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 04 - Historische Bahn 

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Moin zusammen,

ich sammle derzeit Material zur Konstruktion des SVT 877 a/b alias "Fliegender Hamburger" und bin über einige Details gestolpert, die mich stutzig machen.

Meine erste Frage bezieht sich auf die Scheinwerfer. Diese sehen auf den ersten Blick aus wie die meisten Bauformen aus den 30er Jahren (BR 01, 03, 05, ET91), weisen aber auf den zweiten Blick deutliche Unterschiede auf:
- kein aufklappbares Glas
- dünnerer Alu-Rahmen
- Streuscheibe auf der unteren Hälfte

Und genau diese Streuscheibe verwirrt mich. Sie ist nur in der unteren Hälfte lichtdurchlässig. Auf Nachtaufnahmen ist sehr gut zu erkennen, dass die obere Hälfte immer Dunkel ist.
Daher die Frage: War dies eine starre Form der Abblendung, um andere Lokführer nicht zu blenden, oder evtl. ein Schlusslicht (obwohl der SVT immer mit Schlussscheibe unterwegs war)? (s. Bild, mit Material von gettyImages und Eisenbahnstiftung)

https://picload.org/image/rlidrplw/scheinwerfer.jpg

Die weiteren Fragen beziehen sich auf verschiedene Anbauteile aus verschiedenen Betriebsjahren.
Auf einigen Bildern hat der Triebwagen ein Gitter vor der Mittleren Scheibe. Welcher Zeitraum war das genau und galt dies dem Schutz vor Vogelschlag? Bild auf Eisenbahnstiftung.de

Auf der Hälfte mit Gepäckabteil ragen links neben dem linken Scheinwerfer (anscheinend bereits ab Werk) zwei Schrauben aus der Wagenwand. Warum nur auf dieser Seite und was wurde damit auf der Innenseite festgeschraubt? Bild auf Eisenbahnstiftung.de

Jeweils neben den äußeren Einstiegstüren war eine weiße Fläche auflackiert die vermutlich die Zuglaufdaten (z.B. Hamburg-Altona | Berlin Anhalter Bhf.) trug. Allerdings sind dort nicht die üblichen drei Halterungen (ähnlich Personenwagen) zu erkennen. Wie wurden die Zuglaufdaten angebracht (Magnetschilder?) und wie war deren Layout? Bild auf Eisenbahnstiftung.de

Vielleicht kann ja jemand hier aus der Community etwas Licht in mein Dunkel bringen :)

Gruß
Sachsenbahner

PS: Zeichnungen der Drehgestelle, eine Grobe Übersichtsskizze (em 5/83) des Wagenkastens und die Literatur "Fliegende Züge" und "Der Schinenzeppelin" (beide EK-Verlag) liegen mir vor. Wenn jemand noch besser Übersichts- und/oder Detailskizzen und Fotos zum Fliegenden Hamburger hat wäre ich sehr dankbar (Info gerne per PN oder Mail).
Hallo,

kann leider nur tippen...

1. Die Frontleuchten haben im oberen Bereich rote Folien mit dahinterliegenden Glühlampen als Schlusslichter

2. Bei den Gittern denke ich eher an eine Enteisungs- oder Verteilkonstruktion für Scheibenwischerflüssigkeit (auch wegen der Rohrleitung)

3. die zwei Schrauben...hmm.. Entlüftungsventile am Führerbremsventil?

4. Nachdem der SVT 877 ja nur zwischen Hamburg und Berlin verkehrte, könnten die beiden Namen auch schlicht auflackiert worden sein. Nach Änderung der Lackierung auf/mit der seitlichen Viertelrundung am Führerstand waren die 'Zuglaufschilder' im Übrigen auch weg bzw. überlackiert.

viele Grüße
Pit
Der "Fliegende Hamburger" verkehrte zwischen Lehrter Bahnhof und Hamburg Altona. Der Anhalter Bahnhof war für die Züge Richtung Süden bestimmt. Im planmäßigen Einsatz war er also weder im Anhalter Bahnhof noch auf der Stadtbahn zu sehen. Vor dem Krieg war er technisch auch nicht Mehrfachtraktionsfähig, fuhr also nicht im Verbund mit anderen "Fliegenden Zügen" der Bauarten Hamburg, Leipzig oder Köln (Bauart Berlin ohnehin nicht).
Zu deiner eigentlichen Frage mit dem Streuglas auf dem Spitzen/Schlusslicht schließe ich mich dem Vorschreiber an, oben rotes Schlusslicht, unten Weißlicht. Die Lampen an Lokomotiven waren im übrigen damals "Funzeln" und diente dem gesehen werden, weniger dazu selbst etwas zu sehen. Fernlicht auf DB Lokomotiven gibt es in größerem Umfang gefühlt erst seit der Jahrtausendwende. Man sollte nicht vergessen das es in den 30ern noch Lokomotiven mit Petroleumbeleuchtung oder Gasbeleuchtung gab. Die Stromliniendampfer hatten Zeit ihres Lebens kein Fernlicht, auch die 05 nicht. Und Streuglas unten bedeutet eigentlich "Fernlicht", allerdings nur in der heutigen Lesart bzw bei Autos sofern mit Glühlampe und Parabolspiegel gearbeitet wird. (Falls jemand auf die Idee kommt LED Beleuchtung hätte es schon immer gegeben). Und dein Argument zur Schlußscheibe, wie soll die denn nachts gesehen werden? Nach Einbruch der Dunkelheit war der Zugschluss zu beleuchten. So konnten Stellwerke und Blockwärter erkennen und melden ob die Gleise frei oder belegt waren. Damals war noch viel Personal im Einsatz und auch notwendig.

Viele Grüße

Ytracks



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.03.17 22:22.
Moin Pit,

Zitat:
1. Die Frontleuchten haben im oberen Bereich rote Folien mit dahinterliegenden Glühlampen als Schlusslichter
Dachte ich mir auch, habe es nur bei keinem anderen Fahrzeug so gesehen. Auch der ET91 besaß dafür dann eine rot eingefärbte Glühlampe im oberen Scheinwerferreflektor

Zitat:
2. Bei den Gittern denke ich eher an eine Enteisungs- oder Verteilkonstruktion für Scheibenwischerflüssigkeit (auch wegen der Rohrleitung)
Interessante Theorie. Kannst du diese evtl. mit Vergleichen oder Quellen belegen? Eine Zuleitung hatte er auch ohne das Gitter und auch nur auf einer Seite: Bild auf Eisenbahnstiftung.de
Das Gitter gab es auch mit horizontalen UND vertikalen Streben…

Zitat:
3. die zwei Schrauben...hmm.. Entlüftungsventile am Führerbremsventil?
Dann müsste es ja auf beiden Seiten diese Schrauben geben. Möglicherweise könnte es auch eine Pumpe/Behälter auf der Innenseite geben für die von dir vorgeschlagene Enteisungsvorrichtung?

Zitat:
4. Nachdem der SVT 877 ja nur zwischen Hamburg und Berlin verkehrte, könnten die beiden Namen auch schlicht auflackiert worden sein.
Auf einem Modellbahnblog fand ich nun die Info, dass dort "Berlin Leb - Hamburg Altona" angeschrieben war. Die Theorie des Auflackierens klingt plausibel.

Danke für euren Input!

Cheers
Sachsenbahner