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Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: Heimatfreunde

Datum: 07.12.14 14:59

Spektakulärer Fluchtversuch in einem US Militärzug 1961

Nach unzähligen Recherchen ist es mir jetzt endlich gelungen, die wahre Geschichte über diesen spektakulären Fluchtversuch in einem amerikanischen Militärzug aus meinem Heimatort Gerwisch in Erfahrung zu bringen.
Mit Unterstützung des ehemaligen Flüchtlings S. Pump und den Zeitzeugen der damals verantwortlichen Zugbesatzung ist nun die Wahrheit und das ganze Ausmaß dieser Flucht bekannt geworden.
Auf Initiative der ehemaligen amerikanischen Militärangehörigen des Zuges entstand 1997 eine Dokumentation mit Zeitzeugen, die ich in diesem Jahr mit weiteren Zeitzeugen ergänzen konnte.
Jahrzehnte lang gab es zu DDR Zeiten nur Spekulationen über diese Flucht.
Dem MfS war es nur recht das Amerika keine Einzelheiten über diesen Fluchtversuch Preis gab.
Der wirkliche Grund aber war, diesen Fluchtweg für andere DDR Bürger offen zu lassen.
Der, wenn man beim betreten der Militärzuge die regelmäßig durch die DDR fuhren, relativ sicher und Lebensgefahr in die Freiheit gelangen konnte.
Das Besondere bei dieser Flucht war die daraus entstandenen diplomatischen Verwicklungen der beiden Siegermächte des 2. Weltkrieges, Sowjetunion und USA.
Im Weißen Haus in Washington entschied J. F. Kennedy persönlich über das Schicksal von Siegfried Pump aus Gerwisch.
Der daraus Kurze Zeit später entstandene Film (Verspätung in Marienborn / Stop Train 349 ) lief weltweit erfolgreich in den Kinos und wurde 1964 in Berlin beim deutschen Filmpreis mit dem Filmband in Gold, bestes Drehbuch ausgezeichnet wurde für den „Goldenen Bären nominiert und erhielt 1963 auf der Berlinale den Jugendfilmpreis.
Leider hat der Roman und der Film kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun.
Mein Wunsch ist es das dieser Film für zukünftige Generationen erhalten bleibt

Link zum Film:
[www.youtube.com]

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: gerdboehmer

Datum: 07.12.14 16:53

Hallo,

Danke für den Beitrag. Aber die genannte Flucht mit einem Militärzug war keine Spekulation, sondern sogar in der DDR bekannt. In einer Diskussion über den innerdeutschen Verkehr hatte ich diese Flucht schon einmal angesprochen. Lediglich der Umfang dieser Flucht war lange Zeit nicht bekannt. Allerdings hatte diese Flucht erhebliche diplomatische Verwicklungen (das ist korrekt) und beschleunigte die Ereignisse im Vorfeld des 13. August 1961, der Schliessung der innerdeutschen Grenze.
Filmisch wurde das sogar vom Fernsehen der DDR im letzten Teil des Vierteilers "das unsichtbare Visier" aufgearbeitet. Literarisch im letzten Teil des Vierteilers "das unsichtbare Visier / sieben Augen hat der Pfau". Die Tante "Google" bringt da auch etliche Treffer ...

MfG Gerd Böhmer,
Reichsbahninspektor aD
Von der Dampflok zu ICE, TGV & Co

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: TransLog

Datum: 07.12.14 17:13

gerdboehmer schrieb
----------------------
Allerdings hatte diese Flucht erhebliche diplomatische Verwicklungen (das ist korrekt) und beschleunigte die Ereignisse im Vorfeld des 13. August 1961, der Schliessung der innerdeutschen Grenze.


Hallo Gerd,

das Ereignis war nicht im Vorfeld des 13. August 1961, sondern am 22. Oktober 1961.

Gruß, Ulrich

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: gerdboehmer

Datum: 07.12.14 17:16

Hallo,

Danke für die Aufklärung, das war mir an der Stelle jetzt nicht bekannt. Dann gab es ergo mindestens zwei derartige Ereignisse ...

MfG Gerd Böhmer,
Reichsbahninspektor aD
Von der Dampflok zu ICE, TGV & Co

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: TransLog

Datum: 07.12.14 17:23

gerdboehmer schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo,
>
> Danke für die Aufklärung, das war mir an der
> Stelle jetzt nicht bekannt. Dann gab es ergo
> mindestens zwei derartige Ereignisse ...


Vor dem 13.8.61 wäre diese Aktion so nicht nötig gewesen. Da reichte eine S-Bahnfahrkarte nach West-Berlin.

Gruß, Ulrich

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: gerdboehmer

Datum: 07.12.14 17:29

Hallo,

Bitte vorsichtig an der Stelle, das Ereignis aus der Zeit vor dem 13. August 1961 beruht auf Tatsachen. Immerhin gab es ja zu dieser Zeit schon Bürger der DDR für die eine Flucht über Berlin zu risikoreich war - ergo mit der Gefahr einer Inhaftierung verbunden war. Immerhin gab es ja bei der Berliner S-Bahn auch schon Kontrollen an den entsprechenden Kontrollstellen, ebenso wie es ja die Kontrollstellen für den Ostteil Berlins gab.

MfG Gerd Böhmer,
Reichsbahninspektor aD
Von der Dampflok zu ICE, TGV & Co




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:12:07:17:30:43.
Hallo zusammen,
in der Volksstimme - Sachsen Anhalt - Freitag, 7. Januar 2000, ist dieser Bericht erschienen:
Kennedy beendete nach 15 Stunden Ost-West-Streit um DDR-Flüchtling
20-Jähriger aus dem Kreis Burg sprang 1961 auf einen Alliiertenzug

Ein ausführlicher Bericht mit einigen Fotos.

Glück Auf HJW



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:12:07:17:32:17.

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: TransLog

Datum: 07.12.14 17:36

gerdboehmer schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo,
>
> Bitte vorsichtig an der Stelle, das Ereignis aus
> der Zeit vor dem 13. August 1961 beruht auf
> Tatsachen.

Die Sache mit Siegfried Pump in Gerwisch war am 22.10.61.

Von welchem Ereignis vor dem 13.10.61 sprichst/schreibst Du ?

Gruß, Ulrich

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: Stadtförster

Datum: 07.12.14 17:44

TransLog schrieb:
-------------------------------------------------------
> Vor dem 13.8.61 wäre diese Aktion so nicht nötig
> gewesen. Da reichte eine S-Bahnfahrkarte nach
> West-Berlin.

Nicht so ganz richtig.

Vor dem 13.08.1961 war es relativ problemlos, von einem Teil Berlins in den anderen Teil zu wechseln.
Zwischen der DDR und der BRD, bzw. zwischen DDR und Westberlin sah das nach 1952 schon ganz anders aus.

Bei einer Elternversammlung der Schule in Staaken (bei der meine Mutter anwesend war), brüstete sich der Vater eines Mitschülers meines Bruders damit, als Grenzpolizist in Staaken einen jungen Mann beim Fluchtversuch erschossen zu haben. Das ganze passierte 1959 oder 1960.
Obwohl er allein auf Streife war, hat er dabei als "besonderen Trick" mit verstellter Stimme Kommandos gerufen, so dass die Polizei und Rettungskräfte auf der Westberliner Seite es nicht wagten, dem schwer verletzten Studenten zur Hilfe zu kommen, da sie der Meinung waren, auf der DDR-Seite wären mehrere Grenzposten anwesend.

Die Kinder in der Schule wurden kurz nach dem Ereignis belehrt, unbekannte und "verdächtige" Personen umgehend den "staatlichen Organen" zu melden. Wie gesagt, vor dem 13.08.1961!


PS:
Zu dem Ereignis habe ich bisher nirgends etwas im Internet oder sonst wo gefunden. Den Namen des Schützen hat mir meine Mutter mehrfach genannt. Ich wäre aber bereit, ihn ggf. zu nennen (inkl. seiner Anschrift bis 1990), weil er nicht im Befehlsnotstand handelte, sondern eher sehr stolz auf seine Tat war.

Re: Flucht 1961 im alliierten Militärzug

geschrieben von: gerdboehmer

Datum: 07.12.14 17:46

Hallo,

Von einem Ereignis im Juni oder Juli 1961, das ich schon einmal in einer Diskussion über den deutsch-deutschen Verkehr angesprochen hatte. Dieses Ereignis war auch die thematische Vorlage für den vierteiligen Roman bzw. Film "das unsichtbare Visier". Nur wurde es im Roman bzw. Film dann so dargestellt, das dieses Ereignis der Nato als Vorwand für eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Warschauer Vertrag dienen sollte.

edit: Hauptfigur des Romanes / Filmes war der Auslandskundschafter der Staatssicherheit Werner Bredebusch alias Achim Detjen ...

MfG Gerd Böhmer,
Reichsbahninspektor aD
Von der Dampflok zu ICE, TGV & Co




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2019:02:07:11:07:59.
Gibt es noch eine Möglichkeit diesen Bericht zu lesen ?
Ich erinnere mich nur an einen Artikel in der Volksstimme (könnte 2000 gewesen sein),in dem es kurze Zeit später, zwei Magdeburgern gelang aus Gerwisch erfolgreich in einem anderen Militärzug in den Westen zu fliehen.[bgcolor=#][/bgcolor]

Berlin bis 1961

geschrieben von: TransLog

Datum: 07.12.14 18:23

Hallo,

interessante Geschichte, meine Mutter ging dort auch bis 1948 in die Schule ...

West-Staaken, obwohl bis ca. 1960 noch zu Groß-Berlin gehörend, war in den freizügigen Verkehr zwischen den Berliner Sektoren nicht einbezogen. Dennoch überrascht mich, dass dieses tödliche Ereignis keine Schlagzeilen gemacht haben soll.
Die Grenze zwischen dem Umland und West-Berlin war bis 13.8.61 für DDR-Bürger mit der S-Bahn und an festgelegten Kontrollpunkten frei passierbar. Zehntausende hatten Arbeitsplätze in West-Berlin und pendelten dort täglich hin und her. Meine Großmutter fuhr täglich mit der S-Bahn zwischen Albrechtshof und Spandau West und nahm mich als Kind oft mit. Nach DDR-Gesetzen war ich illegal in Albrechtshof, niemand scheint es kontrolliert zu haben.

Wer durch die Kontrollen in Schönefeld, Schönfließ durch war, musste innerhalb Berlins an der Sektorengrenze nur noch mit Stichproben rechnen (wenn er nicht zuviel Gepäck mitnahm).

Gruß, Ulrich