„Früher war alles besser…“ - ? – „…sogar das Winterwetter!“ - ??
Beileibe nicht:
Uwe „uk-old“ hat in seinem sehenswerten Beitrag gestern schon gezeigt, wie wenig weihnachtlich vor 50 Jahren das Wetter der letzten Adventstage war: Einfach unterirdisch, siehe sein Bild 3 vom 22. Dezember 1967 aus Hannover hier: [
www.drehscheibe-online.de]
Ich knüpfe mit dem Folgetag an: 23. Dezember 1967, wie in diesem Jahr ein Samstag. Schon weit im Vorfeld hatte ich recherchiert, geplant, gespart, mit den Eltern mühsam-beharrlich diskutiert („Waaas? Sooo kurz vor Weihnachten??“) und schließlich abgestimmt (eher resignierend denn einsichtig: „Du immer mit deiner ewigen Eisenbahn…!“): An diesem Tag wollte ich in Bebra den Weihnachtsverkehr mit all‘ seinen Zusatzzügen von und nach „drüben“ erleben! Auch Herbert Vaupel aus Bebra hatte sein Mittun signalisiert, er war ja nicht nur dort heimisch und somit bestens Fahrplan- und streckenkundig, sondern vor allem mit dem „Käfer“ seiner Eltern auch schon motorisiert.
Doch was am Vorabend, als Uwe in Hannover die 01 229 gerade tropfnaß im Kasten hatte, die „Wetterfrösche“ aus Offenbach und der legendäre Werner Lamp vom „Säckend Wessering-Ditätschment of se Rhein-Main-Ääährbeeis“ im amerikanischen Soldatensender AFN vermeldeten (Hörprobe: [
www.hessenschau.de] ), war denkbar ernüchternd.
Lieber also zuhause bleiben?
Never ever! Erstens war mit Herbert schon alles arrangiert und nichts konnte mehr auf die Schnelle storniert werden – E-Mail, handy, sms, WhatsApp & Co. hatten wir noch nicht – und zweitens, den ganzen heiklen Abstimmungsprozeß mit den „Alten“ irgendwann von neuem…?? – Nein danke. Also los: wie für diesen Tag geplant, auf nach Bebra!
Zu unchristlich früher Stunde, längst noch im Dunkeln, von Eschersheim mit der „23“ hinunter zum Hauptbahnhof geschaukelt und in den D 1099 Frankfurt/M – Cottbus geklettert, der nur im Saisonverkehr fuhr. Abfahrt um 7.30 Uhr. Die Kladde verrät sogar noch die Zuglok: E 10 209 vom Bw Dortmund.
Hanau – links an den leeren Hallen des Bw vorbei. Nichts mehr wie früher: keine 44er mehr, keine 78, erst recht keine 56.2 oder gar 74.5.
Fulda: Auch hier „tote Hose“.
Bad Hersfeld, schon kurz vorm Ziel – ein erster Lichtblick:
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Wie und warum die Kasseler 50 2218 in Bad Hersfeld aufgeschlagen ist, bleibt im Dunkeln. Vielleicht hat sie einen Nahgüterzug aus Treysa-Ziegenhain herübergebracht.
„Bloß `ne Fuffziger…“ – doch sehe ich da nicht ein Loknummernschild mit Umrandung? Damals schon eine absolute Rarität…
1 a)
„Bebra – hier Bebra. Ihre nächsten Anschlüsse…“ Ich höre nicht weiter hin, denn es pressiert: Schnell den Bahnsteig gewechselt und hinüber zur Süd-Ausfahrt, da dampfte es schon hinten an „meinem“ D 1099, der hier die Fahrtrichtung wechselt. 01 527 übernahm.
…und los ging die Fuhre, pünktlich um 10.03 Uhr:
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(Die Bilder habe ich vor 4 Jahren schon einmal gezeigt.)
Jetzt rasch noch ein Blick hinüber aufs Bw, da wurde schließlich schon eine Vorschau auf die eine Hälfte des Programms der nächsten Stunde(n) gegeben: 01 522, 505 und 525 standen in Bereitschaft. Die andere Hälfte des Programms, mit den Zügen aus der DDR, blieb freilich Überraschung.
Jetzt aber gleich mit Herbert `raus an die Strecke, schon um 10.57 Uhr stand der nächste Zug an: D 1100 von „drüben“, Leipzig-Frankfurt/M. Auch er ein Verstärkungszug im Weihnachtsverkehr, er verkehrte nur 15.-23.12.1967 und 29.12.1967-8.1.1968. Am Verbindungsgleis zum Bahnhof Bebra, bei km 0,8, schon fast in der Gemarkung Weiterode, standen wir auf einem zugigen Fußgängerbrückchen parat:
5)
Schade um den schönen, wohl ziemlich einheitlichen Wagenpark, den hätte ich gern besser drauf gehabt…!
Weiter hinaus nach Weiterode, für D 217 Paris-Berlin, der schon wenigen Minuten, um 11.07 Uhr, in Bebra abfährt. Eisiger Wind, Nieselregen, unterirdische Lichtverhältnisse. Bei km 208,3 erwarteten wir ihn…
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…mit 01 505 bei höchst-angestrengter Anfahrt talaufwärts. Die Ohrenschmaus-Musik dazu müßt Ihr Eurer Phantasie selbst entlocken! Elf Wagen zählte ich, während die gewaltige Dampffahne über mich hinwegzieht.
Nur 20 Minuten später folgte D 207 Frankfurt/M – Warschau mit 01 525. Nur wenig weiter, am Ortsrand von Weiterode, erwarteten wir die sehr schwere Fuhre…
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9)
…und ließen sie mit ihren – gezählt: 14 ! – Wagen vorbeiziehen.
Wiederum nur wenige Minuten später, um 11.45 Uhr, überraschte uns bei Ronshausen 01 528 talfahrend mit einem Zug aus der DDR, den wir gar nicht auf dem Zettel hatten:
10)
Auch im Kursbuch finde ich den Zug nicht. Weiß jemand Näheres?
Nächster Zug: D 2199, Entlastungszug zu D 199. Den überspringe ich hier, denn er ist eine eigene kleine Serie wert. Am kommenden Samstag, 23. Dezember.
Hier geht’s also gleich weiter mit dem Stammzug D 199 Frankfurt/M - Cottbus, der um kurz-nach-Eins mit 01 522 bei Ronshausen an uns vorbeihämmerte:
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Als wir nun hinauf nach Hönebach fuhren, sahen wir den D 199 noch dort stehen. Er war links `raus genommen worden und fuhr, wie meine Kladde von damals verrät, erst um 13.25 Uhr weiter. Der Grund ist mir nicht bekannt.
Den Gegenzug D 190 Dresden – Mönchengladbach, einen der wenigen „regulären“, täglich verkehrenden Interzonenzüge, erwarteten wir in der Ausfahrt Hönebach:
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01 524 taucht gleich in den Hönebacher Tunnel ein, um dann nach Bebra hinunterzurollen, wo er planmäßig um 14.25 Uhr zum Stehen kommen sollte:
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Bei Ronshausen erwischten wir den offenbar leicht verspäteten D 1097, wiederum einen Saisonzug Duisburg – Bebra (ab 14.08 Uhr) - Dresden, der nur vom 21. bis 24. Dezember verkehrte und hier mit 01 531 (?) bespannt war:
16)
Nachtrag: Kees "spoorhaas" hat herausgefunden, daß hier 01 528 die Zuglok gewesen sein muß und nicht 01 531, die weiter unten nach zu kurzer Zeit zu sehen sein wird (Bild 18). - Danke Kees!
D 189, das Gegenstück Mönchengladbach – Dresden zum gerade gesehenen Planzug D 190 (Bilder 14-15), wurde nach einer Wendezeit von nur einer guten Stunde ohne längeren Bw-Aufenthalt von 01 524 übernommen. Der Zug steht abfahrbereit für 15.30 Uhr in Bebra:
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Für Martins Datenfriedhof und für Klaus‘ Steinesammlung eine Detailaufnahme, auch wenn sie für beide leider nur Fragmente zeigt:
17 a)
Auch 01 531 hat sich offenbar sehr beeilt: Sie hatte ja gerade erst den D 1097, um 14.08 Uhr ab Bebra, gen Osten gefahren. Nun kam sie schon mit dem nur vom 20. Bis 23.12. verkehrenden Saisonszug D 1098 Dresden – Duisburg zurück und rollte, wenn der Zug pünktlich war, um 16.04 Uhr in Bebra aus:
18)
Der Wechsel von D 1097 auf D 1098 mag in Gerstungen stattgefunden haben (D 1097: 14.30 / 15.10 Uhr bzw. D 1098: 15.08 / 15.40 Uhr) – oder ich habe bei D 1097, oben Bild 16, die Loknummer falsch abgelesen. - Edit: Kees "spoorhaas" hat es herausgefunden: Die Zuglok auf Bild 16 war 01 0528 und nicht die hier gezeigte 01 0531. - Danke, Kees!
Ich danke Helmut „03 1008“ für die Unterstützung mit Kursbuch-Daten, wünsche allen eine vorfreudige letzte Adventswoche und
grüße recht schön aus Aachen –
Reinhard Gumbert
Edit 1: Loknummer zu Bild 16 präzisiert.
Edit 2, 17.06.2024: Mit „Volkis“ Hilfe Bilder von „abload“ auf „picr“ umgezogen. Danke, Volkmar!
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:06:17:18:44:26.