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 04 - Historische Bahn 

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So, nach extrem langer Pause, die sowohl private als auch berufliche als auch Urlaubsgründe hatte, machn wir mal weiter mit der Serie.

Die letzten Folgen waren wir ja unter Tage gewesen und hier bleiben wir auch noch. Wir sind wiederum in einem Streb in einem recht mächtigen Flöz - ich schätze mal so um die 2 m. Letzte Woche war ich in Polen in einem 4 m mächtigen Flöz - das war wirklich spektakulär; fast wie in einem Tanzsaal. Da bekommt der Ruhrbergmann Tränen in die Augen.

Egal, schauen wir uns das Ganze einmal an:

http://zechenbahnen.square7.ch/Pics/56-1.jpg

Der Fotgraf blickt aus dem Versatzfeld auf einen Hauer, der mit einem mit Druckluft betriebenen Abbauhammer Kohlen aus der Unterbank eines mäßig geneigten Flöz löst. Das Einfallen (also der Winkel zur Horizontalen) wird auch sehr schön durch die schräg erscheinenden Holzstempel klar gemacht - die sind nämlich rechtwinklig zwischen Decke (Hangendem) und Fußboden (Liegendem) gestellt.

In Gegensatz zu dem Bild der letzten Folge, wo moderne stählerne Reibungsstempel das Hangende stützen, sehen wir hier einen sehr klassichen Ausbau mit Holzstempeln, wie er für Jahrhunderte im Bergbau üblich war. Der Abstand der Baue beträgt etwa jeweils 1,5 m im Einfallen (nach links unten) und im Streichen (nach vorne zum Stoß hin). Leider ist im linken Drittel des Bildes kräftig retuschuert worden, aber es scheint, daß das Hangende relativ gleichmäßig und wenig gestört ist

Ein scharfer Blick auf den Kohlenstoß in Höhe des rechten Ellenbogens des Hauers offenbart und, daß dort eine sog. Bergemittel von etwa 10 cm Mächtigkeit das Flöz in eine Ober- und eine Unterbank trennt. Diese beiden Bänke geben sich durch den typischen silbrigen Glanz zu erkennen. Die Arbeit mit dem Abbauhammer war mühselig, beschwerlich und ziemlich laut. Man sieht ja schön die gelösten Kohlen vor den Füßen des Hauers. Wenn eine gewisses Quantum Kohle gelöst war, mußte er diese sodann in den im Virdergrund verlaufenden Förderer schaufeln. Bei diesem Förderer handelt es sich um einen sog. Stauscheibenförderer ( [de.wikipedia.org] ) Ein Bild auch hier [www.victor-ickern.de] - nach unten scrollen.

Der Hauer hatte also nicht nur die Kohlen mit dem Abbauhammer zu lösen und diese dann wegzuschaufeln, sondern auch den Ausbau zu setzen. Ganz links am Rand erkennt man einen Stempel im Förderer, diese wurden bei Bedarf von der Strebbelegschaft daraus herausgeklaubt und dann zum Ausbausetzen gebraucht. Deshalb war auch Werkzeug (Gezähe) zur Holzbearbeitung - Axt, Bügelsäge und Vorschlaghammer - vonnöten.

Harte Arbeit für harte Männer - da der Kumpel im Bild nur die Hose trägt, muß es schon deutlich warm in dem Abbaubetrieb gewesen sein.

Das alles ist heutzutage natürlich schon lange Geschichte - die Mechanisierung hat die Arbeitsverhältnisse und ganz besonders die Sicherheit unter Tage deutlich verbessert!

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.06.18 19:02.
Dazu fällt mir dieses Lied ein - "Mein Bergmannsleben"

[m.youtube.com]

Glückauf

Jörn
Moin Joachim,

schön, dass es wieder weitergeht. Das war wirklich harte Arbeit - kein Wunder, dass die Kumpels schon früher in Rente gehen mussten...

Danke fürs Zeigen,

Martin
Guten Abend Jochim.

ich kann mir kaum vorstellen, welch schwere Arbeit es gewesen sein muss. Danke für Bild und Erläuterungen.

Viele Grüße
Bruno
Wie alt mag der Kumpel gewesen sein?

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)
Hmmm. Bankrecht gut 2 m und 10 cm Bergepacken, das spricht doch stark für Flöz Zollverein 2/3. Was meinst du Joachim?

Danke für Deine Beiträge!

geschrieben von: Gleis MA 11-12

Datum: 13.06.18 23:48

Moin Joachim,

als Süddeutscher habe ich ja keine Vorstellung von der harten Arbeit unter Tage. Gerade deshalb schaue ich mir Deine Beiträge mit großem Interesse an.
Danke für Deine informativen Beiträge und diese faszinierenden Bilder.

Gruß aus Mannheim
Rolf
Nach meiner ersten Berufsausbildung bei der Preußen-Elektra im nordhessischen Borken, ging ich freiwillig für ein halbes Jahr in den Tiefbau Stolzenbach (ehemals BUBIAG Frielendorf).

Auch dort wurde so hart gearbeitet, allerdings mit Vortriebsmaschinen und Streckenausbau von Hand, bis 1988 eine Kohlenstaub-Explosion 51 meiner ehemaligen Kollegen zur letzten Schicht wurde.

An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank verschiedener Grubenwehren aus dem Ruhrgebiet, welche sofort ihre Arbeit beendeten und uns zu Hilfe eilten!

Glück Auf an Euch!

Rudolf

Besucherstollen.jpg

Heutiger Besucherstollen im Nordhessischen Braunkohlebergbaumuseum Borken.

Beachtenswert ist das Freigelände mit zahlreichen Exponaten und Zügen, welche mit 1200V Gleichstrom aus dem Restdampf des Großkraftwerkes Main-Weser gespeist wurden und der Pluspol übrigens im Gleis verlief und der Minuspol die Fahrleitung war.
So kam man mit der üblichen Fahrdrahtstärke der DB aus, wo jede Lok mit 300A abgesichert war.

IMG_7851.JPG

IMG_7871.JPG

IMG_7872.JPG

IMG_7861.JPG



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.06.18 14:15.

Super Joachim

geschrieben von: hdk

Datum: 14.06.18 20:07

Klasse Bild mit klasse Erläuterung.
Ich bin mal in Polen auf Piast angefahren.
Dort wurde ein 9m mächtiges Flöz in drei Scheiben abgebaut. „Mein“ Pütt in Ibbenbüren hatte teilweise 1,40 Mächtigkeiten. Dort im Streb zu fahren, insbesondere wenn die Schilde grad gerückt wurden war alles andere als spaßig.

Also nochmal Danke und Glückauf

Hans