DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historische Bahn 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
...so stellte es sich tatsächlich heraus.

Angepriesen wurde das Foto jedoch mit "18.1 in Beuron im 1. WK".

Klingelt es? Richtig. Baureihe 18.1 passt nicht zum 1. Weltkrieg,
weil diese Baureihen-Bezeichnung erst mit Gründung der DRG nach
dem 1. Weltkrieg festgesetzt wurde.

Und bei näherer Ansicht stellte sich heraus, dass im Zug Stahlwagen
mit Wendler-Lüftern auf dem Dach zu finden waren, die es auch
erst ab Ende der 20er Jahre gab.

Auch die für damals als sportlich anzusehende Kleidung der beiden
bereits Wartenden passt ebenfalls nicht in den 1. Weltkrieg.

Schließlich kann mit einigem Willen gedeutet werden, dass die kleinen
weißen Punkte an den Lampen als mit Schnee gefüllte Verdunkelungs-
Vorsätze zu erkennen sind. Gemeint ist nicht die Schlitz-Bauform der
Vorsatz-Blenden, sondern die mit den zylinderförmigen Rohr-Ansätzen.

Also ist die Aufnahme in die Kriegszeit zu verorten, und zwar die des
2. Weltkrieges.
Beuron hingegen stimmt.
Dazu hilft ein Blick in Google-Maps mit der Angabe der Koordinaten
48°02'53.6"N 8°58'21.8"E (und Umschalten auf Satellitenbild).
[www.google.de]
Und bei Wikipedia findet sich sogar ein Bild des heutigen Haltepunktes
in ähnlicher Perspektive mit der Felsklippe und dem Gipfelkreuz:
[upload.wikimedia.org]


Damit haben wir in bester Sherlock-Manier den Ort bestätigt und die
Aufnahme-Zeit deduziert.
Bleibt noch der Bildautor. Angeboten wurde das Bild im sächlichen Zu-
sammenhang mit zwei weiteren Abzügen, die unzweifelhaft Alfred Ulmer
zuzuordnen sind. Bei dem Ausschnitt mit dem Bahnsteigdach finden sich
am Rand schwache Transportstreifen (senkrecht durchs Bild verlaufende
Kratzer). Diese weisen bei dem annähernd quadratischen Abzug auf Roll-
filmformat 6 x 6 cm des Negativs hin.
Die beiden Hauptquellen über sein Werk, Rudolf Röder (Hrsg.): Alte
Meister der Eisenbahn-Photographie: Alfred Ulmer – Aufnahmen aus der
RBD Stuttgart 1925-1945. EK-Verlag, Freiburg, 2009 und Dietrich A.
Braitmaier/Alfred B. Gottwaldt: Meisterfotos der Reichsbahnzeit -
110 Aufnahmen von Alfred Ulmer 1930-1940 -, Franck'sche Verlagshandlung,
Stuttgart, 1976, zeigen ihn mit seiner Ausrüstung und nennen eine Zeiss
"Ikoflex 6 x 6" mit einem Tessar und der damals sagenhaften Öffnung
von 1:2,8 bei 80 mm Brennweite.
Damit verdichtet sich die Benennung von Alfred Ulmer als mutmaßlichem
Bildautor. Er hatte eine Fotoerlaubnis der RBD Stuttgart, die ihm auch
in der Kriegszeit seine Aufnahmetätigkeit erlaubte.


Das Foto selbst ist nach heutigen Kriterien eigentlich eher misslungen:
--Die ältere Dame mit Stock eilt auf den Bahnsteig und damit in die
Sichtachse des Fotografen zur Lok
--Die beiden Wandersleute rechts verdecken den Neigungszeiger

Dennoch: Es ist ein interessantes Zeitzeugnis.

Hier nun das Hauptbild und die drei Ausschnitte zum Text:

wuertt-c_beuron-ende30erjahre-dso_1100x960.jpg

wuertt-c_beuron-ende30erjahre-ausschnitt1-dso_1100x817.jpg

wuertt-c_beuron-ende30erjahre-ausschnitt2-dso_1100x750.jpg

wuertt-c_beuron-ende30erjahre-ausschnitt3-dso_803x1100.jpg


Viel Spaß beim Gucken.

Auf alten Fotos ist immer viel zu entdecken.

Beste Grüße
VB995
Hallo,

bekanntlich hat Alfred Ulmer für seine Zwecke einen S/W-Entwickler geschaffen, der die hohen
Kontraste bei Dampflokomotiven in der Winterlandschaft bewältigen half, allerdings unter
Inkaufnahme eines relativ groben Filmkorns.
Bei Rollfilm oder gar Großbildkameras fiel das nicht so sehr ins Gewicht wie z.B. beim 35mm-Film.

Ich schreibe das deswegen, weil ich zu der Frage komme wie das Bild eingescannt wurde.
Ganz vorsichtig vermute ich zunächst, daß das Original-Negativ mehr an Details hergeben
würde als ein Abzug.
Damit meine ich Einzelheiten im Bereich der Lokfront oder solche in anderen dunklen Bildpartien.
Vielleicht liese sich aus dem Abzug aber auch noch mehr an Einzelheiten herausholen, wer weiß.
Damit will ich an VB995 natürlich keine Kritik üben, es ist nur eine Frage was eventuell noch
geht und was nicht.

Ich habe die Arbeiten von Alfred Ulmer stets bewundert, vor allem auch angesichts der
damaligen Kameratechnik und des verfügbaren Filmmaterials.
So wäre es hochinteressant gewesen, wenn er seine Rezeptur zur Filmentwicklung
der Nachwelt übermittelt hätte.
Was das damalige, noch unvergütete Tessar 2,8/80 betrifft konnte ich mit genau diesem Objektiv,
allerdings an einer Vorkriegs-Super Ikonta, eigene Erfahrungen sammlen.
Richtig scharf abgebildet hat dieses Objektiv erst ab einem Blendenwert zwischen 5,6 und 8.
Besonders gut gelungene Exemplare eventuell schon ab Blende 5,6.
Jedenfalls hatte es Alfred Ulmer als Photograph im Vergleich zu heute sehr schwer.

Immerhin erlaubt es die aktuelle Drucktechnik, in Buchform seine Negative fast so kontrastreich
wiederzugeben, wie dies bei einem guten Abzug normalerweise der Fall ist.

Vielen Dank für das Zeigen dieses Bildes und

herzliche Grüße

Karl Heinz
...der auf Barytpapier auf ca. 9 x 9 cm gezogen wurde.
Ein Negativ stand nicht zur Verfügung.
Wegen der Seltenheit solcher Abzüge am Markt wollte
ich die Veröffentichung jedoch keinem vorenthalten.

Die in meinem Ur-Posting genannten Quellen schildern
Alfred Ulmer als Laborchemiker, dem die Herstellung
eigener Entwickler, hier Kontrast-Ausgleichs-Entwickler
nicht fremd war. Leider - und das ebenso in den Quellen
geschildert - ist von den Rezepten nichts überliefert.

Zur Aufbereitung der Bilder meiner Postings:
Ich scanne mit der je Vorlagenformat höchstmöglichen
Auflösung, im vorliegenden Fall mit 2400 dpi. Dabei steht
aktuell zur Verfügung nur ein Multifunktionsgerät HP 6800,
was manchmal eine Schnittbruchkante mitten im Bild
produziert. Mit der hohen Auflösung bleiben für die Weiter-
verarbeitung viele Informationsreserven erhalten.
Dann folgt in einem einfachen Bearbeitungsprogramm wie
Irfan-View die Gamma-, Helligkeits- und Kontrastbearbeitung,
danach die Formatveränderung auf Basis-Kantenlängen
von 1024, oder wie hier, 1100 pt. Gleiches Maß wird
für die Längskante bei Hochformaten verwendet. Nun
erfolgt das Einfügen der Textvermerke über Autor und
Sammlungs-Eigentümer und zumeist noch ein einmaliges
Nachschärfen sowie dann die Abspeicherung.
Die Bilder haben damit oft eine Größe zwischen 400 und
900 kB, was für das Hochladen im hauseigenen System
von DSO zu groß ist und auch beim Hoster das Volumen
schnell füllt.
Hier hilft noch ein Durchgang im Fotosizer, Version 1.32,
und nur diese, denn das war die letzte Version, die bei
einem Durchlauf mit 100% Bildgröße nochmals eine Verrin-
gerung des Speichervolumens bringt. So bleiben schließlich
von den 400 bis 900 kB nur noch ca 120 bis 360 kB übrig,
dies jedoch bei nur minimalstem optisch wahrnehmbaren
Qualitätsverlust.
Der Bildbetrachter hat damit im DSO-System eine recht
annehmbare Darstellung, die allerdings beim Herauskopieren
und Vergrößern schnell verpixelt, also nicht kommerziell
weiter verwendet werden kann.

Ich hoffe, das hat die erforderliche Aufklärung gebracht.

Scanns vom Negativ und professionelle Bildbearbeitung
sind natürlich durch nichts zu ersetzen...

Beste Grüße
VB995
Ähm- ist das überhaupt eine 18.1?
Grüße
Ulrich

...alternative Fakten-Vorschläge....? (o.w.T)

geschrieben von: VB995

Datum: 04.02.18 15:34

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: ...alternative Fakten-Vorschläge....?

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 04.02.18 16:28

Hallo,
auf diesem Bild wirkt der Kessel plump wie bei einer P 8, vom Windschneiden-Führerhaus ist auch nichts zu erkennen. Aber der weit vorn sitzende Dom, die Einströmrohr-Verkleidungen und die Schürze am Umlaufblech sprechen für eine C.
Viele Grüße
Stefan

Hallo S&B,

natürlich ist das eine Lok der Baureihe 18.1, erkennbar an der typischen Form der
Verkleidung der äußeren Dampfzylinder.
Dann danke ich den Beitragseröffner für die ausführliche Erklärung, wie er den
kleinen Papierabzug eingescannt hat.
Was mich ganz allgemein interessiert ist wo die zahlreichen Negative von Alfred Ulmer
verblieben sind.
Vor vielen Jahren hatte ich mal kurz Kontakt mit dem Herrn Braitmaier, der wohl damals
diese Schätze besessen hat.
Es ging um Fragen im Zusammenhang mit der Maschinenfabrik Esslingen und einer Recherche
für eine wissenschaftlichen Forschungsarbeit aber der Mann blieb in meiner Erinnerung doch
sehr wortkarg.
Die Frage nach dem Verbleib besagter Negative hat den Grund, daß man diese heutzutage
ja in viel besserer Qualität drucken könnte.
Auch die Möglichkeit, Fotobücher mit Fotos auf echtem Fotopapier herstellen zu lassen
wäre ein sicher interessanter Gedanke.

So etwas plane ich gerade mit Fotos aus meine Archivbeständen aber da geht es hauptsächlich
um den historischen Rennsport.

herzliche Grüße

Karl Heinz
Hallo VB995,

dort ist die Aufnahme auf Seite 156 abgedruckt, und es gibt noch eine zweite, bei der die Lok weiter vorgerückt ist. Möglicherweise war die Kamera für die zweite Aufnahme scharf gestellt, die erste Aufnahme ist ein "Versuchsschuss", Abfall sozusagen. Die abgedruckten Aufnahmen sind rechteckig. Laut Bildautorenverzeichnis stammt die Aufnahme von "Ulmer/Archiv Baitmaier".

Auch wenn kein Copyright-Vermerk in meinen Bildern eingeblendet ist, befindet sich das Verwertungsrecht ausschließlich bei mir.

Viele Grüße aus dem Strohgäu sendet

Günter

Liste meiner HiFo-Beiträge
Interessant sind diese zwar schon an anderen Stellen s.o. veröffentlichten Bilder (Titel Kriegswinter im Donautal) allemal, da sie sehr autentisch die Stimmung dieses in den Wintermonaten total vereinsamten Ortes und dessen Bahnhofes (heute Hpu) wiedergeben. Wenn kein Zug fuhr konne man dort der Stille zuhören. Bemerkenswert ist ebenso, dass die Blumenampeln unter dem Bahnsteigdach im Sommer 1958 (s. Bild) noch genauso vorhanden waren, wie der Bm-Wagen, das Lademaß und das Stellwerk im Freien auf dem Bahnsteig. Ja, Beuron hatte sogar eine Bm, deren Arbeiter anno 1890 die ersten Sozialdemokraten in dieser erzschwarzen hohenzollerischen Exclave waren. Die sichtbare Jugendgruppe mit Erkennungswimpel kam von der Jugendherberge Wildenstein zu Fuß nach Beuron gewandert, um von dort die Heimreise richtung Sigmaringen anzutreten, mit was für Fahrzeugen darf der kundige Leser auf Grund der Uhrzeit erknobeln. Gruß Fritzle

Bahnsteig 1 Beuron Juli 1958

DHB025.jpg

drei Möglichkeiten der Abfahrt 1958

geschrieben von: Detlev Hagemann

Datum: 05.02.18 08:50

a) Lokbespannter Zug:
P 3423 Immendingen ab 11:17 – Beuron ab 12:28 – Ulm an 15:50
Zug bestand im Sommer 1957 aus 3 Bi und einem Pwi aus dem Immendinger Umlaufplan 14092. Zug wurde in Sigmaringen dann deutlich durch Ulmer Wagen verstärkt, so dass Schlepptenderlok sehr wahrscheinlich. Im Juli 1958 war nominell die Wagenbeheimatungsaußenstelle Bahnhof Immendingen des Bw Radolfzell aufgelöst.
Welcher badische Bahnhof die wenigen Personenzuggarnituren der BD Karlsruhe auf der Donautalbahn ab 1958 stellte, konnten wir bisher nicht ergründen: Zur Auswahl stehen Singen als Außenstelle Radolfzell oder Villingen. Die Rückkehr dieser Wagengarnitur erfolgte aus Ulm hinter einer Radolfzeller P8 nach Immendingen.

b) Triebwagenzug Pto (unwahrscheinlich: Pt)
Pto 3474 Sigmaringen ab 12:06 – Beuron an 12:41 (Doppelgarnitur?!)
Pto 3422 Beuron ab 12:44 – Fridingen–Stetten–Nendingen–Tuttlingen Nord – Tuttlingen an 13:09
Pto 3474 Beuron ab 12:54 – Mühlheim–Stetten–Tuttlingen Nord–Tuttlingen–Möhringen – Immendingen an 13:40





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.02.18 14:49.