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 04 - Historisches Forum 

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Wer erinnert sich noch an den Streifzug durch die 70er, den wir vor jetzt auch schon fast neun Jahren unternommen haben. Dabei ging es nicht um die 70er Jahre, sondern um die Dampfloks der Baureihen 70 – 79, von denen sich im Fotobestand meines Freundes Herbert Schambach so viele Aufnahmen finden. Wem das Springen von Beitrag zu Beitrag zu unbequem ist, der findet eine Zusammenfassung aller acht Teilbeiträge wie üblich auch auf meiner Seite unter der Rubrik DSo-Beiträge.

In gleicher Weise möchte ich heute zu einem Streifzug durch die 90er einladen, auf dem ich mir die Baureihen 88 bis 99 vorknöpfen werde, die ebenfalls reichlich und vielfältig im Archiv von HS vertreten sind.

Aber warum geht’s los mit der BR 88? Dazu werfen wir kurz einen Blick auf den endgültigen Nummernplan von 1925 der Deutschen Reichsbahn.
Systematisch aufgebaut und klar strukturiert, sah dieser für jeden Haupt-Einsatzbereich einen Block von jeweils zwanzig Baureihennummern vor, wobei jeweils die ersten zehn den von der Reichsbahn neu beschafften Fahrzeugen vorbehalten waren. Die folgenden 10 Nummern standen für den Altbestand der von den Länderbahnen sowie Privat und Werksbahnen übernommenen Fahrzeuge zur Verfügung.
- 00 bis 19: Schnellzugloks mit Schlepptender
- 20 bis 39: Personenzugloks mit Schlepptender
- 40 bis 59: Güterzugloks mit Schlepptender
- 60 bis 79: Tenderloks für Schnell- und Personenzüge
- 80 bis 99: Tenderloks für Güterzüge und Rangierloks, sowie Loks für spezielle Zwecke, als da waren:

- Baureihe 97: Zahnradloks
- Baureihe 98: Leichte Lokomotiven für Lokal- und Nebenbahnstrecken
- Baureihe 99: Schmalspurloks

Ordnungskriterium für die Baureihennummer im zweiten Zehnerblock war die Achsfolge, wobei es unerheblich war, ob die Laufachsen starr oder beweglich im Rahmen gelagert waren. Durch die Sonderbelegung der Baureihen 97 bis 99 standen im 90er Block aber drei Nummern weniger zur Verfügung, so dass man bei den Altbestands-Baureihen bereits mit der 88 beginnen musste:

- Baureihe 88: B (später auch 1B)
- Baureihe 89: C
- Baureihe 90: C1 (später auch 1C1)
- Baureihe 91: 1C
- Baureihe 92: D
- Baureihe 93: 1D1
- Baureihe 94: E
- Baureihe 95: 1E1
- Baureihe 96: DD

Die Fahrzeuge der einzelnen Länderbahnen und ggfs. Unterbaureihen wurden i.a. durch neue 100er-Gruppen bei den Betriebsnummern voneinander abgegrenzt.
Betriebsnummern größer 7000 wurden an Baureihen vergeben, mit deren baldigem Ausscheiden man rechnete.


Baureihe 88.0

Ein Streifzug durch die 90er beginnt deshalb logischerweise mit der Baureihe 88. Von den kleinen B-Kupplern kamen nur die 88 003 – 005 ex Hafenbahn Mainz und die heute noch als Museumslok bei der DGEG in Neustadt/Ws vorhandene 88 7306 ex Pfalzbahn in den Bestand der DB. Diese kamen HS aber leider ebenso wenig vor die Linse wie die bekannte T1005 der Hüttenwerke Laucherthal, eine württembergische T2, von der die einzige von der DRG übernommene (Schwester-) Maschine die Nummer 88 7401 erhielt. Um hier überhaupt eine 88 zeigen zu können, müssen wir deshalb nach Österreich ausweichen:

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b01-088_01.jpg
Bild 1
In der Zf Knittelfeld entstand am 11.06.65 die Aufnahme der der seinerzeit noch im Betriebsbestand befindlichen 088.01.

Das kleine Naßdampf-Maschinchen wurde 1905 von der Locomotivfabrik Krauss&Co in Linz an die NÖLB (Niederösterreichische Landesbahnen) geliefert und erhielt dort die Nummer 1.05. Bei den BBÖ wurde sie als 184.05 bezeichnet und nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich als 88 003. Während des Kriegs wurde sie als Werklok unter verschiedenen Nummern eingesetzt und schließlich am 15.10.54 von der ÖBB als 88.01 eingereiht. Heute gehört sie als Museumslok zum Bestand des EM Strasshof. Siehe auch Austrian Steam Base, ÖBB 88.01.

Weitere ÖBB-Loks wird es in dieser Beitragsserie nicht mehr geben, um den Umfang einigermaßen in Grenzen zu halten. Denn allein zu den "österreichischen 90ern" gibt es so viele Aufnahmen in Herberts Archiv (von immerhin 23 Baureihen und Unterbaureihen), dass man allein daraus eine mehrteilige Serie machen könnte.


Baureihe 89.0

Nach 88 kommt 89, genauer gesagt die Baureihe 89.0. Bei dieser denken die meisten wohl unwillkürlich an die Einheitslok BR 89, die als Modell aus der Märklin Anfangspackung bei vielen von uns den Einstieg in unser gemeinsames Hobby darstellte. Dabei war die Festlegung der Baureihennummer für die leichte Einheitslok auf die Reihe 89 eine Fehlbesetzung, denn eigentlich endete der Zahlenbereich für neue Loks ja bei 87 – siehe oben. Die Zweitbesetzung von Baureihennummern ohne Rücksicht auf frühere Verwendungen gab es also auch schon zu Reichsbahnzeiten.

Im endgültigen Umzeichnungsplan von 1925 war die Baureihe 89.0 für die preußische T8 vorgesehen, von der zwischen 1906 und 1909 insgesamt 100 Exemplare gebaut wurden. Zu einer Umzeichnung kam es aber nur noch bei 78 Maschinen. Und auch diese müssen recht bald ausgemustert worden sein, so dass die Baureihe 89.0 schon bald für eine Zweitbesetzung frei wurde. Einige Lokomotiven fanden aber noch eine Weiterverwendung als Werklok, u.a. im RAW Mülheim-Speldorf.

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b02-MSP_WL_1.jpg
Bild 2
Als einzige T8 gelangte die Werklok 1 des RAW Mülheim-Speldorf noch in den Bestand der DB. Bei dieser Maschine handelt es sich um die ex KPEV Elberfeld 7015, für die im vorläufigen Umzeichnungsplan von 1923 noch die Reichsbahnnummer 89 065 vorgesehen war.
Bei tristem Dezemberwetter rangiert der hochbeinige Dreikuppler am 28.12.57 im Vorfeld des Werksgeländes.

Die preußische T8 sollte als Heißdampflok mit einer vmax von 60 km/h die 20 km/h langsameren T3 im Nebenbahndienst ablösen und erhielt dafür größere Radsätze (mit 1350 gegenüber 1100 mm Durchmesser). Die Loks erwiesen sich zwar als recht zugkräftig, erfüllten aber bei den Fahreigenschaften nicht die in sie gesetzten Erwartungen; sie wurden deshalb bald wieder aus dem Streckendienst zurückgezogen.

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b03-MSP_WL_1.jpg
Bild 3
Die Lichtverhältnisse "ohne Licht" ermöglichten auch eine Aufnahme der Speldorfer Werklok 1 von der Heizerseite.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b04-MSP_WL_1.jpg
Bild 4
Das blanke Gussschild mit der Aufschrift "WERKLOK NR.1 RAW MÜLHEIM - SPELDORF" reizte HS zu einer weiteren Detailaufnahme, bei der auch das Lokpersonal ins Bild kommt: Was für herrliche Charaktere, die offensichtlich ganz zufrieden sind mit ihrer Lok und dem geruhsamen Dienst im Werksverschub.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b05-SRT_WL_08-1.jpg
Bild 5
Bei einem Besuch des AW Schwerte am 11.07.59 traf HS die T8 erneut an. Am Führerhaus ist immer noch das Schild vom RAW Mülheim-Speldorf montiert. Laut Ingo Hütters Lokomotivdatenbank soll die Maschine im AW Schwerte die Nummer 805.800 erhalten haben; äußerlich angeschrieben war sie aber nicht.

Weitere Bilder von diesem Besuch siehe unseren früheren DSo-Beitrag Mit HS unterwegs – Die Werkloks des AW Schwerte.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b06-T8-Fabrikschild.jpg
Bild 6
Dank seiner engen persönlichen Freundschaft mit Manfred van Kampen, seinerzeit Werksingenieur im AW Schwerte, gelangte HS an eines der beiden Fabrikschilder der T8 (das andere sicherte sich MvK selber).
1908 nannte sich die Firma noch "Breslauer Actien-Gesellschaft für Eisenbahn-Waggonbau", 1912 wurden daraus nach dem Zusammenschluss mit der Waggonfabrik Gebr. Hofmann die "Linke-Hofmann Werke", Breslau (LHW).

Nachtrag: Das Schild mit der Fabriknummer 514 belegt nun wohl endgültig, dass die früher oft für die Speldorfer bzw. Schwerter T8 angegebene DR-Nummer 89 066 falsch ist. Denn 89 066 war die ehemalige T8 Elberfeld 7014, LHW 513/1908.

Baureihe 89.3

Damit kommen wir nun zu den württembergischen T3. Ab 1891 stellte die Württembergische Staatsbahn insgesamt 110 Exemplare dieser leichten Nassdampf-Dreikuppler in Dienst. Alle Loks wurden von der Deutschen Reichsbahn übernommen und als 89 301 – 410 eingereiht. Aber lediglich 89 339 und 381 kamen als Werkloks der AW Schwetzingen bzw. Krefeld-Oppum noch in den Bestand der DB.
Im Gegensatz zu den preußischen T3 besaßen die württembergischen Maschinen eine Heusinger Steuerung.

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b07-MFE_2.jpg
Bild 7
Aus der ersten Bauserie mit kurzem Wasserkasten stammt die Werklok 2 der Maschinenfabrik Esslingen. Hier wurde sie 1896 unter der Fabriknummer 2792 hergestellt und an die Württembergische Staatsbahn geliefert, wo sie als Lok "ESCHENAU" mit der Betriebsnummer 979 lief. Die DRG übernahm sie als 89 312, verkaufte sie aber bereits in 8/26 an die Teuringertal Bahn (Lok 2). Durch die Verstaatlichung dieser kriegswichtigen Bahn am Bodensee kam die kleine Lok 1943 wieder zur DRB, die sie aber umgehend erneut verkaufte, und zwar an die MF Esslingen. Ab 2/62 als Denkmal im Werksgelände der MF Esslingen aufgestellt, konnte HS sie dort am 09.05.64 ablichten.

Nach Übernahme des Werks durch Daimler erfolgte in 6/77 ein Umzug auf den Bahnhofsvorplatz von Esslingen, bevor die Lok ab 1981 eine (endgültige?) Bleibe beim Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim fand.


Ab 89 314 besaßen die Loks größere, bis an die Rauchkammer reichenden Wasserkästen.

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b08-89_339.jpg
Bild 8
Zu den zahlreichen Gästen der großen Fahrzeugausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der deutschen Eisenbahnen 1985 in Bochum-Dahlhausen zählte auch 89 339, die aus Darmstadt-Kranichstein angereist war. Noch vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung konnte sie am 02.10.85 vor dem Lokschuppen des Eisenbahn-Museums abgelichtet werden.


Baureihe 89.6

Während die bisher behandelten Baureihen bei der DB keine große Rolle mehr spielten und nur noch als Einzel-Exemplare ein Exoten-Dasein fristeten, waren die bayrischen Dreikuppler bis in die 60er Jahre hinein in Bayern noch weit verbreitet. Das galt sogar für die erste Serie dieser Bauart, die noch unter der alten Baureihenbezeichnung D II ab 1898 in Dienst gestellt wurden. Von den insgesamt 72 gebauten C-n2t Maschinen wurden 70 Loks als 89 601 – 670 von der DRG übernommen und bildeten so die (Unter-) Baureihe 89.6. Von dieser führte die DB im Jahr 1950 immerhin noch 63 Stück in ihrem Fahrzeugbestand.
Zwei kleinere Folgeserien wurden 1906/07 als R3/3 geliefert und 1925 als 89 701 – 717 eingereiht.

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b09-89_650.jpg
Bild 9
Zu den besonders langlebigen Exemplaren dieses Typs gehörte sicherlich die 89 650, die HS am 31.07.58 in ihrem Heimat-Bw Wiesbaden vor die Flinte bekam. Nach Ausmusterung am 23.06.60 wurde die Maschine an das AW Kaiserslautern weitergereicht, wo sie aber nur noch für genau eine Woche vom 09. bis 16.03.60 im Bestand geführt wird. Ein Einsatz als Werklok dürfte dort nicht mehr erfolgt sein.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b10-89_650.jpg
Bild 10
Die beengten Platzverhältnisse von der Lichtseite ließen nur noch eine weitere Aufnahme von spitz hinten zu, bei der links ein alter Kran ins Bild kommt, der leider nicht separat fotografiert wurde. Bei der Lok ganz im Hintergrund könnte es sich um eine weitere D II bzw. R3/3 handeln.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b11-89_650,V200_042.jpg
Bild 11
Als kurz darauf die noch ziemlich junge V200 042 vom Bw Hamm P die alte Dame passiert, ist eine weitere Aufnahme fällig.
Wow, was für ein spektakulärer Kontrast im Bw Wiesbaden am 31.07.58!


Baureihe 89.8

Der dringende Bedarf an leistungsfähigen kleinen Tenderloks führte dazu, dass die Gruppenverwaltung Bayern der Deutschen Reichsbahn in den Jahren 1921 bis 23 noch einmal 90 Maschinen der Bauart R3/3 nachbeschaffte. Gegenüber den 89.7 waren die Lok etwas größer und schwerer ausgeführt, weshalb sie im Nummernplan der DRG als Baureihe 89.8 einen neuen Hunderterblock ab Betriebsnummer 801 belegen.

http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b12-89_813.jpg
Bild 12
Vermutlich im Vorfeld ihres Heimat-Bws München Ost rangiert 89 813 (ex bay. R3/3 4713) am 23.09.57.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b13-89_813.jpg
Bild 13
Auch in der Ansicht von hinten sind die Unterschiede zwischen der BR 89.6 (Bild 10) und 89.8 durchaus markant.
89 813 im Bw München Ost am 23.09.57.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b14-89_860.jpg
Bild 14
Eine kleine Sensation, zumindest für mich, ist dieses Bild der 89 860 auf der Drehscheibe im Bw Bebra am 29.02.60 – was hatte eine R3/3 denn dort zu suchen? Die kurze Bw-Anschrift am Führerhaus (leider nicht lesbar) lässt die Vermutung zu, dass die Lok hier sogar stationiert war.

Ich denke, die Seltenheit der Aufnahme entschuldigt die mäßige Bildqualität, wobei man am Monitor sogar noch Farben erkennen kann, während das Originaldia total umgekippt ist.


http://www.bundesbahnzeit.de/dso/HS/Streifzug_90er/b15-89_825.jpg
Bild 15
Zum Abschluss noch eine Farbaufnahme der 89 825, aufgenommen am 27.05.60 in ihrem Heimat-Bw Nürnberg Rbf.


Damit möchte ich den ersten Teil beenden; fünf verschiedene (Unter-) Baureihen sollten für den Auftakt genügen. Und ca. 40 weitere könnten noch hinzukommen, sofern Interesse daran besteht. Schau’n mer mal.

Zum Schluss noch eine Anmerkung, die mir wichtig ist: Die von mir hier verbreiteten "Weisheiten" zu den einzelnen Baureihen und Lokomotiven stammen aus diversen Baureihenbüchern, sonstigen Publikationen, und nicht zuletzt aus der unerschöpflichen Datenbank von Ingo Hütter, Beiträge zur Lokomotiv- und Eisenbahngeschichte, dem ich an dieser Stelle dafür noch einmal ein ganz großes DANKESCHÖN und Anerkennung aussprechen möchte.

Trotzdem bleibt sicher genügend Raum für Korrekturen und Ergänzungen, die jederzeit gerne willkommen sind.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.


weiter zum nächsten Teil






5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:09:10:10:36:00.
Wie immer ein großartiger, lesens- und betrachtenswerter Beitrag. Vielen Dank dafür - und gerne mehr!

Etwas aufhorchen ließ mich die Information, dass die württ. T3 4 Jahre auf dem Esslinger Bahnhofsvorplatz gestanden haben soll. Das war mir bislang nicht bekannt, gibt es davon Bilder?

Die Verf. BD Kassel 21a M17 Flda vom 3.5.1961 meint...

geschrieben von: Plumps

Datum: 04.09.17 12:16

...daß die Lok 89 860 vom Bw Bebra ausgemustert sei. Am 24.10.1958 kam sie von der BD Regensburg, so war sie doch einige Monate eine "Norddeutsche".

Grüße

Etwas Nummernphilosophie dazu

geschrieben von: Lothar Behlau

Datum: 04.09.17 13:25

Hallo Ulrich,

zunächst wieder einmal herzlichen Dank für diesen sehenswerten Querschnitt aller möglicher Baureihen - auch wenn ich im ersten Moment etwas irritiert war ("Mit HS durch die Neunziger??"), aber vermutlich war das sogar so gewollt....

ulrich budde schrieb:
Dazu werfen wir kurz einen Blick auf den endgültigen Nummernplan von 1925 der Deutschen Reichsbahn.
Systematisch aufgebaut und klar strukturiert, sah dieser für jeden Haupt-Einsatzbereich einen Block von jeweils zwanzig Baureihennummern vor, wobei jeweils die ersten zehn den von der Reichsbahn neu beschafften Fahrzeugen vorbehalten waren. Die folgenden 10 Nummern standen für den Altbestand der von den Länderbahnen sowie Privat und Werksbahnen übernommenen Fahrzeuge zur Verfügung.
Ja, so habe ich das seinerzeit auch gelernt und jahrzehntelang geglaubt, aber wahrscheinlich ist es doch teilweise falsch. Mittlerweile bin ich nämlich davon überzeugt, daß es diese Unterscheidung innerhalb der Blöcke gar nicht gegeben hat: Mit den Einheitslok hat man natürlich vorne angefangen (01, 02, 03 etc.), mit den Länderbahnlok aber nicht, sondern von hinten (19, 18, 17 und eben nicht 11, 12, 13....), so daß man erwarten konnte, daß nach deren Ausscheiden diese Nummernbereiche für weitere Einheitslok freiwerden würden. Demzufolge gab es keine Grenze, man konnte also problemlos bis zur 88 zurückgehen, später neue 89 in Dienst stellen, und auch die Vergabe der Baureihen 50 und 52 erscheint so weniger mysteriös (auch wenn man mir die Freilassung der 46, 47 etc. doch mal erläutern muß).

Zitat:
Von den kleinen B-Kupplern kamen nur die 88 003 – 005 ex Hafenbahn Mainz und die heute noch als Museumslok bei der DGEG in Neustadt/Ws vorhandene 88 7306 ex Pfalzbahn in den Bestand der DB.
Da sind ein paar Nullen zuviel, die Maschinchen hießen in der Tat nur 88 03 - 05 (Bildbelege gibt es). Diese Nummern erklären sich daraus, daß man 1946 ihre bisherigen Gerätenummern zu vollwertigen Loknummern "umgestrickt" hat.

Zitat:
In der Zf Knittelfeld entstand am 11.06.65 die Aufnahme der seinerzeit noch im Betriebsbestand befindlichen 088.01.
Die vorangestellte Null möchte ich aber gerne mal erklärt haben. War die Lok möglicherweise auch hier schon als Werklok bzw. Gerät im Dienst? Die Gepflogenheiten bei den ÖBB sind mir zu wenig vertraut, um mir das selbst beantworten zu können.

Zitat:
Als einzige T8 gelangte die Werklok 1 des RAW Mülheim-Speldorf noch in den Bestand der DB. Bei dieser Maschine handelt es sich um die ex KPEV Elberfeld 7015, für die im vorläufigen Umzeichnungsplan von 1923 noch die Reichsbahnnummer 89 065 vorgesehen war.
....
Bei einem Besuch des AW Schwerte am 11.07.59 traf HS die T8 erneut an. Am Führerhaus ist immer noch das Schild vom RAW Mülheim-Speldorf montiert. Laut Ingo Hütters Lokomotivdatenbank soll die Maschine im AW Schwerte die Nummer 805.800 erhalten haben; äußerlich angeschrieben war sie aber nicht.

Weitere Bilder von diesem Besuch siehe unseren früheren DSo-Beitrag Mit HS unterwegs – Die Werkloks des AW Schwerte.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle erneut betonen, daß die jahrzehntelang kolportierte DRB-Nummer "89 066" für diese Lok falsch ist.

So, und nun noch einmal "Bilderkes kucken"....

Lothar Behlau, schwelgerisch veranlagt

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http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/sncf_cc-40108_+_sncb_1803_243_parisnord_101294LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wl_yft_4669_hendaye_280889LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wl_ab33_33306_271_600_monza_010683LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/sncf_cc-72080_sdz31593_vsoe_parisest_290588LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wl_mu_4825_271_670_firenzesmn_070492LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wr_2973_281_innsbruck-bolzanobozen_310386_3LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wl_ub_3824_397_127_koebenhavnh_040482LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wr_4004_410_athinai-thessaloniki_180289LotharBehlau.jpg http://www.wagonslits.de/phpbb2/album_mod/upload/cache/wl_ab30_4528_en225_145_wienwestbf_101000LotharBehlau.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:09:04:13:28:08.
Hallo zusammen,

89 860 kam - wie erwähnt - 1958 aus der BD Regensburg zum Bw Bebra. Zuvor war sie beim Bw Hof stationiert.

Sie übernahm den Bw-Verschub im Bw Bebra als Nachfolgerin der letzten T 3 des Bw Bebra, nämlich 89 7248. Diese Lok wurde Ende 1958 ausgemustert.

Was gab es nun im Bw zu verschieben ? Zunächst einmal waren Kohlewagen zur Bekohlung zu bringen und die Leerwagen wieder in den Rangierbahnhof zu bringen.

Weiterhin waren Dampfloks und deren Tender zu den verschiedenen Reparaturständen in der Lokwerkstatt umzusetzen.

Außerdem gab es einen Bw-Pendel mit Materialkurswagen zwischen dem (seit Mitte der 1960er Jahre abgerissenen) Bw-Teil im Güterbahnhof, wo die 44er und 50er beheimatet waren, und dem Bw-Teil im Personenbahnhof, der heute noch steht. Im Bw Pbf wurden die 01.10, 10, P 8, G 8 und T 3 bzw. R 3/3 unterhalten. Außerdem war dort die Stangenwerkstatt mit einem großen Bohrwerk für die Stangenlager. Die Materialkurswagen brachten nun z.B. aufarbeitungswürdige Treibstangen vom Bw Gbf in das Bw Pbf und nach der Aufarbeitung wieder zurück.

Wir von den Eisenbahnfreunden Bebra e.V. würden uns sehr freuen, wenn wir einen Abzug des Bildes der 89 860 (am liebsten im Format 13 x 18 cm) - natürlich gegen Kostenerstattung - erhalten könnten. Alles Weitere gerne per PN.

Viele Grüße
erikelch

Noch was zu 89 860

geschrieben von: erikelch

Datum: 04.09.17 13:47

Hallo zusammen,

noch ein kleiner Nachtrag zu 89 860:

Nachfolgerin im Bw-Verschub ab Ende 1960 wurde übrigens eine Köf II aus einer Neulieferung an das Bw Fulda, das damals die Rangierlokomotiven in Bebra stellte.

1959 ersetzten die werksneu nach Fulda gelieferten V 60 die G 8 im Rangierdienst im Bebraer Personenbahnhof, im Rangierbahnhof und im Bahnhofsteil Bebra U.

Viele Grüße
erikelch
Hallo Ulrich

Danke für den interessanten Beitrag

Eine T3 Nr. 930 (89 363) ist dank der GES und Gerhard Kirchner wieder betriebsfähig.

https://farm8.staticflickr.com/7379/27262894063_97c6990dc1_b.jpg



https://farm8.staticflickr.com/7300/27596843460_45939f117a_b.jpg


Münsingen, 1.5.2014

Grüße Horst

89 312 in Esslingen (1 B)

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 04.09.17 15:56

Hallo Herbert und Ulrich,
Ihr beide seid immer für Überraschungen gut!
Danke fürs Zeigen dieser Raritäten!

Die 89 312 stand als 979 "ESCHENAU" ein paar Jahre am Esslinger Bahnhof. Ich meine jedoch, daß sie südlich der Gleise stand, also nicht auf dem Bahnhofsvorplatz. Zudem war sie von einem Käfig umgeben, der das Fotografieren eigentlich unmöglich machte. Am 27.9.1977 habe ich trotzdem mal abgedrückt:

https://abload.de/img/kwste-979-1010621wzsfv.jpg




Später landete sie im Landesnmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Wenn ich richtig informiert bin, wurde dafür der Schornstein gekürzt, damit sie in das Gebäude paßt.

Viele Grüße
Stefan

https://spm-bilder.de/db-251902-4003812-titu8k49.jpg
Moin Herbert und Ulrich,

boah, da habt ihr mal wieder etwas ausgesprochen Sehenswertes hingelegt! Die alten Schachteln - jede für sich interessant und urig anzuschauen! Und die vielen Informationen über die jeweiligen Lokomotiven runden den Beitrag perfekt ab. Daher danke auch ich hier einmal expressis verbis dem Ingo und "seiner" Datenbank, die auch ich immer mal wieder gerne nutze.

Als kleines Dankeschön habe ich in meinen bereits gescannten Bildern gesucht und einige zum Zeigen hier ausgewählt.


Zunächst sehen wir die bereits im Beitrag genannte T 1005 aus dem Hüttenwerk Laucherthal, hier am 25.9.2014 im DTM in Berlin:

http://www.eisenbahnhobby.de/Berlin/Z10225_T1005_Berlin-DTM_25-9-14.jpg


Auch von 88 7306 habe ich ein bereits gescanntes Bild aus dem Bw Neustadt (Wstr) der DGEG gefunden, aufgenommen am 30.8.2009 (die Vorderansicht verunziert leider ein Rauchkammergesicht von Thomas the tank engine):

http://www.eisenbahnhobby.de/NeustWstr/914-47_887306_Neustadt-Wstr_30-8-09.jpg


Damit wir auch sehen, wie die Esslinger Denkmalslok 89 312 von hinten ausschaut, habe ich dieses Bild vom 2.5.1973 ausgesucht:

http://www.eisenbahnhobby.de/Sueddt73/17-23_89312_Esslingen_2-5-73_S.JPG


Auch eine T3 wü mit langen Wasserkästen habe ich gefunden. Am 18.10.1970 war ich zufällig in Aalen beim Großelternbesuch, als eine Eurovapor-Sonderfahrt mit der T3 888 (sp. 89 407) stattfand:

http://www.eisenbahnhobby.de/aalen/1-4_888_Aalen_18.10.70_S.jpg

Leider hatte man später die Lok einmal trockengeheizt und damit ihre Feuerbüchse beschädigt, sodass sie heute nur ein Ausstellungsstück ist.


Zum Schluss noch ein Foto vom "Grünspecht" 89 801 aus dem AW Duisburg-Wedau, aufgenommen am 6.8.1975 - leider nur in SW:

http://www.eisenbahnhobby.de/Wedau/SW703-14_89801_DU-Wedau_AW_6-8-75_S.JPG


Für euren fulminanten Beitrag bedanke ich mich ausdrücklich und freue mich schon auf den nächsten Teil,

Martin

Re: 89 312 in Esslingen (1 B)

geschrieben von: 18_316

Datum: 04.09.17 18:48

Stefan Motz schrieb:

Hallo Herbert und Ulrich,
Ihr beide seid immer für Überraschungen gut!
Danke fürs Zeigen dieser Raritäten!

Die 89 312 stand als 979 "ESCHENAU" ein paar Jahre am Esslinger Bahnhof. Ich meine jedoch, daß sie südlich der Gleise stand, also nicht auf dem Bahnhofsvorplatz. Zudem war sie von einem Käfig umgeben, der das Fotografieren eigentlich unmöglich machte. Am 27.9.1977 habe ich trotzdem mal abgedrückt:


Später landete sie im Landesnmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Wenn ich richtig informiert bin, wurde dafür der Schornstein gekürzt, damit sie in das Gebäude paßt.

Viele Grüße
Stefan
Vielen Dank für den Bildbeleg.
Ja, das ist in der Tat südlich der Gleise, wohl etwa in Verlängerung der Bahnhofsstraße, oder noch etwas weiter Richtung Pliensauturm.
Das klärt zum einen meine - nicht explizit gestellte Frage - wo am Esslinger Bahnhof denn mal Platz für eine Denkmallok gewesen ist (auf dem Bahnhofsvorplatz konnte ich mir das nämlich nicht vorstellen - der gesamte freie Platz war früher belegt mit Bushaltestellen, Taxischleife, Straße, Parkplätzen, einem kleinen Kiosk/Laden und einigen alten Bäumen... heute wäre mehr Platz...), zum anderen ist die Lokomotive damit für einige Jahre an den ursprünglichen Standort der Maschinenfabrik Esslingen zurückgekehrt - an dem sie, mit Baujahr 1896, auch noch entstanden war.

Aktuell wird übrigens eine weitere württ. T3 mit der Fabriknummer Esslingen/4092 vom Förderverein zur Erhaltung von Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen (oder besser kurz: FVME) betriebsfähig aufgearbeitet: [www.fvme.de]

Sehr schön! (o.w.T)

geschrieben von: Walsum5

Datum: 04.09.17 21:53

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: 89 312 in Esslingen (1 B)

geschrieben von: Werner

Datum: 04.09.17 21:57

Hallo,

die T3 in Esslingen habe ich etwa einen Monat später wie Stefan aus einem anderen Blickwinkel aufgenommen. Links vom Fußweg ist der Neckar, im Hintergrund ist ein 420 zu erkennen. Im Rücken des Fotografen befindet sich der Pliensauturm:

Dia 3316.jpg

@Ulrich und Herbert: Danke für diese seltenen Aufnahmen. Bis heute wusste ich nicht, dass auch im preußischen Bebra eine bayrische Rangierlok beheimatet war. 89 801 habe ich im August 1973 auch mal gesucht, aber nicht gefunden.

Gruß Werner






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:09:04:22:18:58.
...doch "HS" und "Ulrich Budde" ließen selbst auf einer Zeitreise durch die 90er Jahre Interessantes erwarten. Also: Angeklickt!

...und nun gestaunt über die Raritäten aus den "90er-Baureihen". Sehr interessant! Wobei die "tops" diesmal die V200 neben der 89 650 sowie die 89 860 in Bebra sind. - Die Überraschung ist Euch gelungen!

Besten Dank und
schöne Grüße aus Aachen -
Reinhard
Guten Abend, Ulrich!

Einfach ein Danke für diesen Streifzug!
Obwohl ich auch zeitlich zuerst auf der falschen Fährte war.

Gute Nacht und viele Grüße!

Olaf Ott
Moin Herbert und Ulrich,

da habt Ihr ´mal wieder eine Bildungslücke bei mir geschlossen: ich hatte nämlich keine Ahnung, dass die End-Achtziger eigentlich Neunziger waren, die wegen anderweitiger Vergabe der Nummern 97 - 99 in die Achtziger gerutscht waren! Und als Kind der ganz frühen Fünfziger (selber Jahrgang wie Ulrich) kenne ich die End-Achtziger mehr oder weniger nur aus ziemlich alten Veröffentlichungen, wenn man von abgestellten pr. T3 und -Verwandten in den Sechzigern und frühen Siebzigern einmal absieht. Aber im Ernst: ich habe schon lange nicht mehr einen solch fundierten und toll bebilderten Beitrag über diese Lokomotiven gelesen. Ich bin auf jeden Fall neugierig auf Fortsetzungen!

Gruß
Klaus
Zitat:
Damit möchte ich den ersten Teil beenden; fünf verschiedene (Unter-) Baureihen sollten für den Auftakt genügen. Und ca. 40 weitere könnten noch hinzukommen, sofern Interesse daran besteht. Schau’n mer mal.


Moin Ulrich,

da hast Du aber etwas angefangen - zu den meisten gezeigten Lok-Baureihen wusste ich nicht einmal, dass es sie gab... - gut, die 89 801 im AW Wedau habe ich auch noch selbst auf dem Denkmalssockel fotografiert:

http://abload.de/img/19760102041duisburg0368s8b.jpg

89 801 am 02.01.1976

Aber der Rest? Völlig unbekannt.

Dann wollen wird mal hoffen, dass wir den Rest auch noch sehen!

Es geht um die Dampflokbaureihen in den 90ern

geschrieben von: ulrich budde

Datum: 08.09.17 11:57


Da sich bei dem "geheimnisvollen" Betreff unseres Beitrags offensichtlich nicht jedem der wahre Inhalt unseres Streifzugs durch die 90er erschließt, habe ich die Überschrift noch einmal angepasst.

Jetzt sollte aber wirklich allen klar sein, dass es bei dem Streifzug nicht um die 90er Jahre (das wäre eh viel zu neu), sondern um die Dampflokbaureihen in den 90ern geht (die allerdings bereits mit der BR 88 beginnen).

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.


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