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Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: Michael Sieß

Datum: 30.03.15 11:31

E-Oldtimer schrieb:
-------------------------------------------------------
> die Verarbeitung der Rüben dauerte knapp sechs Monate (das ist wirklich sehr lange), nicht die Kampagne der Bahn.

War etwas mißverständlich von mir formuliert. Aber auch die Bahntransporte liefen im Schnitt rund ein Monat länger als üblich.

mfg
MS




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:30:11:33:35.

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: Gernot

Datum: 30.03.15 12:47

In der Jülich-Zülpicher Börde, einem der größten Zuckerrübenanbaugebiete, verlor die Bahnanlieferung m.W. schon mit dem Beginn der Motorisierung in der Landwirtschaft ihren Stellenwert. Dafür gab es an jeder Ecke eine Zuckerfabrik (Brühl, Elsdorf, Düren, Dormagen, Ameln, Bedburg, Wevelinghoven). Das ist jetzt aber nicht mehr der Fall. Die zwei noch vorhandenen Zuckerfabriken in Euskirchen und Jülich reichen aus. Die Anlieferung läuft komplett über die Straße. Teilweise sind die Anlieferer Lohnunternehmer (meist mit LKW), viel liefern die Bauern aber auch selbst. Die heutigen Traktoren sind leistungsfähig genug um zwei vollbeladene Anhänger mit ausreichender Geschwindigkeit zu ziehen. Der genaue Anlieferungszeitpunkt wird den Bauern vorgeschrieben. In den 1970ern gab es vor der Zuckerfabrik Jülich kilometerlange Schlangen von Traktorgespannen, wurde mir erzählt. Das ist schon länger vorbei. Auch ist die Kampagne heute länger. Sie beginnt Mitte September und endet erst in der ersten Januarhälfte. Früher war kurz vor Weihnachten Schluss. Das alles führt natürlich zu einem gringeren Transportbedarf.

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: D951

Datum: 30.03.15 13:51

Hallo Michael,

Danke für den Hinweis,hast Du dazu noch nähere Info?Hier ist die Dauer der Kampagne mit 177 Tagen angegeben,was ist damit gemeint?Die Südzucker in Offstein gibt Mitte September bis Ende Dezember an,als etwa 100 Tage.Früher wurden die Rüben in der Pfalz auf vielen kleinen Bfen verladen.Ist das in A auf einige wenige Bfe zusammengefaßt?Heute braucht man doch auch größere Verlademaschinen,weil die Anhänger größer sind.Und die Wagen müssen doch auch gestellt werden - und nur in der Saison.Ich sehe in dem interessanten Beitrag keinen unbedingten Widerspruch zu meiner Aussage,man müßte auch noch andere Bedingungen vergleichen.Wer kennt übrigens noch das ACTS?Das wäre doch ideal,man könnte die Abrollcontainer am Feldrand füllen und an jeder Ladestraße umsetzen.Tragwagen

Gruß

Christian

Re: Wie war das eigentlich bei der Reichsbahn?

geschrieben von: Klv

Datum: 30.03.15 14:28

Danke für die Erklärungen! Aber was bedeutete dann die Aufschrift "Rübenpendel"? Diese war übrigens richtig auflackiert, nicht etwa nur mit Kreide o. ä. aufgemalt.

Gruß
Klv

Zuckerrüben:in der Schweiz ohne(weniger)LKW

geschrieben von: 44 115

Datum: 30.03.15 14:37

Es geht auch mit der Bahn,wenn man nur will.Jahr für Jahr,bitteschön:
[www.drehscheibe-online.de]
Süsse Grüsse
Olaf
Hallo @ alle,

ein schönes Thema, das mich als Reichsbahnländer auch interessiert. Deshalb vorab ein großes Dankeschön an alle Mitwirkenden. Ich fragte mich immer, weshalb es solche Unterschiede in den Rübenkampagnen der DR und DB gab und warum die DB solch einen Mehraufwand betrieb. Andererseits ist gerade beim Betrachten früherer Fotos zu bemerken, dass in allgemeinen DB-Güterzügen generell viel weniger E-Wagen eingestellt waren und es daher wohl auf einen gesonderten Wagenpark zu diesem Zwecke hinauslief. In diesem Zusammenhang würde ich gern wissen, ab welchem Zeitpunkt ungefähr die Herauslösung des Wagenparks speziell für Rübentransporte bei der DB erfolgte?

Bei der DR waren - zumindest ab den 80er Jahren - die Rübentransporte größtenteils schon vorab in den Fahrplänen fest verankert. Die Züge wurden als Bedarf täglich oder zweitäglich in der Spanne 15.09.19XX bis 31.12.19XX geführt und schlossen sich zum Teil gegenseitig aus. Wie hier im Beitragsfaden schon geschrieben wurde, hatten die Rübentransporte Vorrang vor anderen Frachten, weshalb die rechtzeitige Bereitstellung von E-/Ea-Wagen zum Rübentransport oberste Priorität besaß. Auch mir fielen die Wagen mit spezieller Anschrift "Rübenpendel" zum Teil mit zusätzlichem Vermerk einer Jahresangabe (z.B. "Rübenpendel 1987") auf. Was es damit auf sich hatte (etwa analog DB?) würde ich gern wissen wollen.

Für die DB bin ich zufälligerweise in den Besitz interessanter Lektüre gekommen: die BD Franfurt/Main gab eine gesonderte Fahrplananordnung (Fplo) zur Rübenkampagne (in meinem Fall 1979) heraus. Mit ihr wurde bekanntgegeben, dass die damalige Kampagne für die Zuckerfabriken Neuoffstein und Groß Gerau am 24.09.1979 begann. Ausfälle, Abweichungen und das Ende der Saison würde laut Aufdruck fernschriftlich mitgeteilt. Im Anschluß daran ähnelt die Fplo einem Buchfahrplan, in der sämtlichste zusätzliche Züge und Lz-Fahrten mit Bezug zum Rübentransport aller beteiligten Strecken aufgeführt sind. Zum Teil werden extra Hinweise zur Zugbildung bzw. Auslastung gegeben oder wo Wagen auf Vorrat bzw. wegen Wochenendruhe zwischengeparkt werden sollten, bzw. wo mit Vorspann- und Schiebelok gefahren werden mußte. So ein umfängliches Werk kannnte ich von der DR nicht.

Noch ein Wort zu den verwendeten Wagen: Für gewöhnlich wurden die Wagen ja nicht blind beladen. Bei der DR vergewisserte man sich ohnehin vor der Beladung vom Zustand des Wagens. Wagen mit defekter, nicht schließbarer Stirnwand, fehlender Tür etc. wurden ausgestellt. Löchrige Wagenböden wurden ggf. mit Blechen abgedeckt oder vor Ort mit Holz (-bohlen) ausgebessert. Der Versender wird sich auch selbst von Laderückständen überzeugt haben. Wurden solche festgestellt, oblag ihm natürlich die Weigerung des Wagens bzw. der Einsatz von Selbsthilfemaßnahmen (z.B. Besen in die Hand nehmen). Ich denke, Kohlerückstände waren das geringste Übel. Anders sah es vielleicht bei Metallspänen aus. Wer mal Rübenverladung beobachtet hat, der weiß, dass auch Nebenprodukte, wie Feldsteine, alte Reifen und Flaschen den Weg in die Zuckerfabrik nahmen. Für gewöhnlich werden die Rüben über Rüttelplatten und per Wasserhochdruck durch die Zuckerfabrik befördert/ gereinigt und zur Zuckergewinnung auf etwa 70 Grad erhitzt.
Also kein Grund zur Sorge! Und wie man sieht, die Zeit der Rübentransporte in "verunreinigten" Waggons haben wir doch gut überstanden. ;-)

Grüße vom SRB

Re: Dies und das zur Rübenkampagne DR + DB (auch mit ???)

geschrieben von: D951

Datum: 30.03.15 16:11

Hallo SRB,

In den Siebzigern war der Verkehr in die Dörfer und an die Ladestraßen bei der DR bestimmt noch viel stärker als in DB-Land.Möglicherweise haben die Unterschiede DB/DR auch etwas mit den LPG zu tun.Hatten die nicht auch Lkw?Es ist ja auch eine Frage,wieweit man vom Feld zum Bf fahren kann.Hat die DR nicht noch viel mehr mit E-Wagen gefahren,z.B.Briketts?Nach meinen Info hat die DB dafür mehr Fc eingesetzt.Andererseit hat die DR doch auch versucht,den Verkehr zu den Ladestraßen auf Wagenladungsknoten zusammenzufassen.

Gruß

Christian
Hallo zusammem,

für Hausbrandkohle kamen bei der DB in den 1980er Jahren neben Fc auch F-z zum Einsatz.
Briketts wurden meist gebündelt und palettiert auf Kbs oder Res befördert. Teilweise auch in E.

Das Thema Rübenzüge bei der Bundesbahn ist hochinteressant, mir fehlt aber gerade die Zeit, etwas dazu zu schreiben. Vielleicht morgen.
Die Abläufe waren aber von BD zu BD etwas verschieden.

Viele Grüsse von Mark



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:30:16:57:29.

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: Michael Sieß

Datum: 30.03.15 17:04

D951 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hier ist die Dauer der Kampagne mit 177 Tagen angegeben,was ist damit gemeint?

Gemeint ist der Produktionszeitraum in den Fabriken. Die Anlieferung ist nicht ganz so lange, weil es auch in den Fabriken einen Rübenvorrat gibt. Üblicherweise dauert bei uns die Kampagne auf der Schiene von etwa Anfang September bis Anfang/Mitte Jänner. Heuer lief sie bis Mitte/Ende Februar.

> Ist das in A auf einige wenige Bfe zusammengefaßt?

Ja. Die Bauern liefern entweder direkt in die Fabrik oder auf spezielle Rübenlagerplätze mit Bahnanschluß. Dort werden die Rüben zwischengelagert und per Radlader auf Ea Ganzzüge verladen. Die Wagen wurden früher weitgehend angemietet, seit Übernahme der MAV Cargo kommt man glaube ich großteils konzernintern aus. Durch die Reduktion auf zwei Fabriken haben sich die Anfahrtswege deutlich verlängert, was der Bahn sicherlich auch zugutekam. Hier kannst Du Dich weiterklicken [www.google.at], wir sind hier eh schon ziemlich offtopic.

mfg
MS

Re: Dies und das zur Rübenkampagne DR + DB (auch mit ???)

geschrieben von: grs

Datum: 30.03.15 17:50

Hallo Streckenrangierbezirk und Alle,

der Aufbau des separaten Wagenparks für Zuckerrüben begann 1979.
Die letzten Wagen wurden 1985/86 in diesen Park aufgenommen.
Da waren aber viele Wagen der Anfangsjahre schon wieder ausgemustert.

Der Aufbau des Wagenparks für Zuckerrüben fällt in den Beschaffungszeitraum der Drehgestellwagen Eaos 106.
Es ist daher wohl so, daß für die "normalen" Transportaufgaben genug Drehgestellwagen vorhanden waren.
Die Zweiachser konnten somit in niedere Dienste abwandern.

Allgemein war es in den 1980er Jahren wohl so, daß der Bedarf an zweiachsigen E-Wagen stark zurückging.
Das während der ersten Hälfte der 1980er Jahre laufende Programm zur Vollaufarbeitung dieser Wagen wurde ja auch stark
eingeschränkt und die bereits umgebauten Wagen größtenteils in der ersten Dekade nach dem Umbau ausgemustert.


Grüße

Guido

Rübenverkehr in der Pfalz (m. 1 B.)

geschrieben von: Palatino

Datum: 30.03.15 18:13

Und nachdem hier so viel vom Rübenverkehr geschrieben wurde, nun auch mal ein Foto eines solchen Zuges:

http://abload.de/img/rb01s8u2r.jpg

In der Kampagne 1990 kam in der Südpfalz hauptsächlich die frisch in Orientrot lackierte Karlsruher 212 176 zum Einsatz. Das am 29.10.1990 aufgenommene Bild zeigt sie mit ihrem Rübenzug aus Kapsweyer beim Erreichen des Landauer Hbfs. Rechts ist die Strecke nach Pirmasens/Zweibrücken erkennbar, links die Reste des ehem. Bw Landau. Die Rübenwagen werden im - damals noch größtenteils existenten - Landauer Rangierbahnhof abgestellt und am nächsten Vormittag mit den Wagen aus Herxheim und Offenbach/Queich vereinigt und zur Zuckerfabrik Offstein abgefahren.

Grüße aus der Pfalz
Hubert

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: schwarzfahrer2

Datum: 30.03.15 18:16

Hallo!
Schönes Thema. Mal schauen ob wir im Sichtungsforum der späten 70ziger was finden. Ja die Wetterau, bewohnt vor harten, schwer zu verstehenden Menschen. Die Landwirte bauten Zuckerrüben an, die in Friedberg verarbeitet wurden. So fuhr man im Herbst an die Strecke wo eine Bimmelschranke bei Rohrbach den Feldweg sichert. Bimm, bimm........., schon kommt 216 112 LZ aus Stockheim.

0590 a 216 112 Schranke bei Rohrbachdso.JPG

Dann machen wir nach Büches Düdelsheim, wo die Lok schon am rangieren war. Erst kreuzte der ETA. Ach so, der Bhf. war durchgeschaltet. Es kam dann immer jemand mit dem Auto aus Büdingen und nahm ihn in Betrieb. Jetzt steht die Ausfahrt, es geht nach Büdingen.

0573 216 112 Ausfahrt HP2 Büches D.dso.JPG

In Büdingen wird umgesetzt, b.z.w. noch Wagen der Büdinger Bauern mit genommen. Dann waren solch schöne Züge unterwegs.

img810dso.jpg

Nachschuß in der Einfahrt Büches Düdelsheim.
Die Reise ging dann noch nach Büdesheim, wo auch verladen wurde. In Büches Düdelsheim wurden in die Anhänger Netze gelegt, die dann mit dem Kran über die Güterwagen gehoben und entleert wurden. Es wurde auch noch eine neue Verladeanlage wie auch in Büdesheim gebaut. War alles für die Füsse. In Büdingen und Mittel Gründau von Hand oder Traktorlader.
Die Bilder sind recht klein, ich kann es nicht besser. Vielleicht kann ja mal so ein Jungfuchs aus dem RMV Hanau mir da auf die Sprünge helfen.
Grüße Detlef

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: Gartenbahner60

Datum: 30.03.15 19:04

Schöne Bilder :-)
Hast Du zufällig auch noch welche aus Reichelsheim (Wetterau)?
Da steige ich nämlich jeden Tag in den Zug. Und da gab es ja auch mal 'nen Anschluß zum Raiffeisen.

Siggi (wohnhaft in der Wetterau, aber "eingewandert")

Wer Tippfehler findet, darf sie behalten ;-)

Meine kleine Moba: [www.drehscheibe-online.de]
Mein Bahnhof Nidda im Aufbau: [www.stummiforum.de]

Datenkraken bitte nicht füttern!
Hallo Streckenrangierbezirk,

die DB hatte in den 80ern in der Tat einen wesentlich geringeren Anteil an E-Wagen im Vergleich zur DR gehabt (die deshalb ja auch kräftig bei der DB einkaufen konnte).
Dies liegt u.a. an der wesentlich geringeren Bedeutung der Kohle als Energieträge für die Gebäudeheizung (Privat und Industrie) in der Bundesrepublik. Die lief schon damals überwiegend mit Öl und Gas; die relativ wenige Kohle für den Hausbrand wurde, wie hier schon öfter geschrieben, in loser Schüttung in Fc und als Bündelbrikett mit Kbs transportiert.

Industriekohle wurde meist nur noch für die Prozessdampferzeugung benötigt (wie in der Chemischen Industrie und der Papier- und Zellstofferzeugung). Und auch da liefen Es nur noch, wenn die Entladeanlagen des Kunden dies explizit erforderten, also noch nicht auf die sonst übliche Anlieferung per Fc oder Fal umbebaut waren. Sofern nicht sowieso Gas oder Öl verwendet wurde ...

Die vielen sonstigen, bei der DR in Es transportierten Güter liefen in Westdeutschland entweder längst per LKW, oder aber mit anderen Wagengattungen. Der E-Wagen als Universalwagen für sämtliche nässeunempfindlichen Güter hatte längst ausgedient.

In erster Linie für Schrott und zu einem gewissen Teil Rohholz wurden die Es noch nachgefragt. Beim Holz aber auch schon von anderen Gattungen bedrängt, und die Schrottis bevorzugten soweit vorhanden auch eher die Eaos....

Somit machen reine "billige" Es-Parks für die Rübenabfuhr ziemlich Sinn ...

Die Argumente von D951 kann ich nicht so ganz nachvollziehen, wie ja schon in späteren Beistägen mit Verweis auf Österreich und die Schweiz beschrieben.
Ob Rüben beim nochmaligen Umladen ernsthafte Druckstellen bekommen, wage ich zu bezweifeln. Und die Zuckerfabriken haben ja auch große Rüben-Zwischenlager, da braucht man nicht zwangsläufig Mieten auf dem Feld. Die resultieren eher aus dem gewählten Ansatz mit Lohnrodern und Feldrandabholung per LKW. Bei Beibehaltung des schienengebundenen Rübenverkehrs in D hätte man sicher entsprechende Konzepte für die neue Erntetechnik entwickelt. Die Schweizer Bauern ernten ihre Rüben sicher nicht alle nur mit "alter Technik", und Rübenmäuse verladen dort statt in LKW auch in Bahnwagen.

Hier auch von mir ein Rübenzugbild: Bahnhof Groß Umstadt an der Odenwaldbahn (ex KBS 555)

Größenänderung gross umstadt rübenzug_mit CR.jpg

Grüße
Michael

Zuckerrüben sind kein Obst,...

geschrieben von: Nietenreko

Datum: 30.03.15 20:39

...die bekommen keine Druckstellen und verfaulen auch nicht so schnell, weswegen ihnen ein weiterer Umladevorgang nichts ausmacht. Im Gegenteil, sie verlieren dadurch noch wieder Schmutz, was sich auf die Bezahlung auswirkt. Die Bauern werden nämlich nach Zuckerprozenten bezahlt, von denen die Schmutzprozente abgezogen werden. Da der Zucker in der Rübe sich bei längerer Lagerung langsam wieder abbaut, sind die Bauern daran interessiert, daß die Rüben möglichst bald nach der Rodung und möglichst sauber in die Fabrik kommen, denn umsomehr Geld bekommen sie. Längere Lagerung in Mieten ist hauptsächlich der Differenz zwischen vertraglichem Liefertermin, den Roderkapazitäten und der Witterung geschuldet.

Hinweis: Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten.

Streckenrangierbezirk schrieb:
-------------------------------------------------------

> Für die DB bin ich zufälligerweise in den Besitz
> interessanter Lektüre gekommen: die BD
> Franfurt/Main gab eine gesonderte
> Fahrplananordnung (Fplo) zur Rübenkampagne (in
> meinem Fall 1979) heraus. Mit ihr wurde
> bekanntgegeben, dass die damalige Kampagne für die
> Zuckerfabriken Neuoffstein und Groß Gerau am
> 24.09.1979 begann. Ausfälle, Abweichungen und das
> Ende der Saison würde laut Aufdruck
> fernschriftlich mitgeteilt. Im Anschluß daran
> ähnelt die Fplo einem Buchfahrplan, in der
> sämtlichste zusätzliche Züge und Lz-Fahrten mit
> Bezug zum Rübentransport aller beteiligten
> Strecken aufgeführt sind. Zum Teil werden extra
> Hinweise zur Zugbildung bzw. Auslastung gegeben
> oder wo Wagen auf Vorrat bzw. wegen Wochenendruhe
> zwischengeparkt werden sollten, bzw. wo mit
> Vorspann- und Schiebelok gefahren werden mußte. So
> ein umfängliches Werk kannnte ich von der DR
> nicht.

Genau das war von BD zu BD verschieden. Solche Fplo gab es in den Direktionen Frankfurt, Karlsruhe und Stuttgart. In den Direktionen München und Nürnberg (Raum Niederbayern) waren die Rübenzüge in den gewöhnlichen Fahrplanunterlagen veröffentlicht und als eben saisonal verkehrend während der Zuckerrübenzeit ausgewiesen.

Ein Beispiel von der Nebenbahn Neumarkt-St. Veit - Passau. Dort verkehrten normalerweise je eine Übergabe von Mühldorf bzw. Passau nach Pocking am frühen Morgen und eine Übergabe von Pocking zum Knoten Mühldorf am späten Nachmittag. Weiters wurden die Tarifpunkte von Pocking bis Fürstenzell sowie an der Strecke nach Rotthalmünster einmal an W(Sa) von Pocking aus mit einer 211 bedient.
Während der Rübensaison gesellten sich zu diesen Fahrten folgende weitere Güterzüge:


Lz 85096	Sa		Passau Gbf 7.18		        -	Pocking 8.01
Lz 85098	W(Sa)		Passau Gbf 10.19		-	Pocking 11.09
Ng 63993	W		Pocking 12.02			-	Passau Gbf 13.06
Ng 63996	W		Passau Gbf 14.05		-	Pocking 16.12
				(Fürstenzell 14.30/15.08 - Sulzbach 15.24/15.44 - Ruhstorf 15.51/16.06)
Ng 63997	W		Pocking 17.47			-	Passau Gbf 18.52

Üg 68993	Sa		Pocking 8.19			-	Fürstenzell 9.13
				(Sulzbach 8.30/8.47 - Bad Höhenstadt 8.58/9.05)
Üg 68994	Sa		Fürstenzell 9.32		-	Pocking 10.13
				(Ruhstorf 9.53/10.06)
Üg 68996	Sa		Pocking 10.22			-	Rotthalmünster 11.02
				(Tutting 10.35/10.55)
Üg 68997	Sa		Rotthalmünster 11.27		-	Pocking 11.59
				(Tutting 11.33/11.46)

Diese waren - wie gesagt - in den regulären Fahrplanunterlagen verzeichnet. Interessant auch die Zuggattung "Ng" für die direktionsüberschreitenden Leistungen, obwohl Pocking seinerzeit längst kein Knotenpunktbahnhof mehr war.

Viele Grüsse von Mark

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: Martin Pfeifer

Datum: 30.03.15 21:35

Servus,

D951 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo Mark,
>
> die Zügen nach Sulzbach - Rosenberg waren wirklich bis zuletzt - d.h.2002 - aus E-Wagen gebildet,und
> zwar 70 Stück. Gefahren wurde Erz und Koks,aber keine Kohle.

in diesen Verkehren wurde bis zuletzt mit zweiachsigen E-Wagen gefahren, weil die Maxhütte keinen Tiefbunker für Fal-Wagen besaß. Vierachsige stirnkippfähige Ea-Wagen waren nicht einsetzbar, weil der vorhandene Kipper nur zweiachsige E-Wagen aufnehmen konnte.

> ...
> In Kreisen der Eisenbahnfreunde wird das Ableben der Rübenverkehrs heftig bedauert.Allerdings
> steckt dahinter nicht nur MoraC ,sondern auch der technische Fortschritt.Früher dauerte die
> Rübenernte - korrekt gesprochen das eigentliche Roden - viel länger als heute,so war es
> leichter,die Rüben gleich vom Acker zu den Wagen bringen.Heute werden die Rüben mit riesigen
> Maschinen in viel kürzere Zeit gerodet, weil im Grunde alle Rüben zur gleichen Zeit reif sind.Mit
> der Zeit nimmt nämlich die Qualität wieder aber und es kann schonmal Frost geben. Natürlich können
> die Zuckerfabriken nicht alle Rüben gleichzeitig abnehmen,deshalb werden sie zuerstmal in großen
> Mieten auf dem Feld gelagert,um dann wieder mit speziellen Maschinen aufgenommen und verladen zu
> werden.Für die Rüben wäre es nicht gut,wenn sie dann nochmal in Güterwagen abgekippt würden.Das
> gibt Druckstellen und Fäulnis.

Die heutige Ernte- und Verladetechnik ist kein Grund für den Transport per LKW. Die Technik und ein ziemlich gleicher Ablauf wird woanders auch zur Bahnverladung eingesetzt. Neben dem bereits genannten Beispiel Österreich auch in der Schweiz. Für die Anwohner in der Umgebung der Zuckerfabriken wäre das ein Segen, weil die Straßen in der Rübenernte-Zeit oftmals mit vollen Rübenlastern überfrachtet sind. Hinzu kommt, das diese Laster ihren Dreck vom Feld nicht runtermachen, sondern lieber auf die Straße verteilen. Und von der Einhaltung der StVO reden wir hier lieber gar nicht. Aus meiner Heimat kenne ich die Situation auf der Landesstraße Othfresen - Liebenburg zur Zuckerfabrik Schladen mit der berüchtigten Überquerung des Flötheberges zu gut. Eine Hauptstrecke für die Zufuhr, durch enge Kurven sehr unfallträchtig. Da haut es in der mittlerweile auf vier Monate ausgedehnten Kampagne mindestens zwei beladene LKW's aus der Kurve. Und das Ergebnis der geradezu obligatorischen Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei kann sich sehen lassen.

MfG Martin Pfeifer

Lieber Blech- als Plastikspielzeuge!

Re: Bedeutung von "Nur für Zuckerrüben"

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 30.03.15 21:57

Wo wir gerade beim Thema sind: Die Papierbude in Arnsberg erhielt auch noch lange Kohle für Heizzwecke in den Zweiachsern. Vermutlich aus denselben Gründen.
Eaos und Eanos in solchen Verkehren sind mir von nirgendwo her in Erinnerung.

Viele Grüsse von Mark



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:31:09:58:51.

Re: Rübenverkehr in der Pfalz (m. 1 B.)

geschrieben von: D 895

Datum: 30.03.15 22:18

Hallo Hubert!

Danke für das tolle Bild, die von Dir beschriebene Rübenzugzusammenstellung in Landau Hbf sah am 11.11.89 kurz nach der Maueröffnung so aus Samstags war der Zug nach Neu Offstein besonders lang, weil die Strecken nach Hochstadt und Herxheim freitags noch ein zweites Mal am späten Abend bedient wurden und erhielt Schub von einer 218, ab Neustadt/W nach Vereinigung mit weiteren Wagen sogar manchmal DT plus DT-Nachschub 212/218:


http://fs2.directupload.net/images/150330/2mrcwihl.jpg

Da ist man sogar als Schüler mal freiwillig früher raus ;).
D951 schrieb:
-------------------------------------------------------

> In den Siebzigern war der Verkehr in die Dörfer und an die Ladestraßen bei der DR bestimmt noch viel stärker als in DB-Land.Möglicherweise haben die Unterschiede DB/DR auch etwas mit den LPG zu
> tun.Hatten die nicht auch Lkw?

Klar: W50 mit einem oder zwei HW80 (seltener HW60). Damit fuhr man ja zum Bahnhof.

> Es ist ja auch eine Frage,wieweit man vom Feld zum Bf fahren kann.

Meist gab es einen Verladebahnhof in der Nähe.

> Hat die DR nicht noch viel mehr mit E-Wagen gefahren,z.B.Briketts?

Klar, der E-Wagen war bei der DR auch ein Flachwagenersatz: Maschinen und andere Produkte wurden ebenfalls in E-Wagen verladen.

> Nach meinen Info hat die DB dafür mehr Fc eingesetzt.Andererseit hat die DR doch auch versucht,den Verkehr zu den Ladestraßen
> auf Wagenladungsknoten zusammenzufassen.

Soweit richtig, andererseits gab es für diese Transporte sogenannte Saisonbahnhöfe. Das sind zeitweise für den Versand oder Empfang landwirtschaftlicher Güter geöffnete Ladestraßen.

Knut
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