DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historische Bahn 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.

Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Zauberer

Datum: 09.08.17 10:31

Die Flutkatastrophe von Hamburg am 16./17. Februar 1962 füllte in den Folgetagen die Gazetten. Dass das so war, ist angesichts von hunderten von Toten in Hamburg, zehntausenden von Obdachlosen und riesigen Schäden durchaus verständlich.
Manch anderes ist dabei leider zwangsläufig unter den Tisch gefallen. So das Zugunglück auf der auf der heutigen KBS 115 Braunschweig-Gifhorn-Wieren.
Einem kleinen Pressebericht der Nordwestzeitung vom 19.02.1962 zufolge hatten Unbekannte Steine auf die Gleise im Bereich des Kreuzungsbauwerks über die Strecke Hannover-Wolfsburg gelegt und eine zweiteilige Schienenbusgarnitur zum Entgleisen gebracht. Der entgleisende Zug wurde von einer Orkanböe gepackt und gegen die Träger der Brücke über die KBS 204 geschleudert. Der Zug geriet in Brand, der Tfz wurde bei dem Unfall getötet, 26 Fahrgäste zum Teil schwer verletzt.
Weiß jemand mehr über dieses vergessene Unglück in den tragischen Tagen des Februars 1962?

Re: Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Helmut Philipp

Datum: 09.08.17 11:06

Hallo Zauberer!

Mich interessiert, welche Informationsquellen Du bisher selbst erschlossen hast, bevor Du hier nun die HiFo-Gemeinde zur Klärung aufrufst.

Gruß
Helmut

Meine bisher erschienenen Beiträge findet ihr durch Anklicken des Bildes hier:
http://s14.directupload.net/images/user/140226/jikgddpg.jpg
Inhaltsverzeichnisse von weiteren Eisenbahnfreunden
bitte hier anklicken!

Re: Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Zauberer

Datum: 09.08.17 11:08

Es gibt im Netz nur eine noch kürzere Meldung im Archiv vom Neuen Deutschland.

17.02.1962 - Isenbüttel

geschrieben von: Gleis MA 11-12

Datum: 09.08.17 13:08

Moin Zauberer,

zwischen Isenbüttel Dorf und Isenbüttel Gifhorn entgleiste Pto 3131 mit drei Wagen. Es soll 2 Tote und 34 Verletzte gegeben haben.
(Quelle: Ritzau, Katastrophen der deutschen Bahnen Teil II)

Gruß aus Mannheim
RZ

Re: Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Regio ZuB

Datum: 09.08.17 13:18

Moin zusammen,

u.a. folgende Links verbuchen die Entgleisung als Anschlag und sprechen sogar von drei Toten:
[archiv.rhein-zeitung.de]
[www.wikiwand.com]
[wikivisually.com]

Die letzten beiden geben als Quelle "Ritzau: Katastrophenszenen, S. 158." an; wer das Werk besitzt, möge vielleicht hierzu einiges beitragen (ansonsten bei Amazon für 12,50€ erhältlich).

Wissen die Statistiker, ob das Tfz wirklich bei dem Unfall ums Leben kam? Daß der Tf mehr oder weniger absichtlich dadurch umgebracht wurde, ist eine andere Geschichte. An dieser Stelle wäre freilich zu fragen, ob die Täter gefaßt und (wenn ja) wie sie verurteilt wurden (vielleicht steht's bei Ritzau).

Beste Grüße
Holger

Tante Edith stellte fest, daß die Mannheimer Aufsicht fixer war:-)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.17 13:20.

VT 98 9753+VB 98 2277+VS 98 100 (m. L.)

geschrieben von: Nobbi

Datum: 09.08.17 19:17

Re: Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Zauberer

Datum: 09.08.17 19:27

Ich stelle mir hier so eine ganz andere Frage: wäre der Zug auch ohne die Einwirkung des Orkans entgleist?
Interessant ist auch, dass die Zahl der Todesopfer schwankt.
Ritzaus Werk kenne ich zwar, es liegt mir selber leider nicht vor.
Das Bemerkenswerte ist ja, dass es sich um ein vergleichsweise schweres Zugunglück handelt, das aber angesichts einer zeitgleich eingetretenen viel größeren Katastrophe in der Berichterstattung einfach untergegangen ist.

Danke. Und Frage an die Kursbuchspezialisten.

geschrieben von: Zauberer

Datum: 09.08.17 19:29

Danke. Kennt irgendwer die Fahrtzeiten des Pto 3131 im Winterfahrplan 1961/62?
Bei den Toten habe ich inzwischen drei verschiedene Zahlen: ein Toter, zwei Tote, drei Tote. Auch die Frage, ob der Tf ums Leben kam oder nicht, ist inzwischen nicht mehr gesichert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.17 19:30.

Re: VT 98 9753+VB 98 2277+VS 98 100 (m. L.)

geschrieben von: Zauberer

Datum: 09.08.17 20:38

Danke, Nobbi.
Aber man sieht - es gibt viele Details, die sich nicht einfach mal so auf die Schnelle herausgoogeln lassen.

Moegliche Erklaerung

geschrieben von: Peter

Datum: 09.08.17 20:44

Hallo!

Zauberer schrieb:
Interessant ist auch, dass die Zahl der Todesopfer schwankt.

Das koennte erstens daran liegen, dass manche Opfer erst spaeter ihren Verletzungen erliegen, zweitens aber auch an der Zaehlweise. Wenn mal z. B. von "2 Reisenden und dem Tf" und dann von "2 toten Reisenden" die Rede ist, dann hat man eben unterschiedlich gezaehlt bzw. vergessen, dass zu den Reisenden der Tf hinzukommt.
Das passiert aber recht haeufig und war auch bei Bus- oder Flugzeugungluecken schon der Fall.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Re: Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Mahrode

Datum: 09.08.17 22:23

Moin,

ich versuche auch mal eine Antwort, aus der Broschüre "Die Geschichte der Eisenbahnvon Braunschweig nach Uelzen im Lk Gifhorn"

Lt Bericht der Aller -Zeitung entgleiste der VB gegen 14:30 und rammte durch den Sturm die linke Seite der Stahlbrücke. Beim Aufprall wurde der Tf durch die Frontscheibe auf die darunter liegende Strecke geschleudert, und verstarb am Unfallort. Auslaufender Diesel entzündete sich am heißen Motor und setzte die gesamte Garnitur in Brand. Es wurden 18 Schwerverletzte (viele mit Brandwunden) und mehrere Leichtverletzte durch das DRK in Krankenhaus gebracht. Im Zeitungsbericht steht, dass 3 Schwerverletzte zum Zeitpunkt der Drucklegung noch in Lebensgefahr schweben. In der Broschüre wird dann der Schaffner als im Krankenhaus als seinen Verletzungen erlegen aufgeführt.
Die Steine und Äste haben 2 Jungen im Alter von 8 und 11 Jahren beim spielen auf den Gleisen dort hingelegt.

Tschüß
Ludger

Danke.

geschrieben von: Zauberer

Datum: 09.08.17 22:53

Das ist doch mal eine Antwort. :)
Da die Täter noch nicht strafmündig waren, hat es vermutlich nie eine genauere und eingehendere Untersuchung gegeben. Erst recht keinen Prozess.

Re: Bisher unbekanntes Zugunglück vom 16./17.02.1962 - weiß jemand mehr?

geschrieben von: Marcus Else

Datum: 09.08.17 23:43

In der Bröschüre wird das ganze als Bahnfrevel bezeichnet.

Marcus

Frage an die Kursbuchspezialisten: Fahrplan

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 10.08.17 06:58

Hallo,
ich habe leider nur das Sommerkursbuch 1962 vorliegen.
Demnach fuhr der Pto 3131 werktags um 13.49 Uhr ab Braunschweig Hbf, hatte um 14.25 Uhr einen Bedarfshalt in Isenbüttel Dorf, sollte von 14.31 Uhr bis 14.32 Uhr in Isenbüttel-Gifhorn halten und um 14.37 Uhr in Gifhorn-Stadt ankommen.
Viele Grüße
Stefan

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/58/781958/6638303363633862.jpg http://foto.arcor-online.net/palb/alben/58/781958/3338386331616233.jpg

Danke - und ein paar Ergänzungen

geschrieben von: Zauberer

Datum: 10.08.17 12:15

Jetzt kann ich das zeitlich einorden. Auf Grund von Wetterdaten vom Nachmittag des 17.02.1962 kann man ggf. ableiten, welche Rolle der Sturm gespielt hat.
Zur Witterung:
der Orkan begann laut Bericht des Seewetteramts Hamburg am Abend des 15. Februrar 1962 nach Durchzug der Warmfront des Orkantiefs aufkommenden stürmischen Winden aus Südwest. In den Mittagsstunden des 16. Februars erfolgte der Durchzug der Kaltfront und die Winddrehung auf Nordwest. Im stündlichen Mittel war der Sturm nicht ausserordentlich schwer - auch auf der Nordsee wurde auf den damals dort noch ausliegenden Feuerschiff lediglich Windstärke 8 bis 9 registriert)¹. Da auf der Rückseite der Kaltfront sehr labile Meeresluft polaren Ursprungs einfloss, war der Wind nach Durchzug der Kaltfront äußerst böig. Die Spitzeböen lagen in Bremen und Hamburg bei ca. 150 km/h. Man muss dabei aber berücksichtigen, dass das Hauptsturmfeld im Bereich der nördlichen Nordsee lag. Auf den Shetlands wurden Spitzenböen von fast 280 km/h registriert.
Der eigentliche Höhepunkt des Orkans erfolgte nicht in den Nachmittagsstunden, sondern erst ab dem Abend mit Durchzug des zum Orkantiefs gehörenden Trogs. Die Folge war, dass es zu einem wahren Inferno kam mit gewittrigen Niederschlägen aus Regen, Graupel und Schnee. Diese von Orkan- und schweren Sturmböen verbundenen gewittrigen Niederschläge hielten auch am 17.02. an. Bei solchen Wetterlagen sind Tornados nicht selten.
Ich vermute einmal, dass das Ausmaß des Unglücks die Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände war. Das Verdriften des VT samt Beiwagen spricht für einen Tornado. Ich bezweifle, dass die von 8 und 11jährigen auf die Schienen gelegten Gegenstände ausgereicht hätten, um so ein katastrophales Ereignis zu erzeugen.



-----

)¹ Für die Schwere einer Sturmflut sind nicht Spitzenböen maßgeblich verantwortlich, sondern der sogenannte Effektivwind. Das ist der Wind, der dauerhaft im Mittel auf eine Wasseroberfläche einwirkt und somit Windstau erzeugt.

Re: Danke - und ein paar Ergänzungen

geschrieben von: Matthias Muschke

Datum: 10.08.17 12:29

Um einen LVT zum entgleisen zu bringen, reichen wenige Steine aus. Das wurde auch Jahre später noch mehrfach demonstriert...

MfG


"Die gebremste Ausführung hatte eine Handbremse, ob die Bremsklötze infolge Betätigung der Handbremse an den Rädern anlegt, kann wohl heute nicht so eindeutig geklärt werden. Der ungebremste Wagen verfügt auch über keine Bremsklötze."

Aus: [www.kleinbahnsammler.at]

(Muss man zweimal lesen, ist aber irgendwie genial... ;-))

Re: Danke - und ein paar Ergänzungen

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 10.08.17 14:50

Zum Beispiel am 17.09.1966 auf der Nibelungenbahn bei Bensheim.

Gruß
Horst

Re: Danke - und ein paar Ergänzungen

geschrieben von: Zauberer

Datum: 10.08.17 21:52

Das ganze ist inzwischen quasi bestätigt. Zum fraglichen Zeitpunkt war bereits eine deutliche Wetterberuhigung eingetreten. Die Tornadotheorie ist somit unwahrscheinlich.