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1846 - Weichensignale - Erfindung

geschrieben von: Walter aus Bayern

Datum: 13.02.18 19:51

Augsburger Tagblatt
Dienstag, 20. Januar 1846
Nr. 20
Unter den vielen Unglücksfällen die sich von jeher auf den Eisenbahnen ereigneten, hatten gewiß 7/8 ihren Grund in der unrichtigen Stellung der Ausweichen, oder vielmehr in dem Mangel eines bestimmten Zeichens der entsprechenden Richtigstellung des Excentrics für den ankommenden Lokführer. Das letzte traurige Ereignis in St. Ilgen wäre sicherlich nicht geschehen, wenn solche Vorsichtsmaßregeln angewendet gewesen. Die gegenwärtig auf bayerischen Bahnen gebräuchlichen Excentrics sind allerdings oben mit einer kleinen Scheibe versehen, die durch eine Winkelstellung von ungefähr 45° vor= oder rückwärts der Senkrechten dem Maschinenführer die Stellung für das eine oder andere Geleise anzeigen soll, dabei ist aber die ganz Vorrichtung höchstens 2' bis 2 1/2' über den Boden erhaben, was bei nebeligem Wetter oder eintretender Dunkelheit auf eine Distanz die noch ein "Halt" möglich macht, kaum mehr recht zu erkennen ist. Ueberdieß ist eine Winkelstellung immerhin ein sehr vages, leicht zu Irrthümern führendes Erkennungszeichen. Bei Nacht wo die Sicherheit eine doppelte Nothwendigkeit wird, hat der Maschinenführer auch nicht das geringste Zeichen, und blindlings muß er auf gut Glück den Wechseln zulaufen. Hunderte von Menschenleben sind also in der Hand eines einzigen Individuums gegeben, das entweder aus Leichtsinn, Trunkenheit oder Bosheit namenlosen Jammer bereiten und den Staat um Tausende auf einmal bringen kann. Unter solchen Umständen war es bis jetzt nur eine außerordentliche Gunst der Vorsehung, die uns schützend vor Unglücksfällen bewahrte.
Hr. von Schellerer, k. Bahnhofsverwalter in Augsburg, hat nun diesem langersehnten Bedürfnis auf eine höchst einfache und sinnige Weise genügt. Durch die Construction seines Excentrics ist es für den Bahnwärter eine reine Unmöglichkeit irgendeine Unrichtigkeit vorzunehmen; sollte derselbe dennoch absichtlich oder zufällig den Wechsel falsch gestellt haben, so telegraphirt die Maschine durch die auffallensten Zeichen dem ankommenden Locomotivführer, daß der Wechsel unrichtig ist. Ist er richtig gestellt, so präsentirt sich eine wenigstens 1 1/2' im Durchmesser haltende Scheibe ganz voll. Im andern Fall springt sie alsogleich in's Viertel, und verschwindet dadurch dem Auge des einfahrenden Maschinisten. Bei Nacht wird das Zeichen der Richtigstellung durch eine Laterne, die in angemessener Höhe am Exentric angebracht wird, gegeben. Diese kann vermöge der Construction des letzteren nur dann befestigt werden, wenn vollkommene Richtigstellung des Wechsels vorhanden; bei der geringsten Abweichung ist es positiv unmöglich sie anzubringen. Da die Farbe des Glases eine von allen andern auf der Bahn brennenden Laternen verschiedene sein muß, so wurde dem Erfinder der Einwurf gemacht, daß z. B. ein betrunkener Wechselwärter, nach erfolglosen Befestigungsversuchen, sicherlich die Laterne auf den Boden setzen und dadurch doch den Locomotivführer täuschen würde, da bei Nacht die Höhe eines Lichtes nicht zu bemessen sei. Diese triftige Einwendung hat Hr. v. Schellerer dadurch sehr sinnreich beseitigt, daß er der Laterne eine ovale Form gab, die, niedergelegt, jedesmal ihrem Schwerpunkt gemäß, auf das Glas fallen und das Licht erlöschen machen muß.

Walter