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[DD] Vor 30 Jahren: Mit der 4 nach Radebeul (13B)

geschrieben von: 0nkel_wom

Datum: 09.08.17 17:06

Einen schönen guten Tag allerseits

Im Sommer 1987 wurden noch zwei Linien der Dresdener Straßenbahn mit Zweiachsern befahren. Nachdem wir uns hier-> [www.drehscheibe-online.de] dem
Geschehen rund um den Postplatz gewidmet haben, geht es heute an die Strecke Richtung Radebeul.
Auf ihrem Weg in die Nachbarstadt folgt die Straßenbahn auf Dresdener Stadtgebiet dem gesamten Verlauf der Leipziger Straße durch die Leipziger Vorstadt, Pieschen,
Mickten und Trachau*.
Der Straßénzug hat sich durch die Sanierung nach dem Hochwasser 2002 und dem barrierefreien Umbau der Haltestellen erheblich verändert. Auch der Individualverkehr
hat stark zugenommen, was die Straßenbahn aber kaum beeinträchtigt, weil sie signalbedingt die Rudelführung übernimmt und Autos wegen parkender Artgenossen
rechts nicht überholen können.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-101.jpg

(Bild 1) Die erste Durchsicht der Dias nach der Entwicklung brachte die Ernüchterung: die Türmchen des repräsentativen Wohnhauses am Alexander-Puschkin-Platz
waren Opfer der, durch den schon damals nicht geringen Automobilverkehr, hervorgerufenen Hektik geworden. Das Geraderücken bei der Digitalisierung tat ein Übriges.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-102.jpg

(Bild 2) Das Eckhaus an der Oschatzer Straße steht noch, die Apotheke ist aber samt Hirsch verschwunden.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-104.jpg

(Bild 3) Haltestelle Rehefelder Straße in Fahrtrichtung Radebeul.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-105.jpg

(Bild 4) In der Gegenrichtung hielt der Lowa/Gotha-Zug an der Rehefelder Straße. Links geht es hinab zur Elbe bzw. zum Pieschener Hafenbecken, auf der rechten
Straßenseite entstand inzwischen ein Einkaufszentrum.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-103.jpg

(Bild 5) Die Form des Häuserblocks ergibt sich aus dem Bogen der Elbe. Das Verkehrsschild weist auf den Abzweig der Strecke zur Liststraße hin.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-106.jpg

(Bild 6) An der Ecke Kötzschenbroder Straße ist der Anhängerbau Knappe längst US-Amerikanischer Systemgastronomie gewichen. Bekömmlichere Kost und
hausgebrautes Bier wird heute im Brauhaus Watzke (im Rücken des Fotografen) geboten.

An dieser Stelle könnten jetzt eigentlich ein paar Aufnahmen vom Straßenbahnhof Mickten kommen, aber es gibt keine. Schon damals bevorzugte ich die fahrende
Bahn anstelle abgestellter Wagenreihen in finsteren Hallen. Im Nachhinein ärgert es mich dann aber doch, die heute nicht mehr vorstellbaren Rangiermanöver
mitten auf der stark befahrenen Leipziger Straße nicht bildlich festgehalten zu haben.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-107.jpg

(Bild 7) Eine 4 nach Johannstadt zwischen den Haltestellen Alttrachau und Straßenbahnhof Mickten. Man stelle sich dazu bitte die Geräuschkulisse vor: Letzte Fahrstufe
und der hohle Klang des Betonplattengleiskörpers.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-108.jpg

(Bild 8) Die gleiche Stelle in der Gegenrichtung (Kreuzung Leipziger Straße/Wüllnerstraße)



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-110.jpg

(Bild 9) Das „runde“ Eckhaus (s. Bild 7) an der Kreuzung Rietzstraße von der anderen Seite mit einem Zug nach Radebeul West.
Die Brot-, Weiß- und Feinbäckerei Siegfried Gocht gibt es heute immer noch.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-109.jpg

(Bild 10) Die Kreuzung Leipziger Straße/Henricistraße. Auch das Eckhaus hat inzwischen eine Sanierung hinter sich.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-111.jpg

(Bild 11) Ein gemischter Gotha/Lowa-Zug an der stadtwärtigen Haltestelle Alttrachau. Man beachte die Damen am Imbiss. Sie sollten sich später noch als versierte
Kennerinnen der Dresdner Straßenbahnszene erweisen.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-112.jpg

(Bild 12) Aus Richtung Stadt hielt Lowa 212 108-4 mit seinem Gotha-Anhang an der Haltestelle.



http://www.onkel-wom.de/bilder/straba_dresden/straba_dd_05-113.jpg

(Bild 13) Während die Damen am Imbiss kurz zuvor den Gotha-Triebwagen keines Blickes würdigten, wurde die Vorbeifahrt des Lowa-Triebwagens mit größtem
Interesse verfolgt. Ganz unten auf der Hitliste standen wohl bei ihnen, wie auch bei uns, die Tatras. Völlig unfotografiert fuhren sie damals auf der Linie 5 an uns
vorbei. Wie sich doch die Zeiten ändern.
Aber man musste ja auch mit den Filmen sparsam sein.


*=Die Frage nach dem genauen Grenzverlauf dürfte genau so müßig sein, wie die nach dem Originalrezept für original sächsische Kartoffelsuppe. Ich habe das
mal im Bereich Blasewitz/Striesen/Tolkewitz versucht. Man fragt drei Leute und erhält fünf Meinungen. Und selbst in einer seriösen sächsischen Zeitung las ich
schon, dass die Grenze zwischen Tolkewitz und Laubegast die alte Flutrinne ist.


Es grüßt (wieder) aus Frankfurt
Onkel Wom!

"We are Motörhead, and we play Rock'n'Roll"
(Lemmy Kilmister)

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Wiederbelebte Arcor-Opfer : Velgast - Tribsees -> [www.drehscheibe-online.de] ; Inselbahn Usedom -> [www.drehscheibe-online.de]

Re: [DD] Vor 30 Jahren: Mit der 4 nach Radebeul (13B)

geschrieben von: Errel

Datum: 09.08.17 18:00

Moin

Wie immer eine Abfolge Bilder, die den damals völlig normalen Alltag widerspiegeln. Toll eingefangen. Jetzt noch Vergleichsbilder der heutigen Situation daneben... Wobei es wahrscheinlich gar nicht mal soo viel schlimmer aussehen dürfte.
Ja, die Geräuschkulisse kann ich mir lebhaft vorstellen, die war trotz relativ frisch saniertem Gleis sicher eindrucksvoll. Interessant auch die damalige Verkehrsdichte. Neben Zappelfrosch 968, Wartung 311/312/353 natürlich auch Lada in verschiedenen Varianten, Moskwitsch undTrabanten.
Das 1987 noch Lowa-Wagen fuhren überrascht mich ein wenig. Auf Bild 13 scheint die Damen auch die interessante Wagenstellung des ersten Bw zu interessieren... Auffällig auch der intensive Einsatz der eher für Anliegerstrassen und Fußwege gedachten RSL 1.

Gruß Ralph

Re: [DD] Vor 30 Jahren: Mit der 4 nach Radebeul (13B)

geschrieben von: 1418

Datum: 09.08.17 21:15

Moin,
mal wieder ein sehr sehenswerter Beitrag. Ja, genau so habe ich die Dresdner "4" und diese Gegend kennengelernt. Lediglich Lowa-108 hab ich nicht mehr im Einsatz erlebt, sondern nur noch abgestellt im Betriebshof Mickten. Rollend kenne ich nur noch den Dreierzug 113+101+102, welcher heute im Museumsbestand ist.
Zitat:
Man stelle sich dazu bitte die Geräuschkulisse vor: Letzte Fahrstufe
und der hohle Klang des Betonplattengleiskörpers.
Relativ frisch gebautes Querschwellengleis wie hier konnte recht leise sein. Wenn das Lärm gemacht hat, dann lag das am Zustand der Fahrzeuge (Radreifen oder Stop-Schilder? Rollenlager der Beiwagen intakt oder mit teilweise dematerialisierten Innereien?). Ok, ein wenig Knarzen von der Kurve ist sicher auch dabei. Aber sicher kein Vergleich zur langestreckten Kurve zwischen den Haltestellen Chausseehaus und Lützowstraße auf den Leipziger Linien 10/11/28, die dortigen Großverbundplatten hatten stets ausgefranste Schienenköpfe, was das Stamm-Fahrpersonal aber nicht vom Gebrauch der Shunt-Fahrstufen in den Gothawagen abschreckte. Zu hören war das im Umkreis von geschätzt 1000 Meter.
MfG 1418
Ich sage nur eins dazu:
Geile Bilde, das erinnert mich an meine Kindheit, gerade der Lowa - Spitze.

Sehr geil!

geschrieben von: Michael Sperl

Datum: 09.08.17 22:32

Während der Beginn des Beitrags vor lauter Sonnenschein ja förmlich einen Schrecken einjagt, gibts zum Ende hin ja wieder die vom Autor vertraute und bekannte Wetterlage. Beruhigend. ;-)

Es wurden Vergleichsbilder gewünscht, zum letzten Bild hätte ich spontan eines in der Galerie, die Damen standen aber eh nichtmehr dort, deswegen leicht abweichender Standpunkt:
https://www.drehscheibe-online.de/galerie/ds_bild.php?id=201,k3_112293-4a97e203e.jpg
Stadtfest-Tatra von Michael Sperl aus der DSO-Galerie

Und das "runde Eckhaus" wenige Meter stadteinwärts ist jetzt versolarzellt:
https://www.drehscheibe-online.de/galerie/ds_bild.php?id=201,k3_84009-a0adab32d.jpg
Veteran auf Sonderfahrt von Michael Sperl aus der DSO-Galerie

Gruß & Dank
Michael

Errel schrieb:
Auffällig auch der intensive Einsatz der eher für Anliegerstrassen und Fußwege gedachten RSL 1.
Das sieht schwer nach RSL 0 aus, für Lampen 250 Watt.

Ansonsten mal wieder: Schwelg' ...

? zum Querschwellengleis dort...

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 10.08.17 01:14

1418 schrieb:
Relativ frisch gebautes Querschwellengleis wie hier konnte recht leise sein. Wenn das Lärm gemacht hat, dann lag das am Zustand der Fahrzeuge (Radreifen oder Stop-Schilder? Rollenlager der Beiwagen intakt oder mit teilweise dematerialisierten Innereien?)

Schön gesagt, "Stop-Schilder". Weiß, was du meinst...

Frage: Das Gleis liegt vermutlich noch heute, in welchem Zustand ist es? Das ist ja die quasi unzerstörbare Vorwende-Variante, die sich aber auf einer längeren Strecke in Jena als nicht Lkw-fest erwiesen hat. (Man hätte es nach 20 Jahren mal nach Hochnehmen der Abdeckung leicht heben und nachstopfen müssen, was ja bei offenem Querschwellengleis ohnehin Routine ist. Ein Anpassen der umgebenden Fahrbahndecke war schwer, da man die 1984 mangels Bitumen in Ortbeton gegossen hatte. Letztlich wurde alles rausgemeißelt und -gerissen und komplett erneuert; das Gleis hätte gut und gerne liegenbleiben können.)

Gruß Thomas
Hallo Wolfgang,

wieder ein sehr sehenswerter Bericht aus Dresden ganz nach meinem Geschmack, vielen Dank für Deine Präsentation. Ich freue mich schon auf weitere Berichte aus Deiner "zweiten Heimat".
Da Dir eine Aufnahme vom Betriebshof in Mickten fehlt, erlaube mir, ein Foto davon zu zeigen. Leider ist es nur ein Blick in die Halle, die schon kurz vor der Räumung bzw. dem Abbruch steht. Im September 1992 habe ich dort noch den Arbeits-Tw 201 016 mit Cabrio-Beiwagen angetroffen.

https://abload.de/img/dd201016-btfmickten-9jourj.jpg

Eine weitere Aufnahme zeigt den historischen Tw 1644 bei der Vorbeifahrt am Betriebshof in Mickten, ebenfalls im September 1992.

https://abload.de/img/dd1644-leipzigerstr-99fufl.jpg

Viele Grüße
Bernd

Re: zum Querschwellengleis dort...

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 13.08.17 13:22

Guten Tag,

Thomas Wedekind schrieb:

Frage: Das Gleis liegt vermutlich noch heute, in welchem Zustand ist es? Das ist ja die quasi unzerstörbare Vorwende-Variante..

Dieses Gleis liegt dort nicht mehr. Kurzer Abriß dazu (Daten aus dem Gedächtnis, ich habe es nicht genauer recherchiert):

-Abschnitt Mickten-Stadtgrenze wurde Mitte der 1980er Jahre erneuert (Gleise so wie auf den Fotos, Straße tw. asphaltiert, Kleinpflasterabschnitte blieben aber)

-Abschnitt Innenstadt-Mickten wurde 1989/90 erneuert, d.h. gerade zur Wendezeit und nachdem diese Bilder entstanden sind. Dabei wurde Querschwellenoberbau mit Betonplatteneindeckung verwendet, wie zuvor schon auf dem äußeren Abschnitt. Z.B. am Alexander-Puschkin-Platz verschwand damit das Straßenpflaster im Gleisbereich, das hier noch auf den Fotos zu sehen ist. Die Fahrbahnen daneben wurden aber nicht angerührt.

-Ende 1990er Jahre: Erneuerung eines Abwassersammlers, der unter der landwärtigen Fahrbahn der Leipziger Straße liegt. In diesem Zusammenhang wurde diese Fahrbahn asphaltiert, zwischen Innenstadt und Mickten, aber eben nur landwärts

-August 2002: Hochwasser. Die Leipziger Straße wurde dabei nicht überspült oder allenfalls auf kurzen sehr tief liegenden Abschnitten (Rankestraße?). Sie wurde aber unterspült, in den Kellern der benachbarten Häuser stand das Wasser. Nach geringfügigen Reparaturen ging die Strecke erstmal optisch unverändert wieder in Betrieb, die ganze Straße galt aber als Hochwasserschaden.

-ca. 2004-2010 (mehrere Bauabschnitte): kompletter Neubau der Leipziger Straße mit Fahrbahnen, Gleisen, Versorgungsleitungen aus Mitteln der Hochwasserschadensbeseitigung. Ob das gleismäßig wirklich schon nötig war, weiß ich nicht, aber man nutzte die Gelegenheit. Die Gleislage wurde dabei allerdings an vielen Stellen verändert, zwecks Aufweitung des Mittenabstandes für breitere Wagen sowie Herstellung barrierefreier Haltestellen (z.T. Kaphst., z.T. überfahrbare Kaps) und verkehrslenkender Maßnahmen (z.B. Mickten Linksabbiegerspur zwischen den Gleisen).

Abschnitte mit Querschwellengleis in gleicher Technologie aus der selben Bauzeit gibt es noch heute in Radebeul und auf anderen Strecken, allerdings sind sie inzwischen doch meist sehr abgewirtschaftet (je nach Belastung). Das selbe gilt für vereinzelt noch vorhandene Abschnitte mit GVP, die noch älter sind.

Grüße,
Jan B.

Danke! (o.w.T)

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 13.08.17 15:07

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Gruß Thomas