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 04 - Historische Bahn 

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Angemeldet: -

Hallo,

zum Fahrplanwechsel am 3.6.1973 endeten die Einsätze der BR 01.05 der DR vor den Schnellzügen des grenzüberschreitenden Verkehrs auf dem Abschnitt Erfurt - Bebra.

Seit dem Helmstedter Abkommen 1949, also 24 Jahre lang, war die DR für die Beförderung dieser Züge, bis zu den Vereinbarungen über den Transitverkehr als Interzonenzüge bekannt, zuständig. Die Gründe für die Umstellung sind mir nicht bekannt.
Vielleicht lag es daran, dass Gerstungen der Grenze näher liegt, vielleicht wollte die DR Tfz und Passpersonal sparen. Jedernfalls hatten die neuen Vereinbarungen für immerhin 16 Jahre Bestand.
Ganz nebenbei endete übrigens am 3.6.73 auch der Einsatz von DR-Lok im Transitgüterverkehr Bebra-Gerstungen. Dort wurde seit der Ablösung der BR 44 im Jahre 1969 die BR 120 (V 200) des Bw Eisenach eingesetzt.

Während die DB die Leistungen der BR 01.5 Öl mit der BR 216 übernahm, war auf Seiten der DR der Einsatz von Lok der 3.000 PS Importlokomotiven aus der CCCP vorgesehen. (Ich vermeide den Ausdruck "V 300-Familie", weil es bei der DR nie eine V 300 gab)

Für 1973 hatten die sowjetischen Freunde den Beginn der Auslieferung von Lok mit elektrischer Zugheizung angekündigt (die spätere BR 132), die aber zum Sommerfahrplan 1973 noch nicht eingetroffen waren.

Deshalb schickte das Bw Erfurt ab Fahrplanwechsel seine BR 131 ins Rennen, die zwar nur eine Vmax von 100 km/h besaß, aber dafür eine gegenüber der BR 130 um 27% größere Zugkraft. Da zwischen Gerstungen und Dietrichsberg Steigungen bis zu 20 Promille existierten, war die BR 131 die Lok der Wahl. Einsätze von Lok der BR 118 hätte in Doppeltraktion erfolgen müssen.

https://eisenbahnstiftung.de/images/bildergalerie/25080.jpg


Auf diesem Bild der Eisenbahnstiftung sieht man 131 034 (Bw Erfurt) mit dem D 1450 (Karl-Marx-Stadt - Köln) am 16.06.73 bei Unterellen.

ellen.jpg


Das Bw Erfurt verfügte im Juni 1973 über 14 Tfz der BR 131.

Mit Beginn der Heizperiode im Herbst musste den Zügen ein Heizwagen beigestellt werden. Dieses Provisorium hielt bis Mitte Dezember 1973 an.

Dann begann die Auslieferung der BR 132 an die DR und das Bw Erfurt konnte folgende Zugänge verzeichnen:

13.12.73
132 007, 132 008

15.12.73
132 004, 132 005, 132 009, 132 012

21.12.73
132 017

22.12.73
132 019

Edit: Karte hinzugefügt

Gruß, Ulrich



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.06.18 22:47.
Hallo!

Man beachte bitte auch den an 5. Stelle eingestellten Pop-Wagen der DB. Diese waren ja u. a. für die ab 1973 (bis 1978) vorgesehenen DC-Züge bestimmt. Das ist bisher mir jetzt das einzige Bild, wo der Einsatz dieser Wagen im innerdeutschen Verkehr belegt wurde.

DC = Schnellzug des Intercity-Ergänzungssystems. Die DC-Züge hatten sogar schon teilweise die Aufgaben der ab 1988 eingerichteten IR-Züge.

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser
Der tiefere Grund wird wohl darin liegen, dass die Dampflokomotiven der DR (01, 01.5, 22, 44 (?) in Gerstungen nicht wenden konnten und deshalb bis Bebra durchfahren mussten.
"Gottseidank!" werden die Genossen der Partei und Staatsführung sich gedacht haben, als endlich leistungsfähige Diesellokomotiven zur Verfügung standen. Dass den Loks der Baureihe 131 anfangs ein Heizwagen beigestellt werden musste, war wohl das geringere Übel. Jedenfalls war das Risiko vollends gebannt, dass ein Lokführer/Heizer sich absetzt und der DR/DDR den Rücken kehrt.
Gruß in die Runde, Karl

Notwendige vorsichtige Korrekturen eingepflegt.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.06.18 23:57.
Hallo zusammen,

diese Umstellungen erfolgten gemäß Festlegung im 1972 geschlossenen Verkehrsvertrag zwischen Bundesrepublik und DDR, wo als Übergabestelle zwischen DR und DB bzw. umgekehrt jeweils der der Grenze nächstgelegene und nicht mehr der eisenbahnbetrieblich sinnvollste der beiden Grenzbahnhöfe festgelegt wurde. Damit wurden de facto in der Tat vor allem Lokläufe der DR bis in den DB-Bereich ab Inkrafttreten des Vertrags zurück genommen bis auf DDR-Gebiet. Das waren politische Entscheidungen, an denen die Bahnen nicht beteiligt waren. Ich hatte das vor langen Jahren mal beim Bundesverkehrsministerium angefragt und in diesem Sinne Antwort bekommen. Ob das nun auf Initiative der Ostseite so festgelegt wurde ist mir nicht bekannt. Plausibel wäre diese Annahme, denn die DDR war generell bemüht, das Grenzregime stets weiter im Sinne ihrer Ziele zu optimieren. Möglichst wenige Grenzübertritte aus beruflichen Gründen im Alltag waren auch ein Mosaikstein dieser Bestrebungen.

Beste Grüße, Tss
Nach meinen Informationen wurden die Wendebahnhöfe Hamburg-Altona und Bebra der DR-Dampflokomotiven zurückverlegt, weil die DB die Dampflokbehandlungsanlagen aufgeben wollten.

Gruß

Rübezahl
So wie Rübezahl kenne ich das auch. Die DB wollte einfach keine Dampfloks mehr.

Gruß von ganz oben der Bergmensch.
Hallo,

Zitat - Seit dem Helmstedter Abkommen 1949, also 24 Jahre lang, war die DR für die Beförderung dieser Züge, bis zu den Vereinbarungen über den Transitverkehr als Interzonenzüge bekannt, zuständig. Die Gründe für die Umstellung sind mir nicht bekannt. - Zitatende.

Der Grund waren der Grundlagenvertrag von 1972 und damit neue Regelungen im Transitverkehr, sowie der auch bei der DR einsetzende Traktionswechsel. Damit verbunden war auch eine Neuregelung der Bespannung auf der Strecke zwischen Bebra und Gerstungen. Siehe auch in den Beiträgen der Kollegen SFW DR Ast. Erfurt und Türen schließen selbsttätig.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.06.18 10:21.
SFW DR Ast. Erfurt schrieb:
Jedenfalls war das Risiko vollends gebannt, dass ein Lokführer/Heizer sich absetzt und der DR/DDR den Rücken kehrt.
Inwiefern? Der Lokführer blieb auf der Lok, ein Heizer fuhr nun im Heizwagen mit... :-)
Grüße
Ulrich
Bergmensch schrieb:

Die DB wollte einfach keine Dampfloks mehr.

@ Bergmensch, Rübezahl: Gerüchteküche! Mit der Umstellung endete der Dampfbetrieb auf den DR-Teilstrecken ohnedies, das hätte also keinen Sinn gemacht. Und die DB hatte von dem neuen Procedere nur Nachteile - kurze "Lokläufchen" mit zusätzlichem Tfz-Bedarf bei langen Standzeiten bzw. Leerfahrten. Wie gesagt, die Bahnen hatten da nicht mehr mitzureden als dann für die vereinbarten Regelungen die Ausführungsplanung zu machen und umzusetzen.
S&B schrieb:

Inwiefern? Der Lokführer blieb auf der Lok, ein Heizer fuhr nun im Heizwagen mit... :-)
Wenn ich es richtig interpretiere, fand ab diesem Datum der Lokwechsel DR/DB bereits in Gerstungen statt. Da dies die DDR-seitige GÜST war, war die potentielle Fluchtgefahr gebannt...

Gruß M.D.Falco

Re: Drehscheibe Gerstungen

geschrieben von: TransLog

Datum: 11.06.18 15:15

Vielen Dank für den Hinweis auf die Drehscheibe in Gerstungen.

Ich habe keinen Hinweis in Büchern oder www gefunden, wie groß sie war. Ich möchte allerdings annehmen, dass dort die BR 44 drehen konnte, denn diese Baureihe (der DB) musste jahrelang in Gerstungen im Kaliverkehr wenden.

Gruß, Ulrich
Hallo Karl,

gibt es irgendwo eine Uebersicht oder hat jemand Ahnung, wieviele DR-Lokfuehrer / Heizer / Schaffner / Mitropa-Leute sich ueberhaupt "abgeseilt" haben, wenn der Uebergabebahnhof im Westen lag, also z.B. Hof, Bebra oder Hamburg? Nach allem, was ich gehoert bzw. gelesen habe, muss sich das wohl im Bruchteil eines Promillebereichs bewegt haben.

Beste Gruesse
Joerg

Auswahlkriterien für Passpersonal

geschrieben von: TransLog

Datum: 11.06.18 16:07

Entgegen den Vermutungen, dass das Personal für diese Dienste nach Parteibuch oder politischer Überzeugung ausgewählt wurde, suchte das MfS sich Eisenbahner, die ganz enge Bindungen an ihre Familie hatten und mit Pkw und womöglich einem Häuschen gut etabliert waren.

Dieses Personal wäre durch etwaige Fluchtabsichten in schwerste innere Konflikte gestürzt worden. Den "Politischen" traute man offenbar weniger, weil man unter ihnen wohl Opportunisten und Wendehälse vermutete.

Übrigens wurde das "Passpersonal" auch häufig durch "IMs" daraufhin bespitzelt, wie der Zustand ihrer Ehe war...

Zumindest aus den Wendebahnhöfen Bebra und Hof ist bekannt, dass die Stasi dort tätige Bundesbürger zum Bespitzeln engagierte.


Gruß, Ulrich
Hallo Jörg,
meine Lehre habe ich 1969 bei der DR begonnen; die Berufsschule befand sich im Bw Erfurt P. In den Pausen haben wir uns im Schuppen herumgetrieben,
denn dort stand ein Brauseautomat mit lecker Himbeer- und Waldmeisterbrause. Mit dem Personal kam man ganz schnell ins Gespräch und man hat uns
die Wassereinläufe an den Tendern der 01.5 gezeigt. Warum wurden sie vergittert? Ich denke einfach deshalb, um mögliche Fluchten zu verhindern, oder?
Die Statistik über erfolgreiche oder gescheiterte Fluchtversuche haben doch die geführt, die das Lokpersonal ausgesucht haben. TransLog hat das sehr gut
erklärt. Danke dafür,
Gruß Karl

Und anders rum?

geschrieben von: Jörn

Datum: 11.06.18 20:43

Hat es denn je Fälle gegeben, bei denen das DB-Personal "im Osten" wegen irgendwelcher Aktionen (ich phantasiere: BILD-Zeitung versehentlich aus dem Lokfenster gefallen...) Ärger mit den dortigen "Organen" bekommen hat? Gab es Fälle, dass bestimmte Personale nicht mehr einreisen durften?

Gruß
Jörn.

Aktion: Hände waschen wollen...

geschrieben von: TransLog

Datum: 11.06.18 21:20

Hallo Jörn,

der Erfurter Lokführer Fritz Köhler berichtet in seinem Buch, dass ihn in Probstzella ein DB-Ellokführer ansprach, ob er seinen Eimer mit Wasser an der BR 01 auffüllen dürfe, um sich die Hände zu waschen. Der DB-Tf wurde danach von einem Grenzer angeschnauzt: "Zurück auf die Lok, sonst lasse ich den Hund los!"


Gruß, Ulrich

Re: Und anders rum?

geschrieben von: Frankendany

Datum: 11.06.18 22:07

Hallo,

im Buch "Bahnbetriebswerk Bamberg" von Norbert Kempf ist eine Geschichte von einem Bamberger Lokführer erzählt, der wegen nicht entfernens der genannten Boulevard-Zeitung und entsprechendem Streitgespräch dann nicht mehr nach Probstzella eingesetzt wurde. Aber ob es da offiziell ÄRger gab oder er nur vorsichtshalber nicht mehr eingesetz wurde ist nicht bekannt.

Mein Vater ist als Lokführer des Bw Lichtenfels viele Jahre nach Probstzella gefahren. Er hat erzählt, dass eine BILD oder "Westzeitung" die auf der Lok offen rumgelegen hat auch gerne von den "Organen" eingesteckt wurde.
Auch die Kontrollen des Zuges mit einem Hund und mehrmalige intensive Passkontrolle durch denselben Grenzer auch wenn er dreimal hintereinander rüber fuhr gehörten wohl zur Tagesordnung. Aber von "richtigen" Problemen bzw. Ärger hat er nie was erwähnt.

Viele Grüße

Daniel
Türen schließen selbsttätig schrieb:
gemäß Festlegung im 1972 geschlossenen Verkehrsvertrag zwischen Bundesrepublik und DDR, wo als Übergabestelle zwischen DR und DB bzw. umgekehrt jeweils der der Grenze nächstgelegene und nicht mehr der eisenbahnbetrieblich sinnvollste der beiden Grenzbahnhöfe festgelegt wurde.
Das wären dann aber auch Herrnburg und Gutenfürst gewesen. Ganz so einfach war die Sache also nicht.
[i
Sonderkorrespondent schrieb:[/i]]
Türen schließen selbsttätig schrieb:
gemäß Festlegung im 1972 geschlossenen Verkehrsvertrag zwischen Bundesrepublik und DDR, wo als Übergabestelle zwischen DR und DB bzw. umgekehrt jeweils der der Grenze nächstgelegene und nicht mehr der eisenbahnbetrieblich sinnvollste der beiden Grenzbahnhöfe festgelegt wurde.
Das wären dann aber auch Herrnburg und Gutenfürst gewesen. Ganz so einfach war die Sache also nicht.

Bei zwei Zügen im Bf. wären Lokwechsel kaum noch möglich gewesen. Eine gewisse Eisenbahninfrastruktur war dann schon erforderlich.

Gruß, Ulrich
Türen schließen selbsttätig schrieb:
Bergmensch schrieb:

Die DB wollte einfach keine Dampfloks mehr.

@ Bergmensch, Rübezahl: Gerüchteküche! Mit der Umstellung endete der Dampfbetrieb auf den DR-Teilstrecken ohnedies, das hätte also keinen Sinn gemacht. Und die DB hatte von dem neuen Procedere nur Nachteile - kurze "Lokläufchen" mit zusätzlichem Tfz-Bedarf bei langen Standzeiten bzw. Leerfahrten. Wie gesagt, die Bahnen hatten da nicht mehr mitzureden als dann für die vereinbarten Regelungen die Ausführungsplanung zu machen und umzusetzen.
Das trifft nur auf Erfurt - Bebra zu. Die Wittenberger fuhren noch einige Fahrpläne mit ihren 01.5 im Transitverkehr weiter, nur eben nicht mehr bis Hamburg.

Gruß

Rübezahl

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