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Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 14.07.17 09:17

Im Januar 1973 kam es bei der Kasseler 043 636 zu einem "stillen Kesselzerknall". Niemand kam zu Schaden, die Lok wurde repariert und war bis zum Herbst 1977 im Einsatz. Bis auf einen Hinweis auf ein vergriffenes Eisenbahnjournal habe ich nichts über den Vorfall gefunden .Vor einigen Jahren wurde in der 01 1516 - Diskussion der Vorfall nebenbei erwähnt. Weiß jemand mehr ?

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: S&B

Datum: 14.07.17 10:16

Was soll ich mir unter einem stillen Kesselzerknall vorstellen? Ein Rohrplatzer?
Grüße
Ulrich

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: dampfbahner

Datum: 14.07.17 10:33

Hier ist die Zeitschrift: [82.103.112.145].

Gruß aus Magdeburg

Klaus




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.07.17 10:34.

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: dampfachim

Datum: 14.07.17 11:44

Hallo Leute,

hab mir das gerade durchgelesen. Das ist ganz plattes Bildzeitungsniveau. Ein Kesselzerknall zerreißt den Kessel auf Grund der eingetretenen Nachverdampfung und beult nicht "nur" die Feuerbüchsdecke aus. Ein Überleben und auch eine offenbar einigermaßen langsame Steigerung des Dampfaustritts, so dass das Lokpersonal noch mittels Schnellbremsung reagieren und sich "in Sicherheit bringen" konnte, wäre beim Aufreißen der Feuerbüchsdecke nicht mehr möglich gewesen.

Fazit: Das Lokpersonal hat seine eklatanten Pflichten bei der Beachtung/Beobachtung des Wasserstandes vernachlässigt, der eingetretene Pfropf hätte ohne weiteres bemerkt werden müssen, denn der angezeigte Wasserstand pendelt dann nicht mehr, steht still und gerade bei fahrender Lok wäre das sehr auffällig (das Wasser im Glas pendelt übrigens auch im Stillstand, ist aber nicht so gut erkennbar, wie während der Fahrt). Die Gefahr vergrößert sich noch dadurch, dass der von oben im Glas anstehende Dampf an der Glaswandung kondensiert und das Glas weiter auffüllt, so dass sich das Personal in Sicherheit wiegen könnte. Durch das Ausglühen der Feuerbüchsdecke und Herausreißen aus den Deckenstehbolzen entstand eine starke Undichtigkeit, die das Personal noch rechtzeitig warnte und zum Glück schlimmeres verhinderte. Dass die Feuerbüchsdecke nicht großflächig durch den vorhandenen Dampfdruck aufgerissen wurde, kann man auch nur als Glücksfall bezeichnen.
Bei der DR gab es als Warneinrichtung für solche Fälle übrigens zwei Schmelzpfropfen, also mit Blei ausgegossene Schrauben, die bei Überhitzung auslaufen und das Personal wahrscheinlich noch früher auf den Wassermangel hingewiesen hätten, bevor die Feuerbüchsdecke durch Aufreißen so schwer beschädigt worden wäre.

Die einschlägigen Dienstvorschriften messen dem Wasserstand im Kessel nicht ohne Grund so große Bedeutung zu. Anlässlich jeder Übernahme der Lok zum Dienstbeginn (oder auch zwischendurch, wenn man die Lok tauscht) ist das Lokpersonal verpflichtet, die Anzeiger zu prüfen. Das dient dazu, die Durchgänge zu reinigen und den Selbstschluss, der beim Platzen des Glases in Kraft tritt, zu überprüfen.
Das wurde hier offenbar versäumt.

Gleichwohl wurde hier übertrieben, wohl um Interesse für den Artikel oder das Heft zu erheischen. Es war definitiv eine Vorstufe des Kesselzerknalls, aber kein Zerknall, auch kein "stiller", was auch immer das sein soll.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: 01 1066

Datum: 14.07.17 13:41

[i
dampfachim schrieb:]
Das ist ganz plattes Bildzeitungsniveau.[/i]

Moin Achim,

sag das mal dem Autor des Artikels - Jürgen liest hier mit (und schreibt auch gelegentlich).

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: dampfachim

Datum: 14.07.17 13:59

Hallo Harald,

das weiß ich wohl. Darum bin ich auch ziemlich verwundert, warum er auf diese reißerische Idee gekommen ist. "Eine ausnahmsweise gutartig verlaufene Kesselexplosion", was soll das sein? Hier ist nichts explodiert und auch nichts zerknallt. Glück hat man gehabt, denn ein Kesselzerknall stand womöglich tatsächlich unmittelbar bevor.

Soll er sich doch zu diesem Artikel hier erklären. Er war nicht sein Meisterstück.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: Klaus Groß

Datum: 14.07.17 22:41

Hallo Achim,

ich möchte für verbale Deeskalation plädieren! In Jürgens Artikel ist doch sehr präzise beschrieben, was passiert ist. Die einzigen reißerischen Wörter sind die 5, die Du zitiert hast. Wäre nicht der Rest des Beitrages, könnte man die missverstehen, so, wie sie in dem Artikel stehen, kann man die allenfalls als Übertreibung ansehen; Bildzeitungsniveau sieht anders aus!

Gruß
Klaus

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 14.07.17 23:48

Vielen Dank, Frage beantwortet. Warum so aggressiv Dampfachim ? Jürgen U. Ebels Beitrag war doch sachlich. Nur seltsam, daß damals nicht davon berichtet wurde. Der EK steckte zwar noch in den Kinderschuhen, aber da wurde oft über Belanglosigkeiten berichtet. So ein "gefährliches Ereignis" blieb unerwähnt, ich bin durch Zufall darauf gestoßen und es gibt Leute die mehr wissen.

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: dampfachim

Datum: 14.07.17 23:59

Hallo Klaus,

auf dem Titelblatt steht Kesselzerknall, über dem Artikel in der oberen Randleiste steht ebenfalls Kesselzerknall. Der eigentliche Artikel ist zunächst relativ objektiv gehalten, spricht von einer Undichtigkeit, aber dann kommt eben auch dort der Begriff, zudem mit dem völlig unsinnigen Attribut "gutartig", was völligen Unsinn darstellt.
Alles zusammen ist für mich reißerisch und driftet dann eben in Richtung der Zeitung mit den großen Buchstaben. Solcherart Berichterstattung wird gemeinhin mit dem Niveau dieser Zeitung verglichen.

Ich kann durchaus verstehen, warum man das gemacht hat. Man wollte eine Geschichte erzählen, die auf den ersten Blick nicht so besonders spektakulär erscheint. Schwere Kesselschäden und ausgeglühte Feuerbüchsdecken hat es immer mal gegeben. Die Gefahr, dass daraus ein Kesselzerknall entstehen kann, ist real. Aber dem Leser sollte die Dramatik hier mit zweifelhaften Mitteln suggeriert werden. Ich weiß nicht, ob dafür Jürgen U. Ebel verantwortlich zeichnet. Ich weiß nicht, warum er in dem Artikel vom "gutartigen Kesselzerknall" erzählt. Offenbar hat der Redakteur diesen ihm zugespielten Ball dankbar aufgenommen und den in Fachkreisen gefürchteten Begriff entsprechend verwendet. Hätte er doch ein Fragezeichen verwendet, so dass der Artikel die Geschichte aufklären kann.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: dampfachim

Datum: 15.07.17 00:05

Hallo nochmal,

bin gar nicht aggressiv. Mich ärgert sowas einfach, zumal mir Jürgen U. Ebel als renommierter Autor bekannt war.

Das Ereignis war nicht so spektakulär, wie es im EisenbahnJournal dann dargestellt wurde. Hätten die Kollegen nicht so viel Glück gehabt, hätte der EK ganz sicher darüber berichtet. So wurde es unter Umständen nicht bekannt, oder es wurde dem Geschehen nicht die spätere Aufmerksamkeit zuteil, weil ausgeglühte Feuerbüchsdecken im Dampflokbetrieb durchaus immer mal vorkamen.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 15.07.17 00:18

Hallo Achim !
Ich wollte keine Diskussion über die richtige Definition lostreten, nur wissen, was vor 44 Jahren passiert oder fast passiert ist.

Re: Kesselzerknall 043 636

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 15.07.17 05:25

Hallo zusammen,

meiner Vermutung nach bestand das Glück der Lokmannschaft darin, dass die Lokomotive eine Ölfeuerung hatte. Da kann jederzeit der Ölbrenner abgestellt werden, was der Heizer sicherlich auch getan hat.
Wie wäre das wohl ausgegangen, wenn es eine kohlegefeuerte Lok gewesen wäre mit einem ordentlichem Feuer auf dem Rost ?? Feuer herausreisen dauert dann etwas länger.
Kleiner Hinweis: das alles geschah am 16.01.1970 und nicht 1973.

Viele Grüße aus Pampanga
Horst



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.07.17 05:30.

Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: Roststab

Datum: 15.07.17 11:10

...fällt es schwer, zurück zu rudern. Achim, es geht doch um das Wort "Zerknall". Dabei denkt jeder zunächst an eine schwere Explosion. Das ist auch durchaus richtig. Doch ziehen wir mal einen Vergleich: Schwarzpulver kann explodieren, mit verherenden Folgen. Es kann aber auch ganz harmlos abbrennen, ohne daß es ein Chaos gibt. Dann spricht man z.B. von Feuerwerk. Die Bedingungen sind da eben entscheident. Das gleiche trifft auch im Fall dieser Lokomotive zu. Der Kessel ist zerstört worden, daran gibt es nichts zu deuten, aber die Randbedingungen haben schlimmeres verhindert. Einzig der Umstand, daß die Feuerbüchsdecke nicht zerplatzt ist, sondern nur einzelne Stehbolzen aus ihren Verschweißungen gerissen wurden, haben für einen relativ "harmlosen" und zeitlich verzögerten Ablauf gesorgt.

Der Artikel ist was Überschrift und Beschreibung des Vorfalls betrifft, in keiner Weise billiger Bildzeitungsjournalismus. Es sind die richtigen Fachausdrücke gewählt und das ganze ist ohne Emotionen berichtet worden. Nur die persönliche Interpretation des Wortes "Zerknall" beeinflußt die Meinung. Fakt ist, die Feuerbüchsdecke des Kessels ist zerstört worden und Dampf konnte entweichen. Ob das spontan, sprich explosionsartig, oder zeitverzögert abläuft, ist irrelevant. Noch einfacher ausgedrückt, ob Zisch oder Bumm, das Ergebnis ist das gleiche und dafür gibt es nur ein Wort: "Kesselzerknall".

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 15.07.17 12:09

Abseits aller Diskussion über Definition und Ausdrucksweise zeigt die Reparatur der Maschine, wie wichtig die wenigen Ölkocher damals noch für den Betrieb waren. Mitten in der Ölkrise spendeten bekanntermaßen noch drei ihre Ölfeuerung an besser erhaltene Kohleloks.

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: chemnitz1965

Datum: 15.07.17 19:12

Hallo zusammen,

ich kann mich den Worten nur anschließen. Sicher irritiert die Wortwahl des "Zerknalls", weil man sich landläufig etwas anderes darunter vorstellt. Aber manchmal haben Fachausdrücke ihre eigene Definition.

In dem Artikel fällt mir auf, dass der Autor aus dem Bericht der Werkstoffprüfung des BZA Minden zitiert: dort heißt es "Hieraus ist abzuleiten, dass der Zerknall des Kessels auf Wassermangel zurückzuführen ist". Also sprechen selbst die Fachleute bei dem begutachteten Schadensbild von einem "Zerknall"! Also nix mit Bildzeitung...

Insofern auch von mir vielen Dank für das Einstellen des Hinweises und des entsprechenden Artikels! Ich finde solche Berichte sehr interessant und ich hätte mir die Zeitschrift damals gewiss gekauft, wenn ich dazu Gelegenheit gehabt hätte.

Beste Grüße aus Magdeburg

Stefan

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: dampfachim

Datum: 15.07.17 22:45

Liebe Leute,

das hat mit Zurückrudern nichts zu tun. Ein Kesselzerknall geht mit Nachverdampfung einher, so dass das Kesselmaterial zerrissen wird. Ich bleibe dabei und lasse mich auch nicht umstimmen. Hier lag kein Kesselzerknall, sondern eine starke Undichtigkeit vor.
Außerdem wurde der Kessel nicht zerstört, sondern konnte offenbar sogar ohne Abheben vom Rahmen repariert werden.

Mag sein, dass man es bei der Bundesbahn mit der Verwendung von Begriffen nicht so genau nahm. Ich lasse mich auf solche Formulierungen nicht ein. Hier lag kein Kesselzerknall vor.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 15.07.17 23:40

Liebe "Kampfhähne" !
Es lag mir fern mit der Frage nach einem zufällig entdeckten Ereignis vor 47 Jahren so einen "Knalleffekt" zu erzeugen.

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: dampfachim

Datum: 15.07.17 23:44

Hallo,

so geht es manchmal. Eine harmlose Frage löst eine unerwartete Reaktion aus. Das ist doch toll in einem Diskussionsforum.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 16.07.17 00:00

Ja, Achim,da muß ich Dir Recht geben.

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: Roststab

Datum: 16.07.17 00:37

dampfachim schrieb:

Ein Kesselzerknall geht mit Nachverdampfung einher, so dass das Kesselmaterial zerrissen wird. Ich bleibe dabei und lasse mich auch nicht umstimmen. Hier lag kein Kesselzerknall, sondern eine starke Undichtigkeit vor.
Außerdem wurde der Kessel nicht zerstört, sondern konnte offenbar sogar ohne Abheben vom Rahmen repariert werden.


Bleib sachlich Achim, was du wie vorstehend geschrieben hast ist Unfug.

In dem Artikel steht:

18 Deckenstehbolzen auf der rechten Lokseite aus der Verankerung gerissen (Tatsache), vermutlich infolge schlechter Schweißung im Ausbesserungswerk (Vermutung). Weil sie nichts mehr hielten, war es dort zu einer wannenförmigen Ausbeulung der Decke gekommen, und der Dampf konnte durch die entstandenen Stehbolzenlöcher schadlos abströmen (Tatsache). Wenn diese Schadensbeschreibung keinen zerstörten Kessel wiederspieget? Wie würdest du einen solchen Kessel bezeichnen, würdest du mit so einem Kessel noch fahren wollen? Ganz sicher nicht. Das Ding ist in dem geschilderten Zustand als Kessel unbrauchbar. Mit welchem Aufwand man das Ding wieder ans laufen kriegt ist nicht Gegenstand der Beschreibung. "Völlig zerstört, zerstört, mit großem Aufwand reparabel, reparabel, mit kleinem Aufwand reparabel", sagt doch nichts anderes als "der Kessel muß repariert werden, weil er kaputt ist!" Aber wenden wir uns dem ersten Teil deiner Aussage zu: Ein Kesselzerknall geht mit Nachverdampfung einher, so dass das Kesselmaterial zerrissen wird. Das ist genau so falsch, wie es richtig ist. Eine Nachverdampfung führt nicht zwangsläufig zu einem Riß in den Kesselwandungen, sondern nur dann, wenn das Material so sehr geschwächt wurde, daß es es reißen muß. Die Folgen sind sattsam bekannt.

Wie überall, wo Dampf entspannt wird, kommt es zu einer Nachverdampfung. Sie hat auch hier stattgefunden. Es wurden doch 18 Stehbolzen aus ihrer Verankerung gerissen. Was meinst du welche Kraft dafür nötig ist? Meinst du, daß der Dampfdruck von 16 bar die Schweißnähte reißen läßt? So naiv bist du doch nicht. Daß hier eine wesentlich größere Kraft in Frage kommt, wird auch dir einleuchten. Eine wannenförmige Ausbeulung kannst du ja mal selbst herstellen. Nimm einfach ein 14 mm dickes Eisenblech und verbiege es. Du darfst es ruhig mit einem Brenner vorher auf Rotglut bringen. Wobei die helle Rotglut bei ca 1000°C und somit über 250 ° über der tatsächlich ermittelten Temperatur der Feuerbüchsdecke liegen wird. Rechne und probiere aus, welche Kraft von Nöten ist, um so ein Eisenblech zu verbiegen. Der Nenndruck von 16 bar wird eine solche Verformung nicht vollbringen. Für beide Schadensbilder (ausgerissene Stehbolzen und verformtes Blech) ist ein viel höherer Druck erforderlich, du darfst raten, woher der gekommen sein mag.

Kommen wir zu deiner erwähnten Undichtigkeit. Was ein undichter Stehbolzen ist brauchst du mir und ich dir nicht erzählen, das wissen wir beide. Das Ding pißt, wie wir sagen. Wie stark muß die Undichtigkeit sein, damit das Führerhaus vollständig von Dampf eingehüllt ist? Ein komplett gebrochener Stehbolzen im Dampfraum des Kessels vermag unter der Kesselverkleidung nicht das Führerhaus mit Dampf zu füllen, weil das meiste kondensiert. Hier waren es aber 18 abgerissene Stehbolzen. Das als starke Undichtigkeit zu bezeichnen, erscheint mir sehr weltfremd zu sein.

Mag sein, dass man es bei der Bundesbahn mit der Verwendung von Begriffen nicht so genau nahm. Das ist ein so dummes Gerede, daß ich nicht näher darauf eingehe. Ich lasse mich auf solche Formulierungen nicht ein. Hier lag kein Kesselzerknall vor. Das wird dir auch keiner ausreden wollen, aber stures Festhalten an einer Meinung ist kein Beleg für die Richtigkeit derselben.

Aus meiner Sicht ist das Thema hiermit abgeschlossen. Weitere Erklärungen in dieser Sache werde ich mir kneifen.

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 16.07.17 00:52

Jürgen U. E. hörst Du mit ?

Re: Hat man sich erst festgelegt...

geschrieben von: dampfachim

Datum: 16.07.17 09:10

Hallo Heinz,

Nachverdampfung ist tatsächlich kein Beleg für einen Kesselzerknall. Nachverdampfung ist ein völlig normaler Vorgang, den man sich in Dampfspeicherloks sogar zunutze macht. Es fehlt hier aber der zerstörerische Schlusspunkt. Die zweifellos einsetzende Nachverdampfung und ganz sicher auch erfolgte Drucksteigerung hat eben das Material nicht zerreißen lassen, sondern nur - festgestelltermaßen mängelbehaftete - Schweißungen der Deckenstehbolzen abgerissen. So schlimm das ganze Ereignis auch war, so fehlt zum Kesselzerknall das Finale - zum Glück.

Was in der ganzen Betrachtung bisher völlig außer Acht gelassen wurde, würde mich einmal interessieren. War die Feuerung zum Zeitpunkt des Abreißens der Stehbolzen noch in Betrieb? Nun wissen wir natürlich, dass bei der Ölhauptfeuerung durch die Ausmauerung noch erhebliche Wärmespeicher vorhanden sind, die auch nicht zu vernachlässigen sind.
Das Lokpersonal hatte aber eine Störung am Wasserstandsanzeiger festgestellt. Ein Glas zeigte einen Wasserstand (zwar einen falschen, aber es war lt. Aussage des Personals Wasser zu sehen) und das andere Glas zeigte keinen. Der Lokführer schickte sich ja gerade an, das in Ordnung zu bringen. Hatte der Heizer die Feuerung darum schon abgestellt? Der Lokführer war sich ja immerhin einer Störung bewusst. Sonst hätte er den Regler ja nicht geschlossen, was beim normalen Wechsel eines Wasserstandsglases nach einem Glasplatzer ja nicht nötig wäre.

Ein betriebsuntauglich beschädigter Kessel ist kein Kriterium. Es gibt so viele Schäden, auch Undichtigkeiten, die ein sofortiges Außerbetriebsetzen des Kessels erfordern, so dass wir uns über den Umstand, dass ein Kessel danach zur Reparatur anstand, nun wirklich nicht an den Begriff Kesselzerknall klammern können.

Ja, die Kollegen der Bundesbahn waren auch nur Menschen. Das ist keine großartige Wertung. Das ist eine Tatsache. Ich habe schon viel Mist in amtlich ausgestellten Papieren einer Bahnverwaltung gelesen, so dass ich diese Aussage, dass man es möglicherweise nicht so genau nahm, keinesfalls relativieren werde. Mit der Dramatisierung kann man einem Vorgang ja auch hervorragend mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Das war in diesem Fall sogar ratsam, sollten doch die letzten Dampflokomotiven der DB nicht als fahrende Zeitbomben durch die Gegend fahren, weil das Personal nicht mehr genügend für das Thema Wassermangel sensibilisiert war.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Zustimmung für Achims Meinung

geschrieben von: Bergmensch

Datum: 16.07.17 11:49

Ich muß mal Dampfachim vollumfänglich zur Seite stehen. Es war einfach kein Kesselzerknall sondern ein Kesselschaden der zum Kesselzerknall hätte führen können.
Einen Kesselzerknall hätte das Personal vermutlich nicht überlebt. Das hat der Lokführer richtig erkannt und ist abgesprungen.
30 Jahre eigene Berufserfahrung als Dampflokführer kann ich dazu beitragen.

Gruß von ganz oben der Bergmensch.

Re: Zustimmung für Achims Meinung

geschrieben von: Jürgen-Ulrich Ebel

Datum: 18.07.17 11:37

Warum so verbissen...

Laß uns doch glücklich sein, daß die eingeschweißten Deckenbolzen in den Feuerbüchse der Reihe nach nachgegeben haben und es nicht zur berüchtigten schnellen Kettenreaktion gekommen ist. Die beiden Lokmännern, die sich im übrigen wirklich nicht mit Rum bekleckert haben, dürften anschließend noch ein flaues Gefühl mit sich herumgetragen haben. In den vorliegenden Papieren nicht erwähnt wurden die sicherlich erfolgten dienstlichen Maßnahmen, denn so gleichgültige - vielleicht sogar uninteressierte Kollegen stellten eine ständige Gefahr dar.
Sich an einem einzigen Wort festzubeißen und auch nach etlichen sachlich richtigen Hinweisen darauf zu beharren finde ich kleinlich. Zugegeben: Ich war jahrelang Zeitungsredakteur, und mir ist die Schlagzeile eines Artikels als wichtigster "Eye-catcher" schon im Volontariat beigebracht worden. Die benutzten Worte, die sowohl irritieren wie auch locken sollten, haben also ihren Zweck bestens erfüllt.
Jürgen-Ulrich Ebel

Re: Zustimmung für Achims Meinung

geschrieben von: dampfachim

Datum: 18.07.17 21:51

Hallo Jürgen-Ulrich Ebel,

okay, ich bin womöglich kleinlich. Das haben mir schon manche Mitmenschen bescheinigt. Ich finde es aber nicht schlimm, weil andere Menschen womöglich sogar noch etwas daraus lernen können. Auch bemühe ich mich, meine Bemerkungen nicht beleidigend anzubringen, so dass wohl keiner nachhaltig Schaden daraus zieht.

Ich bin sehr froh, dass die beiden Lokmänner für ihre nachlässige Dienstausübung nicht mit dem Leben bezahlen mussten und habe immer wieder betont, dass sie außerordentliches Glück gehabt haben, eben auch weil dieser Kessel diese Schwachstellen besaß. Es war gewiss nicht ihr Verdienst, dass sie körperlich verhältnismäßig glimpflich davongekommen sind. Es ist wohl sicher, dass die Bundesbahn dieses Verhalten entsprechend geahndet hat.
Was war bei der DB damals üblich? Abmahnungen? Schadensersatz? Sogar Kündigung?
Bei der DR wurden solche Kollegen dann oft unter finanziellen Verlusten in die Werkstatt versetzt, selbst bei folgenlosen Signalüberfahrten, also wenn nichts passiert war, nur eine sogenannte Zuggefährdung vorlag. Diese Versetzung war allerdings meist temporär und später konnte der Dienst auf dem Führerstand wieder aufgenommen werden, meist nach einer Prüfung durch den Instrukteur.

Deinen Zeilen entnehme ich weiterhin, was mir durchaus schon lange bewusst war. Eine schmissige Schlagzeile, auch wenn sie etwas übertrieben wird, verkauft eine Zeitung oder einen Artikel weit besser.
Eine Zeitung berichtet ja auch nicht, dass nichts passiert ist.
Ergo gibst Du zu, dass dies auch hier womöglich ein Motiv gewesen sein könnte.

Ich bin wieder einmal kleinlich. Ich möchte aber nicht weiterhin hingestellt werden, als wüsste ich nicht, was ein Kesselzerknall ist.


Viele Grüße

Dampfachim

Re: Zustimmung für Achims Meinung

geschrieben von: Kohleölheizer

Datum: 18.07.17 22:45

IMG-20170607-WA0005.jpg

Das ist ein Kesselzerknall, wenn auch nur ein "kleiner" !

Und warum ?
Weile ordentlich geknallt hat !



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.07.17 22:46.

Re: Zustimmung für Achims Meinung

geschrieben von: dampfachim

Datum: 18.07.17 23:13

Hallo,

kannst Du etwas zu Lok, Zeit und Umständen sagen?
Sieht ja irgendwie nach Materialermüdung aus, etwa wie seinerzeit bei den St 47K-Kesseln.

Viele Grüße

Dampfachim

Re: Zustimmung für Achims Meinung

geschrieben von: 01 1066

Datum: 19.07.17 12:37

[i
dampfachim schrieb:]
Eine schmissige Schlagzeile, auch wenn sie etwas übertrieben wird, verkauft eine Zeitung oder einen Artikel weit besser.
Eine Zeitung berichtet ja auch nicht, dass nichts passiert ist.
Ergo gibst Du zu, dass dies auch hier womöglich ein Motiv gewesen sein könnte.[/i]

Moin Achim,

siehst Du - im direkten Dialog kommt man sich näher.

Jürgens Nachsatz und Deine Anmerkung dazu erinnert mich im Übrigen an die Äußerung eines Redakteurs der Bild-Zeitung (nein, ich redete nicht mit ihm, er versuchte, mit mir zu reden), der en passant die Bemerkung fallen ließ: "Über positive Ereignisse berichten wir nicht - das gibt keine gute Schlagzeile!"

http://qopt.org/pasha/smiles/smiles1/bigok.gif

Alte Medien-Weisheit

geschrieben von: Peter

Datum: 19.07.17 20:22

Hallo!

01 1066 schrieb:
Jürgens Nachsatz und Deine Anmerkung dazu erinnert mich im Übrigen an die Äußerung eines Redakteurs der Bild-Zeitung (nein, ich redete nicht mit ihm, er versuchte, mit mir zu reden), der en passant die Bemerkung fallen ließ: "Über positive Ereignisse berichten wir nicht - das gibt keine gute Schlagzeile!"

Da gibt es eine alte Medien-Weisheit: "Only bad news are good news".
Verfasser unbekannt, evtl. John D. Rockefeller.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.