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 04 - Historische Bahn 

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Eine gute und informative Beschreibung elektromechanischer Stellwerke der Bauart Orenstein & Koppel gibt es auf der Seite berliner-stellwerke.de. Ich finde die mechanische Verschlußtechnik faszinierend; grundsätzlich einfach aber doch sehr wirkungsvoll ...

Leider bleibt eine Frage unbeantwortet, die mich aber sehr interessiert. Auch eine ausführliche Recherche bei einer bekannten Internetsuchmaschine erbrachte leider keine Antwort.
Alle Hebel werden (aus Sicht des Bedieners) in Richtung von vorne nach hinten (bzw. andersherum) geschaltet. In diese Richtung bewegen sich auch die Verschlußbalken der Weichenhebel im Verschlußregister. Die Fahrstraßenschubstangen bewegen sich quer dazu. Auf diesem Bild ist das System sehr gut zu erkennen.
Meine Frage dazu: Wie wird die Vor-Rück-Bewegung der Fahrstraßenhebel in die Querbewegung der Fahrstraßenschubstangen umgewandelt?

Danke schon mal vorab für eure Antworten.

Viele Grüße
Detlef





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.10.18 21:52.
Hallo Detlef,

Die Umsetzung von der vertikalen zu einer horizontalen Bewegung erfolgt mittels eines Schrägbalkens, siehe Bild. Ich habe damals vieles fotografiert, leider nicht dieses Detail. Ich werde meine Seiten dahingehend noch erweitern.

Gruß Lars


Fahrstraßenschieber.jpg

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Logo Berliner Stellwerke_120px.jpg
Hallo Lars,

das ging ja schnell ... :) Danke!
Cool, dass das vom Ersteller der Seite selbst kommt.

Viele Grüße
Detlef
Hallo!
Ist zwar etwas fehl am Platz, trotzdem,
Stichwort Verschluss.
In diesem Zusammenhang kann das Blatt 606 der Einheitszeichnungen für Stellwerke, Preussisch-Hessische Staatseisenbahn. Aufgestellt: Berlin, den 18. April 1916, Königliches Eisenbahn – Zentralamt,
gezeigt werden. Interessant die Vielfalt der Zuordnungen. Vorhangschlösser für
1) im Freien liegende Stellwerke (grünes Schloss), Regelausführung, Ausnahmeausführung,
2) für im Gebäude liegende Stellwerke (rotes Schloss),
3) für Blockwerke (schwarzes Schloss)
http://up.picr.de/34016446ky.jpg
Gruß,
Rie
Hallo Rie,

nein das ist nicht fehl am Platz, sondern gehört nun einmal dazu.

Die unterschiedlichen Farben für die Schlösser hatten den Sinn, dass unterschiedliche Tätigkeitsgruppen Zugang zu den jeweiligen Anlageteilen hatten. Bis in die 1950er Jahre gehörte der Block in die Zuständigkeit der Fernmelder, früher Telegraphenmeister genannt, und nicht zu den Stellwerksschlossern. Die hatten nur Zugang zu den mit den roten Schlössern verschlossenen Anlageteilen wie das Hebelwerk.

Dass der Block lange Zeit zu der Fernmeldern gehörte, macht historisch gesehen auch Sinn: Der Erfinder des Blocks, Carl Frischen, war vor seinem Wirken bei Siemens Obertelegrapheningenieur bei der Telegraphenverwaltung des Norddeutschen Bundes. Das Prinzip der Telegraphie steckt in der Blocktechnik.

Gruß
Lars

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Logo Berliner Stellwerke_120px.jpg
Hallo,

wieso gab es dann für die Außenstellwerke noch grüne Schlösser? Welche Tätigkeitsgruppe hatte hier die Berechtigung, die Bahnmeisterein?

Grüße,
Lalu

Zum "Verschußregister"

geschrieben von: rh

Datum: 08.10.18 21:19

Zur Überschrift doch noch ein kleiner Hinweis: Weichen, Signale und Fahrstraßen werden üblicherweise nicht verschossen, sondern verschlossen ...
Lalu schrieb:
Hallo,

wieso gab es dann für die Außenstellwerke noch grüne Schlösser? Welche Tätigkeitsgruppe hatte hier die Berechtigung, die Bahnmeisterein?

Grüße,
Lalu
Es gibt keine Außenstellwerke. Rarie1 hat leider die Bezeichnungen auf der Zeichnung falsch transkribiert. Dort steht nichts von Außenstellwerke, sondern von "im Freien liegenden Stellwerksteile". Das grüne Schloß wurde erst 1917 offiziell zugelassen. Es verschließt Einrichtungen, die noch keine eingebauten Schlösser aufwiesen, wie Weichenantriebe, Flügelkupplungen, Kabelverteilungsgehäusen, Signalflügelstromschließern.

Bis in die 1950er Jahre gehörten die Stellwerksschlosser, Signalwerkführer, Leitungsaufseher (das waren die Fernmelder, die den Block unterhielten) zur Bm eines Bahnhofs.

Die Sicherungsanlagen waren in den Fernmeldeteil (Block) und Sicherungsteil (Hebelwerk) aufgeteilt. Das schwarze Schloß sicherte den Block, das rote Schloß die übrigen Innenanlagen des Stellwerks. Der Vorsteher der Bahnmeisterei hatte beide Schlüssel. Er hatte auch die Obliegenheit, die Sicherungsanlagen selbst instandzuhalten, konnte dieses Arbeiten aber an Untergebene delegieren (und wird es auch gemacht haben).

Andererseits hatten auch die Signalwerkführer ihre Gehilfen. Damit diese an den Außenanlagen anfallende Reinigungs- und Wartungsarbeiten ausführen konnten, bekamen sie den Schlüssel für das grüne Schloß. Damit wurde verhindert, dass nicht entsprechend qualifizierte Beschäftigte Zugang zu den Innenanlagen erhielten. Siehe auch § 15(4) der DV 412 (angehängter Auszug. s.u.).

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die beiden deutschen Bahnen das Verfahren vereinfacht. Für die DB gab es ab 1951 folgende Richtlinien für die Verwendung von Sicherheitsschlössern:

A. für Signalanlagen das rote Schloß
B. für Fernmeldeanlagen das braune Schloß
C. für Gemeinschaftsanlagen (Anlagen, die sowohl Signal- wie auch Fernmeldeein-
richtungen enthalten) das blaue Schloß
D. für unbesetzte oder zeitweise unbesetzte Betriebsräume, in denen signal- und
fernmeldetechnische Einrichtungen vorhanden sind, das graue Schloß. (Quelle HVB- 40.406 Savb 21- vom 12.05.1951)

Ich habe unten ein Auszug aus der DV 412 - Vorläufige Vorschriften für den Block- und Stellwerksdienst gültig ab 01.September 1933 angehängt. Die ausgestrichenen Adjektive schwarz und rot rühren von einer späteren Einbesserung her.

Hier noch Links zum Schloßmuseum Zeiss Ikon mit den Hangschloßtypen der DR und DB:

[www.zeiss-ikon-schlossmuseum.de]

[www.zeiss-ikon-schlossmuseum.de]

[www.zeiss-ikon-schlossmuseum.de]

Gruß Lars
412_01.jpg
412_02.jpg
412_03.jpg

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Logo Berliner Stellwerke_120px.jpg




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.10.18 21:41.

Re: Zum "Verschußregister"

geschrieben von: Berliner Stellwerke

Datum: 08.10.18 21:27

Danke, hab ich glatt übersehen und meine Überschrift angepasst. Ne, trotz Preußischen Gehorsam wurden Weichen nicht verschossen. :)

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Logo Berliner Stellwerke_120px.jpg

Re: Zum "Verschußregister"

geschrieben von: Epoche III-DR

Datum: 08.10.18 21:56

rh schrieb:
Zur Überschrift doch noch ein kleiner Hinweis: Weichen, Signale und Fahrstraßen werden üblicherweise nicht verschossen, sondern verschlossen ...
Uuups ... danke für den Hinweis. Habe die Überschrift im Eröffnungspost berichtigt.

Interessant, in welche Richtung sich der Erkenntnisgewinn hier entwickelt. Ich glaube, nach bunten Schlössern hätte ich wohl kaum gefragt; um so erstaunter bin ich, dass auch das schon wieder eine kleine Wissenschaft für sich ist.

Viele Grüße
Detlef

Hallo!
Sorry, besser lesbar ein Ausschnitt des Blattes 606, wegen der Größe des Blattes, mit den Hausmitteln nicht zu scannen, deshalb nur Foto .
http://up.picr.de/34026119sv.jpg


http://up.picr.de/34026079ik.jpg
Hallo Zusammen,
nachdem ich Detlef und Lars die folgenden Bilder bereits per Privatnachricht zur Verfügung gestellt habe, möchte ich die Scans auch hier zeigen. Es handelt sich um ein aufklappbares Papiermodell eines AEG-Weichenschalthebels eines Kraftstellwerkes und hat große Ähnlichkeit mit dem angefragten O&K Weichenschalthebel. Die dazugehörenden Erläuterungen besitze ich leider nicht, der Ablauf des Umstellens sollte aber auch so erkennbar sein. Ich muß die Bilder auf 2 Beiträge aufteilen. Hier Teil 1.
Grüße aus Mölln
Martin Rüggeberg

Weichensteller2 (FILEminimizer2).jpg
Weichensteller7 (FILEminimizer2).jpg
Weichensteller1 (FILEminimizer2).jpg
Hallo zusammen,

hier Teil 2. Im ersten Beitrag ist die Reihenfolge der Bilder verrutscht.
Viele Grüße
Martin Rüggeberg
Weichensteller3 (FILEminimizer2).jpg
Weichensteller4 (FILEminimizer2).jpg
Weichensteller5 (FILEminimizer2).jpg
Weichensteller6 (FILEminimizer2).jpg
Weichensteller8 (FILEminimizer2).jpg
Hallo Martin,

vielen Dank fürs Zeigen der Zeichnungen des AEG-Hebelwerks. Ja, die Hebelwerke von AEG und O&K sind ähnlich, aber nicht gleich. Die AEG stieg 1904 mit der Projektierung eines elektromechanischen Hebelwerks in diese Sparte ein und konnte 1905 in Haarlem das erste Stellwerk dieser Art in Betrieb nehmen. O&K hingegen stieg erst 1924, also 20 Jahre später, in den Bau von elektrischen Stellwerken ein. Ob sich O&K einige Anleihen von der AEG genommen hat, ist ungeklärt. Aber allein aus patentrechtlichen Gründen durfte es nur bei der Ähnlichkeit bleiben.

Der erste und direkt ins Auge stechende Unterschied ist das Verschlußregister. Die AEG hat das vom mechanischen Stellwerk her bekannte System eins zu eins adaptiert. Es greifen Verschlußklinken in den Verschlußbalken ein. Bei O&K hingegen greifen u-förmige Verschlußstücke direkt in die Aussparungen des Verschlußbalkens.

Ich habe unten ein paar Vergleichsfotos eingestellt, die die Unterschiede verdeutlichen. Übrigens stellte die AEG bei der Fusion mit Jüdel und Siemens zur VES die Produktion ihrer Firmenbauform ein. Ab 1928 galt dann die Bauform S&H bzw VES 1912 als das anzupreisende Produkt. O&K baute bis zur seiner Auflösung 1942 und Verkauf der Signalbausparte an Pintsch diese Hebelwerke weiter. Die Stellwerke in Altenburg sind von 1938.

Gruß Lars

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Bauformen/AEG/AEG-Hebelwerk.JPG

AEG-Hebelwerk ehemals Hennigsdorf Hno im EV Letschin.
http://www.berliner-stellwerke.de/images/Bauformen/Orenstein-und-Koppel/Altenburg-Hebelwerk.JPG

Zum Vergleich das Hebelwerk von O&K

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Bauformen/AEG/AEG-Hebelwerk-Mechanische-Abhaengigkeiten-Draufsicht.JPG

Das Verschlußregister bei der AEG entspricht dem des mechanischen Stellwerks.

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Bauformen/Orenstein-und-Koppel/Verschlussregister_OuK.JPG

Während das Verschlußregister bei O&K völlig von dem der AEG abweicht.

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Bauformen/AEG/AEG-Fahrstrassenhebel-Draufsicht.JPG

Der Fahrstraßenhebel bei der AEG

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Bauformen/Orenstein-und-Koppel/OuK-Fahrstrassenhebel-Draufsicht.JPG

Der Fahrstraßenhebel von O&K

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Logo Berliner Stellwerke_120px.jpg