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 04 - Historische Bahn 

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siehe auch
(CH) Lugano - Ponte Tresa FLP: Vom braven ABe 4/4 zum exklusiven Post-Tw Ze 4/4 (22B) [www.drehscheibe-online.de]
(CH) Lugano - Ponte Tresa FLP 1992: Triebzüge von 1978/79 (17B) [www.drehscheibe-online.de]

Bis 1968 zeigte die Lugano - Ponte Tresa-Bahn FLP das Bild einer völlig veralteten, dem Untergang geweihten Lokalbahn, wie ihre Nachbarinnen, die von Lugano aus nach Tesserete oder Dino führten. Fünf vierachsige Triebwagen ABe 4/4 1-5 mit Baujahr 1912-1958 fuhren mit einem bunt zusammengewürfelten Park von zweiachsigen, in jeder Beziehung museal wirkenden Personenwagen über die schlecht unterhaltenen Gleise. Die Anschaffung von drei modernen sechsachsigen Gelenktriebwagen ABe 4/6 10-12 und von drei vierachsigen Personenwagen B 33-35 änderte das Bild schlagartig. Als einzige Luganeser Schmalspurbahn überlebte die FLP die bahnfeindliche Lokalpolitik jener Jahrzehnte.

Die sechs neuen Fahrzeuge bewältigten ab 1968 fast den gesamten Personenverkehr. Die drei Triebwagen von 1912 wurden abgebrochen oder noch gelegentlich für Dienstfahrten eingesetzt, alle zweiachsigen Personenwagen wurden verschrottet. Die ABe 4/4 4 und 5 von 1952/58 waren noch für einzelne Züge im Berufsverkehr sowie für den Postzug zuständig. Für die FLP-Passagiere besserte sich der Komfort auch deshalb, weil Gleise und Schotterbett gründlich erneuert wurden.

Zur grossen Überraschung der Bahnszene erlebte die Fahrzeuggeneration von 1968 nur gerade 10 Betriebsjahre! Schon 1977 bestellte die FLP bei SIG und BBC zur Ablösung zunächst drei, später nochmals zwei zweiteilige S-Bahn-Züge Be 4/8 nach Vorbild der Berner Vorortbahnen SZB und VBW. Eher widerwillig machte ich mich im Februar 1978 daran, die modernen und deshalb für mich damals noch gar nicht interessanten FLP-Züge zu fotografieren. Kurz vor meinem Besuch hat die FLP im Hinblick auf die neuen Züge die 1. Klasse abgeschafft. Die Fahrzeugbezeichnung ABe 4/6 ist jedoch noch nicht zu Be 4/6 abgeändert worden, auch die gelben Streifen über den Fenstern sind geblieben. Mit einer gut sichtbaren "2" sind die beim Gelenk platzierten Abteile der abgeschafften 1. Klasse jedoch eindeutig für Passagiere der 2. Klasse freigegeben.

ABe 4/6 12 fährt in den Bahnhof Lugano ein.
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Meine Hoffnung, dass für die Rückfahrt nach Ponte Tresa der bereitstehende Personenwagen angehängt wird, erfüllt sich leider nicht. ABe 4/6 12 fährt solo aus. Wenige Tage nach diesen Aufnahmen wird FLP ABe 4/6 12 auf einen Rollschemel verladen und nach Locarno transportiert, wo er für die Centovallibahn hergerichtet wird. Der aus Bern ausgeborgte S-Bahn-Zug SZB Be 4/8 53 vom Typ „Mandarinli“ übernimmt seinen Platz im FLP-Umlaufplan.
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ABe 4/6 11 in der Haltestelle Sorengo. Die Anregung, meinen Bahnbeschreibungen jeweils eine Lageskizze beizufügen, habe ich überdacht. Ich bin jedoch zum Schluss gekommen, dass sämtliche Strecken auf Google Earth/Maps sehr einfach zu finden sind. Die Senkrechtaufnahmen und die in der Schweiz zur Verfügung gestellten StreetView-Bilder geben interessierten HiFo-Lesern aus meiner Sicht bedeutend mehr Informationen zu Lage und Streckenführung, als einer ungelenken Skizze aus meiner Hand zu entnehmen wären. Die abgebildete Haltestelle heiss heute Sorengo Laghetto, auch auf dem GoogleEarth-Bild vom 20.6.2016 hält genau hier ein FLP-Zug:
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Die Suche nach Fotostandorten an der schon damals auf weiten Abschnitten beidseitig von Wohn- und Gewerbebauten verstellten Bahn gestaltete sich hindernisreich. Um die nächsten drei Bilder machen zu können, fuhr ich auf die Gotthardautobahn und stellte meinen R4 auf einem Rastplatz ab. Den Rastplatz verliess ich nicht ganz legal, um etwas Höhe zu gewinnen für die folgenden zwei Aufnahmen. Nachschuss auf ABe 4/6 11, der Richtung Ponte Tresa unterwegs ist, im Hintergrund die Häuser von Bioggio.
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Zehn Minuten später erscheint der Richtung Lugano fahrende ABe 4/6 10. Die Chrombuchstaben FL stehen für "Ferrovie Luganesi".
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ABe 4/6 10 überquert auf einer neuen Betonbrücke die Autobahn und den Fluss Vedeggio.
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An dieser Stelle befindet sich heute das Pistenende des Flugplatzes Lugano Agno. Der Bahndamm ist verbreitert worden. Er hat ein zweites Gleis aufgenommen, der zusätzliche Platz dient dem FLP-Baudienst als Stützpunkt.
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ABe 4/6 11 zwischen Bioggio und Agno.
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Nachschuss auf den Richtung Lugano davonfahrenden ABe 4/6 10 an der gleichen Stelle.
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ABe 4/6 11 kurz vor Ponte Tresa.
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Ende 1978 werden FLP Be 4/8 21-23 von SIG und BBC abgeliefert und sogleich in Betrieb genommen. Die Triebwagen 10 und 11 folgen ABe 4/4 12 zur Centovallibahn, der gemietete SZB Be 4/8 53 geht zurück nach Bern, und die drei Personenwagen B 33-35 von 1968 werden nach Zweisimmen zur MOB verfrachtet.

Vor dem Einsatz auf der italienischen Seite der internationalen Centovallibahn wurden die drei FLP-Triebwagen in der FART-Werkstätte in Locarno aufgearbeitet. Für die langen Steilrampen der Centovallibahn musste auch das mittlere Drehgestell motorisiert werden. Nach dieser Kur kamen die Gelenktriebwagen als SSIF ABe 6/6 33-35 wieder in Betrieb. ABe 6/6 33 in Domodossola Vigezzina.
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In einem zweiten Umbauschritt hat die SSIF die 1. Klasse von ihrer unattraktiven Lage beim Gelenk an das Fahrzeugende Seite Domodossola verlegt. SSIF ABe 6/6 34 ex FLP ABe 4/6 11 (umgebaut) vor ABe 6/6 33 ex FLP ABe 4/6 10 (nicht umgebaut) in Domodossola Vigezzina.
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Die drei Personenwagen FLP B 33-35 gelangten wie erwähnt zur MOB, wo sie aber nicht in Betrieb genommen wurden. FLP B 33 und B 34, abgestellt in Zweisimmen, März 1979.
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Eine neue Heimat fanden sie schliesslich in der Ostschweiz, wo sie 1983 als B 236-238 der Appenzeller Bahn ein zweites Mal in Betrieb genommen wurden. Wegen der für AB-Triebwagen unpassenden +GF+-Kupplung wurden sie lange Zeit als Paket hinter einem SGA-Triebwagen für Extrazüge und Gesellschaftsfahrten eingesetzt, wie hier in Urnäsch.
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Schluss folgt.

Gruss, Werner

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4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:09:13:23:26:23.
Diese drei (Gelenk-)Kisten fahren heute noch täglich bei der SSIF.

VG von Alex

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