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 04 - Historische Bahn 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Liebe Forumsgemeinde,

zunächst einmal meinen Dank für eure zahlreichen Rückmeldungen zu meinen jüngsten Bildbeiträgen. Die echten historischen Bilder vermehren sich leider nicht, sodass die heutigen Bilder auch lediglich wieder ein Remake aus einem Beitrag von 2007 darstellen.

Schon einige Zeit andauernde gesundheitliche Beeinträchtigungen halten mich zuhause fest. Möglicherweise wird das auch noch etwas anhalten. Die dadurch gewonnene Zeit will ich aber nutzen, um wieder den wirklich wichtigen Dingen, wie mehr Präsenz im historischen Eisenbahnforum, nachzugehen.

Bad Homburg vor der Höhe, wer hat da schon vor 1965 fotografiert?
Da fallen mir eigentlich nur 2 Namen ein: Eckert und Arbogast, vielleicht noch Dr.Brüning.
Mir sind nur etwa ein Dutzend Bilder bekannt, die in verschiedenen Büchern abgedruckt, oder auf Ausstellungen manchmal zu sehen sind. Das ist alles.

Dabei war dieser Bahnhof einst sehr attraktiv gestaltet und auch betrieblich nicht gerade uninteressant. Hatte er doch eigentlich alles, was die Eisenbahn so ausmachte:
-- Stattliches Empfangsgebäude
-- Bahnhofshalle
-- Bw mit Drehscheibe und 14-ständigem Ls., Wasserturm
-- Güterbahnhof, Stellwerke, Signalbrücke
Und sogar einen gesonderten Fürstenbahnhof!

Nahezu alles hatte den Krieg unbeschadet überstanden. Und trotzdem gibt es nur wenige Bilder, eigentlich unbegreiflich.

Es tummelten sich hier einst die Lokbaureihen 38, 55, 56, 78, 86 und 93 im Personen- und Güterverkehr. Auch wenige Fernzüge hielten zeitweise in Bad Homburg. Diese sollen u.a. mit 01 bespannt gewesen sein.

Interessante Züge, wie den Kölner Eilzug mit V80 bespannt, waren auch Jahrelang hier zu sehen. Bilder? Fehlanzeige!

Deshalb sehe ich die wenigen und eigentlich unbedeutenden Bilder, die mein Vater an diesem Ort gemacht hatte, als eine besondere Kostbarkeit an.

Hatte doch in diesem Bahnhof einer meiner Urgroßväter von 1918 bis 1945 dort im Gepäck-und Expressgut-Bereich gearbeitet.
Oft haben mein Vater und sein Zwillingsbruder ihren Opa vom Bahnhof abgeholt. Dabei sind sie auch ab und an in die nicht öffentlichen Bereiche, dieser Stätte vorgedrungen, durften sich Fehldrucke von Fahrkärtchen mit fernen Zielen zum Sammeln mitnehmen. Das war natürlich für sechsjährige Buben eine dicke Sache.

Einmal, Anfang 1943, standen in Bad Homburg einige Lazarett-Wagen. Diese mussten nach Ostpreußen überführt werden.
Dazu wurde eine Begleitmannschaft zusammen gestellt. Neben einigen anderen Eisenbahnern hatte sich auch mein Urgroßvater gemeldet. Und seine beiden Enkel, mein Vater und mein Onkel durften mit. Immerhin eine mehrtägige Reise.  
Ein Erlebnis, von dem mein Vater heute noch zu erzählen weiß. Leider sind die Details nur noch unscharf, schließlich war er erst gerade 10 Jahre alt.

Ende der 50er Jahre hatte mein Vater mit seiner Kapelle im Saal der Bahnhofsgaststätte einige Male Tanzmusik gemacht. Dann kam der Bahnhof erst wieder in seinen Fokus, als die große Halle abgebrochen wurde und dabei auch noch Feuer gefangen hatte. Man könnte von einem waren Abbruch sprechen.

Von da an ging es eigentlich nur noch bergab.
Heute ist Bad Homburg bahntechnisch gesehen eigentlich nur noch ein besserer S-Bahn Haltepunkt.
Den Foto hebt hier heute kein Eisenbahnfreund mehr.

1966 wurde der Bahnhof an Werktagen noch von einigen Lokomotiven der Baureihe 50 angefahren.
Das waren die letzten Zuckungen der untergehenden Dampflok-Ära.

In den Morgenstunden gelangten einige Pendlerzüge aus der Wetterau und dem Usinger Land nach Bad Homburg. Diese Züge wurden über den Tag dort abgestellt. In der kalten Jahreszeit wurden die Zugeinheiten zeitweise durch die Dampfloks warm gehalten.
Außerdem stand die Abwicklung des Güterverkehrs zwischen einerseits Oberursel/Ts. und andererseits Wilhelmsdorf/Ts., sowie Friedberg(Hess.) auf dem Tagesprogramm der Dampfloks.
Im Feb.66 waren für diese Dienste täglich bis zu 4 Maschinen im Einsatz.

Die noch vorhandenen Bw-Anlagen wurden von den Dampfloks nicht mehr in Anspruch genommen. Für die Fahrten um den Kirchturm hatten die Loks genügend Kohle. Abends erreichten sie zum Nachrüsten wieder die Bw Ffm2 und Friedberg. In Bad Homburg fand keine Lokübernachtung mehr statt. Die Pendelzüge zwischen Frankfurt Hbf und Bad Homburg v.d.H., bzw.Kronberg/Ts. wurden mit VT 24 gefahren.

An einem leicht dunstigen Morgen hatte mein Vater seinen OPEL zur Nachschau in die Werkstatt gebracht, die sich unweit des Bahnhofs befand.
Durch Pfiffe und sonstige Bahngeräusche angelockt, spazierte er zum Bahnhof und schaute sich das Treiben dort an.
50 1237 stand auf Gleis 6 hinter dem ehemaligen Gepäckbahnsteig und setzte sich nach kurzer Zeit vor eine Wagengarnitur, auf einem der Abstellgleise im Vorfeld.
img001139 50 1237 Bad Homburg 0266.jpg

img001146 50 1237 BadHomburg 0266.jpg

Dann erschien noch 50 1920 auf der Bildfläche. Nachdem Wasser genommen war, holte sie sich eine weitere Wagengarnitur und positionierte sich auf einem Nachbargleis.
Diese Gleise lagen parallel des Fürstenbahnsteiges.
img001140 50 1920 Bad Homburg 0266.jpg

img001142 50 1237, 1920 Bad Homburg 0266.jpg
Auf diesem Bild ist hinter den Loks noch das Gebäude der Eisengießerei zu erkennen, sowie am Zugende die Gebäude des Fürstenbahnhofes. Weiter hinten das Empfangsgebäude mit Uhrenturm. Davor ist gerade ein Zug mit einer V100 eingetroffen. Rechts leider zur Hälfte angeschnitten das Fahrdienstleiter-Stellwerk Hf.
Alle Gebäude dieses Bahnhofes waren architektonisch exakt aufeinander abgestimmt.

Anderntags beobachtete Vater von der sog. Horex-Brücke eine nach Oberursel ausfahrende Übergabe, diesmal mit 50 382.
img001393 50 382 Bad Homburg 0266.jpg
Die Bebauung im Hintergrund hat sich vollkommen gewandelt. Von den einst hier angesiedelten Fabriken (u.a. Eisengießerei und Seifenfabrik) ist keine mehr vorhanden. Heute stehen dort nahezu ausschließlich moderne Büropaläste, sowie ein Wohnhochhaus.

Bilder des heutigen Zustandes spare ich aus, sie wären kein guter Abschluss des Beitrages.

Vielen Dank für Euer Interesse und einen guten Start in die neue Woche wünscht
Michael Fischbach


 
Hallo Michael,

in den letzten 25 Jahren meines Berufslebens bin ich mehr oder weniger lang, vielfach in der dortigen Akademie meines Arbeitsgebers in Bad Homburg gewesen. Bei meinen Anreisen nutzte ich oft die Verbindung von Friedberg über Friedrichsdorf nach Bad Homburg. Anhand Eurer Bilder muss ich nun feststellen, dass sich alles total geändert hat. Für mich ein toller Vergleich von früher zur heutigen Zeit. Danke dafür.

50 1920 kenne ich noch aus dillenburger Zeiten. Am 20.07.70 (auch schon 47 Jahre her) stand sie kv, gemeinsam mit Ihrer Schwester, der 051 727-6 im Schuppen des Heimat-Bw's, als sie Karl-Hans bei unserem gemeinsamen Dillenburgbesuch fotografiert.



051 727-6 und 051 920-7 am 20.08.70 im Bw Dillenburg.jpg



Danke für das erneut Zeigen Eurer Bilder und abendliche Grüße
Bruno
Ich hatte sie nach der langen Zeit nicht mehr in Erinnerung, diese kostbaren alten
Bilder aus Bad Homburg. Deshalb habe ich sie mir sehr gerne wieder angeschaut,
Michael. Daß du uns den heutigen Zustand erspart hast, rechne ich dir hoch an.
Ich bilde mir einfach ein, es wäre immer noch so. Man wird ja wohl noch träumen
dürfen! Vielen Dank und schöne Grüße vom
dampfgerd
Ja Michael, das sind ja prima Betriebsbilder vom Bad Homburger Bahnhof, die ich so nicht erleben konnte, obwohl ich ab 1967 in einem Nachbarort zu dem Bahnhof wohnte und des Öfteren noch mit der "25" für Erledigungen und dabei in unmittelbarer Nähe zu diesem Bahnhof in die Kurstadt kam.
Vielen Dank für's Mitnehmen auf die damals verpassten Betriebssituationen,
beste Grüße,

Peter
Hallo Michael,
danke Dir fürs Wiederaufbereiten und Deinem Vater fürs Fotografieren!
Gute Besserung wünscht Dir
Stefan

Umlaufplan Bw Frankfurt/M-2 (1 Scan)

geschrieben von: Olaf Ott

Datum: 12.11.17 20:12

Guten Abend, Michael!

Schön, das dein Vater die ollen 50er in Bad Homburg nicht verschmäht hat.

Die angesprochenen Leistungen "rund um den Kirchturm", der ja in Frankfurt wohl der Henninger Turm
war, finde ich in diesem Umlaufplan. Bis auf eine Lok durften alle, wie Du geschrieben hast, daheim übernachten.


http://fs5.directupload.net/images/171112/d35eddfq.jpg


Die Abkürzungen bereiten mir noch etwas Schwierigkeiten, vielleicht hilft hier die geballte HiFo-Kompetenz weiter.
Besonders Nsd im Tag 5 (Tag Dank Hinweis verbessert) ist mir nicht klar.

Dir, lieber Michael, vielen Dank und gesundheitlich alles Gute!

Olaf Ott

Edit hat einen Umlaufplantag verbessert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.11.17 22:50.

Re: Umlaufplan Bw Frankfurt/M-2 (1 Scan)

geschrieben von: Otwf (K)

Datum: 12.11.17 22:40

Sorry, aber ich kann Nsd im Plantag 6 nicht sehen. Bei welcher Uhrzeit steht das?

Der Plan an sich ist nicht sehr sauber gezeichnet.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.11.17 22:42.
Hallo Bruno,

OT ".. stand sie Kv..." hat mich doch zunächst stutzen lassen, da mir kv noch in anderer Bedeutung geläufig ist.

Als Auflösung für alle die entweder mit der einen oder der anderen Bedeutung der Abkürzung kv nichts anfangen können: "Kessel voraus" in unserer Lesart oder Kriegsverwendungsfähig in anderer Lesart.

Ytracks
Grüß Gott Michael,

das ist wahrlich ein weißer Fleck auf der Hifo-Landkarte!

Die Photos sind so herrlich alltäglich!

Gute Besserung!

Thomas
Moin Michael,

hab Dank für das erneute Aufbereiten dieses Beitrags, den ich auch heute wieder genossen habe. Darf ich davon ausgehen, dass die Bilder im 2/66 entstanden sind? Das wäre für unseren Datenfriedhof wichtig.

Schön, den Alltag dort einmal sehen zu dürfen.

Danke fürs Zeigen und gute Besserung,

Martin

. (o.w.T)

geschrieben von: Michael Fischbach

Datum: 13.11.17 18:25

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.11.17 19:34.

"Bloß ein paar Fuffziger..."

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 13.11.17 22:50

Ja, in der Tat, Michael: bloß langweilige 50er, überhaupt nix Besonderes.  ...wenn's nicht Bad Homburg wäre!

Es ist merkwürdig, daß die Kurstadt vor den Toren Frankfurts für uns Eisenbahnfreunde so total im "Windschatten" lag - auch ich finde in meinem Archiv nichts von dort! Aber klar doch: Höchstens ein paar 50er eben... Da fuhr man lieber nach Gießen oder Kassel, selbst Darmstasdt, Friedberg und Hanau boten zumindest 1966/67 da noch bedeutend mehr! - Umso wertvoller und schöner, nun die Aufnahmen Deines Vaters zu sehen. Chapeau an Deinen Vater, daß er dort mal die Kamera gehoben hat!

Schöne Grüße ihm und Dir aus Aachen -
Reinhard   

...dachte ich auch! Aber...

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 13.11.17 22:54

...die Buchstabenfolge paßt für Niedernhausen nicht so recht: NDS wäre logischer. - Ich dachte auch an Nied-Süd, weiß aber nicht einmal, ob's das überhaupt gab. Zubringerdienste zum AW Nied vielleicht?

Schöne Grüße aus Aachen -
Reinhard
Hallo Michael, 

zu den vorangegangenen Destinationen Altenkirchen und Siegen konnte ich ja noch Selbsterlebtes schildern, in Bezug auf Bad Homburg muß auch ich leider passen. Aufnahmen im Archiv = 0. Besuch dort = o. 

Umsomehr freue ich mich über die raren Bilder aus diesem Bahnhof, insbesondere die Aufnahme mit dem Wassernehmen und dem alten Stationsschild hat es mir diesmal angetan. Glücklicherweise war Dein Vater vorausschauender und hat die Kamera öfters dabeigehabt. In den
1950 er Jahren war mein Vater bei P & C in Recklinghausen beschäftigt und ist fast täglich von Düsseldorf mit den Baureihen 78 und später 65 dorthin gependelt. Die Mittagspause hat er oftmals auf einer Brücke direkt am Bw Recklinghausen stehend verbracht und den regen Dampfbetrieb in diesem Bw beobachtet. Heute sagt mein Vater, der in Kürze 92 Jahre alt wird: Hätte ich doch blos damals mal die Kamera mitgenommen!! 

Ich bedanke mich herzlich für diesen Bericht und wünsche Dir eine schnelle und vollumfängliche Genesung.

Liebe Grüße sendet


Burkhard aus Mannheim                       
  

                         

Re: ...dachte ich auch! Aber...

geschrieben von: 216 034-9

Datum: 14.11.17 23:13

Niedernhausen wird sogar heute noch als FNSD abgekürzt. Als ich früher dort stationiert war habe ich mir auch immer die Frage gestellt:"Warum denn nicht FNDS?"

Gruß Martin





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.17 23:15.
Wieder mal sehr interessant, danke fürs zeigen.

Bilder vom Bw hab ich auch schon immer mal gesucht und noch nie gefunden. Das hätte ich auch gern mal "in Betrieb" gesehen. Aber gerade in unserer Region hier (Taunus, Wetterau, Hanau) - so mein Gefühl - gab es wenige bis keine Fotografen, die auch mal die technischen Anlagen vermehrt mit ins Bild nahmen... 

Viele Grüße





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.11.17 11:37.