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 04 - Historische Bahn 

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Am 18. Mai 1927 kam es auf der Straßenbahnstrecke im Druseltal der Großen Kasseler Straßenbahn zu einem schweren Straßenbahnunglück. Gegen 19:00 Uhr stand ein Zug der Großen Kassler Straßenbahn an der Endhaltestelle Druseltal. Etwa 35 bis 40 Personen waren bereits in den Wagen eingestiegen, Schaffner und Triebfahrzeugführer waren zeitlich noch außerhalb des Wagens mit Schreibarbeiten beschäftigt, als sich das festgebremste Fahrzeug plötzlich von selbst in Bewegung setzte. Das mit Passagieren besetzte Fahrzeug raste mit zunehmend hoher Geschwindigkeit (nach Presseberichten soll sie bei 100 km/h auf einer 500 Meterlangen Strecke mit 6% Gefälle gelegen haben) die heutige Hugp-Preuß-Straße hinuter. In der scharfen Rechtskurve an der Einmündung der Brabanter Straße - kurz vor der heutigen Haltestelle Walldorfschule - entgleiste der Wagen. Er pralle gegen ein eisernes Gerüst. Durch den Zusammenstoß wurde der obere Teil des Wagens praktisch abrasiert. Der untere Teil des Wagens prallte anschließend gegen einen Bordstein, überschlug sich mehrfach und raste noch rund 6 Meter weiter. Aus den Trümmern zog man 9 Tote und 17 Schwerverletzte. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von Leichtverletzten und Personen, die noch bevor der Wagen eine zu hohe Geschwindigkeit erreichte, rechtzeitig abspringen konnten (Quellen: Deister- und Weserzeitung vom 19. Mai 1927 und vom 20. Mai 1927). Unmittelbar nach dem Unfall wurde in Kassel Großalarm ausgelöst. Die Rettungs- und Bergungsmaßnahmen gestalteten sich mit den der Feuerwehr damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln äußerst schwierig. Um die Leichen zu bergen, musste das Untergestell vor Ort von der Feuerwehr zerlegt werden.

Das zerlegte und völlig zerstörte Fahrzeug wurde nach Abschluss der Rettungsmaßnahmen im Rahmen der polizeilichen Unfallaufnahme von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Zur Ermittlung der Unfallursache wurden Sachverständige der Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Kassel, sowie Baurat Haller aus Hannover herangezogen (Quelle: Schaumburger Zeitung vom 20. Mai 1927). Die Untersuchungen ergaben, dass der Wagen festgebremst war und dass auch an den Grüchten, ein Kind habe an der Bremse gespielt und diese gelöst, nichts dran war.

Eigentlich wäre die Sache jetzt klar gewesen. Die Staatsanwaltschaft wollte, vermutlich auch auf Grund des hohen öffentlichen Drucks, sehr schnell einen Gerichtsprozess und ein Urteil. Schon am 20. Juni 1927, also gut einem Monat nach dem Unglück, standen der Straßenbahnführer G. und der Straßenbahnschaffner H. als Angeklagte vor dem großen Kasseler Schöffengericht. Dieser Prozess entwickelte sich jedoch für die Staatsanwaltschaft zu einem Fiasko. Zeugen bestätigten übereinstimmend, dass das Fahrzeug ordnungsgemäß festgebremst war - dies war ja auch das Ergebnis der Voruntersuchung durch die Sachverständigen (Quelle: Schaumburg-Lippische Landeszeitung vom 21. Juni 1927). Ein weiterer Zeuge, der gesehen haben wollte, wie ein 11-jähriger Junge an der Bremse spielte, widerrief sein Aussage. Auch der Vorwurf an den damals fünfeinhalb Jahre alten Dieter S., er habe an der Bremse gespielt, löste sich in Luft auf: vor Gericht wurde schnell klar, dass S. gar nicht die körperlich Kräfte hatte, die fest angezogene Bremskurbel der mechanischen Bremse zu lösen (Quelle: Schaumburger Zeitung vom 23. Juni 1927). Bei einem Ortstermin des Schöffengerichts tauchte vielmehr dann die Frage auf, ob die damals eingesetzten Fahrzeuge mit mechanischen Bremsen überhaupt für die Strecke geeignet waren.

Trotz dieser vielen Zweifel und Widersprüche beharrte die Staatsanwaltschaft auf einer Verurteilung von Schaffner und Straßenbahnführer und forderte Freiheitsstrafen von 7 bzw. 5 Monaten. Sie wären ihrer Pflicht nicht nachgekommen.

Das Gericht sah dies nach Vorliegen aller Beweise, Gutachten und Zeugenaussagen anders und sprach beide frei. Tatsächlich hätten beide davon ausgehen müssen, dass die auf der Strecke eingesetzten Fahrzeuge verkehrssicher und mit funktionierenden Bremsen versehen seien. Das Fahrzeug wäre ausreichend festgebremst gewesen. Hinzu kam, dass beide das Unglück nicht hätten verhindern können, auch wenn sie sich zum Zeitpunkt des Bremsversagens im Fahrzeug aufgehalten hätten. Zu berücksichtigen sei auch, dass das Verkehrsmittel Straßenbahn neu sei und viele ihm innewohnende Gefahren noch gar nicht bekannt seien (Quelle: Deister- und Weserzeitung vom 23. Juni 1927).

Tatsächlich sollte das Unglück von Kassel nicht das letzte sein, bei dem Straßenbahnwagen auf Grund von Bremsversagen ungebremst Gefällestrecken hinunterrasten. Die Magnetschienenbremse wurde erst 1960, also 33 Jahre später vorgeschrieben.
einen weiteren schweren Unfall gab es an gleicher Stelle mit dem Beiwagen 525 im Jahre 1941. Auch er löste sich, raste die strasse herunter und entgleiste in der Kurve. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben. An der Endstelle druseltal wurde eine entgleisungsweiche eingebaut, die einen evtl abgehenden wagen Richtung Strassenrand lenken sollte.

Bei dem ersten Unfall war übrigens tw 105 betroffen, der als 125 wieder aufgebaut wurde.

Der schönste Düwag ....
.. kam von WEGMANN
Dieses Mal passierte es auf der Herkulesbahn. Ein talwärts fahrender Zug konnte auf Grund von Glätte nicht gebremst werden. Das Fahrzeug die eingleisige Gefällestrecke hinunter und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Zug zusammen. Dieses Mal gab es "nur" 14 Verletzte, darunter 7 Kinder sowie erheblichen Sachschaden. Es herrschte auf Grund eines Witterungsumschwungs Glatteis. Eigentlich hätte deswegen der Betrieb eingestellt werden müssen. Man fuhr trotzdem weiter.