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 04 - Historische Bahn 

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Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 24. April 1888
Nr. 114
// München, 23. April. Fahrplanmäßig traf heute Abend wenige Minuten nach 6 Uhr mittelst eines aus 17 Waggons bestehenden Extrazuges, unter dem Inkognito einer Gräfin v. Balmoral, die Königin Victoria von England mit einem zahlreichen Gefolge hier ein. Als der Zug zum Stehen kam, erschien am geöffneten Fenster des mittelsten Waggons, einem mit dem englischen Wappen gekennzeichneten großen Salonwaggon, eine äußerst freundlich dreinschauende, wohbeleibte Matrone mit tiefgeröthetem Gesicht. Nachdem englische Kammerdiener in Hochschotten=Tracht eine Treppe zum königlichen Salon=Waggon zurecht gestellt hatten, traten von den am Zentralbahnhofe erschienen allerhöchsten und höchsten Herrschaften Se. kgl. Hoheit der Prinz=Regent mit Ihrer Maj. der Königin=Mutter am Arme an den Waggon heran und begrüßten die englische Majestät. Nun mußte erst die Königin ihren Dienern Befehl geben die höchsten Herrschaften hereinzulassen. Im Salonwagen fand nun eine herzliche Begrüßung und Umarmung statt. Alsdann trat Königin Victoria wieder an's Fenster und begrüßte den erschienenen Prinzen Ludwig, welcher seinen Sohn Prinz Rupprecht (sämmtliche waren in Uniform) vorstellte. Auch die erschienene Prinzessin Therese und Herzogin Max Emanuel mit ihren beiden Söhnen, den Herzogen Christof und Siegfried begrüßten die Königin am Waggonfenster. Es war geradezu peinlich, daß die Herrschaften nicht in den Waggon hinein kommen konnten, denn die beiden Schotten hielten die Treppe besetzt. Die Königin Viktoria ließ sich durch ihren Reisemarschall den hiesigen großbritanischen Geschäftsträger Mrs.Drumond, denn den ehemaligen Gesandten Mrs. Howard und den k. großbrit. Konsul Mrs. Brandt vorstellen, die sämmtlich mit ihren Damen erschienen waren und der Königin große Veilchensträuße überreichen durften. Nocht trat zur Vorstellung der hiesige apostolische Nuntius Fürst Russo an das Waggonfenster heran und wechselte mit der Könign einige Worte. Während dieser Aufwartungen wurde das zahlreiche Gefolge, darunter Inder mit ihren hohen Turbans, mit Speisen versehen. Nach einem Aufenthalte von zirka 20 Minuten setzte die Königin ihre Reise gegen 6 1/2 Uhr über Regensburg fort. Als Reisekommissär begleitete den Extrazug auf der bayerischen Strecke von Kufstein bis Hof der Vorstand des Rosenheim Ober=Bahnamtes, Ober=Bahninspektor Mussat.

Walter
"eine äußerst freundlich dreinschauende, wohbeleibte Matrone mit tiefgeröthetem Gesicht"

Nun mag im Jahre 1888 Keidergröße 34/36 noch nicht das Maß der Dinge gewesen sein - aber ob das wirklich freundlich gemeint war? Immerhin war die so bezeichnete seit 1 1/2 Monaten die Schwiegermutter des deutschen Kaisers;

[de.wikipedia.org])

Es stellt sich die - sicherlich zu einem Gutteil spekulative - Frage, ob die Beschreibung der englischen Monarchin Spätfolge des deutsch-britischen medizinischen Hickhack sowohl bei der Geburt des späteren Kaisers Wilhelm II. wie auch bei der zum Zeitpunkt des Berichts bereits weit fortgeschrittenen Krebserkrankung von Friedrich III. war.

Jedenfalls: Danke für's Einstellen!

Beste Grüße

Stefan