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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Moin,

zunächst der Hinweis auf die zurückliegenden Beiträge der Serie:

[G.O.E.] Zu Großherzogs Zeiten: Bramsche (6 Bilder)
[G.O.E.] Zu Großherzogs Zeiten: Jever (8 Bilder)
[G.O.E.] Zu Großherzogs Zeiten: Delmenhorst (10 Bilder)
[G.O.E.] Zu Großherzogs Zeiten: Berne (7 Bilder)


Der heutige Ausflug ins Großherzogtum führt uns zurück ins Jeverland, genauer nach Carolinensiel.

Nach der Eröffnung der Bahnlinie Sande – Jever und weiter Richtung Wittmund im Jahre 1871 führte dazu, dass die jeverländischen Ortschaften im äußersten Nordwestens des Großherzogtums ebenfalls einen Anschluss forderten. Auch die Seebäder Wangerooge und Spiekeroog sollten bequemer erreichbar sein.

Dies hatte Eisenbahn-Direktor Ramsauer 1886 noch sehr ausführlich beschrieben. Im Jahre 1888 wurde dann ein Vertrag zwischen dem Bankhaus Erlanger & Söhne aus Frankfurt und der G.O.E. geschlossen, um diese Bahn auf Kosten des Bankhauses zu bauen. Für diese Bahn wurde die Jever – Carolinensieler Eisenbahn A.G. gegründet. Der Betrieb sollte durch die G.O.E im Auftrag der Gesellschaft geleistet werden.

Bereits am 01. September 1888 konnte auf der Verbindung von Jever nach Carolinensiel der Verkehr aufgenommen werden. Die Strecke endete damals nicht im bereits preußischen Carolinensiel, sondern vor dem Ort auf oldenburgischem Gebiet. Von hier mussten Reisende nach Wangerooge mit der Kutsche noch weiter an die Friedrichsschleuse, wo seinerzeit die Schiffe zur Insel anlegten. Am 01. Juli 1890 wurde dann die Verlängerung nach Harle zum neuen Anleger der Schiffe nach Wangerooge in Betrieb genommen.

Da die Bahnlinie nie die erhofften Gewinne einbringen konnte, wurde sie 1897 von der G.O.E. übernommen und die Aktiengesellschaft aufgelöst. Mit dieser Übernahme ging auch das Schiff „NORDFRIESLAND“ an die G.O.E. über, die damit auch Reeder wurde.

Das alte Bahnhofsgebäude, welches noch heute existiert, wurde 1909 durch einen Neubau etwas weiter südlich ersetzt. Auch dieses Gebäude existiert noch heute.

Soweit ein kurzer Abriss der frühen Geschichte, der weitere Verlauf der Tidebahn und das Ende wurde hier im Forum schon einige Male thematisiert.



Bild 1: Karte zur Lage von Carolinensiel im Streckennetz der G.O.E.:

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_karte.jpg

Die Karte ist erschienen in: "Die Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen. Ein Rückblick auf die ersten 50 Jahre ihres Bestehens 1867-1917" Festschrift, herausgegeben durch die Verwaltung der GOE, Oldenburg 1917.


Bild 2: Die 1901 gelaufene Ansichtskarte zeigt den alten Bahnhof von der Gleisseite.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0002.jpg


Bild 3: Bereits 1899 ist diese Karte mit einer Teilaufnahme gelaufen.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0003.jpg


Bild 4 einige Jahre später, 1904, zeigt eine Karte den linken Teil mit dem hölzernen Vorbau, in dem die Reisenden warten konnten.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0004.jpg


Bild 5: Undatiert, aber aus der Zeit um die Jahrhundertwende, vor dem Bahnhof warten einige Kutschen, um die Reisenden in die Hotels von Carolinensiel oder zum Schiff nach Wangerooge zu bringen.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0005.jpg


Bild 6: Nach 1909 aufgenommen ist diese Sicht des neuen Bahnhofs con Carolinensiel.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0006.jpg


Bild 7: Den Bahnhof sowie einen Blick in die Bahnhofswirtschaft und die Warteräume gewährt diese 1913 gestempelte Karte.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0007.jpg


Bild 8: Vor dem Bahnhof warten wiederum Kutschen der örtlichen Hotels auf die Reisenden.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0008.jpg


Bild 9: Die oldenburgische T 3 Nr. 135 „AMSEL“ im Bahnhof Carolinensiel

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0009.jpg

Ich habe dieses Bild bereits einmal >>hier<< gezeigt. Die Lokomotive wurde im Jahre 1900 bei Hanomag unter der Fabriknummer 3418 gebaut. Bei der Reichsbahn erhielt sie dann die Nummer 98 207, bevor sie dann ihre restliche Zeit bei der Zuckerfabrik Oestrum verbrachte.


Bild 10: Eine Ansicht des Bahnhofs aus den frühen 1930er Jahren, bis auf die Werbeschilder hat sich nicht viel verändert.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0010.jpg


Bild 11: Das Dampfschiff „NORDFRIESLAND“, das von der G.O.E. übernommen wurde. Die 1900 gelaufene Ansichtskarte zeigt das Schiff am Anleger in Harle.

http://www.laenderbahn.info/hifo/zugrossherzogszeiten/carolinensiel/carolinensiel_0011.jpg


Die bereits oben angesprochene Schrift von dem Direktor der G.O.E., Peter Ramsauer, kann von meiner Webseite heruntergeladen werden:
1886 - Das Projekt einer Eisenbahn von Jever nach Carolinensiel


Dies Bilder aus meiner Sammlung zum Bahnhof Carolinensiel. Ich hoffe sie gefallen euch.
Wie immer sind Ergänzungen in Wort und Bild gerne gesehen.

Viele Grüße aus Oldenburg
Oliver

Während das Eisenbahnnetz über ganz Deutschland von Jahr zu Jahr sich vervollständigt, und alle Nachbarländer der Segnungen einer ausgedehnten Eisenbahnverbindung immer mehr theilhaftig werden, entbehrt bis jetzt unser Land dieses gewaltigen Hebels aller Industrie und des Handels.
Aus: Denkschrift über die Anlage einer Eisenbahn zwischen Bremen, Oldenburg und Brake (1862)

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Mich fasziniert besonders Bild 11, wo sich die Eisenbahn ohne größere Uferbefestigung bis direkt ans Wasser wagt. Wie oft diese Gleise nach Hochwasser wohl neu verlegt werden mussten? Und ob diese Art "Prellbock" wohl heute noch genehmigungsfähig wäre?

Danke und Gruß
Jörn.

Gleisplan Carolinensiel von 1907

geschrieben von: westbahn

Datum: 13.05.17 21:00

Zeitlich zu den Bildern passend kann ich noch einen Gleisplan von 1907 beisteuern, der einen geplanten massiven Ausbau der Anlagen illustriert. Hier verdeutlicht auch der Eintrag "Königreich Preußen" (unterhalb des Nordpfeils) die grenznahe Lage des Bahnhofs.

Carolinensiel1907.jpg

(Die nicht so ganz optimale Darstellung bitte ich zu entschuldigen: Das Ding passt nicht ansatzweise auf meinen ohnehin mäßigen DIN-A4-Scanner und so habe ich mehrere Fotos angefertigt und von meinem Rechner zusammensetzen lassen.)

Thomas

"Die ostfriesische Landschaft wird gekennzeichnet durch die Herrschaft der horizontalen Linie." (Reichsbahnrat Schenkelberg, 1926)
westbahn.de - Die Eisenbahn in Ostfriesland (und umzu)




4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:05:13:21:30:04.

Re: Gleisplan Carolinensiel von 1907

geschrieben von: oliverw

Datum: 13.05.17 22:21

Hallo Thomas,

vielen Dank für den Gleisplan!

Die Problematik mit dem Scanner kenne ich nur zu gut, auch ein A3-Scanner, den ich in der Firma im Zugriff habe reicht für solche Pläne oftmals nicht aus.

Viele Grüße aus Oldenburg
Oliver

Während das Eisenbahnnetz über ganz Deutschland von Jahr zu Jahr sich vervollständigt, und alle Nachbarländer der Segnungen einer ausgedehnten Eisenbahnverbindung immer mehr theilhaftig werden, entbehrt bis jetzt unser Land dieses gewaltigen Hebels aller Industrie und des Handels.
Aus: Denkschrift über die Anlage einer Eisenbahn zwischen Bremen, Oldenburg und Brake (1862)

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Top! Besten Dank ;-)))

Besonders den Blick in die Bahnhofswirtschaft finde ich interessant...
Aber natürlich auch alles andere...


Gruß...Wolfgang