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 04 - Historische Bahn 

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Zeitungsartikel 1850 - 1927

geschrieben von: Walter aus Bayern

Datum: 08.11.18 23:38

Hallo,
wieder neuer Lesestoff:

Augsburger Tagblatt
Montag, 4. März 1850
Nr. 63
Bei dem am Samstag Nachmittags 2 Uhr, von München nach Augsburg abgehenden Güterbahnzug, geriethen kurz vor Pasing 2 Güter=Transport=Wägen sammt Ladung, welche aus Hausgeräthschaften und einer Parthie Lumpen bestehend, in Brand, und wurden in kurzer Zeit sammt dem Inhalte vom Feuer gänzlich verzehrt. Als die Reisenden in den Personen=Wagen den Rauch und den sonderbaren Geruch rochen, entstand sogleich ein Lärm, denn Jeder wollte zuerst aus dem Wagen heraus, und bekanntlich sind dieselben verschlossen. Ein großes Glück darf es genannt werden, daß kein weiteres Unglück vorfiel, da einige Mitfahrende fast unter dem Laufe des Bahnzuges noch hinausgesprungen sind. Nur durch schnell entschlossenes und rasches Zusammenwirken der Reisenden wurde dem Feuer Einhalt gethan. - Ueber den Enstehungsgrund ist man noch nicht recht im Klaren.

Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 27. März 1856
Nr. 87
° München, 26. März. Von den 15 für die Semmering=Bahn nach Wien bestellten schweren Lokomotiven ist heute die vorletzte aus dem Maffei'schen Etablissement in der Hirschau - ohne Räder und ohne die übrigen abnehmbaren Bestandteile auf einen eigens konstruirten Wagen geladen und von zwanzig Pferden gezogen - auf den Bahnhof geschafft worden, um dort zusammengesetzt und an ihren Bestimmungsort abgeliefert zu werden. In etwa 8 Tagen wird dies auch mit der fünfzehnten geschehen, und damit die großartige Lieferung, welche jener vaterländischen Fabrik in Folge ihres Sieges bei der Preisbewerbun um die beste Steig=Lokomotive für jene Bahn zu Theil geworden, vollendet seyn. Bereits liegt daselbst aber schon wieder ein Auftrag zu Lieferung von 18 Stück Lokomotiven für die Schweizer Bahnen vor, welche ebenfalls nach besonderer Konstruktion, unter anderem mit 8 Rädern, zu bauen sind.

Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 9. Juni 1869
Nr. 156
° München, 8. Juni. Laut hier eingetroffener telegraphischer Depesche hat heute Nachts zwischen 11 und 12 Uhr ein Zusammenstoß zweiter Güterzüge der bayerischen Ostbahn in der Nähe der Haltstelle Freihöls (zwischen Amberg und Irrenlohe) stattgefunden, wobei der Oberkondukteur getödtet und dem Lokomotivführer beide Füsse abgequetscht wurden, so daß er wahrscheinlich ebenfalls bereits verschieden ist. (Nach einem dem "Fränk. Kur." zugegangenen amtlichen Bericht wurde einer von den Bediensteten getödtet, zwei schwer und die übrigen leicht verletzt.) Obwohl beide Züge Personen beförderten, wurde doch ein Passagier nicht verletzt. Die Gewalt des Zusammenstoßes war so gewaltig, daß nicht nur einzelne Leibestheile des getödteten Oberkondukteurs unter den Wagentrümmern hervorgezogen wurden, sondern sich auch nicht weniger als 16 Waggons mehr oder minder sich in einander hineinschoben und aufeinander thürmten. Uber die eigenliche Ursache des Unglücks kann noch nichts Bestimmtes gesagt werden.

Augsburger Kurir
Mittwoch, 26. Oktober 1887
Nr. 249
(Seltene Thiere.) Aus München schreibt man: Auf dem hiesigen Rangierbahnhofe befand sich dieser Tage ein Waggon mit vier lebenden afrikanischen Gazellen, welche, von Triest kommend, nach Frankfurt a. M. gebracht werden. Dieselben sind für den zoologischen Garten dortselbst bestimmt. Der ganze Waggon war mit Stroh ausgeschlagen und die Thiere waren in Decken gehüllt, um sie vor der Kälte zu schützen. Der Transport, der von zwei Wärtern begleitet wird, bestand ursprünglich aus 6 Thieren, von denen zwei, gerade die schönsten Exemplare, auf der Seereise von Suez nach Triest verendeten.

Augsburger Neueste Nachrichten
Samstag, 16. Juni 1894
Nr. 138
München, 14. Juni. - Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute Abend beim Einfahren des Ulmer Schnellzuges Nr. 99 in die Halle des hiesigen Centralbahnhofes. Der Hilfskondukteur Gastager gerieth durch einen unglücklichen Zufall unter die Räder der Lokomotive; dem Bedauernswerthen wurden beide Beine abgerissen. Er wurde sofort in die k.Klinik geschafft, allein es ist wenig Hoffnung vorhanden, ihn am Leben zu erhalten.

Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 19. August 1899
Nr. 228
** Augsburg, 18. Aug. Der Münchener sogenannte Theaterzug, der Nachts 12 Uhr 10 Min. in München abgeht und 1 Uhr 51 Min. hier eintrifft, hat vergangene Nacht in Gemeinschaft mit einem in entgegengesetzter Richtung verkehrenden Güterzuge ein großes Blutbad, allerdings nur in einer Rinderviehherde, angerichtet. Beide Züge, die sich in der Nähe von Kissing begegnen, fuhren zwischen den Bahnwärterposten Nr. 23 und 24 in eine dem Besitzer des in der Nähe liegenden aus 13 oder 14 Häuptern bestehende Heerde Jungrinder, von welchen 12 Stück todtgefahren wurden. Die Kühe, welche gewohnt waren, tagsüber auf die Weide zu gehen, scheinen dies vergangene Nacht eigenmächtig unternommen zu haben, was ihnen dadurch ermöglicht wurde, daß ihr Stall schlecht verschlossen gewesen sein soll. Sonderbar ist, daß die Thiere sich gerade auf dem Bahnkörper aufhielten. Die beiden Züge erlitten eine halbstündige Verspätung, da sich mehrfach Körpertheile der überfahrenen Rinder zwischen die Räder geklemmt hatten und diese erst davon befreit werden mußten. Das Fleisch der getödteten Thiere mußte als ungenießbar dem Wasenmeister übergeben werden, da es stark zerfetzt und überdies mit Erde, Galle und Koth verunreinigt war. Die betreffenden Lokomotivführer müssen die Kuhherde entweder gar nicht oder zu spät bemerkt haben.

Münchner Neueste Nachrichten
Mittwoch, 15. Juli 1903
Nr. 325
Morgen=Blatt
München, 14. Juli. - * Ferienzüge. Am 15. Juli Früh zwischen 6 und 7 Uhr treffen von Dresden, Leipzig und Chemnitz drei Feriensonderzüge mit etwa 1000 Vergnügungsreisenden hier ein; etwa 300 bleiben in München, 300 reisen über Kufstein nach Tirol, 250 nach Salzburg und Reichenhall, etwa 200 über Lindau in die Schweiz weiter und werden deshalb auch nach diesen Richtungen gegen 9 Uhr Vormittags Sonderzüge abgefertigt. - Am 16. Juli treffen Mittag zwischen 12 und 1 Uhr wieder drei Feriensonderzüge von Berlin über Nürnberg hier ein, die 1400 Reisende bringen; von diesen bleiben 500 in München, die übrigen reisen um 2 Uhr mit Sonderzügen nach Tirol, Salzburg und Lindau weiter.

Allgemeine Zeitung
Dienstag, 6. August 1907
Nr. 360
* Ein steckengebliebener Eisenbahnzug ist immer eine sehr mißliche Sache, sowohl für die Reisenden wie für die Bahnverwaltung, insbesondere, wenn dies an einem schönen Sonntag auf der so verkehrsreichen Strecke München = Starnberg vorkommt, wo des starken Verkehrs wegen die Züge rasch auf einander folgen müssen. Der am Sonntag um 7 Uhr abends von Starnberg abgehende Zug blieb nämlich auf der Steigung kurz vor der Station Mühltal beim Wärterhaus Nr. 4 stecken. Die Maschine machte wiederholt vergebliche Anstrengungen, um den vielleicht zu schweren Zug die Höhe hinaufzubringen, aber alles war vergeblich. Das reisende Publikum, das sofort die Situation erkannte, ergötzte sich mit Ausnahme einiger ängstlicher Frauen über die keuchende Maschine und den etwas korpulenten Zugführer, der wiederholt den Abhang zum Bahnwärterhaus auf und ab kraxelte, um eine Nachschubmaschine telephonisch von Starnberg herbeizuschaffen. Es währte etwas über 20 Minuten bis die beiden Maschinen den Zug auf die Höhe brachten, der dann um 7 Uhr 50 Minuten in München eintraf.

Münchner Neueste Nachrichten
Montag, 17. Juni 1912
Nr. 304
Morgenblatt
gg. Tödlich verunglückt. In der Nacht auf Sonntag ereigneten sich im Münchner Bahnhof zwei tödliche Eisenbahnunfälle. Der 50jährige Streckenwärter Christian Daxer befand sich bei Ausführung seines Kontrollganges auf dem Augsburger Geleise bei der Betriebswerkstätte 1, als der Schnellzug Nr. 418 heranfuhr. An dieser Stelle kreuzt der Schnellzug mit dem Zug Nr. 419. Daxer, der wahrscheinlich infolge des dichten Qualmes das Herannahen des Zuges übersehen hat, wurde von dem Zuge Nr. 418 erfaßt, etwa 100 Meter geschleift und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Leiche wurde in den Moosacher Friedhof verbracht. Der Verunglückte war erst am 1. Juni nach München versetzt worden. Er hinterläßt eine Frau mit sieben Kindern. Am Rangierbahnhof Laim wurde gegen 4 Uhr früh der 24jährige, seit drei Monaten verheiratete Rangiergehilfe Johann Höllzlwimmer von einem Rangierzug überfahren. Wie das Unglück geschah, ist unaufgeklärt. Hölzlwimmer hatte auf eine Maschine gewartet, die Wasser faßte. Die Leiche wurde in den Waldfriedhof verbracht.

Augsburger Neueste Nachrichten
Montag, 21. August 1922
Nr. 193
* München 21. August. - Folgenschwerer Zusammenstoß mit einem Zug: Am Freitag nachmittag ereignete sich ein schwerer Unfall bei der Bahnüberfahrt Fasanerie=Nord zwischen Moosach und Feldmoching. Der Fuhrwerksbesitzer Pöbel fuhr mit zwei heubeladenen und zusammengehängten Wagen über das Bahngeleise, als ein Probezug den zweiten Fuhrwagen erfaßte und beiseite schleuderte. Dadurch wurde die Ehefrau des Pöbel und ein Mädchen, die sich auf demselben befanden, heruntergeschleudert. Die Frau erlitt schwere Verletzungen; sie mußte mit dem Kind in das Nymphenburger Krankenhaus eingeliefert werden. Vater und Sohn befanden sich auf dem ersten Wagen und blieben unverletzt.

München - Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 1. November 1927
Nr. 296
* Schwere Schäden an der Fahrleitung München - Starnberg. Am Sonntag nachmittag nach 15 Uhr, verursachte ein schadhafter Stromabnehmer des von Starnberg nach München fahrenden Triebwagenzuges 1404 schwere Schäden an der Fahrleitungsanlage der Fernbahngleise Starnberg - München. Die ersten Schäden zeigten sich in der Nähe der Vorortshaltestelle München=Laim. An der Friedenheimer Brücke zerstörte der gebrochene Stromabnehmer die Isolation der Fahrleitung, so daß der Zug nicht weiterfahren konnte. Nach Abschleppen des Zuges mit einer Dampflokomotive richtete der schadhafte Stromabnehmer unter der Hackerbrücke an den Luftweichen, Luftkreuzungen und Streckentrennern der Fahrleitungsanlage solche Zerstörungen an, daß zeitweise beide Fahrtrichtungen der Fernbahn nach Starnberg gesperrt waren. Ein Teil der Fernbahnzüge mußte auf den Vorortsgeleisen abgefertigt werden. Die Störung bei der Hackerbrücke war um 21 Uhr 50 behoben, jene an der Friedenheimer Brücke zum 22 Uhr 15. Sodann konnte doppelbahnmäßiger Betrieb auf der Fernbahn zwischen Pasing und Starnberger Bahnhof wieder aufgenommen werden. Duch die Störungen erhielten fast alle Züge der Fern= und Nahbahn erhebliche Verspätungen.

Gruß
Walter

Re: Zeitungsartikel 1850 - 1927

geschrieben von: 144.5

Datum: 09.11.18 02:23

Hallo Walter,

interessant und amüsant bis schaurig.
Hat sich wenig geändert: PU, BÜ-Unfall, OL-Störung, Tiere im Gleis, Feuer im Zug , ... ;-(

Gruß
144.5