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 04 - Historische Bahn 

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Moin,

Als die Eutin-Lübecker Eisenbahngesellschaft am 10.04.1873 die Bahnstrecke Eutin – Lübeck eröffnete, legte sie an der Kreuzung der Bahn mit der Chaussee von Ahrensbök nach Scharbeutz einen Bahnhof an, den sie nach dem nächsten größeren Dorf - Gleschendorf - benannte. Gleschendorf bekam einige Jahre später eine eigene, dichter am Dorf gelegene Haltestelle - Gleschendorf Dorf. Währenddessen entwickelte sich um den Bahnhof Gleschendorf herum ein neuer Ort, den man der Einfachheit halber Gleschendorf Bahnhof nannte. Allerdings wuchs dieser Ort nicht in Richtung Gleschendorf, sondern in Richtung des Dorfes Pönitz am See. Dass nun der Bahnhof Gleschendorf nahe bei Pönitz lag, während Reisende nach Gleschendorf in Gleschendorf Dorf den Zug verlassen sollten, sorgte zunehmend für Verwirrung. Deswegen wurden im Mai 1934 der Ort Gleschendorf Bahnhof mitsamt seines Bahnhofes in Pönitz umbenannt, der Haltepunkt Gleschendorf Dorf hieß fortan einfach Gleschendorf. Alles klar?

Die Bemühungen des größten Ortes zwischen Eutin und Lübeck - Ahrensbök - einen eigenen Bahnanschluss zu bekommen, führte zum Bau einer Eisenbahn vom Bahnhof Gleschendorf (später Pönitz) entlang der Chaussee nach Ahrensbök, die am 10.05.1886 eröffnet wurde. Die Strecke zweigte mitten im Bahnhof am Südende der Bahnsteige in Richtung Osten ab. Der Personenverkehr wurde bereits am 23.05.1954 eingestellt, der Güterverkehr hielt sich bis zum 28.05.1988. Anschließend wurde der Bahnhof Pönitz nach und nach zurückgebaut. Nachdem Mitte der Neunziger Jahre auch der Güterverkehr în Pönitz eingestellt wurde, blieb nur noch das Streckengleis und ein Kreuzungsgleis übrig. Ende der Neunziger Jahre wurde der Mittelbahnsteig durch einen Außenbahnsteig an Gleis 2 ersetzt, und im Dezember 2004 wurde das ESTW Lübeck in Betrieb genommen, das seitdem auch den Bahnhof Pönitz fernsteuert, der Bahnhof ist seitdem unbesetzt.

Wer sich wundert, warum, der Bahnhof irgendwie Oldenburgisch wirkt:
Zum Zeitpunkt des Bahnbaus gehörte der Kreis Eutin als Exklave zum Großherzogtum Oldenburg, somit baute die ELE natürlich im Oldenburger Stil.
Genug der Vorrede, jetzt kommen die Bilder, die die Entwicklung des Bahnhofes von 1987 bis 2017 - also über die letzten dreißig Jahre - zeigen.


Straßenseite

https://abload.de/img/guh0a-pnitz1989-strae25x96.jpg

1989


https://abload.de/img/guh0a-pnitz2003-straenua8e.jpg

2003


https://abload.de/img/guh0a-pnitz2017-straesrbz8.jpg

2017


Der Südteil des Empfangsgebäudes wurde im Januar 1990 abgerissen, an seiner Stelle errichtete die Bundesbahn einen der zu dieser Zeit modernen sechseckigen Pavillons.

https://abload.de/img/guh0b-pnitz1989-straeqcbeb.jpg

1989


https://abload.de/img/guh0b-pnitz2003-straen7br2.jpg

2003


https://abload.de/img/guh0b-pnitz2017-strae0qbfa.jpg

2017

2017 war mit der Renovierung der Fassade begonnen worden. Das über Jahrzehnte nur mit grauem Putz da stehende Gebäude ließ bei mir oft ein "DDR-Gefühl" aufkommen.


Blick aus Richtung Eutin

https://abload.de/img/guh00a-pnitz1989-ausec7l97.jpg

1989

https://abload.de/img/guh00a-pnitz2003-ausek8ltd.jpg

2003


https://abload.de/img/guh00a-pnitz2017-ausei4xr7.jpg

2017

In den Achtziger Jahren wirkte der Bahnhof ein wenig vernachlässigt und ziemlich grau, unabhängig vom Wetter.

Im Eingangsbereich unter den beiden Bögen befand sich eine Gedenktafel, dass Kaiser Wilhelm auf dem Bahnhof übernachtet hätte. Weiß jemand, ob diese Tafel überlebt hat und wo diese Tafel heutzutage zu finden ist?

2003 war der Bahnsteig neugebaut und ein Wartehäuschen gab den Reisenden Schutz, denn die Bahnhofshalle war bereits geschlossen. Der Bahnhof war aber noch besetzt und der Fahrdienstleiter hatte dem Lokführer irgendetwas mit auf die Reise gegeben. Beide begeben sich wieder an ihren Arbeitsplatz.

2017 war der Bahnhof verkauft worden, inklusive des Geländes zum Bahnsteig hin. Das Wartehaus musste verschwinden, die Reisenden stehen jetzt gegebenenfalls im Regen.


Blick aus Richtung Lübeck

https://abload.de/img/guh01a-pnitz1987-ausl5ia7i.jpg

1987


https://abload.de/img/guh01a-pnitz2017-auslmvahu.jpg

2017

1987 wirkte der Bahnhof auch bei Sonnenschein grau und farblos. Der Bahnsteig von Gleis 1 war in Richtung Lübeck mit Betonplatten gepflastert. Der Mittelbahnsteig hatte Sandbelag. Links das Gleis, von dem früher die Züge nach Ahrensbök abfuhren. Das Empfangsgebäude war noch in voller Größe vorhanden.

2017 sieht man die modernen Seitenbahnsteige. Das Empfangsgebäude ist teilweise abgerissen worden und an seiner Stelle wurde 1990 einer der damals modernen sechseckigen Pavillons errichtet.


Blick aus Richtung Eutin

https://abload.de/img/guh00b-pnitz2003-auset8x4g.jpg

2003


https://abload.de/img/guh00b-pnitz2017-auseyeztn.jpg

2017

Dieser Vergleich war in den Achtziger Jahren noch nicht möglich. Obwohl die modernen Seitenbahnsteige das Erscheinungsbild prägen, sieht man viele Details, die sich in den 14 Jahren, die zwischen beiden Bildern liegen, verändert haben: Die Seilzugspanner und das Wartehäuschen sind verschwunden, und auch der VT 628 ist weg. Stattdessen fahren jetzt LINT-Treibwagen. Aber die seht Ihr erst weiter unten.


Blick aus Richtung Lübeck

https://abload.de/img/guh01b-pnitz2003-auslhlxry.jpg

2003


https://abload.de/img/guh01b-pnitz2017-auslrabqz.jpg

2017

Der Vergleich vom Außenbahnsteig noch einmal aus der anderen Richtung. Bis auf die Gleisseite ist die Fassade des Empfangsgebäudes bereits rot gestrichen. Mit einem Zaun ist es vom Bahnsteig getrennt.


Blick aus Richtung Lübeck

https://abload.de/img/guh01c-pnitz2003-ausluhaql.jpg

2003


https://abload.de/img/guh01c-pnitz2017-auslneynw.jpg

2017

Der Vergleichsbild vom Bahnübergang ist nicht so spektakulär. Die Überwachungskamera ist weg. Es sitzt ja auch niemand mehr im Bahnhof, der sich die Übertragung der Kamera anschaut. Und die Signale, die 2003 noch auf die Inbetriebnahme warteten, sind seit 2004 in Funktion. Leider habe ich kein Vergleichsbild aus den Achtzigern.


Blick aus Richtung Lübeck

https://abload.de/img/guh01d-pnitz2003-auslwoxtt.jpg

2003


https://abload.de/img/guh01d-pnitz2017-auslwyasw.jpg

2017

Von etwas weiter weg sieht man mehr Veränderungen: Nicht nur die Formsignale sind verschwunden, sondern auch der prägnante rote Wartekasten der DBAG der Neunziger rechts im Bild.


Blick in Richtung Lübeck

https://abload.de/img/guh11b-pnitz2003-nachsvzr4.jpg

2003


https://abload.de/img/guh11b-pnitz2017-nachnoxmr.jpg

2017

2003 warteten die Lichtsignale noch auf die Inbetriebnahme, die Formsignale auf der anderen Seite des Bahnüberganges regelten noch den Verkehr.


Blick in Richtung Lübeck und Ahrensbök

https://abload.de/img/guh11a-pnitz1990-nach50lm8.jpg

1990


https://abload.de/img/guh11a-pnitz2003-nachz0zv8.jpg

2003


https://abload.de/img/guh11a-pnitz2017-nachmdyuu.jpg

2017

Diese Trilogie zeigt deutlich die Veränderungen der letzten 27 Jahre:

1990 läuft eine altrote 218 mit einem Eilzug aus Lübeck in den Bahnhof, eine Köf rangiert ihren Güterzug auf dem Streckengleis nach Ahrensbök. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Raiffeisenlager in Untersteenrade noch als Bahnhofsgleis bedient, ob die Köf von dort kommt, ist aber unwahrscheinlich, denn den Zug hätte sie dann schieben müssen.

2003 fuhren immer noch 218 und sie waren inzwischen auch wieder rot... Der Bahnhof wurde modernisiert mit Außenbahnsteigen, die Gütergleise waren abgerissen. Die Lichtsignale standen bereits bereit, um die Formsignale abzulösen. Der Landhandel hat seine Siloanlagen massiv erweitert, aber die neuen Silos sind nicht mehr an die Bahn angeschlossen.
2017 sind die 218er auf dieser Strecke verschwunden, LINT-Treibwagen fahren dagegen im Halbstundentakt, in Pönitz hält jedoch nur jeder zweite Zug.

Interessant:
Man hat die Richtungsgleise verändert. Fuhr man 2003 von Gleis 1 nach Lübeck und von Gleis 2 nach Kiel, so ist es heute genau andersherum. Kennt jemand den Grund dafür?



Blick in Richtung Eutin

https://abload.de/img/guh10b-pnitz2003-nachwkbc9.jpg

2003


https://abload.de/img/guh10b-pnitz2017-nachcxlao.jpg

2017

Man sieht beides: Den Signal und der Fahrzeugwandel.


Blick aus Richtung Lübeck von der Umgehungsstraße

https://abload.de/img/guh01e-pnitz1987-auslufynm.jpg

1987


https://abload.de/img/guh01e-pnitz2017-ausl18bil.jpg

2017

Der klassische Blick auf den Bahnhof Pönitz. 30 Jahre liegen zwischen beiden Aufnahmen.


Blick aus Richtung Ahrensbök von der Umgehungsstraße

https://abload.de/img/guh02-pnitz1988-ausahyyxmz.jpg

1988


https://abload.de/img/guh02-pnitz2017-ausahdszz5.jpg

2017

Das Gleis, auf dem der Abschiedszug am 28.05.1988 unterwegs war, liegt auch 2017 noch unter dem Bewuchs.
Sowohl die Siloanlagen als auch die Halle im Vordergrund wurden kräftig ausgebaut. Nur die Bahnhofsnähe nützt nichts mehr. Der Transport erfolgt auf der Landstraße.


Blick in Richtung Ahrensbök

https://abload.de/img/guh12-pnitz1988-nacha8ylnk.jpg

1988


https://abload.de/img/guh12-pnitz2017-nachae9ypu.jpg

2017


Die Strecke nach Ahrensbök ist komplett zugewachsen, aber bis zum Raiffeisenturm Untersteenrade, den ihr rechts im Bild sehen könnt, liegt noch das Gleis.


Mit diesen Eindrücken von der Abschiedsfahrt nach Ahrensbök möchte ich mich aus Pönitz verabschieden.
Bei gegebenem Anlass werde ich mich dann auch einmal der Verfolgung dieses Zuges widmen.


Es wäre schön, wenn Ihr meine Fragen beantworten könntet oder weitere Bilder ergänzen würdet.

Christoph

Dazu 3 Bilder von 1983

geschrieben von: Alberto

Datum: 17.05.18 08:03

Hallo Christoph,

vielen Dank für die Bilder - inbesondere für die beiden der letzten Fahrt nach Ahrensbök, darin habe ich als Fahrgast gesessen!

Vor 35 Jahren verschlug es mich erstmals nach Pönitz (ich lief dann zu Fuß die Gleise nach Ahrensbök ab und fuhr mit einem Omnibus wieder zurück). Mit meiner Pocket-Camera („Ritsch-Ratsch“) machte ich 3 Bilder in Pönitz - mehr nicht, weil sie teuer waren und mein zur Verfügung stehendes Taschengeld dem entgegenstand.

http://up.picr.de/32706973hs.jpg
Jch stehe im Gleis nach Ahrensbök und blicke in Ri. Bahnsteige.

http://up.picr.de/32706974uf.jpg
Die doppelte Kreuzungsweiche fand ich wohl interessant.


http://up.picr.de/32706975vn.jpg
Mit E 2872 (Kreiensen – Flensburg, Ksw. von Wiesbaden) fuhr ich dann nach Hause (über Eutin nach Preetz).

Gruß Alberto
Hallo Christoph,

wie immer vielen Dank für die Mühe und die vielen Bilder.
Pönitz kenne ich an sich nur vom Durchfahren, 1986 befuhr ich die Ahrensböker Strecke mit der V200 und dem VLV-Doppeldecker und 2000 war ich mal in der Nähe und habe glaube ich 1-2 Bilder gemacht. Ich schau mal nach...

Info zum ESTW:
Die Strecke Kiel - Lübeck wird zwischen Raisdorf und Pansdorf nicht vom ESTW Lübeck (BZ Hannover), sondern vom ESTW "Ksf" gesteuert, das sich in Lübeck direkt neben dem anderen ESTW-Gebäude befindet. Ebenso von dort wird der Abschnitt Pogeez-Güster durch das ESTW "Lbf" gesteuert. Die Abkürzungen ergeben grob die Abschnitte (Ksf = Kiel - Bad Schwartau, Lbf = Lübeck - Büchen) wider.

Und zur Frage:
Man hat die Richtungsgleise verändert. Fuhr man 2003 von Gleis 1 nach Lübeck und von Gleis 2 nach Kiel, so ist es heute genau andersherum. Kennt jemand den Grund dafür?

Der Grund ist simpel: Leider hat man mit dem ESTW wieder mal gespart und den Bahnhof mit nur drei Ausfahrsignalen versehen. Richtung Kiel steht nur von Gleis 1 ein Ausfahrsignal zur Verfügung.

Gruß
Sven



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.05.18 13:13.