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Frage zu einer Bauartänderung an der DB-Lok 03 079

geschrieben von: BwSaalfeld

Datum: 16.05.18 16:32

Meine heutige Frage beweist, dass auch ein alter Esel nie auslernt. Ich habe im Betriebsbuch der DB-Lokomotive 03 079 eine Bauartänderung gefunden, die mir auch nach 35 Jahren Beschäftigung mit dieser Materie noch nie unterkam:

Ausgeführt bis 14.06.1956 im AW Braunschweig als Versuch:
Rechte Zylinderdeckelstiftschrauben mit Heli-Coil-Gewindeeinsätzen versehen.

Was bitte sind Heli-Coil-Gewindeeinsätze?

Die Bauartänderung beweist uns, dass Stiftschrauben keineswegs nebensächlich oder unwichtig sind. Ganz im Gegenteil.

Die Lok hatte bereits zum 01.04.1955 beim AW Braunschweig einen ersten Versuch. Es wurden angeschweißte Achslagerführungen (statt angeschraubte) angebaut. Auch dies ist mir an einer Lok der Baureihe 03 erstmalig untergekommen.

Vielleicht kann ein alter Fuchs aus dem Werkstättenwesen helfen.

Euer Bw Saalfeld
Moin!

Hier hilft Dir (hoffentlich) Google bei dem Suchbegriff Heli-Coil und nennt auch die Gewindestiftgrößen und deren Festigkeit:

[www.google.com]

Mit freundlichem Gruß
Helmut

Meine bisher erschienenen Beiträge findet ihr durch Anklicken des Bildes hier:
http://s14.directupload.net/images/user/140226/jikgddpg.jpg
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Ob diese Sonderarbeiten dann "in Serie" gingen, also standardmäßig bei der DB in dem AW dann angewendet wurden (bei dem Anschweißen von Gleitplatten war dies m.E. der Fall) kann nur die DV 946 (Teilheft ?) beantworten. Erst mit dem Anschweißen der Gleitplatten machte der Einsatz der (Lok-)Rahmenchleifmaschinen in den AW m.E. Sinn. Die letzte existierte meines Wissens nach im AW Freimann bis zu dessen Schließung in den ersten 1990er Jahren. Mich hat es damals gewundert, dass das Werk Meiningen diese nicht übernommen hat. Die einstmals dort befindliche Schleifmaschine war zur Wende schon nicht mehr existent.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.05.18 17:08.
Heli Coil Gewindesätze ist ein Verfahren, bei dem ausgeleierte Gewindelöcher repariert werden. Zuerst wir das Loch aufgebohrt, dann einspezielles Heli Coil Gewinde geschnitten, und dann der Einsatz eingeschraubt, der Innen das ursprüngliche Gewinde hat. Ist ein bewährtes Verfahren, um Gewinde zu reparieren.

Ceterum censeo Confoederationem esse delendam

Christof Bastert

[www.revolution1848-1849.eu]

Re: Frage zu einer Bauartänderung an der DB-Lok 03 079

geschrieben von: S&B

Datum: 16.05.18 22:41

Zitat:
Heli Coil Gewindesätze ist ein Verfahren, bei dem ausgeleierte Gewindelöcher repariert werden. Zuerst wir das Loch aufgebohrt, dann einspezielles Heli Coil Gewinde geschnitten, und dann der Einsatz eingeschraubt, der Innen das ursprüngliche Gewinde hat. Ist ein bewährtes Verfahren, um Gewinde zu reparieren.

Jau, haben wir bei ausgerissenen/überdrehten/verschlissenen Kerzenlochgewinden bei Benzinmotoren gemacht (also bei DKW und Wartburg 353).
Grüße
Ulrich

Re: Frage zu einer Bauartänderung an der DB-Lok 03 079

geschrieben von: Nethobl

Datum: 17.05.18 12:29

Sieht man heute an den Achslagerdeckeln bei ICE und Regional-Triebwagen, dort wird der Einsatz der Heli Coil durch einen gelben Strich über die Schraube gekennzeichnet, da ein anderes Anzugsmoment an den Schlagschraubern verwendet werden muss, um die eingeklebten Einsätze nicht mit rauszureißen.

Holger

Murphy´s Gesetze:
Wenn etwas schiefgehen kann, wird es auch schiefgehen.
Die Summe der Intelligenz auf unserem Planeten ist eine Konstante; die Bevölkerung wächst.
Unklarheit ist eine unveränderliche Größe.
Egal was schief geht, immer ist da jemand, der das schon im voraus wusste.

Danke an alle

geschrieben von: BwSaalfeld

Datum: 17.05.18 16:22

Ich möchte mich bei allen bedanken, die zur Aufklärung dieser Sache beigtragen haben. Und ich wünsche allen Lesern und auch den Schreibern ein schönes und frohes Pfingstfest.

Ich habe diese Bauartänderung wie geschrieben erstmals bei dieser 03-Lok vorgefunden. Es kann natürlich sein, dass man das Verfahren auch bei anderen Lok angewendet hat. Vielleicht auch bei der DR, aber eher unwahrscheinlich. In großem Stil scheint es nicht in Anwendung gekommen zu sein, diese würde sich in den Ausbesserungsteilen der Betriebsbücher niedergeschlagen haben, von denen bekanntlich viele tausend bekannt sind.

Also nochmals danke an alle.

Bis zur nächsten Frage - und die kommt bestimmt.

Herzlichst Bw Saalfeld.

Re: Danke an alle

geschrieben von: dooby

Datum: 17.05.18 21:19

Zitat:
"Ich habe diese Bauartänderung wie geschrieben erstmals bei dieser 03-Lok vorgefunden. Es kann natürlich sein, dass man das Verfahren auch bei anderen Lok angewendet hat. Vielleicht auch bei der DR, aber eher unwahrscheinlich. In großem Stil scheint es nicht in Anwendung gekommen zu sein."

Man hat beschädigte Gewinde bei der 03 mit Heli-coil Einsätzen repariert. Und weil das eine technische Änderung ist, muß sie auch vermerkt werden. Not less not more.
Ein völlig normaler Vorgang, zumal dieser Umbau nur bei Bedarf durchgeführt wird, keine generelle Bauartänderung ist, eigentlich klar, oder?
Und warum soll die DRo solche Umbauten nicht durchgeführt haben, die waren doch nicht weniger technisch ausgebildet?
Sag ich mal so...

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3.einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.05.18 21:20.

Re: Danke an alle

geschrieben von: dampfbahner

Datum: 17.05.18 23:33

dooby schrieb:

Ein völlig normaler Vorgang, zumal dieser Umbau nur bei Bedarf durchgeführt wird, keine generelle Bauartänderung ist, eigentlich klar, oder?
Und warum soll die DRo solche Umbauten nicht durchgeführt haben, die waren doch nicht weniger technisch ausgebildet?
Sag ich mal so...

Das Heli-Coil- System war in der DDR nicht allgemein erhältlich. Hier hätte man sich mit dem "Vergrößern" des beschädigten Gewindes und dem Anfertigen eines Stehbolzens mit den entsprechenden Gewinden behelfen müssen. Ob das allerdings für Eisenbahnfahrzeuge zulässig war und eingesetzt wurde, kann ich nicht sagen.

Im "allttäglichen Leben" gab es manchmal das Problem eines defekten Zündkerzengewindes. Hier wurde das Innengewinde vergrößert und eine entsprechende Zwischenbuchse angefertigt.

edit: Zündkerzengewinde hinzugefügt

Gruß aus Magdeburg

Klaus




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.05.18 00:01.
Hallo Holger,
die gelben Markierungen sind sog. Schraubensicherungslack und dienen dazu auf dem ersten Blick feststellen zu können, ob sich eine Schraubenverbindung gelöst hat. Die Werkstattmitarbeiter haben nach der jeweils Tagesaktuellen Version der Instandhaltungsdokumente zu arbeiten. Dort sind alle relevanten Informationen, auch das korrekte Drehmoment angegeben.

Heli-Coil Einsätze alleine sind nicht zwingend der Grund für andere Drehmomentwerte. Die Gewinde der Achslagergehäuse kann auch von Hersteller her direkt mit solchen Einsätzen versehen worden sein. Üblich ist das zum Beispiel bei Bauteilen aus Leichtmetallen. Durch ihre Verwendung erhöht sich die Festigkeit an dieser Stelle drastisch. Sie erreicht die Werte einer gleichwertigen Stahlverbindung, bei insgesamt gewichtsreduzierter Konstruktion.

Heli-Coils werden in der Regel, laut Herstellervorgaben auch nicht eingeklebt. Allerdings ist das nur ein Markenprodukt in dem Bereich und es gibt auch zig Hersteller von ähnlichen Produkten, welche dann unter Umständen als Gewindebuchse eingeklebt werden.

Kurze Anmerkung noch: Bitte meinen Beitrag nicht als Besserwisserei verstehen. Manchmal muss ich aber als gelernter Schienenfahrzeugmechaniker solche Dinge einfach klarstellen ;-)

Beste Grüße
Arnoldsche