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 04 - Historische Bahn 

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Augsburger Abendzeitung
Freitag, 15. Juni 1883
Nr. 162
// München, 14. Juni. Gestern Abend wurde die Besichtigung der Kolossalstatue der "Germania" geschlossen; es mögen nahe an 60,000 Menschen während der vier Tage sich im Gießhause der v. Miller'schen Erzgießerei eingefunden haben. Heute Vormittag hat auch der noch immer geistig frische, aber leider seit mehreren Jahren durch Fußschmerzen am Gehen sehr behinderte Herr Ferdinand v. Miller sen. die Statue besichtigt und seine laute Freude über das gelungene Kolossalwerk seinen um ihn versammelten Söhnen ausgedrückt. Kaum war aber auch der freudig erregte alte Herr davongefahren, so begann man sogleich mit den Gerüstarbeiten, um nun die Statue wieder zu zerlegen und transportfähig zu machen. Man hofft mit Anfang der letzten Woche im Juni den Extrazug, welcher die einzelnen Theile bergen wird, von hier ablassen zu können.

Augsburger Postzeitung
Montag, 25. Juni 1883
Nr. 147
München, 23. Juni. Heute früh wurde mit dem Transport der Colossalstatue der Germania von der v. Miller'schen Erzgießerei nach dem Bahnhofe begonnen. Auf starken Balkengerüsten befestigt ruhen die einzelnen Theile des Meisterwerkes und sind mit Segeltuch verdeckt. Es sind nicht weniger als acht Eisenbahnwägen zum Transport erforderlich.

Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 27. Juni 1883
Nr. 174
// München, 26. Juni. Bis auf wenige Stücke ist die "Germania" aus dem Gießhause der v. Miller'schen Erzgießerei nach dem Bahnhofe transportirt worden. Das größte Stück der Germania ist bereits verladen und wird der betreffende Wagen, auf welchem dies ruht, den (8.) Schlußwagen jenes Extrazuges bilden, der am Donnerstag Morgen 3 Uhr von hier abgelassen wird. Man hofft zu Anfang der darauf folgenden Woche bereits in Aschaffenburg anzulangen, von wo aus die sieben ersten Wagen ihren Weg über Frankfurt a./M., Kastel (gegenüber Mainz) nach Rüdesheim nehmen. Der achte mit dem Hauptstück belastete Wagen geht über Darmstadt nach Rosengarten, woselbst am nächsten Dienstag bereits ein Trajektschiff der Last wartet. Der Transport wird also verhältnismäßig rasch von Statten gehen. Dank der Fürsorge der Generaldirektion, welche alle ihre Organe auf das Genaueste für diesen Extrazug instruirt hat.

Augsburger Postzeitung
Freitag, 29. Juni 1883
Nr. 151* Augsburg, 28. Juni. (Der Germania=Zug) ist heute Vorm. 11 Uhr im hiesigen Bahnhofe eingefahren. Der ganze Train bestand aus neun Wagen, darunter ein Personenwagen und zwei bekränzte Waggons, welche die verhüllten Haupttheile der Figur trugen. Den Train begleitete Herr Erzgießereidirector v. Miller. Um die Durchfahrt auf dem Bahnhofe zu ermöglichen, mußten einige Signallaternen entfernt werden. Um 1 Uhr wurde die Reise nach Nördlingen fortgesetzt. Von hier bis Gersthofen brauchte der Zug Dreiviertelstunden


Augsburger Tagblatt
Freitag, 29. Juni 1883
Nr. 150
München, 28. Juni. Begleitet von den besten Wünschen einer kleinen Anzahl von Personen, welche in heutiger erster Morgenstunde der Abfahrt des Extrazuges der Germaniastatue beiwohnten, verließ dieser vor 1 1/2 Uhr nach Mitternacht den Zentralbahnhof. Um einen kleinen Vorsprung vor einigen sich auf der Linie München = Kaufering kreuzenden Züge zu erlangen, wurde noch in letzter Stunde die Abfahrt auf so früher Morgenstunde verlegt. Der Zug bestand aus Lokomotive, dem Bremswagen, dem sich ein sogenannter H Güterwagen anschloß, auf welchem sechs verschiedene kleine Theile aufgestellt waren. Dieser H Wagen hat an seiner Rückwand ein Lattengerüste, das der Höhe und Breite des größten Transportstückes entspricht und zwar so eingerichet, daß rechts und links der äußerste fußbreite Lattengerüststreifen in Charnier läuft und nach rückwärts sich bewegen kann. Diesen Hauptwagen folgt nämlich ein Salonwagen, in welchem sich der Leiter dieses Transportes, Hr. Erzgießer Ludwig v. Miller befindet, welcher von seinem Waggon aus jede etwa sich ergebende Empfindlichkeit der Tangirung eines vorhandenen rechts= wie linksseitigen Hindernisses beobachten kann und in die Lage versetzt wurde, sofort den Lokomotivführer von einer notwendigen Bremsung des Zuges zu verständigen. Der Zug wird mit einer Geschwindigkeit von nur 20 Kilometern in der Stunde befördert, so daß unter diesen Verhältnissen ein sofortiges Bremsen bewerkstelligt werden kann, wenigstens doch noch eher, als bis der letzte Waggon mit dem Hauptstück die betreffende Stelle zu passiren hätte. Es folgen dem Salonwagen nunmehr die anderen 5 gleichfalls offenen Güterwägen, auf dessen fünftem Wagen das größte, 170 Zentner schwere Transportstück, das Blindstück liegt. Zusammen sind es 32 Stück, welche auf diesen 6 Waggons befördert werden, die insgesammt 700 Ztr. wiegen. Jener Wagen, der vorletzte, welcher den Kopf und das Bruststück der Germania zu tragen hat, ist mit 140 Ztr. belastet. Man hofft noch im Laufe des Nachmittags die Brücke über die Donau bei Donauwörth zu überfahren, um in Nördlingen das erste Nachtquartier zu halten.

Gruß

Walter