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 04 - Historisches Forum 

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Nach den ersten Begegnungen mit der Ganz-Güterzuglok E 20.001 auf der Strecke Lambach - Haag 1976 (abgestellt am Pfingstwochenende) und 1979 (als Bahnpassagier, keine Streckenbilder) habe ich das dringende Bedürfnis, den LH-Güterzug mit dem Auto auf der ganzen Strecke zu verfolgen. Das setze ich in den folgenden Jahren mehrmals in die Tat um. Es ist einfach zu schön.

Erklärungen zum Güterzugsfahrplan: An Werktagen sind in jenen Jahren auf der LH am Vormittag und am frühen Nachmittag zwei Zugsmannschaften nötig. Die erste beginnt ihre Arbeit mit Plantriebwagen 1 um 4.50 Uhr in Haag, 7.20 auf 7.32 ist sie wieder in Haag, 10.39 auf 11.25 zum zweiten Mal, nach der Ankunft um 14.29 ist Feierabend. Die zweite Mannschaft fährt mit Plantriebwagen 2 um 6.00 von Haag nach Lambach und ist um 8.24 zurück. Hier stellt sie den Triebwagen weg und nimmt die Güterzuglok in Betrieb. Um 10 Uhr sollte sie mit dem Güterzug in Bachmanning sein, um dort Plantriebwagen 1 mit Zug 8322 aus Lambach zu kreuzen. Von diesem Zug übernimmt sie normalerweise den Gleichrichterwagen. In Lambach sind umfangreiche Rangierarbeiten zu erledigen, bis der Güterzug wieder Richtung Haag abfahren kann. Um 12 Uhr mittags muss der Güterzug Bachmanning erreicht haben, damit die Kreuzung mit Zug 8325 aus Haag klappt und der Gleichrichterwagen an diesen übergeben werden kann. Dann hat der Güterzug genügend Zeit, um Haag zu erreichen, denn der folgende Plantriebwagen 1 erreicht den Endbahnhof, wie schon beschrieben, als Zug 8324 erst um 14.29.
Variante: Zustellfahrten zum Bramac-Anschlussgleis können den Ablauf empfindlich verzögern. Bei erheblicher Verspätung wird für den Güterzug in Bachmanning der zweite Gleichrichterwagen in Betrieb genommen. In Lambach fährt in solchen Fällen der Personenzug 8324 vor dem Güterzug weg. Der Güterzug muss zwingend um 16.15 in Haag ankommen, weil um 16.25 der letzte Personenzug des Tages nach Lambach pünktlich abfahren soll.

An einem prächtigen Augusttag im Jahre 1982 beginnt E 20.001 ihre Arbeit in Haag am Hausruck. Mit dem Stückgutwagen ist sie neben die Remise gefahren, weil die Mannschaft dort vor der Abfahrt noch einen Kaffee geniesst und weil allenfalls Dienstsendungen eingeladen werden müssen.
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Der Zustand des Gepäck- und Postwagens PFw 84.202 lässt darauf schliessen, dass der Postkurs auf der LH eingestellt worden ist.
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Demnächst ist die Abfahrt des Güterzuges zu erwarten. Ich begebe mich auf die Strecke, auf die Suche nach einem geeigneten Standort. Ein erstes Bild ist zwischen Haag und Obermeggenbach fällig.
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Bei Pesendorf, unmittelbar vor Weibern, wird ein Bach überquert.
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Für den kurzen Zug reicht auch eine kurze Fotostelle, hier bei der Haltestelle Weinberg-Geboltskirchen.
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Im unbedienten Bahnhof Gaspoltshofen befindet sich ein Anschlussgleis der Lagerhaus-Genossenschaft, dort ist ein Schiebewandwagen dazugekommen. E 20.001 mit ihrem Güterzug in der Steigung bei Eggerding.
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Kurz vor dem Bahnhof Bachmanning.
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Nach einer Kaffeepause in Bachmanning setzt der Zug vier Kilometer zurück zum Bramac-Anschlussgleis bei Hörbach. Hier werden drei Güterwagen abgeholt.
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Unterwegs nach Bachmanning.
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Bei Willing befindet sich eine schöne Wiese östlich der Gleise. Hier erwarte ich den Güterzug mit E 20.001 und Gleichrichterwagen EGL 25.051 an der Spitze. Ein schwarzes Huhn vom nahen Bauernof leistet mir Gesellschaft.
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In Bachmanning sind zwei weitere Güterwagen angehängt worden. In dieser Länge und Vielfalt gefällt mit der LH-Güterzug ausgezeichnet.
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Querschuss auf Lok und Gleichrichterwagen. Das schwarze Huhn ist auch wieder dabei.
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Einfahrt in den Bahnhof Lambach, links angeschnitten mein damaliger fahrbarer Untersatz, ein gelber Renault R4 GTL mit fotografenfreundlichem Faltdach.
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Das Zurücksetzen zur Bramac hat Zeit gekostet. Der Güterzug hätte um 12.15 in Bachmanning sein müssen, um dort den Gleichrichterwagen für Zug 8325 zu übergeben. Da absehbar war, dass die Zeit heute nicht reicht, ist dem Güterzug der alte Gleichrichterwagen mitgegeben worden, und der nachfolgende Personenzug hat sich, wie üblich, den neuen geschnappt. LLB ET 22.105 mit LH EGL 25.052 und StH E 20.001 mit LH EGL 25.051 warten in Lambach nebeneinander auf die Abfahrt Richtung Haag am Hausruck.
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Aus dieser Perspektive sind rechts die Schatten des dreiteiligen 5081-Zuges zu sehen, welcher um 13.18 Uhr nach Gmunden Sebahnhof fahren wird.
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Nach der Abfahrt des Personenzuges um 13.23 Uhr wird der ganze Güterzug sichtbar.
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ÖBB 1044.51 rauscht mit ihrem ansehnlichen Schnellzug durch den Bahnhof Lambach.
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Die ersten vier Kilometer fährt der LH-Güterzug auf der zweigleisigen Westbahnstrecke. Der Gleichrichterwagen bezieht den Fahrstrom aus der ÖBB-Oberleitung. Aus dem hochgespannten Wechselstrom fabriziert der an Bord des EGL 25.051 mitgeführte Quecksilberdampf-Gleichrichter den für die Ganz-Lok bekömmlichen Gleichstrom von 800 Volt. Die Energie wird der Lok über ein Hochspannungskabel zugeführt. Auch wenn es nicht so aussieht: E 20.001 fährt mit arbeitenden Motoren vor ihrem stattlichen Güterzug in die Abzweigstation Neukirchen bei Lambach. Die Höchstgeschwindigkeit des altertümlichen Gespanns beträgt 40 km/h. Sie muss auf der Westbahnstrecke aus betrieblichen Gründen voll ausgefahren werden.
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Weil die Weiche an der Abzweigung der LH-Strecke in ablenkender Stellung ebenfalls für 40 km/h zugelassen ist, muss der LH-Güterzug an dieser Stelle nicht abbremsen, er kann mit voller Geschwindigkeit in den ansteigenden Streckenabschnitt nach Bachmanning einfahren.
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In Bachmanning wird ein Schüttgutwagen zugestellt.
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Mit drei Wagen im Schlepp macht sich E 20.001 anschliessend auf die Zustellfahrt zur Bramac. Diese Bilder demonstrieren den Vorteil des Faltdaches beim Eisenbahnfotografenauto: Anhalten, sich direkt vom Fahrersitz durch das geöffnete Faltdach in die Höhe stemmen, die Füsse auf die oberen Türrahmen stellen, sich vorsichtig aufrichten, den herankommenden Zug aus guter Höhe fotografieren, rasch hinunter auf den Fahrersitz, ab zum zum nächsten Fotostandort.
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Der gleiche Zug bei der Haltestelle Hörbach.
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Der dritte Fotostandort befindet sich bereits am Anschlussgleis der Bramac.
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Trotz Gummikonkurrenz kann sich die LH im Güterverkehr mit der Bramac noch ein paar Jahre halten.
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E 20.001 fährt anschliessend solo nach Bachmanning zurück.
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Nur mit dem Stückgutwagen im Schlepp macht sie sich auf den Weg nach Haag. Auf eine Verfolgung dieses Kürzestzuges verzichte ich.
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Zu den Ganz-Lokomotiven eine persönlich gefärbte geschichtliche Ergänzung, die ich im HiFo in ganz anderem Zusammenhang (Spanien) schon einmal eingestellt habe: Abraham Ganz war einer von 8 Söhnen des Dorfschulmeisters in Embrach, einem früh industrialisierten Dorf nördlich von Zürich. Er lernte um 1830 als einer der ersten überhaupt Eisengiesser bei Escher Wyss in Zürich und ging dann auf die Walz nach Lothringen und weiter, um die neuesten Technologien der Eisenverarbeitung kennenzulernen. Vom österreichischen Kaiser erhielt er 1844 das Privileg, in Ofen (Buda) in der ungarischen Reichshälfte eine Giesserei betreiben zu dürfen. Er widmete sich zuerst der Reparatur und Produktion von Walzenstühlen für Getreidemühlen, erfand jedoch schon 1855 das billig zu produzierende und dank Antimonhärtung dauerhafte Schalenguss-Rad für Eisenbahnwagen, nach den Ideen des Engländers Burns. Trotz unglaublichen geschäftlichen Erfolgen wählte er 1867 den Freitod, wahrscheinlich wegen gesundheitlichen Problemen. Zuvor hatte er sich allerdings als sozialer Arbeitgeber mit gesunden Fabrikwohnungen sowie einer überaus fortschrittlichen Kranken- und Todesfallvorsorge für seine Arbeiter eine hervorragende Reputation auch ausserhalb des Ingenieurwesens erworben. Die Firma Ganz wurde stets von hervorragenden Leuten weitergeführt und leistete bei der Einführung der elektrischen Traktion mehrfach Pionierarbeit. Der Grosskonzern behielt als einziger weit und breit auch unter den Kommunisten den Familiennamen des Gründers Ganz, in Anerkennung seiner pionierhaften Sozialwerke! Im Raum Embrach - Bülach entstanden nach dem Tod von Abraham Ganz diverse Villen mit grossbürgerlichem Gepräge, bezahlt aus dem Erbe des erfolgreichen Onkels in Ungarn. Einige sind noch erhalten, andere abgebrochen. 1984 bis 2002 war ich selber "Schulmeister" in Embrach und ging der Lebensgeschichte von Abraham Ganz auf den Grund. In Budapest besuchte ich mehrmals das Museum in der ehemaligen Ganz-Giesserei von 1844.

siehe auch [de.wikipedia.org]

Fortsetzung folgt.

Gruss
Werner



7-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:12:28:19:23:49.
Hallo Werner,

Stern&Hafferl ist fast so gut wie Schmalspurbahnen ;-)

Und ziemlich unglaublich, wie lange sich die alten Fahrzeuge dort gehalten haben, auch bei meinen ersten Reisen nach AT ab 1985 waren die alten Tw und die Ganz-Elloks auf manchen Strecken noch anzutreffen. Schon damals kaum zu glauben ...

Zwei Ergänzungen noch zu LH: der Postkurs war 1982 noch nicht eingestellt worden, der lief noch viele Jahre. Zum Schluss mit einem in S&H-Farben umlackierten Spantenpostwagen. Der kam als Ersatz für den verunfallten alten Wagen, den ich aber um 1987 noch in Haag fotografiert habe (ich kann auf Anhieb aber nicht sagen, ob das der selbe war wie auf Deinem Bild, oder ein anderer S&H - Wagen).

Die Güterwagenübergabe habe ich 1987 auch mal anders erlebt; der Triebwagen fuhr ab Lambach als GmP (ein E, ein Gs) und übergab die beiden Wagen dann in Bachmanning an die Ellok. Die Bilder sind aber nicht gescannt, und ich hab´gerade keine Zeit hierfür.V

Und ansonsten vielen Dank für die tollen Bilder aus dem "Stromparadies".

Grüße
Michael

Ja, der R4 war schon ein besonderes Auto...

geschrieben von: 215055

Datum: 28.12.14 18:27

ich hatte lange Jahre einen TL in Farbe Orange, leider ohne Faltdach-:(
Vielen dank für die schönen Aufnahmen und die technischen Erklärungen dazu, sagt:

215055