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Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Bw Betzdorf

Datum: 09.08.17 22:14

Grüß Gott im Forum,

unten abgebildete Fahrkarte wirft bei mir einige Fragen auf.
Was war das für eine Fahrkarte, welche nur an Sonn und kirchlichen Feiertagen Gültigkeit hatte?
Was bedeutet das "B" über der Klassenbezeichnung.
Warum galt diese für den Inhaber und seine eingetragene Ehefrau. nichtaber für deren Kinder?
Ausstellungsdatum ist nicht bekannt, aber Gültigkeit bis 1950?

https://abload.de/img/fahrkarteniederhvelsvuyie.jpg

Danke für eure Hilfe

Christoph

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Mw

Datum: 09.08.17 22:17

Zeig mal die Rückseite: "Benutzungsbestimmungen umseitig".

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Helmut Philipp

Datum: 09.08.17 22:31

Moin Christoph!

Niederhövels liegt bei Scheuerfeld (Sieg), aber Dir brauche ich es ja wahrscheinlich nicht zu sagen, du wirst es vermutlich kennen - aber andere HiFo-teilnehmer kennen den Ort eventuell ja nicht. Worauf ich hinaus will ist folgendes: Der Ort liegt ja auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, also im Bereich der DB. Deshalb erstaut es mich zum Einen, das zu der Zeit (1951) noch Fahrkarten mit Reichsbahn-Bedruckung verwendet wurden und zum Anderen der Dienststempel alles andere als dienstlich aussieht. Das "G" steht vermutlich für "Gehbehindert" und die Ehefrau ist halt wegen der Gehbehinderung die Begleitperson. Da die betreffende Person eventuell tiefgläubig ist und in seinem Heimatort kein Gottesdienst stattfindet, darf er eben Sonntags die Ban nutzen - soweit mein spekulativer Gedankengang zu diesem vorgang

Beste Grüße ins Siegerland

Helmut

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Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 10.08.17 06:44

Hallo Christoph,
auch mich würde die Rückseite interessieren, wobei mich die "Reichsbahn" nicht so sehr wundert: Je nach Ausstellungsdatum war die Umbenennung gerade erst oder noch nicht erfolgt. Ich gehe davon aus, daß nicht alle Fahrkartenvordrucke von einem Tag auf den anderen ausgetauscht wurden.
Viele Grüße
Stefan

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 10.08.17 09:14

Hallo zusammen,

sehr interessant diese Fahrkarte und die Erläuterungen.
Was die ( nicht aufgeführten) Kinder betrifft - vielleicht hatten die keine ?

Gruß
Horst

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 10.08.17 10:04

Hallo,

Niederhövels und Wissen befanden sich nach dem 2. Weltkrieg in der französischen Besatzungszone. Die Deutsche Reichsbahn in der französischen Besatzungszone hieß
„Betriebsvereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnen“ (SWDE) mit Sitz in Speyer. Der Vordruck dieses Fahrscheins dürfte 1950 schon einige Jahre alt sein und zur damaligen Zeit gab es wichtigeres zu tun, als für jede Namensänderung (DR, SWDE, DB) neue Vordrucke aufzulegen.

Weil uns die Rückseite des Fahrscheine nicht gezeigt wird, vermute ich, dass es sich um eine Freifahrt für Eisenbahnpersonal zum sonntäglichen Besuch der Kirche in Wissen handelt. Grund: es ist kein Fahrpreis wie bei verkäuflichen Fahrausweisen angegeben, dafür aber die Namen, die diese Fahrt nutzen durften. Der Dienststempel des Bf Niederhövels spricht auch für einen Fahrausweis für Eisenbahner mit Ehefrau.

Bei der Bundesbahn gab es einen Fahrausweis "B", der Fahrten auf der eingetragenen Strecke zuließ und wenn ich mich richtig erinnere im allgemeinen für Dienstreisen und Fahrten zwischen Wohnort und Dienstort ausgegeben wurde.

M.f.G.
alte Bahn



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.08.17 10:11.

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Bw Betzdorf

Datum: 10.08.17 10:04

Danke für die Rückmeldungen.
Leider liegt mir das Original nicht vor. Ich habe es erst erfahren, als der Erbe dies bei Ebay eingestellt hatte, und mir dann noch diesen Scan gezogen. Daher gibt es auch leider kein Bild der Rückseite.
Kinder hatte der Inhaber aber zum damaligen Zeitpunkt sehr wohl.
@Helmut. An den Besuch der damals nächstgelegenen Kirche in Wissen habe ich natürlich auch gedacht. Mich hat es nur verwundert, das es dafür besondere Fahrkarten gab. Mein Opa hatte als Invalide seit dieser Zeit auch eine entsprechende Fahrkarte, diese war jedoch täglich für die Fahrt von Brachbach aus zum Krankenhaus nach Siegen gültig, und es war auch vermerkt, das eine Begleitperson aus medizinischer Sicht erforderlich war.

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 10.08.17 13:52

Eine Hypothese: dem Erscheinungsbild nach handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen dienstl. Freifahrtschein. Diese hatten den Vermerk für Benutzungsbedingungen auf der Rückseite. Es könnte sich z.B. um Fahrscheine für Agenten (z. B. Vertragsschrankenwärter(in)) handeln die nur an diesen Tagen ablösen mussten und denen man eine WD- oder F- Karte nicht zugestand. Ich lerne gerne dazu. Gruß Fritzle.

Freifahrtschein...

geschrieben von: DR01

Datum: 10.08.17 14:13

Auf jeden Fall ein Freifahrtschein, auch am Stempel ersichtlich...
Diese Stempel sahen in späteren Jahren auch nicht wesentlich anders aus...

Warum die Gültigkeit nur für Sonn- und Feiertage war scheint etwas merkwürdig,
waren wohl die einzigen freie Tage für derartiges Personal...


Gruß...Wolfgang

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: V80max1

Datum: 10.08.17 15:17

Hallo,

das ist ein sogenannter Freifahrt-Schein für die MItarbeiter der Eisenbahn des Typ B ,also für den einfachen und mittleren Dienst. Typ A war für den gehobenen und höheren Dienst vorbehalten.

Arbeiter und Angestellte erhielten grundsätzlich nur Typ B.


Diese Freifahrtscheine wurden für Zwecke nach der Freifahrtvorschrift ausgestellt und wurden im Personalbogen vermerkt.

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: V80max1

Datum: 10.08.17 15:28

Hallo,

ich denke nicht, das es mit Kirchgang zu tun hat.Man müßte eine Freifahrtvorschrift der Reichsbahn haben.

Viel eher wird die Beschränkung auf Sonntag wohl mit der Dienstplangestaltung zu tun haben.Sprich das war speziell für Heimfahrten an den freien Tagen der Mitarbeiter gedacht.Damals war der Samstag ja noch ein regulärer Arbeitstag.

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: X73900

Datum: 10.08.17 18:14

Für den Kirchgang spricht allerdings, dass der Freifahrtschein auch für die Ehefrau galt. Würde es um dienstliche Fahrten oder Fahrten von und zur Arbeit gehen, wäre die Ehefrau ja wohl außen vor.

Auch die Präzisierung, dass der Freifahrtschein nur an kirchlichen, und damit wohl nicht an weltlichen Feiertagen (z.B. 1. Mai), gelten soll, deutet auf einen kirchlichen Anlass hin.

Gruß
X73900



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.08.17 18:16.

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: stenkelfelder

Datum: 12.08.17 10:31

Ein Freifahrt- Ausweis für Behinderte ist mit Sicherheit auszuschließen. Damals gab es ohnehin nur die Kriegsbeschädigten- Ausweise (grau). Ausweise für Zivilbeschädigte (grün) kamen erst in den 1970er Jahren dazu. Wenn Anspruch auf Freifahrt bestand, waren die Ausweise schon immer zweifarbig (grau/ rot und später auch grün/rot). Die Freifahrt galt früher nicht für bestimmte Strecken, sondern für einen Umkreis von 50 km um den Wohnort (heute allgemein im ÖPNV auf schiene und Straße) Der Ausweis war in diesem Fall schon immer mit der Eintragung "G" (gehbehindert) versehe, die damals dem Inhaber ein Recht auf einen Sitzplatz gewährte. Die Freifahrt wurde dann in den 1980er Jahren wieder eingeschränkt auf Inhaber von Ausweisen mit der Eintragung "G". Wenn eine Begleitperson notwendig ist (z.B. bei Rollstuhlfahrern oder bei Blinden, die wechselnde Strecken befahren), wird auch hier "B" in den Ausweis eingetragen. Die Begleitperson konnte und kann heute noch beliebig gewählt werden und die Eintragung "B" war nie an eine bestimmte Person gebunden.
Eine Freifahrkarte, die nur an kirchlichen Festtagen gilt, könnte andererseits auch etwa einem kirchlichen Amtsträger (Laienprediger? Musiker?) als Aufwandsentschädigung im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zugewiesen worden sein- hier sollte man mal weitersuchen.

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: Mw

Datum: 12.08.17 11:45

stenkelfelder schrieb:

>>Eine Freifahrkarte, die nur an kirchlichen Festtagen gilt, könnte andererseits auch etwa einem kirchlichen Amtsträger (Laienprediger? Musiker?) als Aufwandsentschädigung im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zugewiesen worden sein- hier sollte man mal weitersuchen.<<

Die Tatsache, daß : "gültig nur an Sonn- und kirchl. Feiertagen" auf der Fahrte bereits aufgedruckt war, spricht für eine allgemeine (für viele nutzbare) und gegen eine spezielle Gültigkeit.

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: X73900

Datum: 12.08.17 21:31

Ein Anhaltspunkt, wann die Fahrkarte ausgestellt wurde, ist noch das Dienstsiegel.

Ein Dienstsiegel der Deutschen Reichsbahn von vor 1945 ist das ja wohl nicht, da der Reichsadler fehlt. Dazu, wie die Dienstsiegel der SWDE aussahen, habe ich bisher nichts gefunden.

Auf der Seite [www.saar-nostalgie.de] sind jedoch die Dienstsiegel der Eisenbahn im Saarland wiedergegeben. In den Jahren 1946 bis 1947 wurde dort ein Dienstsiegel mit dem gleichen Flügelrad wie auf der Fahrkarte verwendet. Die "Saarländischen Eisenbahnen" haben dann ab 1947 ein völlig anderes Dienstsiegel verwendet.

Dies könnte ein Anhaltspunkt sein, dass auch das Dienstsiegel auf der Fahrkarte aus den Jahren 1946 bis 1947 stammt und die Fahrkarte möglicherweise auch - mit mehrjähriger Gültigkeit - in diesem Zeitraum ausgestellt wurde. Für letzteres spricht m.E. auch das Formular "Deutsche Reichsbahn". Die SWDE wurden 1947 gegründet, und ich vermute, dass dort dann doch neue Formulare verwendet wurden. Die Besatzungsmacht Frankreich legte sicherlich Wert auf die Verwendung der offiziellen, mit ihr abgestimmten oder sogar durch sie vorgegebenen Bezeichnung, die auch nicht ohne Hintergedanken gewählt worden war.

Gruß
X73900

Re: Frage zu unbekannter Fahrkarte

geschrieben von: SEV1977

Datum: 12.08.17 21:39

X73900 schrieb:

Ein Anhaltspunkt, wann die Fahrkarte ausgestellt wurde, ist noch das Dienstsiegel.

Ein Dienstsiegel der Deutschen Reichsbahn von vor 1945 ist das ja wohl nicht, da der Reichsadler fehlt. Dazu, wie die Dienstsiegel der SWDE aussahen, habe ich bisher nichts gefunden.

Auf der Seite [www.saar-nostalgie.de] sind jedoch die Dienstsiegel der Eisenbahn im Saarland wiedergegeben. In den Jahren 1946 bis 1947 wurde dort ein Dienstsiegel mit dem gleichen Flügelrad wie auf der Fahrkarte verwendet. Die "Saarländischen Eisenbahnen" haben dann ab 1947 ein völlig anderes Dienstsiegel verwendet.

Dies könnte ein Anhaltspunkt sein, dass auch das Dienstsiegel auf der Fahrkarte aus den Jahren 1946 bis 1947 stammt und die Fahrkarte möglicherweise auch - mit mehrjähriger Gültigkeit - in diesem Zeitraum ausgestellt wurde. Für letzteres spricht m.E. auch das Formular "Deutsche Reichsbahn". Die SWDE wurden 1947 gegründet, und ich vermute, dass dort dann doch neue Formulare verwendet wurden. Die Besatzungsmacht Frankreich legte sicherlich Wert auf die Verwendung der offiziellen, mit ihr abgestimmten oder sogar durch sie vorgegebenen Bezeichnung, die auch nicht ohne Hintergedanken gewählt worden war.

Gruß
X73900

Zwischen 1951 und 1956:

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