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Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: DRG-ler

Datum: 09.07.18 08:42

Basierend auf dieses Ebayangebot...

[www.ebay.de]

...hab ich mal die eine oder andere Frage.
Das wärend der Kriegsjahre verdunkelt wurde, steht außer Frage. Lässt sich zweifelsohne Bildlich belegen.
Jetzt sehe ich aber das erste Mal eine "verdunkelte" Signallaterne für ein Formsignal. Auch wenn die Verdunklungsscheibe der Auktion selbst gebaut aussieht, frage ich mich dennoch, ob das ganze auf wahren Begebenheiten beruht? Wurden auch Formsignale tatsächlich im Nachtbetrieb verdunkelt?

MFG Andy

MFG-Andy

visit [www.drg-ler.de]

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: signal andi

Datum: 09.07.18 10:11

Guten Morgen

Das war tatsächlich so.

Verdunkelt wurden alle Signale, auch die Weichensignale, mit speziellen Blenden.

Im Eisenbahnmuseum Vienenburg ist soetwas ausgestellt und zu besichtigen.

Gruß Andi

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: dv470

Datum: 09.07.18 18:46

Tip : Mit diesem Verkäufer gab es schon in Sachen Echtheit einige schlechte Erfahrungen.
Siehe auch Bewertungen .

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: Jo

Datum: 09.07.18 21:05

Vor etlichen Jahren haben ein Freund und ich eine Ausstellung zum Luftschutz der Reichsbahn mit Bezug zu den Bahnhöfen Goslar und Vienenburg im dortigen Eisenbahnmuseum gestaltet. Auslöser war der Fund einer umfangreichen Ausrüstung von Abblendmitteln des Bahnhofs Goslar in einem zum Abriss stehenden Gebäude. Leider wurde das Thema schnell "angefeindet", da Bahnmitarbeiter sich angegriffen fühlten, als auch die Mitschuld der Reichsbahn an Angriffskrieg und Holocaust thematisiert wurde. Der Luftschutz der Bahn lässt sich nunmal nicht isoliert von der Zeitgeschichte darstellen. Auch der Versuch, das Thema erneut zu präsentieren wurde von Mitarbeitern des Museums sowie der Stadt Goslar nicht gewünscht. Noch heute befinden sich Originalunterlagen dazu in meiner Privatsammlung sowie Originalexponate (teils auch aus meiner Sammlung) im Museum. Unbeschriftet, da nähere Erklärungen nicht erwünscht sind. Es ist heute ja Mode, diese Zeit auszublenden.

Viele Grüße

Jo(achim)

Informationen zur Darstellung des Hakenkreuzes

http://www.bilder-hochladen.net/files/big/l196-3n-bbe8.jpg



http://www.bilder-hochladen.net/files/big/l196-3m-4ed5.jpg



http://www.bilder-hochladen.net/files/big/l196-3o-527a.jpg


http://www.bilder-hochladen.net/files/big/l196-3p-358f.jpg



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.07.18 22:07.

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: andreas +

Datum: 09.07.18 21:08

Ob die Laterne "echt ist"? Ich denke mal, nach dem Krieg, wo an allem Mangel herrschte, war es doch ein leichtes, einfach die Blende abzunehmen und die Laterne wieder normal zu nutzen.

Danke für die SEHR aufschlussreichen Bilder...

geschrieben von: DRG-ler

Datum: 09.07.18 21:37

...sagen diese doch mehr als 1000 Worte.

Zur Weichenlaterne... Seh ich das richtig, das die Reflektoren trotzdem von hinten hinterleuchtet wurden, und hinter diesen die Lamellenblende sitzt?

Beim dritten Bild sieht man sehr schön, das die Blende der Ebayauktion eigentlich Sinnlos ist. Diese würde, als Signallaterne verwendet, die Bewegung der Farbscheiben behindern. Wie man im vierten Bild sehr schön sieht, wurde allenfalls die Farbscheibe mit der Lamellenblende versehen. Interessanter Weise nur die rote... Wahrscheinlich weil HP1/HP2 eh nur kurzzeitig zu sehen gewesen wäre.

Was die Mitarbeiter des Museums und der Bahn angeht, sehe ich das als ganz großes Problem an. Dadurch geht Wissen und Geschichte verloren! Wer kommt denn auch auf sond "blöde" Idee, solche Infos zu hinterfragen? Schön, das es doch noch Leute gibt, die sich mit dem Thema befassen, und das Wissen bewahren!

Zur Auktion selbst... In meinen Augen ist das ne ganz normale Stino-Propangas-Formsignallaterne...wahrscheinlich sogar BJ weit nach dem Krieg, wo jmd. ne Verdunklungsblende nachträglich angepappt hat. Augenscheinlich Eigenbau, oder zumindest neu lackiert würde ich DIESE Blende eher an den Loklaternen vermuten.

MFG-Andy

visit [www.drg-ler.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.07.18 21:38.

Re: Danke für die SEHR aufschlussreichen Bilder...

geschrieben von: Jo

Datum: 09.07.18 22:11

Bei der Weichenlaterne ist der Aufbau von außen nach innen: Glasscheibe - Lochblech - Lamellen. Auf die bisherigen Milchglasscheiben der Laterne haben wir verzichtet, da das Licht sonst kaum noch sichtbar war. Ich denke, dass das auch in der Realität so war. Die Laterne selbst weist Schienen auf, in die die Abblendmittel eingeschoben wurden. Die hier gezeigte aus meiner Sammlung ist mit original Schienen ausgerüstet. Vereinzelt fanden wir auf DB-Geländen noch Laternen, bei denen aber nicht mehr alle Seiten mit Schienen ausgerüstet waren.

Bei der Signallaterne werden auf der Vorderseite Lamellen eingebaut. Der Einsatz ist vorhanden, ich hatte ihn aber seinerzeit nicht fotografiert. Beide Laternen befinden sich noch heute im Museum.

Ich will mich nicht konkret äußern, aber m.e. handelt es sich bei der bei ebay angebotenen Lampe um ein Original, wohingegen das Abblendmittel nachträglich montiert wurde. Es handelt sich möglicherweise auch um ein Original, aber nicht in dieser Zusammenstellung. Ich vermute, es wurde "zurechtgebastelt", da die Abblendmittel ja mit der Blende (siehe mein Foto) verschwenkt wurden.

Viele Grüße

Jo(achim)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.07.18 22:16.

Re: Danke für die SEHR aufschlussreichen Bilder...

geschrieben von: stefan p.

Datum: 09.07.18 22:19

Hallo Andy,

DRG-ler schrieb:
Wie man im vierten Bild sehr schön sieht, wurde allenfalls die Farbscheibe mit der Lamellenblende versehen. Interessanter Weise nur die rote... Wahrscheinlich weil HP1/HP2 eh nur kurzzeitig zu sehen gewesen wäre.

Gestatte mir den Hinweis, dass Du das Bild 4 falsch interpretiert hast! Es wurde eben nicht die Farbscheibe, sondern die rückwärtige Blende des Hauptsignals mit der Lamellenblende versehen. Im Bild 4 ist genau zu erkennen, dass die Farbblende mit roter und grüner Farbscheibe auf der anderen Seite der Laterne zu sehen ist - und da ist keine zusätzliche Blende angebracht. Bei Form-Hauptsignalen ist die Stellung des Hauptsignals von der Rückseite her gesehen auch bei Dunkelheit zu erkennen: Bei Hp 0 zeigt die Laterne nach hinten ein weißes Licht, dessen Größe bei Fahrtstellung, also Aufschwingen des oberen Flügels, verkleinert wird. Durch diese Abblendung entsteht ein kleiner "Stern", weswegen dieses Licht dann auch als "Sternlicht" bezeichnet wird. Und genau diese Blende, die hinter der Signallaterne angebracht ist und sich parallel mit der Farbblende bewegt, trägt in diesem Bild 4 nun die Lamellenblende, aber nur oben. Die unten zu sehende Verkleinerung des Durchmessers war normal und wurde scheinbar nicht weiter abgeblendet. Durch die Lamellenblende war das große weiße Licht von oben (und von unten) nicht mehr zu sehen, aber der Stellwerker konnte es noch gut sehen, da er ungefähr auf gleicher Höhe war.

Danke an TO für die Eröffnung dieses Beitrags - ich wusste bis vorhin gar nicht, dass es auch eine "Verdunkelung" bei Hauptsignalen im Krieg gegeben hat.

Mit freundlichem Gruß
Stefan P.

Spur 0 - was sonst?

Meine Beiträge im HiFo: [www.drehscheibe-foren.de]

Re: Danke für die SEHR aufschlussreichen Bilder...

geschrieben von: RobRobertson

Datum: 09.07.18 23:57

Hallo!

Ein ähnliches Thema - Verdunklung - ist hier schon mal angesprochen worden.
Es gab besondere Vorschriften bei "Fliegergefahr". Unter anderem wurde dafür auf Bahnhöfen nachts das Anschalten einer "Schleierbeleuchtung" angeordnet. Was das technisch konkret bedeutet, weiß ich leider nicht, vermutlich die Reduzierung der Helligkeit auf ein Maß, das aus der Vogelperspektive die Konturen verschwimmen lässt, aber auf der Erde - Bahnhöfe - noch genügend Sicht lässt, um Unfälle zu verhindern. (Wenn ich mich richtig erinnere, wird dies im EK-Buch über die BR 03 von Horst Troche erwähnt; leider nicht griffbereit).


Beste Grüße von Rob

Re: Danke für die SEHR aufschlussreichen Bilder...

geschrieben von: Jo

Datum: 10.07.18 07:56

Nochmals erwähnt.

In die Laternen wurde ein Einsatz mit Lamellen eingebaut, der das nach vorn gerichtete Licht nach oben abblenden sollte. Dieser Einsatz ist im Museum verbaut. Ich hatte das jedoch nicht fotografiert. Somit ist auch das rote bzw. grüne Licht abgeblendet.

LG Jo(achim)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.18 10:09.

Re: Danke für die SEHR aufschlussreichen Bilder...

geschrieben von: stefan p.

Datum: 10.07.18 10:19

Hallo Jo,

Jo schrieb:
Nochmals erwähnt.

In die Laternen wurde ein Einsatz mit Lamellen eingebaut, der das nach vorn gerichtete Licht nach oben abblenden sollte. Dieser Einsatz ist im Museum verbaut. Ich hatte das jedoch nicht fotografiert. Somit ist auch das rote bzw. grüne Licht abgeblendet.

Danke für die Info, das wusste ich auch noch nicht!

Gruß
Stefan P.

Re: Verdunklung an Signalanlagen?

geschrieben von: Markus Heesch

Datum: 10.07.18 15:25

Hallo Joachim,

könnte das hier auch eine Verdunkelungsblende sein?

[steverabone.com]

Re: Verdunklung an Signalanlagen?

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 10.07.18 15:43

Hallo zusammen,

könnte eine Verdunkelungsblende sein, da am Führerhaus der Lok Reichsadler mit Hakenkreuz zu erkennen ist und passt somit in diese Zeit.
Ein sehr interessantes Thema, vielen Dank fürs Einstellen.

Gruß aus Pampanga
Horst

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: S.B

Datum: 10.07.18 19:28

Hallo,

ein sehr interessantes Thema, das mich als Stellwerksfreak auch sehr interessiert. Wobei man diese Zeit nicht schönreden darf !

In meiner Sammlung habe ich noch was zum Thema gefunden.

verdunklung 1.jpg

verdunklung 2.jpg

Gruß von S.B aus dem Nordschwarzwald

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: Jo

Datum: 10.07.18 21:28

Noch ein "Nachschlag" aus meiner Sammlung.

LG Jo(achim)

http://www.bilder-hochladen.net/files/big/l196-3r-79e4.jpg


http://www.bilder-hochladen.net/files/big/l196-3q-1e6f.jpg

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: axel.schwarz

Datum: 12.07.18 15:32

Guten Tag,

interessant ist m. E. auch, dass der Ausgabezeitpunkt der Vorschrift passend vor dem Überfall auf Polen vorweggeht. Auch hier wurde die Bahn instrumentalisiert.

Re: Verdunklung an Signalanlagen??? Weiß wer mehr?

geschrieben von: Jo

Datum: 12.07.18 16:15

Die Reichsbahn richtete sich schon sehr früh auf dem Luftkrieg ein. Erste Verdunklungsübungen wurden schon Mitte der 1930er Jahre durchgeführt.

Auch der Bevölkerung wurde eine Luftgefahr "eingeredet" und sie auch durch Übungen darauf vorbereitet. Reichsluftschutzbund

Der Krieg war ja schon in Hitlers Büchern "Mein Kampf" thematisiert wurden (Lebensraum im Osten), so dass ich die übliche Ausrede "Wir haben von nichts gewusst" auch prinzipiell nicht gelten lassen. Aber das ist ein anderes Thema. Spätestens seit dem 2. Vierjahresplan hatte Hitler sich ja dazu geäußert:

1. „Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein.“
2. „Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein.“

LG Jo(achim)