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 04 - Historische Bahn 

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Die gut 23 km lange Nebenbahn Schöllkrippen – Alzenau – Kahl wurde im Oktober 1898 durch die Kahlgrund-Eisenbahn AG eröffnet. Nach deren Konkurs führte ab 1952 die als Auffanggesellschaft gegründete „Kahlgrund-Verkehrs-Gesellschaft mbH (KVG)“ den Bahnbetrieb weiter.
Die in Kahl an die Staatsbahnstrecke (Würzburg-) Gemünden – Aschaffenburg – Hanau - Frankfurt(Main) anschließende Strecke verläuft durch den zu Bayern gehörenden romantischen Kahlgrund. Das durchaus beachtliche Personenverkehrsaufkommen orientiert sich nicht unwesentlich in Richtung der nahen hessischen Städte Hanau und Frankfurt, der umfangreiche Schülerverkehr spielt sich hingegen vorwiegend im Binnenverkehr (insbesondere nach Alzenau) ab.
Bereits in den 1940er Jahren kamen Dieseltriebwagen zur Kahlgrundbahn, nachdem sich zuvor schon ein Dampftriebwagen im Bestand befand. Nach diversen Neu- und Gebrauchtkäufen, aber auch Abstellungen, prägten Mitte der 1970er Jahren diverse Schienenbusse (bis auf einen MAN-Typ alles „Uerdinger“) und ein vierachsiger „Esslinger“ das Bild der KVG. Es standen ferner eine ganze Reihe zwei- und vierachsigen Beiwagen, alles Gebrauchtkäufe, zur Verfügung. Die VT besorgten auch den nicht besonders umfangreichen Güterverkehr, als GmP und/oder reiner Güterzug. 1981 beschaffte die KVG als eine der ersten Privatbahnen zwei neue „NE 81“-VT mit Steuerwagen. Weitere Neukäufe erfolgten 1993 (ein weiterer NE`81-VT), 1997 (ein VT des Typs RegioShuttle) sowie 2000-2003 (drei DESIRO-VT). Ab Fahrplanwechsel Dezember 1997 verkehrten die meisten KVG-Züge über Kahl hinaus bis Hanau Hbf, gleichzeitig wurde zum Jahresende der Güterverkehr eingestellt. 2003 schrieb die „Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG)“ als Aufgabenträger des SPNV die Verkehrsdurchführung auf der Kahlgrundbahn öffentlich aus. Den Zuschlag erhielt, für einen Zeitraum von 10 Jahren, die Hessische Landesbahn (HLB Hessenbahn). Diese übernahm den Verkehr am 11.12.2005 mit DESIRO-Triebwagen, ersatzweise kamen auch anderen HLB-Fahrzeugen zum Einsatz. Die KVG ist seither nur noch Eisenbahninfrastruktur- und Busunternehmen. Die eigenen Eisenbahnfahrzeuge wurden verkauft bzw. abgestellt, die moderne Fahrzeugwerkstatt in Schöllkrippen 2006 an die DB-Westfrankenbahn verpachtet.
Die HLB war beim Publikum im Kahlgrund von Anfang an nicht sehr beliebt. Die Vielzahl von Mängeln/Beschwerden bewirkte, dass sie sich im bayerischen Qualitätsranking des SPNV auf dem letzten Platz wiederfand. Nach erneuter Ausschreibung des Verkehrs übernahm im Dezember 2015 die DB-Westfrankenbahn alle Zugleistungen; zum Einsatz kommen ebenfalls DESIRO-Triebwagen.

Wie bereits erwähnt, hatte (und hat) der Schülerverkehr aus dem Kahlgrund insbesondere zu den Alzenauer Schulen ganz erhebliche Bedeutung. Wenn denn am Morgen und Mittag etliche hundert Schüler zu transportieren waren, erforderte das Züge mit umfangreicher Sitzplatzkapazität. Meistens verkehrte (und verkehrt am Morgen noch heute) ein nur an Schultagen eingelegter Zug in geringem Abstand zu den „Planzügen“. In den 1970er Jahren hatte meistens ein „Uerdinger“ die mühevolle Aufgabe, den aus mehreren zwei- und vierachsigen Beiwagen bestehenden morgendlichen „Lindwurm“ zu ziehen. Aber auch im Berufsverkehr war Beiwagenbetrieb bei vielen Fahrten üblich; erst mit den neuen größeren Triebwageneinheiten sowie Fahrplanverdichtungen ging dieser Bedarf ab den 1980er Jahren nach und nach zurück. Im Schülerverkehr der KVG waren jedoch weiterhin Langzüge, nun gebildet z.B. aus drei- bzw. vier NE`81-Fahrzeugen, erforderlich.
HLB und DB setzten bzw. setzen auf der Kahlgrundbahn in den Hauptverkehrszeiten ebenfalls mehrteilige Triebwagenzüge ein.

Nachfolgend einige nun schon längst historische Aufnahmen von KVG-Zügen, wie sie 1976 in den Hauptverkehrszeiten zu sehen waren. Die Reihe wird fortgesetzt.

Viele Grüße
Dieter

1 KVG  Dieter Riehemann 76060_30A.jpg
Der VT 57, den die KVG im Jahr 1972 von den VKSF (Schleswiger Kreisbahn) erworben hatten, fuhr mit angehängtem VB 35 am frühen Morgen des 19.05.1976 stark „dieselnd“ aus dem Bahnhof Alzenau(Unterfranken) in Richtung Kahl (Main) aus. An dem VT 57 hatten die KVG nur kurze Zeit Freude, denn bei einem Unfall im Jahr 1976 erlitt er einen Totalschaden und wurde 1977 verschrottet

2 Dieter Riehemann 76060_32A.jpg
Der morgendliche Schülerzug von Schöllkrippen bestand am 19.05.1976 aus dem führenden VT 55, dem VS 166 sowie den VB 165, 22 und 27. Der lange Zug hatte hier soeben die Station Kälberau verlassen

3 Dieter Riehemann 76061_28.jpg
VT 54 mit den VB 27 und 22 am 19.05.1976 zwischen Königshofen und Blankenbach

4 Dieter Riehemann 76061_37.jpg
Der VT 55 + VS 166 auf der Fahrt nach Schöllkrippen, Ausfahrt Niedersteinbach am 19.05.1976

5 Dieter Riehemann 76062_30.jpg
Am 20.05.1976 war es erneut der VT 55, der den aus VS 166, VB 165, 22 und 27 bestehenden morgendlichen Schülerzug zu ziehen hatte, hier zwischen Königshofen und Schimborn

Alle Fotos stammen, wenn nichts anderes angegeben ist, von mir und sind urheberrechtlich geschützt.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.02.18 07:17.
Hallo Dieter.

Wieder einmal besten Dank für´s Zeigen der Bilder. Dem VT 55 wurde ja viel zugemutet. Das geht eben dann auf die Getriebe...Bei der DB durfte ja zum 798/998/998 nur noch 1 4-achser angehängt werden.

Soviel mir bekannt ist, hatte der Bentheimer Beiwagen bei der KVG die Nummer VB 167 (ex VB 22 BE / FKE)

Gruß Horst
Südwestbahner schrieb:
Soviel mir bekannt ist, hatte der Bentheimer Beiwagen bei der KVG die Nummer VB 167 (ex VB 22 BE / FKE)


Hallo Horst,

der "Bentheimer" erhielt bei der KVG anfangs keine neue Betriebsnummer - die Nummer 22 war ja auch bei der KVG frei. Möglich, dass er intern bereits als VB 167 geführt wurde, aber noch 1978 habe ich ihn mit der Beschriftung VB 22 gesehen und fotografiert. Bei einem Besuch 1982 konnte ich ihn dann als VB 167 im Einsatz bewundern.

Beste Grüße
Dieter

Alle Fotos stammen, wenn nichts anderes angegeben ist, von mir und sind urheberrechtlich geschützt.
Hallo Dieter,

sehr schön die Bilder vom Mai 1976.
Ostern 1976 habe ich die Kahlgrundbahn kennengelernt als die Zuckersusi (98 727) dort im Einsatz war. Danach verkehrte sie noch mehrmals, bis wegen des Druckerstreiks keine Werbung gemacht werden konnte und demzufolge die Fahrgäste ausblieben - Internet gab es eben noch nicht. Zuvor waren die Züge stets brechend voll, trotz der seltsamen Zugbildung: Bi-Wagen DME 1 vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein und das was die KVG eben an Wagen hatte, welche auf den Bildern zu sehen sind. Den Fahrgästen hat die Zugbildung keineswegs gestört, die freuten sich sehr darüber von einer Dampflok befördert zu werden. Damals war es noch eine schnuckelige Nebenbahn mit den typischen Telegraphenmasten für solche Strecken.
Auf die Fortsetzung des Beitrags freue ich mich jetzt schon.
Zur Schülerbeförderung: zum 90-jährigen Jubiläum im Oktober 1988 wurden an einem Tag die Schüler mit dem Dampfzug des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein befördert. Zuglok war Lok 184 DME (Elna 6). Auch einige Planzüge verkehrten mit Dampf, was ich heute noch in freudiger Erinnerung habe :-)

Viele herzliche Grüße aus Pampanga
Horst

So ein Lastesel...

geschrieben von: Nebenbahnfreund

Datum: 12.02.18 18:01

Hallo Dieter,
Danke auch von mir für die Fortsetzung dieser Reihe. Bei Bild 2 habe ich schon auch geschaut, ob sich nicht doch noch ein 2. VT drauntergemogelt hat. Nett auch der VB 27, der noch so hinter den 4-Achsern herzockelt. Aber auch die anderen Kombinationen sind köstlich.

Danke fürs Zeigen
freut sich die Nebenbahn

Déjà vu !

geschrieben von: WEG-lesbahn

Datum: 12.02.18 19:08

Hallo Dieter,

vielen Dank für's Zeigen dieser außergewöhnlichen Garnituren.

Mich erinnert das sehr stark an die WEG-Strecke Nürtingen - Neuffen, bei der teilweise auch alles was Räder hatte eingesetzt wurde.

Ich hatte hier [www.drehscheibe-online.de] schon mal was davon gezeigt. Der einzige Unterschied bei der WEG war, daß die Triebwagen deutlich mehr " Bums " hatten.

Ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge!

Viel Grüße von der
WEG-lesbahn



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.02.18 19:09.
Wunderbare Aufnahmen von einer Strecke, die ich leider nie besucht habe!

Gruß

Rübezahhl
Sehr schöne Erinnerungen! Ich war einige Male im Kahlgrund, allerdings nie zu den Hauptverkehrszeiten.

Ein Foto des VT 57 habe ich auch noch aus 1976 - ich wusste nicht, dass er noch im selben Jahr ausgeschieden ist.

Ich freue mich auf mehr und danke
Jörn.
Guten Morgen Dieter

Vielen Dank für die Bilder aus dem Kahlgrund. Zu Schienenbus-Zeiten war ich zwar auch noch da, aber für solch feine Streckenaufnahmen hat es nicht mehr gereicht [www.drehscheibe-online.de] .

Beim Betrachten von Bild 2 bei Kälberau hört man geradezu, wie sich das Wägelchen mit seinem Anhang müht. Selbst zu früher Stunde stand die erste Tür schon offen.
Das stattliche Gebäude am Haltepunkt gibt es heute nicht mehr. Überhaupt ist die Stelle heute ziemlich zugewachsen.

Viele Grüße
Wolfgang