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 04 - Historische Bahn 

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Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 18. März 1871
Nr. 77
Die neue München=Grafing=Rosenheimer Bahnlinie.
Sff. Da die Fortsetzung der Brennerlinie Rosenheim-Holzkirchen-München wegen des großen Verkehrs ein Doppelgeleis erforderte, und eine solche Neuanlage auf der alten Strecke ebenso kostspielig, als der schwere Betrieb über den gefährlichen Teufelsgraben doch beibehalten würde, so entschloß sich die Staatsbahnverwaltung, leichter eine ganz neue Linie, nämlich: München-Kirchseeon-Rosenheim, zu bauen, zudem dieselbe schon früher bei Anlage der ersten Bahn in Betracht gezogen wurde. Die bisherige Bahn zwischen München und Rosenheim macht für den Verkehr von Süden nach Norden bekanntlich einen erheblichen Umweg nöthig und ist auch für den Betrieb schwierig und kostspielig. Beiden Mißständen, hautsächlich der theuren Betrieb über den gefährlichen Teufelsgraben, sollte diese neue Linie abhelfen, welche von Rosenheim ab mit Umgehung der Alpenvorberge sich gegen Carolinenfeld wendet, den Rotbach überschreitet, im Rinderbachthal bis Ostermünchen steigt, dort die unbedeutende Wasserscheide zwischen dem Rinderbach und der Attel durchschneidet, an dem Gehänge der Attel bis Grafing verbleibt und von da ab über Kirchseeon in gerader Richtung gegen den Bahnhof Havelhausen (?) (vermutl. Haidhausen; Walter) sich wendet.
Der Bauangriff dieser durch Gesetz vom 16. Mai 1868 genehmigten Bahn erfolgte bereits im Frühjahr 1869, und wäre der Krieg im vergangenen Jahre nicht hereingebrochen, so würde die Eröffnung bereits zu Beginn des vergangenen Winters erfolgt seyn. Der Bau wurde durch die Bausektionen Haidhausen, Grafing und Rosenheim bewerkstelligt. - Die Kosten waren veranschlagt: Projektirung 13,700 fl., Grunderwerb 500,000 fl., Erd= und Dammarbeiten 1,133,000 fl., Kunstbauten 370,000 fl., Einfriedungen 15,000 fl., Fahrbahn 1,690,000 fl., Hochbauten 742,000 fl., Instrumente und Werkzeuge 30,000 fl., Fahrmaterial 529,000 fl., Bauführung 225,000 fl.; das Baukapital ist zu 3,680.500 fl. = 2,286,000 Thaler im Ganzen oder 523,015 fl. = 304,700 Thaler pro Meile veranschlagt gewesen. Der Unterbau wurde für ein Geleise ausgeführt, die Grunderwerbung erfolgte jedoch für zwei Geleise. Von München läuft die Bahn parallel mit der Braunauer Bahn, die Isar mit derselben auf einer Brücke überschreitend; in Haidhausen zweigt dieselbe in südöstlicher Richtung ab. Von Haidhausen bis Grafing bestehen ungewöhnlich günstige Terrainverhältnisse. Von da bis Rosenheim bewegt sich die Bahn an theilweise sehr steilen Gehängen der mitteltertiären Formation und erforderte Dämme bis zu 75 Fuß Höhe und mehrere Felseinschnitte. Größere Kunstbauten kommen nicht vor. Die Maximalsteigung beträgt 1 : 200. Der kleinste Radius beträgt 2500`. Die Maximalsteigung kommt auf einer Strecke von 101,760` zur Anwendung. Die Höhendifferenz der beiden Endpunkte beträgt 290`. Die Gesamtsteigung 462`, so daß nur eine verlorene Steigung von 172`sich ergibt. Die Betriebsverhältnisse gestalten sich demnach sehr günstig. Die Bahnlinie beträgt 17,493 Stunden = 8,746 Meilen. Stationen sind angelegt ab München: Thalkirchn (Expedition I. Kl.), Haidhausen (Bahnamt), Trudering (Haltestelle), Haar (Exp. II. Kl.), Zorneding (Exp. II. Kl.), Kirchseeon (Exp. I. Kl., Cyanisirungsanstalt für Schwellen), Grafing (Exp. I. Kl.), und Rosenheim. die Bedeutung dieser Bahn für den durchgehenden Verkehr liegt, wie bereits erwähnt, in der Vermeidung des schwierigen Bahnbetriebs auf der alten Bahn zwischen München und Rosenheim über den Teufelsgraben, wo Kurvenradien mit 200`Halbmesser vorkommen; im Lokalverkehr wird sie ferners hauptsächlich Holz aus großen Staats= und Privatforsten (u. A. bei Ebersberg), dann Bausteine aus Nagelfluhe zu befördern haben. Erwähnenswerth hiebei sind auch die großen Torflager bei Carolinenfeld, Klostermünchen, Grafing, Ebersberg.

Walter
Danke! Das drittletzte Wort muss Ostermünchen lauten. Und die Cyanisirungsanstalt in Kirchseeon sorgte dafür, dass das von ihr einst belegte Gelände bis heute unbewohnbar ist und schon viele Millionen an Bodensanierungskosten verschlungen hat.