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 04 - Historische Bahn 

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Hallo,

nachdem hier schon die Frage zum Vorspann und den Wendezugbetrieb (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8463736) mit Dampflok gestellt wurde stelle ich mal die nächste (doofe) Frage.

Ich bin mit der Eisenbahn in den 80er sozialisiert worden. Damals war im Westen die Dampflokzeit schon vorbei. Ich kenne also Dampfloks nur aus dem Museumsbetrieb oder von den tollen Bildern und berichten hier im DSO und habe sie leider nie im Regelbetrieb erlebt. So ist das aber eben wenn man in den 70er im Westen geboren wird.

Mir spukt schon länger die Frage im Kopf herum wie das eigentlich im Regelbetrieb mit dem Rückwärtsfahren auf offener Strecke war? Man sieht hier ja häufiger Bilder wo eine Lok mit dem Kessel an den Zug gekuppelt ist und Tender voran fährt. Das Problem muss dann doch eigentlich gewesen sein, dass der Lokführer auf der falschen Seite gestanden hat.

Bei Tenderloks wie zum Beispiel einer 86 und 65 kann ich mir das ja noch erklären - der Tender ist nicht so riesig und man kann dran vorbei auf die Strecke schauen (durch die Fenster auf der Rückseite) und die Strecke einsehen.

Aber wie war das bei größeren Schlepptenderdampfloks? Nehmen wir mal als Beispiel die Baureihen 41, 44 (beide im Westen auch noch ggf. mit Öltendern), 50 (am besten im Westen noch mit der Kabine) oder im Osten auch die 52er. Wie lief das praktisch ab? Da stelle ich mir das mit der Sicht auf die Strecke einfach Suboptimal vor, wenn man auf der falschen Seite steht.

Aus dem anderen Thread schließe ich mal, das man nicht zu dritt dann auf der Lok war.

Aber vielleicht können die erfahrenen Lokführer und Heizer aus der Epoche auch bei dem Thema mal aufklären. Ich bin mal gespannt.

Grüße

Jens



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.02.18 17:05.
Der Heizer war immer mit für die Beobachtung der Strecke verantwortlich. Außerdem fuhr man nicht so wahnsinnig schnell, so dass man auch auf der "falschen" Seite alles ausreichend erfassen konnte.
Im übrigen bin ich zwar "schon" mitte der Siebziger geboren, werde aber irgendwie das Gefühl nicht los das wir hier zu einem "Anfängerforum" mutieren... Nichts gegen doofe Fragen, aber die meisten sind schon mal gestellt worden und etwas Eigeniniative hat noch keinem geschadet.

MfG

(Ja, ich fand die "Wendezug-/Doppeltraktions"-Frage genau so doof -sind überall Fasnachtsferien?)

"Die gebremste Ausführung hatte eine Handbremse, ob die Bremsklötze infolge Betätigung der Handbremse an den Rädern anlegt, kann wohl heute nicht so eindeutig geklärt werden. Der ungebremste Wagen verfügt auch über keine Bremsklötze."
Aus: [www.kleinbahnsammler.at]
(Muss man zweimal lesen, ist aber irgendwie genial... ;-))
meine aktuelle Hymne: [www.youtube.com]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.02.18 17:12.
Hallo Jens,

besteige mal bei einer Museumsbahn den Führerstand einer Schlepptenderlok und lehne Dich etwas aus dem Fenster und Du wirst sehen, dass die Sicht nicht schlecht ist. Bedenke, dass auch der Heizer die Strecke beobachtete, beide Lokmänner i.d.R. seit vielen Jahren die Strecken befuhren und Streckenkenntnisse hatten, die fast ein Fahren mit verbundenen Augen ermöglicht hätten. Allenfalls bei einer scharfen Rechtskurve gab es geringe Einschränkungen. Ich habe viele Fahrten bei Nacht erlebt. Selbst bei Nebel gab es keine Blindflüge.

Etwas unbequem war das Sitzen beim Rückwärtsfahren. Glaube mir, selbst zur "dunklen Stunde" hatte der Meister auf diesem Bild alles im Blick.

Viele Grüße

Martin

https://farm6.staticflickr.com/5328/30519115614_d5f62c7165_h.jpg

Es gibt eigentlich keine doofen Fragen!

geschrieben von: Heizer Jupp

Datum: 11.02.18 17:52

Wie Du schon völlig richtig geschrieben hast, kommt der Strecken- und Signalbeobachtung des Heizers eine elementare Bedeutung zu. Und das nicht nur beim Rückwärtsfahren!
In einem langgestreckten Linksbogen verdeckt nämlich der viel längere Kessel dem Lokführer die Sicht, weshalb dann der Heizer besonders aufpassen muß. Man nennt deshalb solche langgestreckten Linkskurven scherzhaft auch "Heizerkurven".
Beim Rückwärtsfahren sind es dementsprechend besonders die Rechtskurven. Dazu muß der Heizer auch wissen, wann der Lokführer die PZB-Wachsamkeitstaste zu bedienen hat, damit er ihm die Stelle ansagen kann ("Indusi... - jetzt!").
Aber alles in allem habe ich mir das vor meiner Dampflokzeit auch viel schlimmer vorgestellt, als es tatsächlich ist.

Verständige Lokführer und Heizer können sich in die Belange des jeweils anderen hineindenken und entsprechend handeln. Selbst eine kurzfristig zusammengewürfelte Lokbesatzung bildet diesbezüglich schnell ein eingespieltes Team.
Wenn man als Lotse einer streckenunkundigen Besatzung unter die Arme greift, kann man auf Grund der eigenen Streckenkenntnis dem Heizer die entsprechenden Hinweise geben ("Schmeiße jetzt ein paar Kohlen 'rein, denn in 500 Metern kommt eine lange Linkskurve, wo Du das Signal beobachten und Längenangaben machen mußt").



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.02.18 17:52.
Sehr geehrter Herr Muschke.
Punkt 1.Es gibt keine doofe Fragen,sondern nur doofe Antworten,sagte schon mein Grossvater,der Dampflokführer war!
Punkt 2.Die Sicht bei Rückwärtsfahrt ist bei Schlepptenderlok nicht sehr gut,aber da ja beide Lokpersonale an der Streckenbeobachtung beteiligt sind kein Problem ,und natürlich bei unseren Museumsdampfern oft aus mangel an einer Drehscheibe gängige Praxis,wohl oder übel!
Punkt 3.Auch bei Vorwärtsfahrt hat man je nach Baureihe einen mehr oder weniger langen Kessel vor einem,der die Streckenbeobachtung doch etwas erschwert.Aber es geht,man hat schon alles unter Kontrolle.Mit der Zeit gewöhnt man sich daran.
Also meine Bitte an euch " spät geborene",die die Dampflokzeit nicht erlebt hat: Fragen stellen,immer wieder,nur so kann man was lernen,sagte schon mein Vater und mein Lehrmeister!!
Mit besten Grüssen
Dietmar Kunen
Blocksiesel
Hallo,

wie schon beschrieben, oblag auch dem Heizer die Streckenbeobachtung. Auch wurden in der Regel die kommenden Signalstellungen dem Kollegen mit angesagt, sowohl der Heizer dem Lokführer wie auch andersherum. Für den Heizer war es für die Feuerführung nicht unwichtig, die Stellung des folgenden Signales zusätzlich zur eigenen Beobachtung angesagt zu bekommen, insbesondere, wenn der Heizer grade mit schaufeln beschäftigt war... Es ist nicht immer günsig gerade ordentlich Kohlen nachzulegen, wenn das nächste Signal auf Halt steht und man den Dampf nicht mehr vernünftig los wird, sondern er "ungenutzt" aus dem Sicherheitsventil bläst...

Auch lief (was jetzt nicht die eigentliche Frage betreffen wird) die Rückwärtsfahrt auf Dampflokomotiven mitunter kalt ab, wenn im Winter auf Loks mit offener Führerhausrückwand, z.B. P8 mit Kastentender... gefahren wurde. Es gab zwar noch einen Vorhang auf dem Führerstand, aber dieser musste beim schaufeln halt offen sein...

Auch bei Fahrten auf Diesellok mit Beimann wurden sich die Signale noch gegenseitig mit angesagt.

GRuß Michael
In unserer Gegend lautet die allgemeine Erklärung auf diese Frage so:

Wenn man eine Dampflok fahren will, muß man ein Brikett einwerfen.
Wenn man schneller fahren will, muß man zwei Briketts einwerfen.
Wenn man rückwärts fahren will, muß man die Briketts rumdrehen.

Noch irgendwelche Fragen? :-)
und bei uns lautete die Anweisung folgendermassen:

Rückwärtsgang - Handbremse lösen - dosiertes Gas

Gute Fahrt

Haltet bitte das DSO-Forum sauber – keine politisch motivierte Parolen
Hallo,

ja ganz so einfach war das dann doch nicht. Mit einer 50er rückwärts mit 80km/h und einem Personenzug und der Bahnsteig kam heizerseitig, so mußte der Heizer dann die Ansage machen: Bahnsteiganfang, Bahnsteigmitte, Bahnsteig......vorbei.

Tschüß,

Bernd

Farbgebung

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 12.02.18 04:08

Hallo Martin,

ohne jetzt eine Diskussion über einen Farbanstrich auslösen zu wollen, so steckt doch beim Anstrich mancher Dampfloks Loks in Polen sicher ein gewisser Patriotismus dahinter, was ich vollkommen in Ordnung finde. Dabei stelle ich mir immer vor, wie das jetzt in anderen Ländern aussehen würde, wenn da die Landesfarben zu Ausdruck kämen?
Da lasse ich jetzt der Fantasie freien Lauf, aber mehr Farbe im grauen Alltag tut auf alle Fälle gut.

Viele Grüße aus Pampanga
Horst
Hallo Jens,


Schlepptenderloks durften i.d.R. rückwärts maximal 50 Km/h fahren. Ausnahmen waren BR 50 mit 80 Km/h und BR 23 der DB mit 85 Km/h oder die Loks hatten eine besondere Ausnahmegenehmigung wie z.B. 01 118 mit 80 Km/h.
Voraussetzung damit schneller als 50 Km/h gefahren werden durfte, war u.a. eine geschlossene Tenderrückwand. So erhielten deshalb viele P8 bei der DB Wannentender, die von den ausgemusterten Loks der BR 52 stammten.

Grüße aus Pampanga
Horst
Hallo,

danke Herr Kunen für Ihre Antwort! Die Menschen, welche die Dampflokzeit erlebten werden weniger. Umso wichtiger ist es die Nachwelt darüber zu informieren. Ist doch toll, dass das Thema Eisenbahn doch noch bei dem einen oder anderen interessant ist. Und warum nicht einmal eine Frage zweimal stellen, bloß weil sie irgendwann jemand schon mal gestellt hatte? Die Suchfunktion ist teilweise sehr mühsam. Aber es gibt eben solche und solche Forumianer.
Und an dieser Stelle: Herzlichen Dank für alle Bildbeiträger, welche die schönen Bilder aus der schönen Bundesbahnzeit hier zeigen!!!

Viele Grüße

Benjamin
Schlimmer als die Sichtverhältnisse waren die hinten offenen Führerstände im Winter. Führerstandrückwände mit Balgenabdichtung zum Tender wurden erst recht spät eingeführt und waren nicht allgemein vorhanden. Ein Lied davon können die Lokpersonale singen, die im Winter Güterzüge nach Ellrich brachten und rückwärts nach Northeim zurück mussten, weil sie die die paar wenigen Kilometer zur nächsten Drehscheibe in Nordhausen nicht fahren durften. Das wurde allgemein als Schikane der Ostbehörden empfunden.
Matthias Muschke schrieb:
Der Heizer war immer mit für die Beobachtung der Strecke verantwortlich.


Na Matthias das war wohl nichts. Vielleicht zuständig aber nicht verantwortlich.
Verantwortlich war immer Lokführer. Der Heizer war insbesondere aufgefordert sich bei Rückwärtsfahrten und in Gleisbögen besonders der Strecken-und Signalbeobachtung zu widmen.

Aurerdem ist es auch oft vorgekommen das man einen neuen Heizer mit keinerlei Streckenkunde, die dieser übrigens nicht brauchte, mitbekommen hat und da war man als Lokführer besonders gefordert. Je nach dem wie weit der Kollege schon war mußte man diesen schon oft genug sagen was zu tu tun und zu lassen ist. Des öffteren hat der Lokführer auch noch selber zu Schaufel greifen müssen, und auch mal mit dem Schürhaken den Haufen in der Mitte lang gemacht. Alles eine Abwägungssache des Lokführers der auch allein Verantwortlich war.
Auch bei alten erfahrenen Heizern konnte man sich nicht darauf verlassen der dieser Betrieblich Top Fit war. Die machten zwar ihren Heizerjob gut und hatten auch Kenntnisse über Strecke und Bahnhöfe aber betrieblich waren diese nur minimal ausgebildet. Die Hauptlast hatte immer der Lokführer.


Gruß von ganz oben der Bergmensch.
Bekannt ist der Unfall von Salzbergen am 16.9.69 (Von Siegelsdorf nach Aitrang, ab S. 110). Bei der rückwärtsfahrenden 042 295-1 kam es zum Mißverständnis zwischen Tf und dem gesundheitlich angeschlagenen Heizer, außerdem fehlte noch der Indusimagnet links. Nach Überfahren des E-Sig gab es zwar nur einen leichten Zusammenstoß, bei dem aber ein Kesselwagen mit Benzin aufgerissen wurde, was zu einem Großbrand führte. Verletzt wurde niemand, nach Ritzaus Angaben. Warum bei Schlepptenderloks nicht gleich zwei Magneten angebaut wurden bleibt die Frage.
Kleine Bemerkung dazu: Eigentlich war bei den Vorkriegsbauarten, die bei der DB liefen, nur auf der BR 50, Wendezug-P8 und der BR 50 mit dem Führerhaus der BR 52 die Rückwärtsfahrt einigermaßen "komfortabel" gegenüber den älteren BR; weniger Flugschnee- und Kohlenstaubbelästigung. Allerdings mussten die winzigen Rückwärtsfenster ständig händisch sauber gehalten werden. Aber auch auf diesen Maschinen sammelte sich der Flugschnee in den kühlen Winkeln des Führerstandes, z. B. unter den Sitzen, bei Rückwärtsfahrt wie bei Vorwärtsfahrt genauso an. Zur weiter unten angesprochenen Frage betr. Indusimagnet, bliebe zu sagen, dass dieser an Schnellzugmaschinen ursprünglich nur in der Hauptfahrtrichtung, nämlich vorwärts (rechts) montiert war. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.

Kleine Anekdote zu Schnellzugmaschinen (BR 01)

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 12.02.18 15:02

Bei der historischen Eisenbahn in Frankfurt/Main wurde vor Jahren ein Fahrplan für 01 118 bestellt. Im Außenbahnhof von Frankfurt/Mai Hbf sollte Kopf gemacht werden. Da meinte einer vom Fahrplanbüro: bei einer 01 kann man doch an der Rauchkammerseite keine Wagen anhängen.
Der hat sicher die 01 001 von Trix Express zu Hause gehabt und die hatte ich auch mal.

Gruß
Horst