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 04 - Historische Bahn 

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nochmals zum Leninwagen

geschrieben von: naumdiet60

Datum: 19.04.17 19:09

Hallo im Forum,
da ich mich für einen heimatgeschichtlichen Beitrag in den Jasmunder Heimatheften mit der Rückreise Lenins aus dem Schweizer Exil nach Russland über Sassnitz befasse, bin ich auch auf das Forum gestoßen. Hier gab es vor längerer Zeit Beiträge zum sogenannten Leninwagen in Sassnitz.
Als Eisenbahn-Laie habe ich in diesem Zusammenhang folgende Fragen:
1. Wo wurde der genannte Wagen hergestellt? Es gibt in der Literatur zwei Alternativen: 1912 in Görlitz in der Aktiengesellschaft für Eisenbahnmaterial oder 1916 in Breslau in den Linke-Hoffmann-Werken
2. Der Wagon hatte einige Zeit ein Gattungskennzeichen der französischen Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen C8yfi AL 11 182. Einen Teil davon verstehe ich (C = 3. Klasse, 8 = achtachsig, AL = Chemins de fer en Alsace-Lorraine), aber was bedeuteten die Buchstaben yfi?
3. Im Forum war die Rede davon, dass bei der Aufarbeitung des ehemaligen Sassnitzer Museumswagen eventuell Daten auf Anweisung oder gegen die Anweisung des Verkehrsmuseums Nürnberg veränderten wurden. Hat einer der Teilnehmer genauere Informationen?
Ich wäre sehr an Hinweisen zu diesen Fragen interessiert. Vielen Dank schon jetzt.

Re: nochmals zum Leninwagen

geschrieben von: andreas +

Datum: 19.04.17 20:19

da gibt es etwas: [www.drehscheibe-online.de]

und da: [www.dbmuseum.de]



Zitat:
Und was wurde aus Lenins Waggon? Ein Duplikat schaffte es am 26. Oktober 1977 auf die erste Seite des „Neuen Deutschland“. Das Zentralorgan der SED titelte an diesem Tag: „Neue Lenin-Gedenkstätte in Saßnitz eröffnet“. Kernstück der Gedenkstätte war ein alter Reisewagen aus der Kaiserzeit. Bis zur Wende, 13 Jahre lang, konnten Schulklassen und Arbeitskollektive die geheime Fahrt des Revolutionsführers in diesem alten Waggon nacherleben. Der originale Wagen existierte zwar nicht mehr, doch bei der DDR-Reichsbahn hatte man einen Waggon gleicher Bauart gefunden.
Während der Wende wurde der Wagen dankend an die Reichsbahn zurückgegeben. Man hatte keine Verwendung mehr. Die Deutsche Bahn brachte das historische Stück ins Museum nach Nürnberg. Dort firmierte er weiter als „Leninwagen“. Heute steht der Reisewagen im Kaiserbahnhof Potsdam. Er wurde im Inneren komplett umgebaut und dient kapitalistischen Führungskräften der Deutschen Bahn für Konferenzen.
(aus: [www.nnn.de])
Hallo "naumdiet60",

im Gattungszeichen des Reseau AL ist nicht die Achsenzahl, sondern die Sitzplatz bzw. Abteil-
Anordnung verschlüsselt das "C" steht für die 3.Wagenklasse, die "8" für die 8 Abteile, die der
Wagen besitzt / besaß und mit drei Buchstaben "yfi" wird m.W. etwas über die Gesamtanordnung
ausgesagt. Das weiß ich dann leider nicht genauer.

Meine Vermutung: y (oder i) könnte für die geschützten Übergänge stehen, f (= fermés) für die
geschlossenen Abteile, i (oder y) für den inneren Seitengang (= intercommunication).

Die in dem angegebenen Link zur Seite des DB-Museums wiedergegebene Wagenzeichnung zeigt
leider nicht den "CCü" nach Musterblatt Ia.6 (diesen gab es vier- und sechsachsig), der mit acht
Vollabteilen 3.Klasse und einem separaten kleinen Gepäckraum neben dem einen Abort (=> 2 kleine
Fenster an einem Wagenende auf der Abteilseite) ausgestattet war, sondern den "CCü" nach
Musterblatt Ia.6a (gab's ebenfalls 4- und 6-achsig) mit 8 Voll- und einem Halbabteil 3.Klasse (unter
Verzicht auf den kleinen Gepäckraunm), DRG-Gattungszeichen wohl C4ü Pr08 bzw. C6ü Pr08.

Soweit meine leider nicht in allen Punkten vollständigen Angaben.

Gruß und viel Erfolg bei der Ausarbeitung des Beitrags
Preußen-Klaus

Re: nochmals zum Leninwagen

geschrieben von: naumdiet60

Datum: 20.04.17 10:24

Sorry, ich bin neu im Forum, habe deshalb nicht direkt auf Deine/Ihre Hinweise geantwortet, sondern heute, am 20.04.2017, 09:38:40 Uhr in einer "Sammelantwort". Trotzdem auf diesem Weg nochmals Dank für die schnelle Raktion auf meine Anfrage.
naumdiet60

Noch ein kleiner Hinweis:

Ein "Reseau Alsace-Lorraine" gab es 1916 sicher nicht. Zu diesem Zeitpunkt bis 1918/1919 hieß diese Bahnverwaltung "Reichseisenbahnen Elsass-Lothringen". Wie diese Verwaltung abgekürzt wurde (EL? REL?) entzieht sich meiner Kenntnis.

Gruß aus Wien/Berlin

"Es dünkt mich sehr anständig, wenn die Häuser der Großen den Fremden offenstehen; und es gereicht selbst dem Staate zur Ehre, wenn Ausländer in der Hauptstadt desselben wohl aufgenommen werden".

(Marcus Tullius Cicero: "De officiis" - "Vom pflichtgemäßen Handeln", auch: "Von den Pflichten")
Das stimmt natürlich, aber nach 1919 war die Bahn wieder französisch.
Beste Grüße aus Berlin, Dieter alias naumdiet60

Bonjour,

die Eisenbahnverwaltungen in Elsass-Lothringen waren:

a) von 1854 bis 1871 «Compagnie des chemins de fer de l'Est» (Abk. Est),
b) von 1871 bis 1918 «Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen» (Abk. EL) während der ersten deutschen Besetzung,
c) von 1919 bis 1938 «Administration des chemins de fer d'Alsace et de Lorraine» (Abk. AL),
d) von 1938 bis 1940 «Société nationale des chemins de fer français» (Abk. SNCF)
d) von 1940 bis 1944 «Deutsche Reichsbahn» (Abk. DRB) de 1940 à 1944 während der zweiten deutschen Besetzung
e) ab 1944 «Société nationale des chemins de fer français» (Abk. SNCF)

Quelle: [fr.wikipedia.org]

Viele Grüsse,
Hubert.

http://666kb.com/i/d3suyhxde7atexkr4.jpg 07/01/2015 JE SUIS CHARLIE - 13/11/2015 NOUS SOMMES PARIS - 14/07/2016 NOUS SOMMES NICE

Re: Verwaltungen der Eisenbahnen in Elsass-Lothringen

geschrieben von: naumdiet60

Datum: 01.05.17 10:54

Hallo Hubert,
vielen Dank für die Informationen.
naumdiet60 alias Dieter

Hallo Hubert,

mir kam beim Lesen Deiner Aussagen wie:

"b) von 1871 bis 1918 «Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen» (Abk. EL) während der ersten deutschen Besetzung,"

einmal wieder der Spruch in den Sinn: Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?

Im Falle von Elsaß-Lothringen ist das eigentlich geschichtlich zweifelsfrei geklärt: nicht die Franzosen ...

Außerdem handelte es sich beim Zeitraum von 1871 bis 1919 um keine "Besetzung", auch wenn einige Franzosen das gern so sehen mögen, sondern um eine Rückgliederung dieser Gebiete unter deutsche Hoheit.

Um die Franzosen zu demütigen, verzichtete die deutsche Reichsregierung bekanntlich 1940 auf diesen Schritt, so dass für die Zeit von 1940 bis 1945 von mir aus gern von "Besetzung" gesprochen werden kann ...

Wer hingegen den Status zwischen 1871 bis 1919 mit "Besetzung" gleichsetzt, sollte dringend sein Geschichtsbild korrigieren, denn dann wäre Breslau heute auch nur unter polnischer Besetzung ...
Nichtsdestotrotz sind mir die Verhältnisse = Probleme in E.-L. bis 1918 aus meiner Studienzeit durchaus bekannt! Unbestritten ist auch Richard Hartmanns Treue zum französischen Staat, wie seine Briefe aus Chemnitz in die Heimat beweisen (die aber eben in Deutsch und nicht in Französisch geschrieben sind)!

Aber zurück zur Eisenbahn: Ich freue mich, dass jemand weiter oben französische Begriffe für die Zeit zwischen 1871 und 1918 als nicht zu treffend korrigiert hat.

Es ist die alte Leier:
So wie Imanuel Kant kein Russe war, so ist Edvard Benesch kein Bürger von Tschechien gewesen und so ist Dampflok 91 134 keine französische Dampflok, nur weil sie im Elass gebaut worden ist.

Ein bisschen unseren Kopf anstrengen, was es im Laufe der Geschichte so alles früher gegeben hat, sollten wir schon. Sich mit Loknummern auskennen ist das eine, aber die Entstehungs- und Einsatzzeit eines Fahrzeuges sollte man bitte auch in den korrekten geschichtlichen Kontext einordnen.

Legt mit herzlichen Grüßen ans Herz

André