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 04 - Historische Bahn 

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Achristo's Foto-Historama: Historische Beiträge mit Fotos und Texten aus der Welt der Privatbahnen, Werksbahnen, Feldbahnen, städtischen Verkehrsbetrieben und der DB.

Heute möchte ich auf die interessante Geschichte der beiden Diesellokomotiven der Kerkerbachbahn eingehen, die später Einzelgänger im DB Kleinlok-Nummernschema waren und schließlich einen großen Teil ihres Lebens in der Schweiz verbrachten. Aber der Reihe nach.

Im Sommer 1973 besuchte ich mehr oder weniger zufällig Kerkerbach. Dabei machte ich erstmals Bekanntschaft mit dieser interessanten Privatbahn. Während ich fotografierte, sprach mich ein besser gekleideter Herr an. Es stellte sich heraus, dass es der Direktor der Kerkerbachbahn, Richard Kuhn, war. Er informierte mich, dass er in fortgeschrittenen Verhandlungen wegen Übernahme des Betriebes durch die DB sei. Und in der Tat, zum 1. Januar 1975 wurden die Strecke und die Lokomotiven von der DB übernommen. Durch den Kontakt mit Herrn Kuhn hatte ich in den folgenden Monaten Zugang zum Archiv der Kerkerbachbahn und schließlich entstand aus dem Material in zwei Auflagen ein Buch über die interessante Privatbahn, deren obere Strecke Kerkerbach – Mengerskirchen meterspurig und die untere Strecke Kerkerbach – Dehrn bis zur Stilllegung des Schmalspurbetriebes 1961 dreischienig (Regel- und Meterspur) war. Ab 1961 wurde nur noch die untere Strecke Kerkerbach – Dehrn mit einigen aufkommensstarken Anschließern (u.a. die Steedener Kalkwerke) als Regelspurbahn bedient und die dritte Schiene ausgebaut.

[www.werkbahn.de]

Um den Dampflokbetrieb aufzugeben, beschaffte sich die Kerkerbachbahn 1958 zwei Dieselloks von Ruhrthaler. Dieser kleine Lokhersteller ging auf die speziellen Wünsche der Kerkerbachbahn ein und so entstanden zwei baugleiche Loks, eine in Regelspur (V18 Steeden) und eine in Meterspur (V19 Kerkerbachtal). Die Loks besaßen Doppeltraktionseinrichtung, so dass die recht schweren Kalkzüge auf der unteren Strecke auf dem Dreischienengleis in Doppeltraktion gefahren werden konnten, eine in Deutschland wohl ziemlich einmalige Angelegenheit. Nachdem die obere Meterspurstrecke Ende 1960 stillgelegt wurde, ist die Lok V19 im Jahr 1961 ebenfalls auf Normalspur umgespurt worden. Der Meterspurbetrieb konnte aufgegeben werden.

Als die Kerkerbachbahn zum 1. Januar 1975 von der DB übernommen wurde, gelangten auch die beiden Dieselloks zur DB. Sie wurden wegen ihrer relativ geringen Leistung (240 PS) als Kleinloks geführt und erhielten die Betriebsnummern 333 901 und 333 902. Heimat-Bw war zunächst Limburg und die Loks wurden zunächst weiterhin auf ihrer alten Stammstrecke eingesetzt und von ihren alten Personalen gefahren. Allerdings übernachteten die Loks nicht mehr im Kerkerbacher Lokschuppen, sondern im Bw Limburg.

Einige Jahre später wurden die Zugleistungen auf der ehemaligen Kerkerbachbahn dann von „normalen“ Köf III übernommen und die Kerkerbachbahn-Loks tauchten dann in Hanau, Friedberg und Darmstadt auf, wo sie kurzzeitig im Rangierdienst eingesetzt wurden, aber nicht sonderlich beliebt waren.

Es kam, was kommen musste: Die Loks der Splittergattung wurden verkauft. Lok 333 901 ging 1981 an die Fernleitungsbetriebs-GmbH und 1989 weiter (umgespurt auf Meterspur) an die Brig-Visp-Zermatt-Bahn in der Schweiz, die später in der Matterhorn-Gotthard-Bahn aufging. Sie ist heute noch dort aktiv.

[www.deutsche-kleinloks.de]

Die Schwesterlok 333 902 war bereits 1979 an die Furka-Oberalp-Bahn verkauft worden (nun wieder in Meterspur im Einsatz), die ebenfalls 2003 in der Matterhorn-Gotthard-Bahn aufging. 2011 gelangte sie zurück nach Deutschland, wurde wieder auf Regelspur umgespurt und steht aktuell in Altenbeken.

[www.deutsche-kleinloks.de]

Wer sich näher für die Kerkerbachbahn interessiert, wird hier fündig: [www.kerkerbachbahn.de]

Heute und in den kommenden Tagen zeige ich einige Fotos dieser interessanten Einzelstücke. Hier im ersten Teil einige Fotos aus der Zeit der Kerkerbachbahn vor 1975.

Kerkerbachbahn.jpg

Zeichnung aus einem Ruhrthaler-Prospekt von 1959.

1959 Steeden Kalkwerk.jpg

Lok V18 STEEDEN im Bereich des Steedener Kalkwerks, 1958. Im Hintergrund ist noch ein alter Ringofen zu sehen. Deutlich ist auch das Dreischienengleis auszumachen, welches komplizierte Weichenanlagen erforderte. Werksfoto Ruhrthaler

353 Kerkerbach 11081973.jpg

Lok V19 KERKERBACHTAL in Kerkerbach, 11. August 1973.

359 Kerkerbach 11081973.jpg

Portraitfoto der Lok V19 KERKERBACHTAL in Kerkerbach, 11. August 1973.

360 Kerkerbach 11081973.jpg

Lok V19 KERKERBACHTAL in Kerkerbach am "Stellwerk", 11. August 1973.

In der nächsten Folge geht es weiter mit Fotos aus der DB-Zeit der Loks auf der Strecke der Kerkerbachbahn

Alle nicht anders gekennzeichneten Aufnahmen stammen von mir und unterliegen dem Urheberrecht
Andreas Christopher (Achristo) im Internet: [www.achristo.homepage.t-online.de]
Übersicht Achristo's Foto-Historama: [www.achristo.homepage.t-online.de]
Hallo Andreas,

dies ist ein sehr interessanter Bericht über eine ehemalige fast schon vergessene Kleinbahn, die fast vor meiner Haustür lag.
Naturgemäß habe ich mich schon immer sehr für die Kerkerbachbahn interessiert. Leider sind fast alle Spuren dieser Bahn verschwunden.

Der Restpersonenverkehr, der auf der Kerkerbachbahn schon immer nur eine untergeordnete Rolle spielte, wurde bereits am 25.07.1960 endgültig eingestellt
(auf der damaligen Reststrecke Kerkerbach-Schupbach). Und der letzte Güterzug auf der oberen Schmalspurstrecke Kerkerbach - Hintermeilingen
verkehrte am 20.12.1960.

Es verblieb als restlicher kleiner Teil der Kerkerbachbahn der untere Abschnitt Kerkerbach - Dehrn mit nur einer Streckenlänge von 3,7 Kilometern zur Bedienung einiger Kunden mit Gleisanschluss.

Auf diesem Abschnitt fuhren dann die hier gezeigten beiden Dieselloks, die ab dem 01.01.1975 in den Bestand der DB wechselten, aber zunächst auch weiterhin auf ihrer Stammstrecke eingesetzt wurden. Ich habe die kleinen Güterzüge der Kerkerbachbahn, die oft nur aus wenigen Wagen bestanden, in der ersten Hälfte der siebziger Jahre öfters beobachtet. Und die letzten beiden Dieselloks der Kerkerbachbahn habe ich noch in guter Erinnerung.

Kann es sein, dass diese beiden ursprünglich roten Loks, nachdem sie in den Bestand der DB kamen, sodann neu in blau lackiert wurden?
Nach meiner Erinnerung, wenn diese mich nicht trügt, waren diese Loks -oder zumindest eine von ihnen- ab ca.1977 blau lackiert.
Aber ich bin mir diesbezüglich nicht sicher.

Sehr viel Hintergrundwissen über die Kerkerbachbahn verdanke ich dem sehr informativen und reichlich bebilderten Buch von Andreas,
das einen würdigen Platz in meinem Bücherregal hat.

Ich freue mich auf die Fortsetzung dieser Serie.

Beste Grüße
Dieter



8-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:04:10:07:46:28.
BW Limburg schrieb:
Kann es sein, dass diese beiden ursprünglich roten Loks, nachdem sie in den Bestand der DB kamen, sodann neu in blau lackiert wurden?
Nach meiner Erinnerung, wenn diese mich nicht trügt, waren diese Loks -oder zumindest eine von ihnen- ab ca.1977 blau lackiert.
Aber ich bin mir diesbezüglich nicht sicher.
Nein, die beiden Loks blieben auch zu ihrer DB-Zeit immer in ihrer roten Lackierung. Erst nach dem Verkauf der 333 901 an die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft wurde diese in grün umlackiert, behielt aber ihre alte DB-Nummer. Das könnte die Ursache sein, dass Du Dich an eine andersfarbene DB-Lok erinnerst.

Über die oben angegebenen Links zu "Deutsche Kleinloks" kommst Du zur Lokgeschichte. Dort ist jeweils oben rechts ein Kamera-Symbol. Über dieses kannst Du viele weitere Fotos der Loks aufrufen.

Viele Grüße
Andreas

Alle nicht anders gekennzeichneten Aufnahmen stammen von mir und unterliegen dem Urheberrecht
Andreas Christopher (Achristo) im Internet: [www.achristo.homepage.t-online.de]
Übersicht Achristo's Foto-Historama: [www.achristo.homepage.t-online.de]
Moin,

die Christoramen sind echt toll - einmal mehr danke, Andreas!

By the way - gibt es von der D 250 VK/V ein H0-Modell? Der Vorgänger D 200 V/V wurde ja Ende der 80er/Anfang der 90er in Kleinserie hergestellt.

LG

Jörn
Hallo Bahnfreunde,
machen wir noch einen Zeitsprung zurück - am 13. April 1961 habe ich die Kerkerbachbahn besucht und den Abbau der meterspurigen Gleise nahe Kerkerbach erlebt. Die meterspurige Heeresfeldbahnlok war eine ungewöhnliche Loktype, deren Einsatz damals endete.

http://www.g-karl.de/s1433_2.jpg

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