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XP1 - der 144er-Retter im Coburger Land

geschrieben von: Bernd Mühlstraßer

Datum: 14.11.17 20:30

PICT0020.JPG

Anfang August 1983 - drei Tagen hängen wir bei herrlichem Sommerwetter an der Frankenwaldstrecke ab. Frau Lindig von der Ludwigsstädter Bahnhofsmission - eingerichtet zur Versorgung der Transitreisenden aus/nach Berlin West und in die DDR (plus erste Anlaufstelle für potenzielle "Republikflüchtlinge") - hat uns eines der Zimmer zur Verfügung gestellt. Fensterblick auf den Bahnhof Ludwigsstadt - besser gehts nicht. Wir erlegen alles, was die Frankenwaldbahn so zu bieten hat: 144 vor den meisten Nahverkehrszügen, 194 vorne und hinten an den vielen Güterzügen. Ok, in der herrlichen Landschaft drückt man auch mal ab, wenn eine 141.... nein, da drückt man dann doch nicht ab, aber bei einer 151 dann doch. 120 003 hat uns auch beehrt. Außerdem ein Abstecher zum Inselbetrieb im Tettauer Winkl. Alles mega, also! Inklusive dem Grusel der Grenznähe, zum Beispiel eine Wanderung oberhalb von Probstzella mit "Grenzbahnhofsblick" - ständig im Auge die weiß-blauen Grenzpfähle, denn ein Schritt zu weit und schon kann es zu den größten Problemen kommen. Hinterm Baum steht schnell mal ein DDR-Grenzer und schupps.....

Am 3. August, meinem 20. Geburtstag, wechseln wir ein paar Kilometer Luftline, aber dennoch eine längere Fahrt durch den "letzten Zipfel" BRD, ins Coburger Land. Wir wohnen auch da nicht schlecht -in einer hübschen, hanggelegenen Kleingartenanlage steht ein kleines Hexenhäuschen, Villa Rosa genannt. Sehr romantisch. Abends geht es in eine der damals hippen Großraum-Discos, in einem Gewerbegebiet von Coburg gelegen. Einer aus unserem Team baggert den ganzen Abend, ich konnte mich noch nie für derartige "Temporäre" Bemühungen begeistern. Aber ich weiß noch, was damals so zu den Top-Tracks gehörte: [www.youtube.com]Kano´s Another Live in der Maxiversion und New Order (ex Joy Division) mit "Blue Monday" [www.youtube.com] wurden an diesem Abend auf jeden Fall gespielt. New Order übrigens vor 2 Jahren in einem Mega-Konzert im Tempodrom gesehen, Blue Monday war eines der Highlights.

Am nächsten Tag dann negativer Kontrast zu den sonnigen Vortagen. Über Nacht hatte sich ein fettes Tiefdruckgebiet mit sintflutartigem Regen eingenistet. Mist - wir waren schon öfters im Frankenwald, aber noch nie rund um Coburg aktiv. Und jetzt das. Wo doch die Strecken rund um Coburg so fest in Hand der E44 und deren hübschen Umbaugarnituren war. Und die Zukunft in Form von 141 drohte schon gewaltig. Es wurde kaum richtig hell, klassisches Wetter für schemenhafte, abgesoffene Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Bewegungsunschärfe - kurz für Schrottaufnahmen, die man halt macht, weil man schon da ist, und dann nie wieder anschaut, weil sie einfach scheiße und völlig ohne Reiz sind.
Aber - es gab was neues auf dem Markt: Den Ilford XP1, einen innovativen Schwarzweiß-Film mit 32 DIN, den man aber lt. Beschreibung auch mit anderen und höheren Empfindlichkeiten verwenden konnte. Im Gegensatz zum belichtungfreundlichen 27DIN-Film von Ilford (wie hieß der noch gleich, die Packungsbeschriftung war jedenfalls grün auf Schwarz), war der XP1 deutlich feinkörniger.

Jetzt bewirkte er wahre Wunder. Trotz finsterem Himmel und Schnürlregen - es kamen relativ ansprechende Fotos heraus, die mich bis heute sehr zufriedenstellen. Zukünftig hatte ich immer einen XP1 in der Fototasche, für den Fall des Falles. Wobei manchmal die Ergebnisse nicht so brilliant waren, weil der örtiche Fotohändler beim Entwickeln wohl nicht so ganz nach Vorschrift agierte und der Film teilweise einen sehr bräsigen Braunstich hatte - man entwickelte ihn nämlich mit einem Farbentwickler und so bräunlich wie ein Farbnegativ war er dann manchmal.

So, die "Umstände" sind definiert, wollen wir uns doch mal ein paar Ergebnisse ansehen:
PICT0023.JPG
Fest in Hand der Altbau-Maschinen waren die Coburger Strecken. 144 075 dürfte hier mit einem Nahverkehrszug nach Neustadt einfahren, während auf dem Gegengleis 118 028 mit einem D-Zug nach Nürnberg auf den Reisebeginn wartet


PICT0021.JPG

Zeigt da 144 185 ihrer Nachfolgerin 141 364 (der ich auf der Ammergauer Bahn noch viel zu häufig begegenen würde) mit Lz14838 bei Ebersdorf schon mal das Einsatzgebiet?

PICT0025.JPG
Brüderlich teilen sich 144 075 und die ungeliebte und dennoch begehrte 144 021 je einen Umbauwagen


PICT0024.JPG
Ich glaube, wir kehrten relativ nah an den Schauplatz unserer Disco-Nacht zurück, als wir am folgenden 4.8. in Coburg Gbf 144 117 mit dem 7016 erwischten. Ich vermute es ist eine ziemlich blöde Frage, wenn ich mich bei Euch nach dem Schicksal des hübschen Stellwerks erkundige......


An dieser Stelle der Hinweis: Auch ich bin vom großen Foto-Vernichtungsfeldzug von accor betroffen, fast alle meine DSO-Beiträge sind inzwischen bilderlos. Schade drum, die waren gar nicht schlecht -:). Ich plane daher zumindest, mit Jahresbeginn meine Monatsbeiträge über die E69 wieder neu einzustellen. Mal sehen, ob das klappt.

Bernd Mühlstraßer

Ein paar VIDEOS der BAUREIHE E69 - hier:

[www.youtube.com]

oder wie wär´s mit der E69-Facebook-Seite unter dem Suchbegriff: Die Baureihe E69




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.17 21:13.

Re: XP1 - der 144er-Retter im Coburger Land

geschrieben von: MWD

Datum: 14.11.17 21:38

Ganz tolle Bilderstrecke, Bernd, die mich auch an die schönen Bilder in Deiner damaligen Lok-Report-Redaktion erinnert. Eine Strecke, an der ich mich bis heute kaum aufgehalten habe.

Viele Grüße
Malte

Edit-PS: War der gesuchte Ilford-Film nicht der HP5?

http://malte-werning.de/sign/mwd.jpg http://malte-werning.de/sign/ldb.jpghttp://malte-werning.de/sign/lt.jpg http://malte-werning.de/sign/inselbahn.jpg http://malte-werning.de/gc/wifowaechter.jpg




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.17 21:40.

Ilford Filme

geschrieben von: Bernd Mühlstraßer

Datum: 14.11.17 22:05

Hallo Malte,

danke für "die Blumen" bezüglich meiner damaligen LR-Redaktion. Ja, angesichts der damals immer eintöniger werdenden Baureihen-Meldungen war mir eine aussagekräftige Bebilderung immer sehr wichtig. Lang ist´s her...

Mit dem HP5 hast du recht, das war der 27er.

Ich fotografierte ja sehr gerne mit den Ilford - Filmen, konnte mit deren Charakter immer sehr viel mehr anfangen, als mit einem agfa.

Wirklich wunderbar in seinen Eigenschaften war für mich immer der Pan F, obwohl der von der Empfindlichkeit her für bewegte Eisenbahn eigentlich fast zu knapp war.

Die Klassiker waren also:

PAN F mit 18 DIN - sehr ausgewogener Kontrast, sehr, sehr feinkörnig
FP 4 mit 21 DIN - wohl der an meisten verwendete SW-Film. Ich empfand ihn im Kontrast allerdings immer etwas zu hart (im Vergleich zum PAN F)
HP 5 mit 27 DIN - verwendete ich zunächst recht gerne für hochempfindliche Einsätze, seine auffällige Körnung störte mich nicht, die hatte irgendwie Charakter
XP 1 mit 32 DIN - die angesprochene "Wunderwaffe" mit sensationell feiner Körnung

Ach, das waren noch Zeiten, als man sich vor den Touren die quälende Frage nach dem richtigen Film stellte.....
Bei Dias war es übrigens bei mir eindeutig der Fuji. Die "kühle" des Agfa gefiel mir gar nicht.

Bernd

Bernd Mühlstraßer

Ein paar VIDEOS der BAUREIHE E69 - hier:

[www.youtube.com]

oder wie wär´s mit der E69-Facebook-Seite unter dem Suchbegriff: Die Baureihe E69




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.17 22:08.
Ich habe den Film in den Jahren 1982/83 öfter benutzt. Allerdings verschwindet bei meinen Negativen allmählich der Braunton. Der Film wurde zwar als 400 ASA/27 DIN-Film angeboten, besaß als "verkappter Farbfilm" praktisch kein Korn und wies eine wesentlich breitere Empfindlichkeitsspanne auf. Die Entwicklung erfolgte im standardmäßigen C-41 Prozess. Die herkömmlichen s/w-Filme von Ilford waren damals der FP 4 (125 ASA/22 DIN) bzw. der wesentlich grobkörnigere HP 5 (400 ASA/27 DIN).


Hallo Bernd,

auf jeden Fall hat sich euer Ausflug gelohnt. Und sogar die letzte fehlfarbene 144 hast Du dort erwischt.



Bis neulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.11.17 22:17.

Sehr schöne Fotos! (o.w.T)

geschrieben von: Klaus Groß

Datum: 14.11.17 22:22

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: XP1 - der 144er-Retter im Coburger Land

geschrieben von: Vilsa

Datum: 14.11.17 22:26

Hallo, Bernd,
Danke für Deinen Bericht aus interessanteren Zeiten - heute beherrschen dort die Hamsterbacken die Szene.

zu den Filmen und deren Vor- und Nachteilen kann ich nichts sagen, da ich mich damit nie beschäftigt habe, wohl aber zu den Örtlichkeiten.

In Coburg Gbf existieren noch (Stand 8.11.2017) beide alten Stellwerksgebäude (Nord- und Südturm), obwohl dort ESTW-Technik verbaut wurde.
Für den Bedienplatz hat man am Nordturm ein hübsch-hässliches, funktionales Schuhkartongebäude errichtet, das an eine Zusammenballung von Fertiggaragen erinnert. Leider...

Und das, obwohl das Nordgebäude äußerlich noch intakt aussieht.

Gruss aus Bremen 
Volker

Re: XP1 - der 144er-Retter im Coburger Land

geschrieben von: ludger K

Datum: 14.11.17 23:01

Hallo Bernd!

Auch mich hat damals der XP 1 (später XP 2) vollends überzeugt, und zwar nicht nur mit seiner feinen Körnung ("Wölkchen" nannte man sie bei ihm), sondern vor allem durch die saubere Zeichnung sowohl am Himmel als auch (und gleichzeitig!) in den Schattenpartien. So gnadenlos abgesoffene Fahrwerkspartien wie bei Deinen Scans kenne ich vom XP 1 nicht. Da dürfte per Bildbearbeitung noch viel Luft nach oben sein.

Ein großes Manko hat der XP 1 allerdings: Mit den Jahren bilden sich auf den Negativen unzählige helle Punkte, die nur sehr mühsam zu beseitigen sind.

Viele Grüße
Ludger

Re: XP1 - der 144er-Retter im Coburger Land

geschrieben von: NAch

Datum: 14.11.17 23:15

Schöne Bilder, ich bin da leider nie gewesen.
Vor dem HP5 gab es noch den HP4, mit dem habe ich damals angefangen.

Für richtiges Korn nehme man den Tri X pan.

https://www.drehscheibe-online.de/galerie/ds_bild.php?id=201,k3_32450-b95809ceb.jpg
Kurz vor Schluss

(ich weiß, nicht jedermanns Geschmack)

Mit Berliner Grüßen

Achim
Link zu allen meinen Bildern in der Galerie: [www.drehscheibe-online.de]
Link zur Beitragsübersicht: (Hinweis: mit der Galerieumstellung zum 08.04.2017 führen einige Galerielinks in den Beiträgen in die Irre)
[www.drehscheibe-online.de]
Link Ottbergen April 1976 , Link Ottbergen Mai 1976

Re: Ilford Filme

geschrieben von: spoorhaas

Datum: 14.11.17 23:55

Moin moin,

Danke für die Bilder!

Ich hatte aus "meiner s/w-Zeit" ('67-'72) HP4 in Erinnerung, bzw. FP3 für die 21(22)DIN-Variante.
Auch 1983 gab's noch HP4 - statt HP5 - siehe Ilford HP
FP3 war da schon abgelöst vom FP4-Film: Ilford FP
Diese FP-Filme konnte man sogar noch als empfindlicher behandeln wenn man mit Neofin Blau entwickelte. Wobei jedoch/ausserdem, wimre, die Kontraste geschwächt wurden. Hoffentlich werde ich die hiesige Leserschaft damit in etwa zwei Jahren belästigen ;-)

Aber zunächst erst mal "Gute Nacht".
u mfG
Kees
Ich wusste gar nicht, dass es einen XP 1 gibt. Eine Weile lang habe ich den XP 2 benutzt, aber da waren mir immer zu viele weiße (Staub?-)Flecken auf den Papierbildern, und außerdem gefiel mir der oft zappendustere Himmel nicht.
Erst viel später habe ich dann voller Dankbarkeit gemerkt, dass man diese Negative mit der sonst nur bei Farbdias möglichen Entstaubungsfunktion ("ICE") einscannen kann.

Re: Ilford Filme

geschrieben von: ICE

Datum: 15.11.17 21:58

Hallo,

in unserer Fotogruppe war in den 70ern der Entwickler "Emofin" der Renner: den FP4 konnte man dann statt 21 DIN wie 27 DIN belichten. Ging lange gut, irgendwann in den 80ern muss sich am Entwickler oder den Emulsionen etwas geändert haben (oder an meinen Ansprüchen).  Danach dann Agfapan 100 Professional, mit Ultrafin-Einmalentwicklung. Das ergab dann wieder stabile Ergebnisse, bis ich dann zum Mittelformat (bei gleichem Filmmaterial) gewechselt bin. Alles Schnee (oder Korn) von gestern.

XP1 und 2 galt als "sagenhaft", aber wegen des Prozesses als nicht heimlabortauglich.

Die Bildbearbeitung erscheint mir aber etwas stark "entrauscht", kann das sein?

Grüße - Helmut (ICE)

vagabundulus schrieb:
Erst viel später habe ich dann voller Dankbarkeit gemerkt, dass man diese Negative mit der sonst nur bei Farbdias möglichen Entstaubungsfunktion ("ICE") einscannen kann.
Na super! Das Dumme ist nur, daß er nicht nur Kratzer, sondern auch Freileitungen sowie feine Linien und Schriften etc. beseitigt. Das Thema "ICE" ist für mich längst tabu.
Hallo Ludger,

es gibt eine ganze Reihe von "Entstaubungsfunktionen", die aus den von Dir beschriebenen Gründen für unsere Zwecke völlig unbrauchbar sind.
Digital ICE gehört aber nicht dazu.
Bei diesem Verfahren wird der Film ein zweites Mal mit einem Infrarotstrahl abgetastet (der Scanner muss dafür natürlich eingerichtet sein) und die auf diese Weise detektierten Erhöhungen (Fusseln) oder Vertiefungen (Kratzer) werden über die Software mit Pixel-Info aus der Nachbarschaft der Störung korrigiert. Bildinhalte außerhalb der Fehlstellen bleiben davon völlig unberührt, es "erwischt" höchstens die Details, die durch einen erhabenen oder vertieften Fehler ohnehin nur manuell wiederherzustellen wären. Leider funktioniert das System nicht mit SW-Material - warum auch immer.
Nach einer ganzen Reihe von Vergleichstests benutze ich nur noch dieses Verfahren zur Digitalisierung von Archivmaterial.

Beste Grüße
Wolfgang-D.
"Das Dumme ist nur, daß er nicht nur Kratzer, sondern auch Freileitungen sowie feine Linien und Schriften etc. beseitigt."

In solchen Fällen scanne ich zweimal. In den Normalscan wird dann der gesäuberte Himmel (excl. Stromleitungen) reinkopiert. Allerdings kenne ich das von dir beschriebene Problem nicht von XP-Filmen, sondern nur von Kodachrome-Dias. Die sind wirklich empfindlich. Und deshalb beschränke ich mich da generell nur auf die genannten Ausschnitte.