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 04 - Historische Bahn 

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Im Zusammenhang mit dem neulich publizierten Bericht über die Forchbahn hat mir mein Kollege Heinz Bircher auch noch ein paar "Beifangbilder" übergeben die er am selben Tag (23.9.1967) vorgängig der Sonderfahrt mit der Forchbahn so nebenbei aufgenommen hatte. Ich habe sie in einem separaten flickr Album "Strassenbahn Zürich" abgelegt. Anhand der angezeigten Zugriffe wurden diese Bilder ja auch schon vom ein und anderen da aufgespürt ;-) Die Fahrzeuge sind da jeweils im Bildtext beschrieben. Ein paar mal ist Heinz Bircher ja auch der heute nicht mehr vorhandene Ce2/2 93 ex. LSB 10 ins Bild gefahren.

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Strassenbahn Zürich by BEB - Diverse, auf Flickr

Eine kleine Sensation ist aber ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Bild. So zeigt es doch den Ce2/3 1031 von 1939, einer der Urahnen für alle Standardwagen in der Schweiz welche nach dem WKII in Serie gingen und doch sehr typisch für die Strassenbahnen der Schweiz wurden, sofern sie überlebten und nicht der Motorisierungswelle zum Opfer fielen.

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Strassenbahn Zürich by BEB - Diverse, auf Flickr

Aber nicht nur das, sein Beiwagen rundet zusätzlich die Besonderheit noch ab. Da handelt es sich doch um den Wagen C55, noch im originalen grau-weissen Anstrich der soeben stillgelegten Schaffhauser Strassenbahnen. Dieser wurde in den ersten Stunden des im Entstehen begriffenen Trammuseum Zürich von einem Mitglied privat gekauft. Die baugleiche Serie war damals in Zürich schon komplett verschwunden. Die Tragödie ist aber leider, dass dieser Wagen heute das einzig überlebende Fahrzeug von Schaffhausen ist. Der gesamte sonstige Wagenpark wurde nach dem letzten Tag betriebsfähig im Freien abgefackelt und das verbogene Eisen vom Schrotthändler zusammengesammelt. Niemand in Schaffhausen hatte es für nötig erachtet auch nur einen Triebwagen oder Zug der Strassenbahn zu erhalten, welche ja für Jahrzehnte das Stadtbild prägten. Ohne nun zu stark abzuschweifen, das selbe gilt auch für die Schaffhausen-Schleitheim Bahn. Einzig von der mit dem Tramnetz verflochtenen +GF+ Werkbahn ist etwas erhalten, unter anderem eine elektrische Güterlok bei Blonay-Chamby und ein kürzlich restaurierter (Güter-)Wagen in Schaffhausen. Ein Güterwagen als einziger Zeuge vor Ort !!

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Strassenbahn Zürich by BEB - Diverse, auf Flickr

Nun aber zum Triebwagen Ce 2/3 1031. Dies war wie gesagt ein Prototyp der für Zürich in 2 Stück gebaut wurde. (31 und 32). Diese Wagen waren die Urahnen für den wagenbaulichen Teil der zukünftigen Standardwagen. Damit wurde auch der Fahrgastfluss am bei der hinteren Türe sitzenden Kondukteur realisiert. Ursprünglich nur mit 2 Türen geliefert, bekamen später beide Wagen noch eine Türe in der Mitte zum Aussteigen. Wie in der Bezeichnung ersichtlich bekamen beide Wagen ein gearde von SLM in Mode geratenes 3-achsiges Untergestell mit Lenkachsen. (Wie im Forchbahn Beitrag zu sehen hatte ja der nachgelieferte Triebwagen 6 ebenfalls so ein Untergestell). In der damaligen Fachwelt wurde über die Vor- und Nachteile der gelenkten Dreiachser zum Drehgestellwagen durchaus intensiv diskutiert. Als weitere Variante kamen ja noch die Maximum-Drehgstelle ins Spiel. Ohne nun diese technisch interessante Diskussion zu vertiefen, die Zukunft gehörte erstmal dem Drehgestellwagen. So sind die beiden Prototypen nur wagenbaulich, nicht aber bezüglich Fahrgestell die Quelle für die Standardwagen. Der erste Prototyp 31 bzw 1031 ist auf dem Bild zu sehen, erhalten geblieben ist aber nur der zweite Prototyp 1032.
Für das zukünftige Fahrgestell/Chassis machte wie erwähnt ein Drehgestell von BBC das Rennen. Dieses sogenannte Simplex Drehgestell mit Innenlagerung wurde erstmalig beim Triebwagen 1 für die Biel-Meinisberg Bahn (BMB) eingebaut. Da sogar noch mit Speichenräder. Wagenbaulich wurde da eine spitze, durchaus elegante Form realisiert, jedoch kein Fahrgastfluss. Nachdem die BMB wenige Jahre nach der Auslieferung bereits stillgelegt wurde, kam der fast noch neue Wagen zur Lugano-Cadro-Dino Bahn wo er dann zeitlebens seinen orange-weissen Anstrich der BMB behielt. Lokales Kompetenzgerangel und Ignoranz nach der Stilllegung der LCD verhinderten leider einen Erhalt des besonderen Wagens oder auch nur eines seiner Drehgestelle.

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Ferrovia Lugano - Cadro - Dino by BEB - Diverse, auf Flickr

So haben die Schweizerischen Standardwagen grundsätzlich zwei Urahnen, die Ce2/3 31/32 von Zürich und der Ce4/4 der BMB später LCD. Als Abschluss ein Bild vom Resultat dieser Standardisierung aus Bern im Winter 1985 auf der gerade neu gebauten Verlängerung der Linie 3 nach Bern-Saali.

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Strassenbahn Bern by BEB - Diverse, auf Flickr

Beste Grüsse
Heinz Bircher und Heinz Gerber (von der BEB)

Alle flickr Unteralben zum rumstöbern [www.flickr.com]


Korrektur Rechtschreibung - sorry



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.05.18 22:37.
Fantastisch... Auch ein späterer guter Freund von mir in jungen Jahren in der Tür des Ce2/2 93, leider letztes Jahr verstorben....

Ein kleiner Exkurs zu Schaffhausen: Nicht nur ein Güterwagen ist dort als Zeuge erhalten, sondern auch eine Elektrolok! Die über die BC an einen französischen Privatmann gelangte Ge2/2 78 ist wieder in der Heimat und wird derzeit restauriert. Auf der BC selber ist die Ge4/4 75 betriebsfähig vorhanden.

Zu den Standardwagen in Zürich: Die ersten 20, heute noch teilweise als Schneepflug und Cargotram im Einsatz, wurden mit Aussenlagerdrehgestellen geliefert. Der CFe2/3 6 der Forchbahn erhielt sein Lenkgestell erst in den späten 40er Jahren, zur Ablieferung entsprach er den CFe2/2 1-5.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.05.18 23:02.
@Patrick

besten Dank für die Informationen.
Da gibt es dann von der ganzen Pracht in Schaffhausen ja wenigstens noch eine stilvolle Erinnerung an die +GF+ Werkbahn.
Ja unsere Anwesenheit hier ist ja für alle nur temporär, umso wichtiger ist doch einfach, dass man wenigstens auch etwas sinnvolles für nachfolgende Generationen hinterlässt. Beim Betrachten vieler alter Bilder aus der Frühzeit der Eisenbahnfreunde möchte man den damaligen Leuten auch einfach nur Danke für ihren Einsatz sagen. Ohne deren Engagement gäbe es heut kaum mehr was zu erleben und zu erfahren.