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 04 - Historische Bahn 

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Die Landsgemeinde ist in der Schweiz eine der ältesten und einfachsten Formen der direkten Demokratie. Die wahl- und stimmberechtigten Bürger eines Kantons, eines Bezirks oder eines Kreises versammeln sich an einem bestimmten Tag unter freiem Himmel, um ihre verfassungsmässigen Aufgaben zu erledigen. Heute gibt es diese sehr traditionelle Institution nur noch in den Kantonen Glarus und Appenzell Innerrhoden. Bis zur Abschaffung im Jahr 1997 fand auch im Halb-Kanton Appenzell Ausserrhoden jährlich die Landsgemeinde statt und zwar alternativ in Trogen und Hundwil.

Der in Trogen in geraden Jahren abgehaltene Landsgemeindesonntag war immer ein absoluter Hochbetriebstag für die Trogenerbahn. Die Landsgemeinde am 28. April 1974 war aus bahnspezifischer Sicht ganz speziell einen Besuch wert, da vor der Ablieferung neuer Pendelzüge im folgenden Jahr zum letzten Mal alles vorhandene alte Rollmaterial zum Einsatz gelangte. Lassen wir die Bilder für sich selbst sprechen!

Für die Anfahrt am Morgen wurden die meisten Züge doppelt und dreifach geführt, wobei alles lief "was Räder hatte". Die folgende zwischen Notkersegg und Schwarzer Bären entstandene Aufnahme ist eher normal mit dem TB Motorwagen BDe 4/4 6 und den beiden ex TL (Tramways Lausannes) Anhängern B 12 + B 13.

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Nun wird es bereits interessanter! Zwischen Rank und Schwarzer Bären begegnet uns ein Zug bestehend aus BDe 4/4 5 (ex TL) + B2 84 (ex STI) + B 14 (ex TL). An diesem Zug interessiert uns ganz besonders der in der Mitte verkehrende Zweiachser B2 84. 1920 für die Rechtsufrige Thunerseebahn STI (Steffisburg - Thun - Interlaken) als Sommerwagen C 42 erbaut übernahm die TB die gesamte Serie von drei Wagen C 41 - 43 im Jahr 1952 anlässlich der Einstellung der STI-Überlandstrecke von Thun nach Beatenbucht. Nach ursprünglichen Einsätzen als Sommerwagen erforderte der gestiegene Bedarf für Abonnentenzüge 1957/58 den Umbau zu geschlossenen Wagen B 83 - 85. Nach der Eingliederung des Fahrzeugparks aus Lausanne wurden diese Wagen nur noch äusserst selten eingesetzt.

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Ein weiterer Exot begegnet uns auf dem nächsten Bild, als ein Leerzug Richtung St.Gallen in die Kreuzungsstelle Rank einfährt. Wiederum führt mit dem BDe 4/4 4 ein TW ex Lausanne, gefolgt vom B2 86 (ex STI) und B 11 (ex TL / Forchbahn). Der B2 86 stammte ebenfalls von einem Gelegenheitskauf von vier 1921 gebauten Anhängewagen der STI (B 31, 32, 34 und 35) anlässlich der 1958 erfolgten Einstellung der letzten Tramstrecke der Rechtsufrigen Thunerseebahn von Thun nach Steffisburg. Nach Revision und Anpassung gelangte die Serie als B2 86 - 89 in Betrieb. Zwei Wagen wurden bereits 1971, respektive 1972 abgebrochen, während die letzten zwei "Mohikaner" B2 86 und 87 (zweite Besetzung) noch bis zur Landsgemeinde 1974 durchhielten. Es sollte ihr allerletzter Einsatz sein.

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Eine solch geballte Ladung an ungewöhnlichen und interessanten Zügen erlebt man als Fotograf nur sehr selten: Zwischen Trogen und Bendlehn unterwegs ist BDe 4/4 8 mit B2 83 (ex STI) und B 18 am Haken.


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Als ältestes Fahrzeug ist der originale TB-Motorwagen BDe 4/4 2 mit Baujahr 1903 hier in Bendlehm im Einsatz. Eigentlich handelte es sich um den Triebwagen Nr. 4, welcher seine Nummer 1964 für einen ex TL-Motorwagen hergeben musste. Im Gegensatz zum damals zwar noch vorhandenen, aber nicht mehr für den Personenverkehr zugelassenen BDe 4/4 23 (ex Nr. 1) war Nr. 2 mit herabgezogenen Schürzen modernisiert worden und allgemein in noch recht gutem Zustand. Leider wurde er trotzdem 1977 abgebrochen.

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Nun ist es Zeit für einige Bilder in Farbe: BDe 4/4 3 (ex TL) + B2 85 (ex STI) und B 16 fahren zwischen Rank und Schwarzer Bären talwärts.

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Ein sehr gut besetzter Zug ist unterwegs zwischen Rank und Vögelinsegg: BDe 4/4 7 + B 17 + B2 87 (ex STI)

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Eine äusserst interessante Fotostelle befand sich bei der alten Sägli-Brücke zwischen Bendlehn und Gfeld, also relativ kurz vor Trogen. Die inzwischen erstellte neue Brücke ist höher gelegen und befindet sich in einem eleganten Bogen. Noch können wir uns aber über die Züge auf der alten Strecke erfreuen! Der BDe 4/4 2 hat soeben diese Stelle erreicht. Die vielen Fussgänger auf der Strasse lassen sich mit der Tradition erklären, die letzte Wegstrecke zur Landsgemeinde zu Fuss zurück zu legen.

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Gemäss der grün/weissen Scheibe handelt es sich beim nächsten Zug um einen Vorläufer. Er besteht aus BDe 4/4 5 (ex TL) + B 16 + B2 85 (ex STI).

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Und schon folgt auch dieser voll besetzte Zug. BDe 4/4 3 (ex TL) mit B 14 (ex TL) und B2 84 (ex STI) am Haken. Übrigens dürfte auffallen, dass an der Landsgemeinde damals nur Männer teilnehmen durften und - auch das eine alte Tradition - alle Teilnehmer als Zeichen der Stimmberechtigung einen Degen mit sich trugen.

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Alle Anhängewagen sind schon unterwegs, so dass hier ein Lausanner TW solo zum Einsatz gelangt. Für interne Zwecke und um die Übersicht zu bewahren wurden an diesem Hochbetriebstag Wagennummern auch auf der Front mit Kreide angeschrieben.

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Der Abtransport ist vollbracht und Bahnpersonal wie auch Fahrzeuge geniessen eine wohlverdiente Pause in Trogen. Während der normale Sonntagsfahrplan weiterhin funktioniert, warten abgestellte Extrazüge auf den Rücktransport, welcher nach Beendigung der Landsgemeinde erfolgt. Da die genauen Zeitabläufe nicht bekannt sind, ist viel Flexibilität und Organisationstalent gefordert!

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Der Abtransport hat begonnen. Zwischen Bendlehn und Speicher ist BDe 4/4 7 + B2 86 (ex STI) + B 11 (ex TL / FB) unterwegs

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Ein kurzer Abstecher des Fotografen nach St.Gallen zeigt auch dort viel Betrieb. Der Richtung Bahnhof fahrende BDe 4/4 7 mit B 17 und B 11 (ex TL / FB) kreuzt beim Spisertor den zurückkehrenden BDe 4/4 4 (ex TL).

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Bei der Haltestelle Schülerhaus fährt BDe 4/4 6 + B 14 (ex TL) + B2 84 (ex STI) leer zurück Richtung Speicher.

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Zwischen Schützengarten und Speicher begegnen wir nochmals einem klassischen Lausanner Zug bestehend aus BDe 4/4 5 + B 12 + B 13

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Zum Abschluss noch ein eigentlicher Abschied: Die mit dem BDe 4/4 ins Depot Speicher zurückkehrenden B2 86 und B2 87 der ehemaligen Rechtsufrigen Thunerseebahn (STI) befinden sich auf ihrer allerletzten Fahrt, wurden sie doch unmittelbar nach diesem letzten Einsatz abgebrochen.

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Ein dritter Teil über Güterverkehr und Rollmaterial auf der Trogener Bahn wird noch folgen.

Bereits erschienen: (CH) Als die Trogenerbahn noch eine echte Überland-Strassenbahn war [www.drehscheibe-online.de]

Viel Spass und beste Grüsse, Hans
....und wieder muss ich sagen: ein absolut faszinierender Bilderbogen, der auch jenen, die nie dort waren und weder die normalen noch solche aussergewöhnlichen Betriebsabläufe erlebt haben, die Atmosphäre recht nahebringt! Gerade bei den dicht mit Menschen belebten Überblicksbildern gelingt das hervorragend. Ich war zwar selbst schon mehrfach in St.Gallen, habe aber niemals geschafft, eine Runde mit der Trogenerbahn zu drehen. Auch für damalige Verhältnisse scheint mir die Gleislage in der Straße auf den Überlandabschnitten schon abenteuerlich. Wie sieht es denn heute dort aus?

Beste Grüße, Tss
Heute ist die Bahn ausnahmslos auf Eigentrassee, was natürlich fürs Überleben eine absolute Notwendigkeit war. Romantischer und interessanter war der Betrieb aber natürlich früher schon - heute befinden sich nur noch zwei Triebzüge, resp. während den Spitzenzeiten vier Züge im Einsatz, während ein fünfter als Reserve dient. Rangiermanöver gibt es nicht mehr und in den Endhaltestellen wird auf einem Gleis stumpf gewendet. Ich werde noch in einem späteren Beitrag darauf zurückkommen.
Gruss, Hans