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 04 - Historische Bahn 

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Achristo's Foto-Historama: Historische Beiträge mit Fotos und Texten aus der Welt der Privatbahnen, Werksbahnen, Feldbahnen, städtischen Verkehrsbetrieben und der DB.

Die Nebenbahn Grafing – Wasserburg wurde in drei Abschnitten in Betrieb genommen: Grafing – Ebersberg 12. November 1899, Wasserburg Bahnhof – Wasserburg Stadt am 24. Dezember 1902 und Ebersberg – Wasserburg Bahnhof zum 1. Oktober 1903. Die Altstadt von Wasserburg und auch der Stadtbahnhof liegen beengt in einer Flussschleife des Inns. Im Jahr 1969 wurde die Strecke zwischen Grafing und Ebersberg elektrifiziert und zum 28. Mai 1972 hier der S-Bahn-Betrieb aufgenommen.

Gegen Anfang der 1980er Jahre gestaltete sich der Betrieb so, dass S-Bahnen im Takt durchgehend von München über Grafing bis Ebersberg fuhren. Zwischen Wasserburg Bahnhof, der im Stadtteil Reitmehring liegt, und Wasserburg Stadt pendelte ein Schienenbus, der Anschluss zu fast allen Zügen der Strecke Rosenheim – Mühldorf herstellte. Nur ganz wenige Züge verkehrten dagegen noch zwischen Ebersberg und Wasserburg, die sämtlich bis zum Stadtbahnhof durchliefen. Beim Fahrplan vom Winter 1986/87, dem letzten des durchgehenden Betriebes und der weiter unten abgebildet ist, kann man das gut erkennen.

Am 2. März 1987 wurde bei einem Frühjahrs-Hochwasser des Inns der Bahndamm zwischen Wasserburg Bahnhof und Wasserburg Stadt unterspült. Die DB stellte den Betrieb auf diesem Streckenteil ein und nahm ihn in der Folge auch nicht wieder auf, obwohl die Schäden nicht sehr groß waren und durchaus hätten beseitigt werden können. Die im Stadtbahnhof eingeschlossenen Fahrzeuge wurden später auf der Straße abtransportiert.

Die DB plante vielmehr die Einstellung des gesamten Schienenverkehrs im Raum Wasserburg. Die Strecke Ebersberg – Wasserburg war akut von der Einstellung bedroht und es verkehrte dort bald nur noch ein werktägliches Alibi-Zugpaar. Lediglich am Wochenende war der Fahrplan etwas umfangreicher. Und auch zwischen Wasserburg Bahnhof und Mühldorf sollte der Verkehr wegen schadhafter Brücken über den Inn eingestellt werden. Ab 1978 fuhren die Züge nur noch bis vor und hinter die Jettenbacher Innbrücke, während die Fahrgäste das marode Brückenbauwerk zu Fuß überqueren mussten. 1985 wurde der Personenverkehr zwischen Wasserburg Bahnhof und Mühldorf schließlich ganz eingestellt.

Aber es fand ein Umdenken statt. Die Brücken bei Jettenbach und Soyen wurden erneuert und 1994 der Personenverkehr zwischen Wasserburg Bahnhof und Mühldorf wieder aufgenommen. Und auch zwischen Ebersberg und Wasserburg Bahnhof wurde das Zugangebot wieder verdichtet. Heute wird dort ein Stundentakt angeboten, die Züge fahren wieder durchgehend bis Grafing und im Berufsverkehr teilweise bis München. Das Reisendenaufkommen hat sich gut entwickelt. Man erwägt sogar die Elektrifizierung der Bahnstrecke.

Nur für den Abschnitt Wasserburg Bahnhof – Wasserburg Stadt ist der Zug im Wortsinn wohl endgültig abgefahren. Eine Zeitlang plante die Stadt Wasserburg die Reaktivierung des Betriebes und erwarb 2004 die Strecke von der DB. Zu Sanierungsmaßnahmen kam es aber in der Folge nicht, sondern das bayerische Staatsministerium des Inneren, für Bau und Verkehr hat am 12. Februar 2016 einen förmlichen Stilllegungsbescheid für diesen Streckenabschnitt erlassen. Gegen diesen Bescheid gibt es zwar Klagen, aber ob diese Erfolg haben werden, darf bezweifelt werden.

Wasserburg Wi 1986-87.jpg

Kursbuchauszug für die Strecke (Grafing -) Ebersberg - Wasserburg vom Winter 1986/87, also aus dem Zeitpunkt, als die meisten der folgenden Aufnahmen entstanden sind.

Wasserburg 2017-18.jpg

Hier als Vergleich ein Auszug aus dem aktuellen Kursbuch 2017/18. Wie man sieht, hat sich das Zugangebot inzwischen vervielfacht. Da die Züge gut besetzt sind, ist das gleichzeitig ein Beweis dafür, dass ein gutes Zugangebot auch die Fahrgastzahlen steigen lässt.

14500 Ebersberg 23101987.jpg

Am 23. Oktober 1987 stellte ein solo fahrender Schienenbus den Anschluss an die S-Bahn nach München in Ebersberg her.

14501 Ebersberg 23101987.jpg

Für den Filzenexpress stand in Ebersberg nur ein kurzer Bahnsteig zur Verfügung, 23. Oktober 1987.

10615 Edling 16091985.jpg

Filzenexpress beim kurzen Halt in Edling, 16. September 1985. Inzwischen hat sich hier alles total verändert.
14498 Wasserburg Bhf 23101987.jpg

In Wasserburg Bahnhof gab es zu bestimmten Zeiten ein großes Triebwagentreffen, wenn sich Züge von Rosenheim nach Mühldorf kreuzten und Anschlüsse nach Wasserburg Stadt und Ebersberg bestanden. Hier ist sogar ein Chiemgau-Bahn-VT beteiligt, 23. Oktober 1987.

Im Teil 2 gibt es dann Fotos von der Strecke zwischen Wasserburg Bahnhof und Wasserburg Stadt zu sehen.

Alle nicht anders gekennzeichneten Aufnahmen stammen von mir und unterliegen dem Urheberrecht
Andreas Christopher (Achristo) im Internet: [www.achristo.homepage.t-online.de]
Übersicht Achristo's Foto-Historama: [www.achristo.homepage.t-online.de]
Hallo,

vielen Dank für den interessanten Beitrag !

Gut gefallen hat mir die Aufnahme aus Edling mit dem kleinen Raiffeisenlagerhaus.

Daran erkennt man, daß auch so manches eigentlich zu klein wirkendes Modell-Lagerhaus durchaus ein Vorbild haben kann.


Schöne Grüße

Bullok
Hallo,

danke für die Zeitreise in die achtziger Jahre. Wie immer habe ich Deinen Beitrag gerne gelesen und kann heute sogar eine kleine Ergänzung beitragen: Das Bild entstand am Sonntag, dem 22. Oktober 1989 in Wasserburg Bahnhof (Reitmehring). An diesem Datum veranstaltete Pro Bahn den "Filzenexpreß-Tag". Der planmäßige Schienenbusumlauf wurde mit Sonderfahrten verdichtet, hierbei kam ein Zug der Chiemgau-Bahn in den damals neuen Produktfarben zum Einsatz. Wie man heute am Angebot und an den Fahrgastzahlen sieht, hat sich der Kampf um diese Strecke gelohnt. Nur schade, dass einen die Bahn nicht mehr ins Zentrum Wasserburgs bringt ...

http://fs1.directupload.net/images/180304/69kiwzf7.jpg


Noch einen schönen Sonntag

Michi
Ja das ist ja mal wieder zwei Beiträge mit tollen Bildern.
Eine kleine Anmerkung--ob das mit der Reaktivierung
durch die Stadt Wasserburg am Inn noch einmal was wird, ist die Frage,
da der Verkehr in die Stadt ja voll in den Stadtbusverkehr eingebunden ist--so hat man
immer gut ausgelastete Busse mit garantiertem Verkehr.
Was Besseres kann einer Kommune ja gar nicht passieren, als das brachliegen dieser restlichen 4 km.
Dazu kann man alles "unten" als Abstellflächen für die geliebten Autos verwenden und hat keinen platzfressenden Bahnhof in der Stadt...

Wasserburg Stadt im Februar 2018...im "Grünstreifen" liegen noch Gleise...

https://abload.de/img/wasserburgstadt--febr30rne.jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:03:05:11:38:08.