausschlag der Achsen, Allerdings
kann dann die sehr bewegliche Mittelachse ohne weiteres nicht gebremst werden. Infolgedessen ist bei Wagen mit großem Radstand die gebremste
Mittelachse in einem besonderen verschiebbaren Gestell gelagert oder das Bremsgehänge derart pendelnd aufgehängt, daß es der Achse folgen kann."

In der selben Denkschrift bei Hartenberg findet sich als Bild 30/35 ein ABü-Personenwagen mit freien Lenkachsen vom
Jahre 1897. Darin finden sich nur die normalen Schakengehänge, wobei das der mittleren Achse für die oben bezeich-
nete größere Beweglichkeit besonders lange Schaken hat.

20160225174330-2560x1707-800er_800x362.jpg


Insgesamt ist zu erkennen, dass es eine gewisse Zeit brauchte, bis die Erkenntnisse über die freien Lenkachsen die bei
einigen Bahnverwaltungen in die Köpfe der dortigen Leitenden eingebrannten technischen Vorstellungen verdrängt hatten.


Ich hoffe, ein wenig Aufklärung gebracht zu haben.

Beste Grüße
VB995, der im Moment wegen der Aufarbeitung eines DR-Reko-3-Achsers wenig Zeit hat [berliner-eisenbahnfreunde.de]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:11:18:23:56:46.
Hallo Christian,
sehr herzlichen Dank für die herausragenden Bilder.
Weiterlesen mit Deinem Link funktioniert bei mir nicht.
Google weiß mal wieder besser als ich was ich suche und zeigt mir
Werkstattwagen statt Wagenwerkstätten. Irgendwie scheinen mir die Allgorithmen sehr besserwisserisch zu sein.
Könntest Du vielleicht komlette Links veröffentlichen?
Herzlichen Gruß
Klaus-Dieter
Hallo Klaus-Dieter,

komisch, dass bei Dir der Link nicht funktioniert . Es ist ein vollständiger Link auf die Seite: "www" - punkt - "berndhartenberger" - punkt - "com" - Schrägstrich "erinnerung-an-das-geschaffene" - Schrägstrich

Vielleicht klappt es ja so...

G R Ü S S E !

Christian

http://abload.de/img/signatur26pu08.jpgZu meinem HiFo-Inhaltsverzeichnis: Vor 100 Jahren in...

und zu meiner Internetseite über die KED Elberfeld, Essen und Cöln und deren Vorläufern ...
Hallo

Diese "Kohlenschütten" sind Achslagergehäuserohlinge, so wie im Bild mit dem Dreiachser in Wolkenstein.

LG Andreas