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 04 - Historische Bahn 

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Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: Hannes Ortlieb

Datum: 19.03.17 16:28

Hallo zusammen,

als kleines Sonntagsrätsel, zu dem ich selbst keine Lösung bieten kann, möchte ich mal folgende Aufnahme hier einstellen. Sie hängt bei uns zuhause schon seit Jahren an der Wand ohne dass Details dazu bekannt wären außer dass auf der Rückseite mein Uropa als Empfänger der Aufnahme per Nachnahme vermerkt ist. Geboren wurde er ca. 1890 und lebte in Anhausen bei Markdorf unten am Bodensee. Da er Metzger war rührt die Blutspur auf dem Bild vielleicht daher, dass die Aufnahme (aufgebracht auf einem Karton) mal ungeschützt irgendwo rumlag (oder ungerahmt oder ohne schützende Glasscheibe an der Wand hing) außer das hätte doch noch einen kriegsseitigen Hintergrund, was ich auch nicht ganz ausschließen mag.

https://lh3.googleusercontent.com/i0vWw_Ua3TWdH0MUtmDlz8H5sffZkYL0M_qYU7mB-1z8t5jT7O9kXsY7jNdWL_iEz16DyLxX6bA0RKUA_TbTPHYJQbxAgh4CmPZnLPSZV4fzRN2hl8RGIuQdXkGfOr-tWrzPRtU=w1280-h942-no

Ansonsten vermuten wir hier hausintern einen Zusammenhang mit dem ersten Weltkrieg anhand der zahlreichen Uniformierten. Sonst wäre jetzt eben die Frage, wann (in etwa) und wo die Aufnahme entstanden sein könnte und warum sich da versammelt wurde.

Grüße, Hannes

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: OttoBahn

Datum: 19.03.17 17:36

Sieht unordentlich aus wie nach dem Krieg, alles schart sich um einen Redner. Viele der "Kundgebungsteilnehmer" tragen vorn auf ihren Uniformjacken groß die Aufschrift "PG" frz. für Prisonier de Guerre, als Kennzeichen für Kriegsgefangene. Übrigens sehe ich auch keine militärischen Rangabzeichen. Wegen des im Hintergrund parkenden Zuges aus badischen Schnellzugwagen und der eher deutsch wirkenden Bebauung, aber des fehlenden Publikums, schätze ich das es sich um entlassene deutsche Kriegsgefangene, die von einem deutschen Zug abgeholt werden sollen, irgendwo im ehemaligen deutschen Reichsgebiet das nach dem Waffenstillstand abgetreten wurde.

Und was ist es?

Beste Grüße

Otto Bahn

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: Hannes Ortlieb

Datum: 19.03.17 18:45

Danke für den Hinweis mit den Kriegsgefangenen. Von einer Kriegsgefangenschaft meines Uropas ist an sich nichts bekannt, aber das muss ja nix heißen.

Eine Lösung kann ich selbst wie schon im ersten Satz gesagt nicht bieten.

Grüße, Hannes

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: Nietenreko

Datum: 19.03.17 20:18

Kriegsgefangene würde ich da bis auf einen nicht sehen, aber es könnte sich um eine Bekanntmachung durch einen Offizier am Tage des Waffenstillstandes 11.11.1918 oder kurz danach handeln. Viele Einheiten standen zu der Zeit auch noch in Frankreich und mußten ins Reich zurückgeführt werden.

Hinweis: Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten.

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: OttoBahn

Datum: 19.03.17 23:03

Ich habe mir erlaubt auf dem Foto die PGs die ich gefunden habe gelb zu markieren, wenn das den Bildbesitzer stört lösche ich das natürlich wieder!
http://fs5.directupload.net/images/170319/o253nt9n.jpg

Ich sehe da eine Menge PGs und da die Markierung auf der Brust angebracht ist, denke ich das eine große Anzahl der Zuhörer entsprechend verziert ist. Wenn es sich also um deutsche Kriegsgefangene der Entente gehandelt haben sollte, finde ich es etwas absurd davon auszugehen, das die am Tag des Waffenstillstands freigelassen wurden. Wenn ich mich recht entsinne wurden die in Frankreich und Belgien festgesetzten Soldaten auch noch einige Jahre nach 1918 zu Wiederaufbauarbeiten, wie Munitionsräumung, Wegebau etc. herangezogen. Deshalb vermute ich eben das die Aufnahme erst nach dem unterzeichnen des Versailler Vertrages entstanden ist und im westlichen Bereich, sprich, evtl. Elsaß-Lothringen, allein wegen der badischen Waggons, die für mich dafür ein Indiz sind.
Gegen eine Aufnahme aus dem deutschen Hoheitsgebiet spricht für mich, das es eine eher schlichte Veranstaltung ist, vielleicht auf einem Güterbahnhof, jedenfalls sieht man keine Bahnsteige an denen der Zug hält. Ich habe mal, ich meine auch ein Link aus diesem Forum, Filmaufnahmen von heimkehrenden Kriegsgefangenen (in Gießen???) gesehen und da wurde alles aufgeboten, von Militärmusik und jubelnden Menschen, das ist eben hier nicht.

Ich bin gespannt, was rauskommt

Otto Bahn

nur link zum Thema Kriegsgefangenschaft im 1. Weltkrieg

geschrieben von: OttoBahn

Datum: 20.03.17 00:04

Falls es ich um Kriegsgefangene handeln sollte ein Link zum Thema: [www.chefduzen.de]

Otto Bahn

Re: nur link zum Thema Kriegsgefangenschaft im 1. Weltkrieg

geschrieben von: OttoBahn

Datum: 20.03.17 08:22

Guten Morgen,

schön das ich alleine spiele... süddeutsche Eisenbahnwagen sind nicht so meine Stärke, aber ich komme immer mehr zu dem Schluss das es sich bei den Wagen vielleicht auch um württembergische Schnellzugwagen handeln könnte. Vielleicht findet sich ja ein Experte der das besser erkennt.

Otto Bahn

Re: nur link zum Thema Kriegsgefangenschaft im 1. Weltkrieg

geschrieben von: xv_htv

Datum: 20.03.17 20:39

Mit Komma getrennte arabische Klassenziffern kenne ich nur von wuertt. Wagen (z.B. im Buch von E.Konrad).
Im Buch von Freese ueber badische Wagen hab ich keine entsprechenden Fotos gesehen.

VG Nils

Re: nur link zum Thema Kriegsgefangenschaft im 1. Weltkrieg

geschrieben von: cdb

Datum: 21.03.17 02:40

Hallo!
Ich neige auch dazu, dass es sich um eine Situation nach dem Krieg handelt, weil:
- keine Waffen zu sehen sind und keine "feldmarschmäßige" Ausrüstungsgegenstände
- es fällt auf, dass im Vordergrund und seitlich und hinten am Rande auch Zivilisten zu sehen sind
- beim bereitstehenden Zug nur Zivilisten und nach der Kleidung "besser gestellte" zu sehen sind
- die Stimmung scheint gedrückt zu sein (Personen ums Rednerpult schauen auf den Boden)
Ich meine, die deutschen Truppen haben sich mit Bewaffnung zurückgezogen. Deshalb glaube ich, hier werden Menschen zwangsweise abtransportiert. Vielleicht Räumung von Elsass-Lothringen durch alle "Reichsdeutsche"? Nach Soldatenräten etc. sieht es jedenfalls nicht aus, die Stimmung scheint nicht revolutionär.
Vielleicht habe ich Anregungen geben können für Spezialisten, die es besser wissen.
Carsten Dietrich Brink
82131 Gauting

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: Rauschpfeiff

Datum: 21.03.17 17:31

Bist du sicher, daß es sich dabei um einen Blutfleck handelt und nicht vielleicht um einen absichtlich aufgemalten Pfeil, der auf die Person mit dem erhobenen Kopf am rechten Ende des "Flecks" zeigt?

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: Hannes Ortlieb

Datum: 21.03.17 19:19

100 % nicht, vielleicht ist es tatsächlich auch rote Tinte. Die weiteren Flecken haben mich neulich zuerst an Blut denken lassen, auch wegen der deutlich roten Färbung auf dem Karton. Die Intensität des Endes des Strichs auf dem Waggon spricht natürlich eher für einen aufgesetzten Füller:

https://lh3.googleusercontent.com/v-1PqHTZOIR5rP7QO9L53_rfybRUFQC_uM3bkQNqy5ROc2TgIAH00UITBa2bv_60HTo0_ZOzXPFIAKTJN7TCGTUs4t7DwahYqvKIyR3VS6PSjtZAHn9HuzmIK64zWMh3NDREZBI=w1200-h948-no

Danke für die weiteren Hinweise. Schade, dass noch niemand eine Idee zum Bahnhof hatte. Mein Vater kam nach Einstellung hier ins Forum noch auf die Idee, dass ihm das doch etwas bekannt vorkäme vom Weg in den Urlaub, vllt. Selestat oder Colmar, aber nach 100 Jahren ist das natürlich vage. Wobei das Gebäude links im Hintergrund ja schon relativ markant ist und daher heutzutage sicherlich noch zu identifizieren wäre, wohingegen die Schuppen davor kaum mehr existieren dürften.

Grüße, Hannes

Re: Details zu historischem Bild gesucht [m1B ca. 1. Weltkrieg]

geschrieben von: vagabundulus

Datum: 21.03.17 21:25

Versuche es doch mal in einem französischen Forum, z.B. hier: [www.forum-train.fr]

Herbst 1918

geschrieben von: TransLog

Datum: 21.03.17 22:51

Hallo,

wer sind die Herren mit den weißen Mützen? Burschenschaftler? Ich sehe ehemalige Kriegsgefangene, also Entlassene,
weil keine Bewachung besteht. Verabschiedet der Offizier auf dem Rednerpult die Menge aus der Armée in die Heimat?
Das Zeichen "PG" zeigt, dass die Leute aus frz. Gefangenschaft kommen, damit läge der Bf. eher im Osten Frankreichs.
Damit liegen wir, das Wetter einbeziehend, irgendwann im Herbst 1918.

Gruß, Ulrich

Re: Herbst 1918

geschrieben von: OttoBahn

Datum: 22.03.17 00:10

Hallo Ulrich,

ich kann mich mit Herbst 1918 nicht so recht anfreunden, aus oben genannten Gründen. Wenn man das Bild, wie ich in Gimp, vergrößert aufruft, erkennt man das die Weißkappenträger eher so eine Art Schonbezug über ihren Schirmmützen tragen. Am linken Jackenrevers ist eine Art Flaggensymbol, nur das taucht bei sehr vielen anderen ohne Weißkappe auch auf. An Burschenschafter denke ich bei denen weniger, eher an Marine oder Flieger. Im unteren Bereich ziemlich in der Mitte steht einer mit einer Tanne in der Hand, vorweihnachtlich (?), aber ich behaupte immer noch eher 1919. Viele tragen auch Holzkisten, wohl als Rucksackersatz auf dem Buckel, war das typisch im 1. Wk oder Notbehelf?
Das da Schnellzugwagen bereitstehen, wenn sie denn zu deren Transport dastehen, finde ich auch bedenkenswert, immerhin waren die erstens rar und zweitens fand der Transport der gemeinen Truppe doch eher im geschlossenen Güterwagen oder mit einfachem Wagenmaterial statt.
Rechts, hinter Packwagen und AB4ü, ein Doppelschuppen, dahinter im Dunst die Silhouetten zweier Dachreihen mit Oberlichtaufbau (die Vordere erinnert an eine Güterschuppenanlage). Der Doppeltelegrafenmast davor wirkt auf mich sehr preußisch.

Beste Grüße

Otto Bahn



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.17 08:14.

Re: nur link zum Thema Kriegsgefangenschaft im 1. Weltkrieg

geschrieben von: OttoBahn

Datum: 22.03.17 08:38

Gefangenenentlassungen nach dem 1. Wk - Um es einfacher zu machen, zitiere ich mal den entsprechenden Absatz aus dem Link:
"Die französische Regierung wertete den wirtschaftlichen Beitrag der deutschen Kriegsgefangen so hoch, daß Marschall Foch nach Abschluß des Waffenstillstandes darauf bestand, die rund 350 000 Deutschen möglichst lange nicht zu repatriieren, sondern sie zum Wiederaufbau der zerstörten nordfranzösischen Landstriche einzusetzen, wo sie - unter Anfeindungen der Zivilbevölkerung - Trümmer beseitigten und Gebäude errichteten. Erst nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 erfolgte die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich; Großbritannien und die Vereinigten Staaten hatten ihre Gefangenen schon im Herbst 1919 entlassen. Noch länger zog sich aufgrund äußerer Umstände die Repatriierung der letzten Kontingente russischer Gefangener nach Sowjetrußland sowie der letzten deutschen und österreichischen Gefangenen aus Rußland in die Heimat hin. Erst im Juli 1922 waren diese mit Hilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz durchgeführten Aktionen abgeschlossen."

Daraus ergibt sich die Entlassung der kriegsgefangenen Deutschen in zeitlicher Reihenfolge:
Herbst 1919 aus GB und US
nach Januar 1920 aus Frankreich
noch später aus Rußland

Übrigens, noch eine Idee zur Teilnahme des Urgroßvaters an dieser Veranstaltung, vielleicht war er ja auch beteiligt an der Rückführung der PGs, sei es als württembergisches Kameradschaftsmitglied, Beobachter, freiwilliger Helfer (Rotes Kreuz etc.). Genügend "Zugbegleiter" stehen da ja auch noch rum. U. A. erkennt man zumindest zwei Rot Kreuz Schwestern.

Beste Grüße

Otto Bahn

Re: nur link zum Thema Kriegsgefangenschaft im 1. Weltkrieg

geschrieben von: Done

Datum: 23.03.17 10:38

Das Bild lässt mich nicht los. Immer mehr Fragen stellen sich. Ich fasse mal zusammen:

Was ist das für ein großes Gebäude rechts im Hintergrund im Dunst mit den Zacken? Die Zacken sind offenbar Oberlichter einer Fabrikhalle. Sind die wirklich doppelt oder kommt das von einer evtl. Doppelbelichtung?
Wieviele Gleise haben wir überhaupt?
Ist das Gebäude direkt hinter dem hellen Schuppen (ein Lokschuppen?) überhaupt ein Bahnhof oder eher eien Gaststätte, eine Restauration mit Biergarten?
Lässt sich der Baustil etwas eingrenzen mit den kleinen Gauben, den Dachanschrägungen
Das Gebäude dahinter (Backsteinbau?) hat einen langen flachen Anbau. evtl. Verwaltungsgebäude einer Fabrik?
Nach links in den Hintergrund scheint eine größere Straße zu führen.
Ist das senkrechte Gebilde links eine Bahnschranke?
Kann es demnach sein, dass die Menschenansammlung mitten auf einem Bahnübergang oder davor steht?
Kann man aus den Telegrafenleitungen etwas schließen?
Jahreszeit nicht Sommer, eher Adventszeit, wie man an dem Herrn mit dem Christbaum(?) erkennen könnte.
Jahr könnte 1918 oder 1919 sein. 1920 scheint mir fast zu spät

Done