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 04 - Historische Bahn 

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Das war der Moment, an dem ich mich von meiner ersten Geliebten verabschiedete: 25. September 1981, mein Lieblingsplatz vor Altenau, Üg67664. Letzte Fahrt, Aus. Vorbei. Tiefe Depression. Wer hätte gedacht, das noch viele Abschiede folgen sollten, und somit aber auch viele Wiedersehens




Kinder, wie die Zeit vergeht.....
Oh je, spätestens wenn man Oma´s Stoßseufzer nun selbst wiederholt, sollte man mal nachrechnen, ob man nicht langsam älter wird.....
Ok, 2018-1963 ist..... ach ja, ....Kinder wie die Zeit vergeht.....

Über derartige Zeitrechnungen und "Mitfuchziger" kann 169 003 mit Ihren 106 Jahren nur müde lächeln und schon jetzt steht fest, wer von uns beiden älter wird! Ich gönne es meiner besonderen Freundin von ganzem Herzen.

Nicht nur unverwüstlich alt ist unsere 169 003, sondern sie kann auch schon auf diverse "Tode" und "Wiederauferstehungen" zurückblicken. Denn auch wenn sie aus heutiger Sicht quasi schon den Mytos als "unsterblich" hat, so hat das am Ende Ihrer aktiven Zeit beileibe nicht so rosig ausgesehen.


Auf was wir heute blicken wollen, das ist "Abschied #4" vor 10 Jahren:

Ich war nicht ganz unbeteiligt, (wofür mich ein gewisser Herr E. aus Mu, seineszeichens Vorsitzender der der BSW-Gruppe zum Erhalt der E69 bis heute verachtet) dass 169 003 im April 2000 von den Toten auferstand und unter Regie des Eisenbahnmuseums Nördlingen wieder in Betrieb ging. Doch nach 8 Jahren Einsatz für das Museum, (hauptsächlich im Pendel nach Harburg, anfangs aber auch für diverese Arbeitseinsätze)ging diese Etappe zu Ende. Das DBMuseum wollte den Nutzungsvertrag nicht verlängern. Man wollte die Lok aber nicht "einfach so" abgeben, sondern diesen aus Sicht Nördlingens traurigen Abschieds mit einer letzten Fahrt begehen, zu der mich der Mentor der Lok in Nördlingen eingeladen hatte. Und es sollte nicht irgendein "künstlicher Akt" sein, sondern, wie es sich für eine E69 gehörte, ein braver Alltagsdienst. Die Bayernbahn, Arbeitgeber von 169 003, beförderte seinerzeit regelmäßig grüne Kesselwagen von (ich glaube) München Ost nach Norden. Am 22. März 2008 standen 3 solche Wagen in Donauwörth und mussten weitertransportiert werden. Als machte sich 169 003 von Nördlingen aus mit einem "Begleitwagen" nach Donauwörth auf, holte sich im dortigen Güterbahnhof die Wagenladung und brachte als letzte Fahrt diesen Dg nach Nördlingen. Nach dessen Hinterstellung bügelte die Lok am frühen Nachmittag ein letztes Mal ab. Das es mit einer Betriebskarriere weitergehen würde, das war zu diesem Zeitpunkt keineswegs sicher.

Am 8. April 2008 überführte die V100 der BayernBahn die inzwischen nicht mehr fahrfähige Lok (das Museum hatte diverse nachgerüstete Teile zum Betrieb als Museumslok wieder entnommen) dann nach Nürnberg, wo die Rückübergabe ans DB Museum erfolgte. Gegen Ende Mai 2008 holte 140 128 ihre zukünftige Betriebsschwester dort ab, und bereits wenige Tage später fuhr 169 003 den ersten Einsatz für ihren neuen "Arbeitgeber"

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Als ich am 22.03.08 in Nördlingen ankam, grüßte mich über die Bahnsteige hinweg schon meine alte Weggefährtin

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Abfahrtbereit am Übergabegleis ins Nördlinger Museum

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Jetzt wurde es richtig "offiziell". Im in der nördlichen Ausfahrgruppe des Donauwörther Güterbahnhofs steht 169 003 mit ihrem Dg zur Abfahrt bereit. Gleich geht es bei typischen Aprilwetter mit Sonne, Schnee und Regen auf die "letzte Fahrt" nach Nördlingen, das wir mit deutlicher Verfrühung erreichen werden



Zur Ergänzung noch eine kleine "Chronologie" der "Letzten Fahrten"

Abschied I
Die erste "Letzte Fahrt" bestritt die Lok bereits im Juni 1954. Am 27.6.1954 wurde, mit etwas einem Jahr Verspätung, die Oberammergauer Strecke auf die üblichen 15 kV umgestellt (die kleinen Racker fuhren bis dato unter 5 kV), womit E69 01 bis 04,m bis zu diesem Tag noch für den Gesamtverkehr nach Oberammergau verantwortlich, in Murnau auf´s Abstellgleis rollten und abgestellt wurden. Eine Weiterverwendung war nicht mehr geplant. Der Stimmungsumschwung kam im Herbst 54, die Bundesbahn wollte wohl doch nicht auf die unkomplierten Kleinen verzichten, so dass bis Frühjahr 1955 E69 02 bis 04 umgerüstet wurden und wieder in Betrieb gingen. Knapp....

Abschied II
Am 25. September 1981 bespannte 169 003 mit dem Üg67664 (leider diese Rückleistung an diesem Tag ohne Fracht) den letzten planmäßigen Zug auf ihrer Stammstrecke, ein paar Tage später erfolgte die Z-Stellung (13.10.81), aber noch Einstätze vor Sonderzügen. Letzter Dienst dann am 28. Juni 1982, als 169 002 und 003 von Pendelzugeinsätzen ins BZA München in ihre Heimat-Bw zurückkehrten. 169 003 führte beide Loks zurück in die Heimat, bügelte gegen Mittag im Lokschuppen ein letztes Mal ab. Nun schien der endgültige Schlusstrich gekommen. Am Folgetag erfolgte die Ausmusterung, an eine Rückkehr war nicht mehr zu denken. Ende!

Abschied III
Seit 1985 brummelten die E69 im Rahmen des Museumsprogrammes der DB doch wieder über die Gleise. Doch mit Ablauf aller möglichen Fristverlängerungen endete dieses Engagement unter DB-Regie im Laufe des Jahres 1997, also 12 Jahre nach dem Comeback. Die wohl endgülte "Letzte Fahrt" führte 169 002 und 003 von Garmisch nach Mittenwald, ein Sonderzug mit E18 08 erhielt Vorspann- und Nachschub durch die beiden E69. Anfang Januar 1997 endete diese letzte Fahrt Abends wieder im Heimat-Bw. Aus! Aus! Aus!


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Nix "Aus, Aus, Aus" - Seit 10 Jahren ist 169 003 nun also für das DBMuseum Koblenz im Einsatz und gehört zum Betriebspark des Museums (wie u.a. auch die Jungspunde 103 113, 140 128, 111 001). Aktuell erhält sie eine neue HU und wird vsl. ab Juni wieder im Einsatz stehen. Auf in die 2020er Jahre mit 169 003! Hier sehen wir die Lok beim Umsetzen an der Mosel in Kobern-Gondorf.



Bernd Mühlstraßer

Ein paar VIDEOS der BAUREIHE E69 - hier:

[www.youtube.com]

oder wie wär´s mit der E69-Facebook-Seite unter dem Suchbegriff: Die Baureihe E69
Um die E69 tot zu bekommen braucht man wohl einen Blitzknaller Bauart Hiroshima und selbst dann kann es passieren das diese "Kakerlaken" so was überleben. Ist eben gut erprobte Technik die jeder Dorfschmied wieder zum laufen bekommt.

An die Besteller von Verkehrsleistungen: Wer eine werksneue Mercedes S-Klasse bestellt sollte nicht nur einen Trabant bezahlen wollen.

Re: 169 003 "....wo die Liebe hinfällt.."

geschrieben von: Schwellenleger

Datum: 14.04.18 11:58

Hallo Bernd,

schön, daß Du deiner kleinen Freundin wieder einmal so leidenschaftlich Deine Aufwartung machst - und uns an ein paar wichtige Stationen im Leben der kleinen Roten erinnerst.
Daß Dich der Vors. der BSW-Gruppe bis heute "verachtest" kannst Du sicherlich wegstecken. Und Dir des Lobes dafür sicher sein, daß Du diesen kleinen Renner wieder zum Einsatz gebracht hast. Ob es die kleene Nulldrei ansonsten geschafft hätte, auch heute noch (wieder) fahrbereit und auch im Einsatz zu sein ?
Ein Lob auch an die Kowwelenzer, die offensichtlich ein glückliches Händchen für die Maschine haben.

Ich freue mich mit Dir schon mal auf die nächsten Fahrten!

Mit freundlichem Gruß
Schwellenleger