DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.

[WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (1/4)

geschrieben von: Carsten R.

Datum: 05.07.18 14:28

Guten Tag in die Runde,

Vor gut 25 Jahren wurde – zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr überraschend – der Obusbetrieb in Weimar eingestellt. Meine persönliche Meinung dazu: Schade drum, in dieser Stadt hätte er Potenzial gehabt.
Das nun verstrichene obuslose Vierteljahrhundert in Weimar möchte ich zum Anlass nehmen, um das Forum mit ein paar persönlichen bebilderten Erinnerungen zu „beglücken“. Ergänzungen, Hinweise und Kommentare sind selbstverständlich willkommen.


WE-7065_1000i.jpg

(1)
Von meinem Wohnort waren es nicht ganz 100 km mit der Bahn nach Weimar. Das erste Obusfoto des Tages (hier aus dem Sommer 1987 mit Wagen 8025) entstand dann meist direkt nach Ankunft auf dem Bahnhofsvorplatz (August-Baudert-Platz). Ab Mitte der 1980er dominierten die Gelenkobusse Ikarus 280T das Geschehen auf der Stammlinie (und viele Jahre auch einzigen Obuslinie) 1.


WE-7066_1000i.jpg

(2)
Im September 1986 wurde auf der Leipziger Herbstmesse ein recht elegant wirkendes Fahrzeug gezeigt: Der (m. W.) Prototyp Ikarus/Ganz 260T. Seine Lackierung in orange/creme hob sich (nach meinem Geschmack) wohltuend vom typischen und eher langweiligen Ikarus-Gelb ab. Außerdem waren die Innenschwingtüren ein ungewohnter Anblick, kannte man die 260er und 280er Ikarus-Busse doch in der DDR bis dahin nur mit Falttüren.
Das Fahrzeug kam noch im Herbst 1986 nach Weimar, wo es die Nummer 8012 erhielt. Ein typisches – wenn auch nicht ausschließliches - Einsatzgebiet war die Linie 8, welche den Hauptbahnhof über das Stadtzentrum mit dem Berkaer Bahnhof und dem in dessen unmittelbarer Nähe gelegenen Betriebshof verband. Nach meiner Erinnerung war diese Linie nicht besonders stark frequentiert und verdankte ihre Existenz nur der ohnehin (als Betriebshofzufahrt) vorhandenen Oberleitung und der damit verbundenen Möglichkeit, etwas Dieselkraftstoff zu substituieren.
Im Bild sehen wir das gute Stück in der Schopenhauerstraße unmittelbar westlich des Bahnhofes zusammen mit der Fahrleitungsweiche, welche den Abzweig in die Wendeschleife bildete.


WE-7009_1000i.jpg

(3)
Nachdem der Obusbetrieb seit Ende der 1970er schon einmal so gut wie tot war, setzte um 1983 durch die Lieferung von Skoda 14Tr eine Wiederbelebung ein. Die Einsparung von Dieselkraftstoff hatte nach 1980 in der DDR eine recht hohe Priorität gewonnen, welche auch manche seltsame Blüte sprießen ließ. Das Foto aus dem Februar 1987 (meine erste Tour, bei der in Weimar Farbaufnahmen entstanden) zeigt stellvertretend den Wagen 8009 am Goetheplatz in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums. Ein Teil der 14Tr wurde später nach Potsdam abgegeben.


WE-7020_1000i.jpg

(4)
Am Sophienstiftsplatz, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt, zweigte die zur Linie 8 erhobene Depotzufahrt von der Stammstrecke ab. Nachschuss auf den Wagen 8012, unterwegs von der Damaschkestraße zum Bahnhof im Dezember 1987.


WE-7005_1000i.jpg

(5)
Wie das Gebäude im Hintergrund (übrigens nichts geringeres als das Deutsche Nationaltheater, allerdings dessen Rückseite) erahnen lässt, sind wir Immer noch in der Nähe des Stadtzentrums. Der Standpunkt befindet sich in Blickrichtung des vorigen Bildes ein paar Meter rechts um die Ecke. Wagen 8025, aufgenommen im Februar 1987, hält zum Zwecke des geordneten Fahrgastwechsels an der Haltestelle Phillip-Müller-Straße. Von hier ging es weiter nach Ehringsdorf.

Fortsetzung folgt …

[WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (2/4)

geschrieben von: Carsten R.

Datum: 05.07.18 14:37

Es geht weiter:

WE-7017_1000i.jpg

(6)
Der 14Tr 8009 hat im Dezember 1987 aus Richtung Ehringsdorf kommend den Wielandplatz erreicht. Gleich um die Ecke, wenn auch nicht mehr direkt an der Obuslinie, befindet sich der Frauenplan, wo einst der wohl bekannteste Einwohner Weimars seinen Wohnsitz hatte. Vielleicht ist das Zeigen der eher als Stimmungsbild zu bezeichnenden Aufnahme damit gerechtfertigt?


WE-7027_1000i.jpg

(7)
An der Haltestelle Falkenburg verzweigte sich die Strecke in eine ausgedehnte Wendeschleife durch Ehringsdorf und Oberweimar. Wie das Bild aus dem Sommer 1988 mit Wagen 8025 (keine Absicht, dass ich immer wieder dieselben Böcke vorführe) erahnen lässt, gab es hier auch eine kleine Zwischenschleife, die jedoch nicht mit Weichen angebunden war.


WE-7039_1000i.jpg

(8)
Im Kern von Ehringsdorf, kurz vor Erreichen der Endstelle, kommt im Sommer 1988 der Wagen 8023 (endlich mal ein anderer) um die Ecke.


WE-7038_1000i.jpg

(9)
Wagen 8025 (schon wieder) hat die Endstelle Ehringsdorf verlassen, die Ilm überquert und fährt nun über Oberweimar weiter in Richtung Stadtzentrum. Aufnahme aus dem Sommer 1988.


WE-7028_1000i.jpg

(10)
Die Schleife Ehringsdorf ist durchfahren, wir (d. h. in diesem Fall der Wagen 8004) erreichen im Mai 1988 von Oberweimar kommend die Haltestelle Falkenburg. Am oberen Bildrand ist ein Stück Oberleitung der dortigen Schleife zu sehen.
Anfang 1990 wurde auf dem Streckenast nach Ehringsdorf der Betrieb eingestellt. Zunächst hieß es, wegen Erneuerung bzw. Modernisierung. Leider kam es dann aber anders.

Fortsetzung folgt …

[WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (3/4)

geschrieben von: Carsten R.

Datum: 05.07.18 14:50

Es geht weiter:
Dieses Mal soll das Augenmerk zunächst dem Nordabschnitt vom Bahnhof nach Schöndorf gelten.

WE-7015_1000i.jpg

(11)
Nach einer etwas verwinkelten Streckenführung um mehrere Ecken herum unterquerte die Strecke im Zuge der Wilhelm-Pieck-Straße (heute: Friedrich-Ebert-Straße) den Ostkopf des Bahnhofs Weimar. Früher, so in den 1970ern, hatte ich an dieser Stelle bei Reisen zur Verwandtschaft häufig vom Zug aus Blickkontakt zu den durchaus elegant lackierten älteren Obussen, von denen ich damals noch nicht wusste, dass es Skoda 9 Tr waren und die leider von der Bildfläche verschwunden waren, bevor ich mich mit dem Obus wirklich zu beschäftigen begann.
Im Sommer 1987 begegneten sich die Wagen 8023 und 8025 südlich der Eisenbahnbrücke. Ca. 5 Jahre später soll eine durch einen Lkw oder Kran ausgelöste Fahrleitungsbeschädigung in diesem Bereich zum vorzeitigen Ende des Schöndorfer Streckenastes geführt haben.


WE-7031_1000i.jpg

(12)
An der Haltestelle Umspannwerk, wo sich noch eine Zwischenschleife befand, endete die geschlossene Bebauung. Der Gelenkwagen 8028 war im Mai 1988 auf der Buttelstedter Straße unterwegs nach Schöndorf.


WE-7033_1000i.jpg

(13)
Kurze Zeit später am selben Tag kehrt dasselbe Fahrzeug zurück.


WE-7035_1000i.jpg

(14)
Auch dieses Bild ist im Mai 1988 entstanden. Ein leider nicht abschließend identifizierter 14Tr fährt von Schöndorf (im Hintergrund zu sehen) stadteinwärts. Der Streckenabschnitt wies an einigen Stellen ausgesprochene Überlandatmosphäre auf.


WE-7004_1000i.jpg

(15)
Nun noch einmal ein Blick auf die Linie 8. Im Februar 1987 kommt kommt das Unikat 8012, mit seinen für die Jahreszeit typischen Verschmutzungen leider nicht ganz so schön anzusehen, von der Endstelle Damaschkestraße her stadteinwärts gefahren. Hinter dem Zaun links im Bild die Anlagen des Berkaer Bahnhofes.

Schluss folgt …

[WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: Carsten R.

Datum: 05.07.18 15:02

Und nun mein letzter Streich zu diesem Thema:

WE-7048_1000i.jpg

(16)
Abzweigend von der Strecke zur Damaschkestraße ging Anfang 1990 die Strecke zum Plattenbauviertel Weimar West in Betrieb. Gelenkwagen 212 kommt im Juni 1992 gerade von dort und biegt stadteinwärts in die Erfurter Straße ein.
Es handelt sich bereits um den traurigen Restbetrieb. Der Streckenast nach Schöndorf war kurze Zeit vorher außer Betrieb gegangen, elektrisch wurde nur noch an Wochentagen zwischen Bahnhof und Weimar West gefahren. Da es keinen Bedarf mehr gab, die Beschilderung zu wechseln, war diese aufgeklebt. Man beachte nebenbei auch das Fahrzeug der einstigen Waffenbrüder hinter dem Obus.


WE-7052_1000i.jpg

(17)
Am gleichen Tag wie bei der vorigen Aufnahme ist der Gelenkwagen 215, einer der ursprünglich für den nie in Betrieb genommenen Obusbetrieb in Suhl vorgesehenen, auf der Schwanseestraße unterwegs nach Weimar West. Noch dominiert das typische Ikarus-Gelb.


WE-7055_1000i.jpg

(18)
Immer noch am gleichen Tag, gegenüber der vorigen Aufnahme nur um die Ecke rum, kam der Gelenkwagen 218 (der eigentlich auch in Suhl hätte fahren sollen) aus eigener Kraft nicht mehr weiter und bedurfte Hilfe in Gestalt des Abschleppwagens. Nicht schön für die Fahrgäste, nicht schön für den Betriebsablauf, aber dennoch ein interessanter Moment für den gerade zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle anwesenden Fotografen.


WE-7060_1000i.jpg

(19)
Ende Dezember hatte ich letztmalig Gelegenheit, auf der Durchreise einige wenige Fotos vom Obus in Weimar aufzunehmen. Die noch eingesetzten Fahrzeuge zeigten sich für die letzten Tage noch in einer neuen, in meinen Augen sehr attraktiven Lackierung. Wagen 212, der ein halbes Jahr früher noch in Gelb unterwegs war, hält am Goetheplatz zum Zwecke des Fahrgastwechsels.


WE-7061_1000i.jpg

(20)
Gleiche Haltestelle wie auf dem vorigen Bild, nur die entgegengesetzte Blickrichtung und dieses Mal der Wagen 214 (auch ein verhinderter Suhler), der Abfahrt zum Bahnhof harrend.

Meine kleine Bilderfolge hat damit ihr Ende erreicht. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beste Grüße

Carsten

(Edit hat einen Tippfehler entfernt)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:07:05:15:04:06.

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: lunaman01

Datum: 05.07.18 16:41

Super Bericht! Danke!
Aber traurig zugleich, wie radikal man die Elektromobilität seinerzeit beseitigt hat, obwohl man es eigentlich zu dem Zeitpunkt bereits hätte besser wissen müssen. Leider
gab es wohl zu viele "Berater" aus den alten Bundesländern (aber nicht ausschließlich), die die Stilllegung aus Flexibilitätsgründen "empfahlen" - vermutlich für ein lukratives Honorar.

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: 219 006

Datum: 05.07.18 18:18

"(16)
...Man beachte nebenbei auch das Fahrzeug der einstigen Waffenbrüder hinter dem Obus."

Fast noch interessanter ist die Begegnung von Opel Kadett (Westdeutschland) mit Ikarus (Ungarn) und Militär- Kamaz (Sowjetunion) sowie von DDR- und bundesdeutschen Nummernschildern aus der selben Stadt.
Eine verrückte Zeit damals!
lunaman01 schrieb:
Super Bericht! Danke!
Aber traurig zugleich, wie radikal man die Elektromobilität seinerzeit beseitigt hat, obwohl man es eigentlich zu dem Zeitpunkt bereits hätte besser wissen müssen. Leider
gab es wohl zu viele "Berater" aus den alten Bundesländern (aber nicht ausschließlich), die die Stilllegung aus Flexibilitätsgründen "empfahlen" - vermutlich für ein lukratives Honorar.
"vermutlich".... "wohl"..... "lukratives Honorar".... Am gemütlichsten lebt sich's doch mit den eigenen Vorurteilen... NIX wissen, aber trotzdem schon mal deftige Schlussfolgerungen ziehen und Schuldzuweisungen vornehmen - das lieben wir! So kommen fake news zustande.... Und damit zu den Fakten: Weimar WAR bereits unmittelbar nach der Wende eine von mehreren Modellstädten in einem Forschungsvorhaben des Bundes zur Zukunft des ÖPNV in den neuen Bundesländern (von bösen Wessis bezahlt!). Darin wurde der Obus ausführlich durchgenommen und belastbare Zukunftsstrategien für eine Betriebsausweitung, u.a. auch mit Hybridbussen, ausgearbeitet. Es waren die vor Ort verantwortlichen Ossis, die sich mit diesen Gedanken nicht anfreunden wollten und den Obus lieber beerdigten. Ich habe heute noch im Ohr, wie einer dieser verantwortlichen Ossis bemerkte, zu DDR-Zeiten sei der Obus ja hilfreich gewesen, weil man da über Strom dem kontingentierten Diesel gegenüber mehr Angebote hätte fahren können. Aber jetzt (also nach der Wende) sei er nur unflexibel und teuer, also weg damit!

Und "Elektromobilität" im Sinne des Begriffs war das natürlich auch nicht - der Fahrstrom kam zuallerletzt aus regenerativen Energien und zu allererst aus dem Verfeuern von Braunkohle.

Und, natürlich, bevor ich's vergesse: DANK dem Themenstarter für den schönen Bilderbogen!

Beste Grüße, Tss



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:07:05:18:25:20.

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: Maxl

Datum: 05.07.18 18:49

Hallo,
auch mein Dank gilt zunächst dem Themenstarter, der uns hier an seinen Schätzen teilhaben ließ! Im Übrigen ist es halt ein Problem solch langlebiger Investitionsgüter, wie es Omnibusse und Eisenbahnen nunmal sind, daß eine Entscheidung, die 1992 durchaus gut begründbar war, 25 Jahre später fragwürdig erscheint. Auch die Akkutechnologie bei der Eisenbahn ist ja, obwohl über Jahrzehnte bewährt und heute an sich bestimmt sinnvoll, zugunsten der größeren Flexibilität des Dieselantriebes aufgegeben worden. Da muß man gar nicht immer Zeter und Mordio rufen, jede Zeit hat halt ihre Sichtweisen und ist irgendwann überholt.
Grüße,
Maxl
... mit den letzten Skoda 9Tr, und ein Stasi-Mann im Auto fuhr rechts ran und führte mit mir ein ausführliches Gespräch (Verhör möchte ich nicht sagen, dazu war es doch zu ungezwungen), was ich mit Kamera an dieser verlassenen Ecke wollte. Es gab keine weiteren Konsequenzen (der Herr zuckte zusammen, als ich ihm, als Soldat im Urlaub, mein militärisches Ausweispapier reichte), aber für den Rest des Tages war ich bedient. Es wurde dann nur ein Notschuss eines 9Tr am Hauptbahnhof. Wobei auch überhaupt nur ca. 2 Umläufe noch elektrisch fuhren, und Ausfälle auf freier Strecke waren an der Tagesordnung.

Gruß Thomas

Super!

geschrieben von: Peter

Datum: 05.07.18 21:05

Wunderbar!

Vielen Dank - und gerne mehr davon. ;-)

Gruss

Peter

+++ Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
+++ Friends help you move. True friends help you move bodies.
+++ Rechtschreibfehler sind beabsichtigt: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.
Gegen einen kleinen Obolus biete ich sogar Patenschaften fuer meine Schreibfehler an. Und bald ist Weihnachten ...

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: Mattis

Datum: 06.07.18 10:38

Hallo,

lange nicht so viel .... gelesen Zitat: "NIX wissen, aber trotzdem schon mal deftige Schlussfolgerungen ziehen und Schuldzuweisungen vornehmen - das lieben wir!"

Hier wäre etwas Selbstreflektion angesagt, die ich aber auch in anderen Diskussionen vermisse ...

Zuürck zu Weimar:

Noch nach der Wende wurden beschafft:
- 1 GUW (für Schöndorfer Strecke)
- Maste für neue Linienführung in Schöndorf
- alle Mastfundamte für die neue Streckenführuing waren errichtet
- Fahrleitungsmaterial für die Streckenerweiterung und den Tausch von der Bahnunterführung bis nach Schöndorf
- was ist aus den bewilligten Geldern für die Fahrleitungserneuerung nach Ehringsdorf geworden ...

E-Mobilty sag überhaupt nicht darüber aus, wie der Strom gewonnen wird ...
Mag sein das die Nutzung regnerativer Energie in manchen Projekten eine Rolle speilt.
Moderne zentrale Großkraftwerke stellen die Energie sauberer her, als wenn man vor Ort (in der Stadt) das "wertvolle" Öl verbrennt ...

Es war die Stillegung in Weimar eine rein politische Entscheidung frei von technischen und wirtschaftlichen Argumenten ...
Man muß sich nur den Hintergrund der damals handelnden politischen Verantwortlich anzuschauen ...

Anderseits begann der Niedergang des Obusbetriebs mit Einverleibung der SV in den Kraftverkehr 1966, der sofort, die für die Zeit sehr großzügige Obushalle vorallem für den Güterkraftverkehr "übernahm" und jegliche Investitionen in die Infrstruktur verschlampte ... Auch die Fahrzeuge hatten in Weimar die durchschnittlich kürzeste Lebensdauer ...

bis hin zum Verscherbeln der letzten Obusse an "..." Händler und einem schnellen Abreißen der Anlage und der "Entsorgung" des Personals ...

Fakt ist, dass der Betrieb mit 2 bis 3 Obuslinien auch heute eine sinvolle Sache für die Stadt wäre.

Aber es war politisch nicht gewollt ...

VG
Mattis

PS1: Natürlich Danke für zeigen der Fotos ...

PS2: Wer Rechtschreibfehler findet, kann sie gern behalten!

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: FTB

Datum: 06.07.18 11:13

Ja Mattis, genau so war´s. Der Obusbetrieb in Weimar passte nicht ins beschränkte West- § Treuhandraster. Dazu einige willfährige Speichellecker des neuen alten Systems (oft ex-Genossen) und das Ende so manch sinnvoller Sache aus DDR-Zeiten war besiegelt.
Dass für das oft verbrecherische Handeln der Treuhand jemand bestraft wird, war niemals zu erwarten und ist auch nur seltenst passiert. Dabbeljuh sitzt ja für das Führen eines verbrecherischen Angriffskrieges auch bis heute nicht in Den Haag.

Be a Voice, not an Echo!

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: Elblaus

Datum: 06.07.18 12:46

Hallo miteinander!

Ein sehr schöner Bildbeitrag aus einer längst vergangenen Zeit und einem nicht gewolltem Verkehrsmittel.
Vielen Dank für das Einstellen.

Nun wird auch hier wieder ein wenig politisiert. Ein Beitrag jüngst über die Treuhand, lässt da keine Zweifel mehr offen, wer was entschieden hat und heute noch entscheidet.
Naja bischen was ist auch besser geworden. Anziehsachen und Bananen.

Schönes Wochenende liebe Freunde
Gerrit

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: ikarus28003eic

Datum: 06.07.18 16:17

Erst einmal herzlichen Dank für eine neue Charge Fotos meines „Heimatbetriebes“, an dem ich familiär und persönlich sehr hing. Ich erlebte den hoffnungsvollen Neubeginn, erlebte und kannte auch das „Wirtschaften“ mit dem „von oben verordneten“ Zeug, wobei es viele Kollegen gab, die ihr bestes gaben. Am meisten verärgte mich damals das persönlich erlebte, wie es Beteiligte vor der Kehre gab, die in ihren Vorstellungen sogar den gesamten Dieselbetrieb einschliesslich der damals alle 45 oder 80 Minuten fahrenden Linien 5 und 6 als Obus sahen, sich nach der Kehre als nun entscheidungsbefugter bzw Ausführender der neuen Macht gebärdete. Es war ein Paradebeispiel der Misswirtschaft und Manipulation, was nie aufgedeckt wurde und heute auch keine Folgen mehr haben dürfte. Zumindest sind Beteiligte auch heute noch sicher und weich gebettet.
Aber letztlich freue ich mich über jedes Zeitdokument, bitte bitte gerne mehr! Zumindest habe ich es heute in Zürich geschafft, selber Obus zu fahren, was mir leider in Weimar um ein paar Wochen verpasst nicht glücken sollte.
Guten Abend zusammen,

an dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für die zahlreichen positiven Rückmeldungen bedanken. Freut mich sehr, wenn ich – meist nur stiller Leser und Genießer – in diesem Fall auch einmal etwas beisteuern konnte.

Die Hintergründe für die Einstellung des Obusbetriebes hat Mattis gut zusammengefasst. Mein Eindruck bei Besuchen vor Ort war übrigens, dass der Obus in Weimar unter den Fahrgästen als nicht besonders verlässlich galt und damit auch nicht gerade populär war. An ein entsprechendes Gespräch mit einem wartenden Fahrgast kann ich mich noch erinnern. Es schien nicht ungewöhnlich zu sein, den Obusbetrieb vormittags ruhen zu lassen, um diverse Instandhaltungsarbeiten durchzuführen. Die Fahrzeuge standen dann (wenn ich mich richtig erinnere) an der Strecke abgestellt, und so gut es ging (gut genug???) wurde die Linie mit Diesel gefahren.

Die Gesamtsituation des Obus in der DDR ab Mitte der 1970er Jahre dürfte auch eine Rolle gespielt haben. Als einer der letzten drei Betriebe war man zum Verwerten der Reste aus den bereits eingestellten Betrieben verdammt. Schwer vorstellbar, dass unter solchen Bedingungen die Verantwortlichen einen Enthusiasmus für den Obus hätten entwickeln können. Als dann mit den 14Tr die Wiederbelebung einsetzte, war es womöglich wieder etwas, was von nur von oben (Energiepolitik) durchgedrückt wurde. Innerbetrieblich, so mein Eindruck (aber auch nicht mehr als ein solcher), war man mit dem Obus eigentlich schon fertig.

Dann sind es manchmal auch die scheinbaren Kleinigkeiten. Als ich erstmals in Eberswalde mit der Kamera rumgefuchtelt hatte, dauerte es nicht lange, bis ich von Fahrern positiv darauf angesprochen wurde. In Weimar, wo ich allein wegen der kürzeren Anreise öfter war, ist mir so etwas nicht passiert. Ein engagierter Mitarbeiter im „Laden“, dem es gelingt, seine Begeisterung an die entscheidenden Stellen weiter zu geben, hätte vielleicht auch in Weimar zu einer anderen Grundstimmung führen können.

Einen schönen Abend und ein schönes Wochenende wünscht

Carsten

Re: [WE] Weimar 25 Jahre ohne Obus (4/4)

geschrieben von: Electroliner

Datum: 09.07.18 09:26

Hallo Carsten,

O-Busfotos aus Weimar sind hier ja eher selten.
Danke für die vielen interessanten Aufnahmen.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Gruß,

Thomas