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 04 - Historische Bahn 

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siehe auch:
(CH) MOB 1974/75: DZe 6/6, BDe 4/4 "autorails" und ABDe 8/8 (16B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) MOB, Bula 1980: DZe 6/6 2002 und De 4/4 25 mit Pfadi-Extrazug nach Lenk (39B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) MOB, Bula 1980, Teil 2: gut motorisierte Pfadi-Extrazüge (28B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) MOB, DZe 6/6 2001 vor Reisezügen, 1978-82 (27B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) MOB, DZe 6/6 2002 von 1933 vor Reisezügen, 1976-83 (27B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) MOB, DZe 6/6 von 1932/33 vor Güterzügen (20B) [www.drehscheibe-online.de]

Nach einem kleinen Vorgeschmack mit einem Zisternenwagen für Lenk stelle ich hier den Rollbockverkehr ab Zweisimmen dar, wie ich ihn meistens erlebt habe. Das waren Zement- und Stückguttransporte für St. Stephan, den wichtigsten Zwischenbahnhof der eher flachen Linie nach Lenk. Ab 1979 hatte der mit einer Druckluftbremsausrüstung für die modernen Vevey-Rollböcke versehene DZe 6/6 2002 für einige Zeit das Monopol, bald wurde auch DZe 6/6 2001 nachgerüstet.

DZe 6/6 2001 begibt sich im Juli 1981 zur Rollbockgrube, De 4/4 25 ex ADZe 4/4 25 von 1912 stellt einen Bauzug zusammen.
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Der Rangierer lockert die Schraubenkupplung zwischen den beiden für St. Stephan bestimmten SBB-Zementsilowagen.
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Die vorderste Achse ist bereits aufgebockt, beim modernen System Vevey geht das vollautomatisch. Für die Dauer des Aufbockens blockiert DZe 6/6 2001 die Zufahrt zu einem oft benützten MOB-Perron.
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Der Rangierer überwacht das Aufbocken der nachfolgenden drei Achsen.
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Ausfahrt Zweisimmen. Die Reserve-Personenwagen stehen auf dem Rest des einstigen Streckengleises nach Lenk.
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Die Strecke nach St. Stephan misst nur knapp 6 km. Vor der Haltestelle Stöckli fährt der Rollbockzug durch saftige Wiesen.
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Die Kirche gehört zur weitläufigen Pfarrei St. Stephan.
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Einfahrt St. Stephan.
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MOB DZe 6/6 2001 mit zwei SBB-Zementsilowagen auf Rollböcken im Bahnhof St. Stephan.
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Exkurs: Die grossen gelben Kugeln warnen die auf dem Flugplatz St. Stephan landenden Flugzeuge vor einem zu tiefen Anflug. Sie wurden in der Schweiz eingeführt, nachdem „der bekannte deutsche Flieger Udet“, wie es im Geschäftsbericht der Bahn hiess, am 26. Juli 1937 beim Anflug auf den Militärfluplatz Thun mit seiner Messerschmitt Bf 109-Vorführmaschine D-ISLU exakt die Fahrleitung der Burgdorf - Thun-Bahn BTB traf und in der Folge eine Bruchlandung mit Totalschaden hinlegte. Der Propeller verfing sich im Tragseil der Fahrleitung und riss es bis zur Bruchlandung 60 m mit sich. Zwei Masten wurden abgedreht, die Fahrleitung musste auf einer Länge von 300 m neu erstellt werden. Der Betriebsunterbruch dauerte 9 Stunden. Solchen Ärger wollte man sich in Zukunft auf den Bahnstrecken rund um die Flugplätze erparen. Deshalb die gelben Kugeln. - Und noch dies: „Des Teufels General“ Ernst Udet entstieg seiner schwer havarierten Maschine fast unverletzt, die gut konstruierte Pilotenzelle hat ihn geschützt (Scan aus "Der Deutsche Sportflieger" Oktober 1937 [histaviation.com]):
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Das und die am Internationalen Flugmeeting in Dübendorf und in den Alpen gezeigten Flugleistungen waren natürlich beste Werbung für das später als „Messerschmitt“ schlechthin bekannte Jagdflugzeug. Die Schweizer Luftwaffe bestellte umgehend zehn Messerschmitt Bf 109 D-1, die bald durch achtzig Bf 109 E-1/3 ergänzt wurden. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Udet den Kontakt mit der BTB-Fahrleitung nicht überlebt hätte - wenn ein anderer an seiner Stelle Generalluftzeugmeister geworden wäre.

DZe 6/6 2001 holt mit den beladenen die leeren Silowagen aus dem Stumpengleis.
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Für kurze Zeit entsteht der optische Eindruck eines mit vier Wagen gut ausgelasteten Rollbockzuges.
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Die leeren Wagen bleiben auf Gleis 3, die mit Zement gefüllt werden ins Stumpengleis gedrückt.
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Zwischen den Silowagen wird MOB-Rangiertraktor Tm 1 sichtbar. Er war für die Baustelle des Grande Dixence-Staudammes im Wallis gebaut worden, danach wehörte er der Sägerei am Bahnhof St. Stephan. Ich werde ihn bei Gelegenheit noch separat vorstellen.
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DZe 6/6 setzt sich zu meiner Überraschung hinter die leeren Silowagen. Ich vermute, dass der Zug nach Lenk weiter fährt und dort auch noch einen oder zwei Wagen abholt, aber weit gefehlt. Das Ausfahrsignal Richtung Zweisimmen springt auf Grün, der Zug fährt geschoben talwärts! Darauf war ich wirklich nicht gefasst. Notschuss von der Hauptstrasse aus:
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Die geringe Geschwindigkeit des geschobenen Zuges erlaubt mir noch vor der Haltestelle Stöckli eine weitere Streckenaufnahme.
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DZe 6/6 2001 mit zwei SBB-Zementsilowagen auf Rollböcken in geschobener Fahrt, vor dem Hintergrund des Ortsteils Ried, mit der Kirche der Gemeinde St. Stephan
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Zwischen Blankenburg und Zweisimmen verlaufen Bahn und Strasse parallel nebeneinander. Dabei ergibt sich eine spannende Perspektive. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass der Zug vom Betrachter weg fährt. Die gelbe Kugel warnt Piloten, die auf dem Flugplatz Zweisimmen landen wollen, vor der MOB-Fahrleitung.
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Auf der Einfahrt in den Bahnhof Zweisimmen bleibt der Rollbockzug vorerst stehen. Es gibt noch Klärungsbedarf.
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„Bin ich hier richtig?“
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Der Rangierer ist nicht mehr gefragt, wenn der Fahrdienstleiter alles besser weiss. Auf dem Nachbargleis stehen die 1943/46 gebauten Reservewagen B 49 und AB 98, die ich schon mehrfach im Einsatz gezeigt habe.
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Die Reservewagen müssen sofort in den Einsatz. Nach einem Filmwechsel sind sie schon weg. Im Hintergrund wird der wegen Triebfahrzeugmangel von der MOB gemietete GFM-Triebwagen Be 4/4 131 (orange) mit seinem Steuerwagen Bt 261 sichtbar.
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Während DZe 6/6 2001 seinen kurzen Zug gemächlich rückwärts schiebt, erscheint De 4/4 25 mit seinem Bauzug im Blickfeld - eine schöne Gegenüberstellung!
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Im Oktober 1983 holt DZe 6/6 2002 einen vierachsigen Grossraum-Güterwagen Gabs der FS aus der Rollbockgrube. Be 4/4 1002 ex Biasca - Acquarossa ist im Lokalverkehr nach Gstaad tätig.
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Das Normalspurgleis mit der engen Doppelkurve über die Meterspur führt zur neuen Viehumladerampe. Im Hintergrund ist ein neuer Pendelzug der BLS zu sehen.
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Einfahrt St. Stephan. Der unauffällige Holzschuppen mit der akkuraten Nummer 1 und dem perfekt installierten und signalisierten Aschenbecher kann niemand anderem als der Schweizer Armee gehören.
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Der Statiönler bespricht mit dem Lokführer die folgenden Rangiermanöver.
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Für die Rückfahrt nach Zweisimmen steht keine Last bereit, deshalb verabschiede ich mich nach diesem Bild. Der abschliessende Beitrag über die von mir sehr bewunderten MOB-Gelenktriebwagen DZe 6/6 2001 und 2002 zeigt einen langen Güterzug mit Alpvieh für den Export.

Gruss, Werner

mein HiFo-Inhaltsverzeichnis:
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4-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.02.18 17:13.
Moin moin!

Das ist mir schon bei einem vorherigen Beitrag ausgefallen, dass die Rollbockgrube ohne Nutzlänge direkt an die Weiche anschließt und ein auf- oder abbockender Zug stets die Weichenverbindung blockiert. Aber wahrscheinlich war es nicht möglich, die Grube günstiger anzulegen.
Wiederum herrliche Bilder.

Gruß
Christian
Wenn für das Auf- und Abbocken ein schmalspuriges Triebfahrzeug benötigt wird, spielt es eine untergeordnete Rolle, wenn dabei die Weiche belegt ist.

Herbert
In Zweisimmen ist es eben so, dass das Gleis, das über die Anschlussweiche der Grube führt, jede Stunde in beiden Richtungen von fahrplanmässigen Reisezügen befahren wird. Das heisst, der Fahrdienstleiter wird ca. 10 Minuten vor dem Personenzug keinen Rollbockzug mehr zur Grube lassen, und nach der Durchfahrt dauert es wiederum einige Minuten, bis die Zufahrt zur Grube möglich ist. Das heisst, pro Stunde stehen zwei Zeitfenster zu ca. 15 Minuten für die Zufahrt zur Rollbockgrube zur Verfügung, dazwischen heisst es Warten. Das Zeitfenster verkleinert sich, wenn zusätzlich noch das Abstellgleis für Reserve-Personenwagen bedient werden muss.
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Doch nicht so einfach...

Danke fürs aufmerksame Betrachten der Fotos und Gruss, Werner



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.02.18 21:51.
Einmal mehr sehr schöne und interessante Aufnahmen. Vielen Dank!