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Remake von 4/2007: Die Grønlandse Polbanen

geschrieben von: rolf koestner

Datum: 09.08.17 13:59

Da ich die nächsten acht bis zehn Wochen noch mit der Aufarbeitung meines Isle of Man-Aufenthaltes zu tun haben werde, muss ich alle, die auf die Fortsetzungen u.a. von Krefelder und Recklinghauser Bussen, Warendorf Teil 3, TWE etc. warten, bis zum Herbst vertrösten. Allerdings konnte ich gestern Abend keine Manx-Bahnen mehr sehen und habe mal kurz den alten Beitrag von 2007 über die Grønlandse Polbanen aus der "Draisine" überarbeitet und ergänzt.

Wer ihn noch nicht kennt: Viel Vergnügen!



So genau lässt sich nicht mehr klären, auf wessen Mist der folgende Beitrag aus der "DRAISINE" II/1986 gewachsen ist. Es kristallisiert sich jedoch eine Gemeinschaftsproduktion von ASa und J. Strötzel heraus. Dieser Geniestreich ist einer meiner Favoriten aus dieser kleinen Schriftenreihe:



Es stand in der Draisine: DIE GRØNLANDSE POLBAHNEN


Jenseits des 80. Breitengrades Nördlicher Breite, wo die Dauerfrustgrenze weit unter dem Meeresspiegel liegt, dort trifft der frierende Eisenbahnfreund auf die Grønlandse Polbahnen. Die GP, wie sich das Unternehmen abkürzt, ist zwar als Bahn des öffentlichen Verkehrs konfessioniert, praktisch aber ein Betriebsteil der Nordisk-Langnese-Smørrebrod Fabrikken, die nicht nur Knäckebrod herstellen, sondern auch Speiseeis fabrizieren.

Geschichtliches:

Im Jahre 1889 entdeckte der Norweger Sven Lutschkøppen ca. 45 km westlich von Brönlundfjord das größte Vanilleeisvorkommen der Welt. Leider standen der wirtschaftlichen Nutzung dieses Vorkommens die geographischen Schwierigkeiten des Geländes entgegen.

https://abload.de/img/groenlandsepolbanen1zob18.jpg



Erst als im Jahre 1912 das erste Teilstück der GP von Smørrefjord nach Nilkøppen (12,56 km) In Betrieb genommen werden konnte, begann die systematische Ausbeutung der Vanilleeisvorkommen. Zunächst wurde das Eis bergmännisch unter Tage gewonnen und in Fad-Wagen ähnlichen Selbstentladewagen abgefahren. Als Loks kamen von Anfang an E-Loks der Achsfolge 1’C1’ zum Einsatz, die auf Gleisen mit der Spurweite 1234 mm eingesetzt waren. Der Strom musste in der Anfangszeit mühselig in Akkumulatoren aus Norwegen importiert werden. Die darauf zu entrichtenden Zölle verteuerten die Sache jedoch erheblich, so dass schon 1932 der elektrische Betrieb eingestellt wurde und die Strecke auf 600 mm umgespurt wurde. Gleichzeitig wurde die Strecke um 23,2 km verlängert und das Vanilleeis-Bergwerk in Nilkøppen stillgelegt. Im neuen Endbahnhof Frossenfisk wurde ein 2 km langes Anschlussgleis zum neu erschlossenen Tagebau Lutschkøppen eröffnet. Zur Erstausstattung der neuen Bahn wurden 4 Gelenklokomotiven von Schöma bestellt, der Wagenpark bestand und besteht noch heute aus -E-Wagen mit je 5 Kubikmeter Fassungsvermögen. Ein Zug besteht aus 10 Wagen und wird jeweils mit einer Lok an der Spitze und am Schluss gefahren. Das erspart das Umsetzen, was bei den ständig eingefrorenen Weichen das Geschäft sehr erleichtert. Auch nach Einführung der Weichenheizung im Jahr 1951 wurde diese Reihung beibehalten. Das Eis wurde zunächst von Eskimos per Hand abgebaut, jedoch wurden schon kurze Zeit nach der Eröffnung Dampfbagger angeschafft. Die Kohlen für die Bagger wurden ebenfalls über die Polbannen angefahren. Um die Schöma-Loks zu entlasten, wurden nach dem Krieg die beiden Garrat-Loks der Ostfriesischen Wald-Eisenbahnen (OWE) übernommen. Wegen der enorm tiefen Temperaturen verbrauchten die Loks jedoch soviel Kohle, daß die Kohlezüge leer in dem, nach dem Entdecker der Vanilleeisvorkommen benannten, Endbahnhof Lutschkøppen ankamen. Die Dampfbagger wurden daraufhin zu Karussels umgebaut, die Garrat-Loks wurden auf einem verlängerten Nebengleis des ehem. Bahnhofs Nilkøppen abgestellt und verschwanden mit der Zeit unter einer Schneewehe, wo sie auch heute noch stehen. Diese Fehlinvestitionen brachten die NLSF fast an den Rand des Konkurses, da die preisgünstig übernommenen Garrat-Loks erst umgespurt werden mussten.

Die Lokomotiven der Grønlandse Polbannen: E 1 bis E 4, Baujahr 1911, Achsfolge 1' C 1',
Leistung 34 kW, Höchstgeschw. 22,12 km/h, Hersteller:
E-Teil : Thunder & Lightning Co.Ltd.
Mech.-T.: W.Ackel & R.Iss
https://abload.de/img/groenlandsepolbanen2vfz0i.jpg


Schöma-Gelenklokomotiven, Baujahr 1931, Achsfolge B + B, Leistung 2 x 19 PS, Höchstgeschw. 25 km/h, Gew. 15 t
https://abload.de/img/groenlandsepolbanen3f4y9x.jpg


Mit etwas Glück kann der deutsche Eisenbahnfreund demnächst wieder eine originale OWE-Lok in Deutschland erleben, da sich ein großer Frankfurter Museumsbahnverein um den Ankauf der Loks und deren Bergung bemüht.

Der Abbau der Vanilleeisvorkommen musste also wieder per Hand bewerkstelligt werden. Erst als im Jahr 1964 drei Beilhack-Schneeschleudern angeschafft wurden, war der Schritt zur Mechanisierung des Vanilleeistagebaus getan. Gleichzeitig wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut, um die höhere Tagesförderung problemlos abfahren zu können. 1962 wurden die Schöma-Gelenklokomotiven in Pommesbuden umgebaut und durch MaK-Stangenloks mit Außenrahmen, Blindwelle und Hall'schen Kurbeln ersetzt. Noch heute tragen die vier Loks der ersten Lieferung die Hauptlast des Verkehrs, obwohl die fünfte Lok nach einem Zusammenstoß mit einem Eisbären in eine Gletscherspalte stürzte und ausgemustert werden musste. Die einzige verbliebene Schöma-Lok Nr. 04 steht noch heute als Reserve im Bw Smørrefjord, jedoch sollte man sich beeilen, wenn man sie noch fotografieren will. Es laufen bereits Verhandlungen mit der DB über einen Ankauf einer größeren Zahl von Dieselloks der BR 260, die in Grönland zu Gelenklokomotiven umgebaut werden sollen. Nötig wird dieser Ankauf durch eine erhebliche Erweiterung der Produktion durch das neu entdeckte Erdbeereisvorkommen bei Søtbøden. Zur Erschließung dieses Tagebaus wird z.Z. eine 23 km lange Stichbahn von Myggeglväre, gleich hinter Nilkøppen, nach Søtbøden gebaut. in Blødehave, 9 km östlich von Smørrefjord, entsteht z.Z. die größte Eisschmelze der Welt. Das angefahrene Eis wird geschmolzen und in einer Pipeline nach Narvik gepumpt, wo es wieder eingefroren und anschließend auf der Erzbahn nach Europa gebracht wird. Dieses Verfahren wird nur für das Erdbeereis verwendet, das Vanilleeis wird weiterhin in Smørrefjord je nach Wetterlage auf Schiffe oder Schlitten verladen. Die Vanilleeisvorkommen reichen noch bis zum Jahr 2000, so dass wir noch recht lange Freude an der GP haben, wenn auch demnächst die letzte Schöma-Gelenklok ausscheiden wird. Aber doch einmal ehrlich, eine 600mm-Doppel-Gelenk-V 60 ist doch auch recht lustig, oder ?

Nach Berichten unseres Skandinavien-Korrespondenten F.Rost ist die bei deutschen Eisenbahnfreunden als vermisst geltende ex BE 02 (ex DB-V65 004, MaK 1955) zwischenzeitlich beim Bw Smørrefjord eingetroffen. Sie wird nach Umspurung auf 600 mm und Ausrüstung mit einem eisbärensicheren Führerstand (z.B. vergitterte Fenster) als Werklok im neuen Tagebau Søtbøden eingesetzt. Techniker der GP waren zwiehenzeitlich schon bei der WLE bzw. HKB (Hersfelder „Kreisbahn), um über den Ankauf der WLE V1 0633 bzw. der HKB V 30 (ex DB 320 001) zu verhandeln. Die Loks werden, wenn es zu einer Übernahme kommt, auf 600 mm umgespurt und eisbärensicher gemacht. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren.
Derzeit laufen Planungen, die Strecke von Smørrefjord nach Blødehave nach Smørre-Livingsgebrød zu verlängern. Damit könnte die dortige Fabrik, die Eis portioniert und Stöckchen hereinsteckt (Eis am Stiel), endlich auf der Schiene versorgt werden. Zur Zeit wird die Fabrik hoch mit Schlittenhunden versorgt.
Auch wird die Möglichkeit geprüft, bei Frossenfisk einen Fischstäbchenbruch zu erschließen. Auf das Fischvorkommen stieß man bereits beim Bau der Bahn nach Lutschkøppen, daher der Name des Bahnhofs. Die damals gefundenen Vorkommen waren jedoch nicht abbauwürdig. Kürzlich wurde jedoch ein neues Vorkommen ca. 4 km westlich von Frossenfisk entdeckt, dessen Abbauwürdigkeit z.Z. geprüft wird. Sollte es zu einem Abbau kommen, wäre die Strecke von Myggeglväre nach Lutschkøppen zumindest bis Frossenfisk auch über das Jahr 2000 hinaus gesichert.



Frisch aus dem Fernschreiber

GRØNLANDSE POLBANEN (GP): OZONLOCH BEDROHT WERKBAHN!!!


Es werden bereits Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen angestellt, ob bei weiterem Abschmelzen der Polkappen die dann entstehende Vanillesoße im Bereich der GP in Ganzzügen von Tankwagen abtransportiert werden kann, oder ob eine Pipeline gebaut werden muß. Die zuständigen Herren Techniker der GP reisten wieder einmal nach Deutschland. Dieses Mal besuchten sie Gesprächspartner in Brühl (EVA) und Düsseldorf (VTG). Wenig später begannen sich auf einigen Privatbahnen die Reihen abgestellter Kesselwagen zu lichten. Allerdings kann der Vanillesoßetransport erst dann in großem Stile anlaufen, wenn man noch rechtzeitig ein hinreichend großes Rote-Grütze-Vorkonmen entdeckt. Bis dahin werden erst einnal die Radsätze der gemieteten Wagen auf 600 mm zusammengedrückt. (aus: Draisine 1/87)



Dann nahm ich auch noch mal "Die schwarze Draisine" (III/83) zur Hand und es fiel mir Fischstäbchenschuppen von den Augen:



Titelbild: Eines der seltenen Fotos der Schöma-Gelenklokomotive 2 mit ihrem Zug bei der Beladung im Vanilleeis-Bergwerk Nilkøppen, das bald daruf stillgelegt worden ist:

Rücktitel: Blick in die im Bau befindliche Erdbeereispipeline von Søtboden nach Narvik. Beide Bilder entstanden zur Wintersonnenwende:

https://abload.de/img/dieschwarzedraisinese6ilqo.jpg https://abload.de/img/dieschwarzedraisinese6ilqo.jpg


Frage zum Schluß: Wie kommt man auf solche Ideen? (Diese Frage wurde bereits im Originalbeitrag vor 10 Jahren beantwortet)



Bis neulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.17 13:59.

Re: Remake von 4/2007: Die Grønlandse Polbanen

geschrieben von: W-D Upphoff

Datum: 09.08.17 14:39

Hallo Rolf,

vielen Dank für diesen überaus interessanten und aufschlussreichen Beitrag, den ich bisher noch nicht kannte.

Damit wird mir einiges erheblich klarer. Als Vanilleeis-Liebhaber frage ich mich allerdings, wie die Versorgungslücke nach dem Ende der Vorkommen in Nilkøppen wieder geschlossen werden konnte?

Ganz besonders interessant fand ich die beiden Fotos. Ich bin wirklich überrascht über den Detailreichtum der Fotos, die unter so schwierigen Umständen (Wintersonnenwende) entstanden sind.

Nochmals ganz herzlichen Dank für diesen hervorragenden und lehrreichen Beitrag.

Mit freundlichen Grüßen aus Großbritannien

W - D Upphoff

http://abload.de/img/p1020873-1w0u2d.jpg http://abload.de/img/p1020874-1yuu2o.jpg http://abload.de/img/p1020878-1lpub4.jpg East Croydon Station

Re: Remake von 4/2007: Die Grønlandse Polbanen

geschrieben von: Gernot

Datum: 09.08.17 16:18

Toller Beitrag! Ich bin schon gespannt auf den Bericht über die Grubenbahnen der Puddingminen in Südperu.

Ein bahnbrechender Artikel

geschrieben von: TransLog

Datum: 09.08.17 17:47

Leider war ich vor 34 Jahren zu jung und zu dumm, die DRAISINE zu lesen.

Die neuesten Entwicklungen da oben deuten darauf hin, dass rumänische Schmalspurdiesellok beschafft werden sollen, die man mit Dansk Fadøl ("Maltig doft med inslag av knäckebröd.") [www.systembolaget.se] betreiben könnte. Sein Alkoholgehalt von 5% soll bei tiefen Temperaturen starke Viskosität verhindern und der malzige Duft (mit Einschlag von Knäckebrot) den Geruch der Fischfabriken übertönen.

Frage: Wie riecht Knäckebrot?


Gruß, Ulrich



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.17 17:51.

Re: Remake von 4/2007: Die Grønlandse Polbanen

geschrieben von: Helmut Philipp

Datum: 09.08.17 17:56

Moin Rolf!

Schade, das Du die beiden letzten Bilder so verwackelt hast, über die Unschärfe sehe ich mal hinweg!

Ansonsten ein Beitrag. der mir gut gefällt.

Dafür herzlichen Dank - natürlich mit Grüßen Richtung HI

Helmut

Meine bisher erschienenen Beiträge findet ihr durch Anklicken des Bildes hier:
http://s14.directupload.net/images/user/140226/jikgddpg.jpg
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Spitze! Ich fragte mich immer ...

geschrieben von: westbahn

Datum: 09.08.17 21:05

... wohin die ostfriesischen Waldbahnlok denn seinerzeit wohl entschwunden sind.

Thomas

"Die ostfriesische Landschaft wird gekennzeichnet durch die Herrschaft der horizontalen Linie." (Reichsbahnrat Schenkelberg, 1926)
westbahn.de - Die Eisenbahn in Ostfriesland (und umzu)

Wackelpudding mit einem Jahr Wackelgarantie

geschrieben von: HFy

Datum: 09.08.17 21:26

Nein, die Puddingminen befinden sich in Panama:

[www.youtube.com]

Otto Waalkes muß es wissen (der ostfriesische Götterspeisenbote)!
Herbert



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.17 21:50.

Re: Spitze! Ich fragte mich immer ...

geschrieben von: HFy

Datum: 09.08.17 21:28

In Ostfriesland gibt es keine Wälder, die einzige schattenspendende Pflanze ist der Grünkohl! Es dürfte sich also um eine Grünkohlbahn gehandelt haben.

Herbert



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.17 21:29.
Vielen Dank für das Erinnern an diese einzigartige Bahnstrecke.

Ich verfolgte damals den Originalbeitrag [www.drehscheibe-online.de] sehr genau.
Es gab da noch einige interessante Beiträge. Schade, dass die Bilder nicht mehr erreichbar sind.

Tunnelmotive

geschrieben von: Nullstein

Datum: 09.08.17 22:27

Die beiden Tunnelmotive sind fotografietechnisch wirklich beeindruckend umgesetzt. Schade zwar, dass in beiden Fällen die Scheinwerfer der Lokomotiven defekt waren. Aber die Bilder bestechen dennoch mit Detailreichtum trotz Offenblende und kleiner ISO. Ich hätte allerdings in diesem Fall eher das Querformat gewählt. ;)

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geschrieben von: HLeo

Datum: 09.08.17 23:07

Ich sehen keinen Zusammenhang zwischen Deinem Beitrag und meinem.

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