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 04 - Historische Bahn 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
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siehe auch
(CH) SGA, ABDeh 4/4 II 6-8 von 1953 auf der Stammstrecke, Teil 1 (19B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) SGA, ABDeh 4/4 II 7 mit Stückgutzug nach St. Gallen (1977, 11B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) SGA, ABDeh 4/4 II 6 und 7 mit "Seealpsee-Express" nach Wasserauen (1980/83, 29B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) SGA, ABDeh 4/4 II 6-8 von 1953 als Solo-Triebwagen nach Altstätten (1979-81, 26B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) SGA, ABDeh 4/4 II 7-8 mit B2 124-125 und D2 161 nach Altstätten (1979-80, 24B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) SGA, Doppelzug und Erstklasswagen A2 101 auf der Linie über den Stoss (22B) [www.drehscheibe-online.de]

Die 1911 eröffnete Altstätten - Gais-Bahn AG war von Anfang an mit 1000 V Gleichstrom elektrifiziert. Zwischen den Bahnhof Altstätten Stadt (467 m) und der Haltestelle Stoss (942 m) bewältigt ein 4 km langer Zahnstangenabschnitt (System Strub) einen Höhenunterschied von fast 500 Metern. Die Zahnstange ist nur in den Ausweichstellen Alter Zoll (615 m) und Kreuzstrasse (818 m, Bahnübergang Kantonsstrasse) kurz unterbrochen. Die 1912 eröffnete Fortsetzung durch die Altstadt von Altstätten Richtung Bahnhof wurde 1975 ausser Betrieb genommen und abgebrochen.

Die AG besass vier Triebwagen, die drei kuriosen Dreiachser CFeh 3/3 1-3 und den Vierachser CFeh 4/4 4, seit der Fusion von 1949 SGA CFeh 3/3 16-18 und CFeh 4/4 11. Die Wagenkasten stammten von SIG Neuhausen, die elektrische Ausrüstung von Alioth Münchenstein, der Zusammenbau erfolgte in der für ihre Zahnrad-Triebfahrzeuge berühmten SLM Winterhur.

Nach Spannungserhöhung auf das SGA-Normalmass von 1500 V wurden alle vier AG-Triebwagen remisiert. CFeh 4/4 11 wurde schon 1958 abgebrochen. Er besass einen breiten, offenen Mitteleingang und zwei Drehgestelle mit gekuppelten Adhäsionsachsen. Weitgehend gleichartige Fahrzeuge erhielt seinerzeit die Zahnradbahn von Monthey nach Champéry im Unterwallis, eines davon ist heute noch betriebsfähig erhalten, bei der Museumsbahn Blonay - Chamby wird es regelmässig eingesetzt.
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Die AG-Dreiachser waren technisch nichts anderes als eine originelle Kurzvariante des gefälligen, mit Jugendstilelementen verzierten Vierachsers. Die beiden Endeinstiege waren für den Winterbetrieb mit einfachen Flügeltüren versehen, sie führten zu den geräumigen, aber zur Plattform hin offenen Führerständen. Seite Altstätten befand sich ein Personenabteil 3. Klasse mit 24 Sitzplätzen, unterteilt in Raucher und Nichtraucher, Seite Gais ein Gepäckabteil mit doppelten Flügeltüren. Die drei Fahrmotoren mit total 251 kW trieben einserseits die Einzelachse Seite Altstätten an, anderseits die gekuppelten Achsen des Drehgestells Seite Gais und das auf der inneren Achse des Drehgestells sitzende Zahnrad an. Die daraus resultierende Achsfolge Bz’A dürfte weltweit ziemlich einmalig geblieben sein.

1961 erhielt Tw 17 ex 2 eine Umformergruppe für den Betrieb unter 1500 Volt. Dabei wurde der Platz im Nichtraucherabteil beansprucht, sodass die Zahl der Sitzplätze auf 16 sank. Beim Umbau wurde nur noch ein Adhäsionsmotor mit 88 kW auf der äusseren Drehgestellachse montiert, Fahrten über die Zahnstangenstrecke waren nicht mehr möglich. In dieser Form begegnete mir der Triebwagen erstmals 1971, auf einer Mofatour durch die Ostschweiz. Angeschrieben war er als BFe 2/3 17.
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Nach dem Umbau von 1961 beschränkte sich sein Auslauf auf den Rangierdienst in Gais und auf gelegentliche Extrafahrten über die Adhäsionsstrecke von Gais zur Haltestelle Rietli. Deshalb wundert mich das 1971 noch vorhandene Zielschild für die Information der Passagiere: „Gais“ leuchtet ein, aber was stand wohl auf der Rückseite? Mit Datum vom 17.11.1973 erhielt der Dreiachser nochmals eine Revision, dabei wurde er offiziell zum Diensttriebwagen Xe 2/3 17.
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Am 19. Mai 1981 wurden interessierte Eisenbahnfreunde von einem initiativen Kollegen zu einer denkwürdigen, ganztägigen Fotofahrt mit verschiedensten Zügen rund um Gais eingeladen. Dabei kam es zu historischen Gegenüberstellungen auf dem Areal der SGA-Werkstätte Gais, und Xe 2/3 17 durfte als Rangierfahrzeug in Gais einen Fotozug zusammenstellen.

Versuch, alle vier SGA-Triebfahrzeugtypen des Jahres 1981 in eine Reihe zu stellen.
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Etwas besser geht es nebeneinander. Von vorne nach hinten der eben abgelieferte SGA BDeh 4/4 11 (noch ohne Steuerwagen), ABDeh 4/4 II 7 von 1953, ABDeh 4/4 5 von 1931 und Xe 2/3 17 von 1911.
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Fokus auf SGA Xe 2/3 17 und ABDeh 4/4 5, den späteren historischen Triebwagen BCFeh 4/4 5.
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Xe 2/3 17 mischt sich während der Fotoexkursion ins Rangiergeschäft ein.
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Er holt die drei offenen Aussichtswagen B3 144-146 vom Abstellgleis…
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…und fährt mit ihnen nach dem Umsetzen…
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…auf Gleis 1.
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Ein stolzer Anblick.
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Viel zu schnell ist der Einsatz vorüber, und Xe 2/3 17 fährt zurück zur Werkstätte.
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Um 1985 ist Xe 2/3 17 ungeschützt im Freien abgestellt, auf dem Areal des Bahnhofes Teufen. Seine Dienste werden nicht mehr benötigt.
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Der 2002 gegründete Verein AG2 hat das einzigartige Stück vor dem Abbruch gerettet [www.ag2.ch] und in jahrelanger, sorgfältiger Arbeit betriebsfähig für den Adhäsionsbetrieb unter 1500 V hergerichtet, zusammen mit einem Original-AG-Personenwagen. Als nächster Schritt ist der Einbau eines Zahnradantriebes geplant, sodass der Triebwagen in wenigen Jahren wieder selbstständig über seine alte Stammstrecke nach Altstätten fahren darf. [www.ag2.ch]

Ein Wort zu den Fahrzeugbezeichnungen: Obwohl der Kleinbuchstabe „h“ für Zahnradantrieb in der Schweiz schon zur Zeit der Inbetriebnahme 1911 amtlich war, wurde er an den AG-Fahrzeugen nie angeschrieben. Sie hiessen bescheiden CFe 3/3. SGA-Tw 17 kam über die nur im Umbaujahr 1961 korrekte Typenbezeichnung BFe 2/3 zur letzten Bezeichnung Xe 2/3, auf die 1962 fällige Umzeichnung zum BDe 2/3 verzichtete man.

Das Schicksal der Brüder: Im Verkehrshaus der Schweiz ist SGA-Tw 16 seit 1982 als AG CFe 3/3 1 ausgestellt, für seine Restaurierung wurden Teile aus dem 1980 abgebrochenen Tw 18 ex AG 3 entnommen.

In Vorbereitung sind Bilder der Fotofahrt vom 9. Mai 1981, mit Zweizugbetrieb auf der AG und mit dem einzigen von mir erlebten Einsatz der dreiachsigen, offenen Sommerwagen B3 144-146 auf der SGA

meine früheren HiFo-Beiträge sind hier aufgelistet:
[www.drehscheibe-foren.de]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.11.17 11:17.
Danke für die schöne Dokumentation dieses urigen Vehikels, das mir in meiner frühesten Jugend auch noch in Gais begegnet ist. Und wieder mal eine neugierige Laienfrage - warum hatte man gerade diesem Fahrzeug Blinker spendiert, während alle anderen, die die SGA sonst so nach Altstätten runterschickte, ohne diesen Luxus auskommen mußten?

EDIT: Die Blinker bekam er ja wohl erst zu Zeiten, da er mangels Zahnrad gar nicht mehr nach Altstätten kam, und ohnehin sind mir bei all den anderen Schweizer Schmalspurbahnen, die mehr oder weniger ungeniert den Straßenraum mitnutzen, nie irgendwo Blinker aufgefallen. Dadurch wird der vorliegende Fall aber noch mysteriöser...

Gruß
Klv



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.17 18:11.
Erstaunlich, was für Bahnen mit urigen Vehikeln Du in der Schweiz aufgelauert bist. Hut ab! Und was die dort alles so "umgefrokelt" haben...


Bis nneulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner

Hej Werner,

seit Monaten verfolge ich Deine Beiträge über schweizerische Privatbahnen hier im HiFo.

Diese Reihe glänzt nicht nur durch hervorragendes Bildmaterial, sondern auch durch

fundierte Informationen, die man nicht leicht in dieser Fülle zusammensuchen kann. Dafür

möchte ich mich herzlich bei Dir bedanken!


Nur so interessehalber: hast Du eigentlich nie daran gedacht, das alles in Buchform zu

bringen?


   Ha det bra!


      Woife
E-Lok-Woife schrieb:
Nur so interessehalber: hast Du eigentlich nie daran gedacht, das alles in Buchform zu bringen?

Danke für die Blumen!

Ja, daran habe ich schon gedacht, aber ich schätze das Interesse der Verlage als zu gering ein. Sollte sich dies ändern, halte ich alle bearbeiteten und hier gezeigten Fotos in grosser Auflösung als tiff-Datei für allfällige Publikationen bereit.

Es ist ja schon so, dass die Bilder hier mit einer Grösse von je rund 150 kB nicht sehr detailreich sind und dass sie vom Netz verschwinden, sobald der Provider Schluss macht. Dann sind die Texte entwertet, das haben schon viele erlebt. Nachhaltig wären nur schön gedruckte Bücher, mit Fotos in grosser Auflösung

Gruss, Werner