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Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: martin welzel

Datum: 26.09.14 08:39

Liebe Freunde,

ich freue mich aufrichtig, euch mit Hilfe von Anselm Daniel, dem Eisenbahnbetriebsleiter "meines" Institutes für Schienenfahrzeuge und Fördertechnik der RWTH Aachen, diese Bilder zeigen zu können.

Der Hauptdank geht aber an Frederik Loraing, der in uneigennütziger Weise uns diese Bilder zur Verfügung gestellt und einer Veröffentlichung zugestimmt hat. Die Fotoschätze sind ein Fund in einem alten Fotoalbum seines Großvaters Wilhelm Schneider, der damals in der Deutz-Fabrik als Schlosser arbeitete und vermutlich auch an den Versuchsfahrten teilnahm.


Ein wenig Text vorab.

Um 1930 experimentierte man bei der Firma Humboldt-Deutz mit einer Diesellokomotive mit direktem Antrieb. Die Lokomotive wies drei Dieselmotorzylinder auf, die mittels Treibstangen die Treibachsen der Lokomotive nach Dampflokmanier antrieben. Nach der Anordnung der Gegengewichte an den Treibrädern muss es sich um einen Zweiachsantrieb gehandelt haben.
Da man einen Dieselmotor nur ohne Last starten kann, musste man vermutlich den Zug zunächst mittels vorher erzeugter Druckluft anfahren, bis man das Dieselgemisch einspritzen und so den "Dieselmotor" zuschalten konnte.


Bild 1 zeigt die Lok während der Bauphase in den Werkhallen von Humboldt-Deutz – nett auch die OMZ links daneben.
Wie man sieht, war die lange Haube noch nicht aufgesetzt – es war also noch nicht alles fertiggestellt:

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz1_img-129193441-0004_S.jpg



Hier zeigt sich die Lok bereits in ziemlich fertigem Zustand (Bild 2):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz2_img-202114951-0001_S.jpg



Im Bild 3 steht die Lok aller Wahrscheinlichkeit nach im Werkshof der Firma Deutz. Man erkennt sehr gut die Achsanordnung 2' B 2' – wie bei einer Dampflok. Die äußeren Dieselzylinder wirken – von den Zylindern aus gesehen – auf die zweite Treibachse, der mittlere – wegen des versetzten Gegengewichts – auf die erste Treibachse. Nach Dampflokmanier sind beide Treibachsen mit einer Kuppelstange verbunden.
Wegen der Anordnung der äußeren Zylinder hatte das Vorlaufgestell zwei Radsätze mit Innenlagerung, das nachlaufende Drehgestell konnte mit außen gelagerten Radsätzen versehen werden:

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz3_img-129193441-0005_S.jpg



Ein Teil der Mannschaft zeigt sich hier neben der Lok (Bild 4):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz4_img-129193442-0007_S.jpg



Bild 5 zeigt noch einmal gut sichtbar die Treibradgruppe mit der unterschiedlichen Anordnung der Gegengewichte. Den "Kollegen" im Bild vermag ich nicht einzuordnen – vielleicht der Leiter der Konstruktionsabteilung bei Deutz? Jedenfalls scheint er zu sagen: "Das ist meine Lok!" :

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz5_img-129193440-0002_S.jpg



Einen Blick in den Führerstand vermittelt uns Bild 6 – vermutlich mit dem Inhaber des Fotoalbums, Wilhelm Schneider:

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz6_Deutz_Diesellok_innen_S.jpg



Offensichtlich wurde zu einem anderen Zeitpunkt ein weiteres Foto mit einem Teil der Mannschaft aufgenommen (Bild 7):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz7_img-129193442-0006_S.jpg



Vorbereitung zur Messfahrt! Die Lok lässt einige Messkabel erkennen (Bild 8):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz8_img-129193440-0003_S.jpg



Bei diesem Bild ist das Datum der Messfahrt überliefert. Wir sehen den Messzug am 16.6.1937 im Bahnhof Neuss (Bild 9):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz9_Deutz_Diesellok_Bf_Neuss_5_Mai-16_Juni_1937_S.jpg



Damals schrieb man Neuss noch mit "ß" (Bild 10):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz9_Deutz_Diesellok_Bf_Neuss_5_Mai-16_Juni_1937_S1.jpg



Schade, dass der Fotograf kein Bild von der Sonnenseite gemacht hat! Die Lok steht hier mit einem Messzug im Bahnhof Geldern (Bild 11):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz10_Deutz_Diesellok_Geldern_S.jpg



Den Fußgängersteg über die Gleise gibt es in Geldern immer noch, ob allerdings die Formsignale noch existieren, entzieht sich meiner Kenntnis. Am 14.6.2010 standen sie noch (noch nicht gescannt). Interessant auch die Wagen des Messzuges (Bild 12):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz10_Deutz_Diesellok_Geldern_S1.jpg



Links am Bildrand stehen noch diverse Güterwagen mit und ohne Bremserhaus (Bild 13):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz10_Deutz_Diesellok_Geldern_S2.jpg



Was mich am meisten fuchst: Hier in diesem Bild trägt die Lok ein Deutz-Fabrikschild. Nur – leider kann man die Fabriknummer nicht lesen …
Der "Kollege" im Führerstand könnte wieder der Schlosser Wilhelm Schneider sein (Bild 14):

http://www.eisenbahnhobby.de/Deutz/Deutz10_Deutz_Diesellok_Geldern_S3.jpg


Sensationell, nicht wahr?

Für die, die es brauchen, stelle ich schon mal eine Wagenladung Härtstropfen parat:

http://www.eisenbahnhobby.de/Versch/Waggon_Haertstropfen.jpg


Bin schon auf eure Reaktionen gespannt!
Schönen Tag noch,



Martin


Literaturhinweise:

Matthias Maier: Diesellokomotiven deutscher Eisenbahnen, Alba-Verlag Düsseldorf 1997, ISBN 3-87094-155-3
Glatte/Reinhardt, Diesellok-Archiv, Transpress Berlin 1970
Obermayer, Taschenbuch deutsche Diesellokomotiven, Franckh-Verlag Stuttgart 1979



Meine DSO-Beiträge



Edit1 und 2: Schreibfehler



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:09:26:09:33:42.

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 26.09.14 08:44

Danke Martin für Aufbereiten dieser sensationellen Bilder - die Härtstropfen kommen leider einige Wochen zu spät ;)

Ich muß mal tieftauchen; mW gab es mal eine sehr lange Abhandlung über die Deutz Diesel von der DGEG. In den tiefen meines Kellers muß das noch rumfliegen...

RUHRKOHLE - Sichere Energie

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Frank Glaubitz

Datum: 26.09.14 09:34

Joachim, du brauchst nicht in den Keller. Das war in den DGEG Jahrbüchern 8 (1975) und 9 (1976/77). Und wer noch mehr über Kölner Schienenfahrzeughersteller wissen möchte. Im Jahrbuch 6 (1973) war ein Beitrag über Westwaggon in Köln-Deutz.
LG
Frank

http://fs5.directupload.net/images/151120/temp/tnkdbz6y.jpg

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Markus Heesch

Datum: 26.09.14 10:05

Lieber Martin, da bleibt einem aber die Kinnlade unten!

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Bernhard Terjung

Datum: 26.09.14 10:09

Sensationell!

vielen Dank, Martin und Anselm, für diese Raritäten! Und gräme dich nicht wegen der Schattenseite in Geldern. Besonders schön kommt bei diesem Lichteinfall der Kühlergrill zur Geltung.

Jetzt wäre es noch interessant zu erfahren, wie sich diese Maschine bewährt hat... .

Bernhard

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: wookie-2

Datum: 26.09.14 10:16

Martin, diese Bilder gehören in ein ordentlich aufgemachtes Buch!
Sensationell hoch drei.

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Schienenmog416

Datum: 26.09.14 10:21

Hallo,

ein historischer Beitrag im Sinne des Wortes, dafür vielen Dank.

Zu Bild 3: Ist im Werk Kalk in Köln-Kalk aufgenommen worden, auf dem Nachkriegsvergleichsbild [rangierdiesel.de] erkennt man auch einen Schornstein sowie einen Holzmast mit Isolatoren und Beleuchtungselement, die gezeigte Lok ist allerdings "nur" eine Standartmaschine.

Gruß von Michael

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: S&B

Datum: 26.09.14 10:41

Danke für den Beitrag, Martin!
Zu Bild 9: Man mag darüber spekulieren, warum an dem Wagen hinter der Lok die Schlußscheibe steckt- zu einer Zeit, die man mit Nachlässigkeit bei der Bahn weniger in Verbindung bringt.
Möglicherweise ist man zum Familienfoto an diesen Zug nur mal eben herangefahren.
Grüße
Ulrich

Kaum zu glauben; vielen Dank! (o.w.T)

geschrieben von: Bruno Georg

Datum: 26.09.14 11:39

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Das ist wirklich historisch

geschrieben von: ulrich budde

Datum: 26.09.14 12:59

Moin Martin,

da hast Du ja wahre Schätze ausgegraben - wofür so ein Treffen in Aachen doch alles gut ist(?).

Erstaunlich, was in privat-Sammlungen alles noch so steckt. HiFo at its best !

Herzlichen Gruß,
Ulrich

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 26.09.14 13:45

Hallo Martin,
ich versuche mir vorzustellen, wie es klang, wenn die Lok fuhr.
Arbeiteten die Zylinder in beide Richtungen (wie bei einer Dampflok) oder nur in einer (wie bei heutigen Verbrennungsmotoren)?
Vielen Dank fürs Zeigen!
Stefan

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/58/781958/6638303363633862.jpg http://foto.arcor-online.net/palb/alben/58/781958/3338386331616233.jpg

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Stefan7

Datum: 26.09.14 13:54

Vielen Dank fürs zeigen dieser Aufnahmen,

an alle Beteiligten.
Das habe ich so noch nie gesehen, und das hat gerade recht große Begeisterung in mir ausgelöst.
Mann würde ich davon gerne einen Film sehen, wenn die Maschine fährt.
Interessieren würde mich auch, wie das Testergebniss ausgefallen ist, vermutlich war es nicht so gut gewesen.
Diese art des Antriebs wurde ja recht bald zu den Akten gelegt.

Aber grandiose Bilder

Viele Grüße

Stefan7

Re: Das ist wirklich historisch

geschrieben von: Guido Rademacher

Datum: 26.09.14 14:18

Hallo Ulrich,

so ein Treffen in Aachen ist immer gut.

Wann sehe ich Dich dort? ;)

Beste Grüße

Guido

http://www.guidorademacher.de/Banner.jpg

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Guido Rademacher

Datum: 26.09.14 14:25

Hallo Martin,

vielen, vielen Dank, dass Du aus den bereits in Aachen gezeigten Bildern eine runde Geschichte gemacht hast.

Ich finde, es sind beeindruckende Bilder und Du hast sie sehr gut kommentiert.

Beste Grüße und hoffentlich bis bald

Guido

http://www.guidorademacher.de/Banner.jpg

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Carsten Friese

Datum: 26.09.14 14:54

Solch ein Fund möchte ich auch mal machen...

Hallo Martin,

frag doch mal hier nach, Freunde der Motorensammlung Deutz e.V.: fmd@deutz.com
oder hier: Technikum der Deutz AG: technikum@deutz.com

Die Härtstropfen sind allerdings schon alle...

Gruß
Carsten

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: E-Oldtimer

Datum: 26.09.14 15:00

Stefan Motz schrieb:
-------------------------------------------------------
> Arbeiteten die Zylinder in beide Richtungen (wie
> bei einer Dampflok) oder nur in einer (wie bei
> heutigen Verbrennungsmotoren)?

Hallo Stefan,
die Zylinder arbeiteten in beide Richtungen. Das war bei Großdieseln sehr lange Zeit nichts ungewöhnliches. Sparte im Schiffbau das Wendegetriebe ein, bevor es gute Verstellpropeller gab. Bei direktangetriebenen Schiffen mit Langsamläufern ohne Zwischengetriebe ist das bis heute die einzige Möglichkeit, wenn man keinen Verstellpropeller einsetzen will (meines Wissens heute nur noch in Ausnahmefällen).

Gruß,
Till

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: klaus wedel

Datum: 26.09.14 15:11

Guten Tag Hifo-Freund,

diese Lok "Deutz-Versuchslokomotive 2'B2'" ist im alba Buch -Diesellokomotiven deutscher Eisenbahnen- Ausgabe Berlin 1981 auf Seite 54 u. 55 genau beschrieben.

Z.B.: hat sie eine Gesamtlänge von 14550 mm, die Treibräder einen Durchmesser von 1750 mm usw. usw.

Viele Grüße aus Wülfrath
Klaus

Doppeltwirkend ...

geschrieben von: westbahn

Datum: 26.09.14 15:40

... muss ein Motor zum Drehrichtungswechsel nicht zwingend sein. Dieselmotoren kann man auch mit einer verstellbaren Nockenwelle umsteuern - war im Schiffbau auch sehr beliebt.

Ansonsten: Wirklich tolle Bilder!

Thomas

"Die ostfriesische Landschaft wird gekennzeichnet durch die Herrschaft der horizontalen Linie." (Reichsbahnrat Schenkelberg, 1926)
westbahn.de - Die Eisenbahn in Ostfriesland (und umzu)

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: E-Oldtimer

Datum: 26.09.14 16:42

martin welzel schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die Fotoschätze sind ein Fund in

Hallo Martin,

Schätze ist gut, Bernsteinzimmer trifft es wohl besser.

> Nach der Anordnung der Gegengewichte an
> den Treibrädern muss es sich um einen
> Zweiachsantrieb gehandelt haben.

Ja, der mittlere Zylinder war geneigt und trieb die vordere Achse an (wenn man die Seite mit dem Kühler als vorne sehen möchte). Eine Handskizze ist enthalten in Siegfried Kademann, Bahngeschichten. Dort war sie Inhalt einer der kurzen Anekdoten.

> Da man einen Dieselmotor nur ohne Last starten
> kann, musste man vermutlich den Zug zunächst
> mittels vorher erzeugter Druckluft anfahren, bis
> man das Dieselgemisch einspritzen und so den
> "Dieselmotor" zuschalten konnte.

Gute Frage. Immerhin wusste man von der preußischen "Thermolokomotive", dass das ständige Aufheizen und Wiederabkühlen nicht gut für Kolben und Zylinder ist (deshalb die Kitson-Still-Hybridlokomotive mit Anfahrhilfe durch Dampf).
Im eisenbahn magazin Januar 1980 war die Lokomotive Thema der monatlichen Fahrzeugvorstellung. Ich hatte irgendwann mal Gelegenheit, das Heft zu lesen. Von einer Anfahrhilfe war dort leider keine Rede. Die Lokomotive war wegen ihres geringen Reibungsgewichtes gegenüber Dampflokomotiven ähnlicher Dimensionen im Nachteil. Sie verblieb nach Tests durch die DRG beim Hersteller und wurde im 2. Weltkrieg beschädigt, so ich mich recht erinnere.

Gruß,
Till

"Das ist unerhört! Das ist ein Skandal! Wenn man sich nicht mal mehr auf den Fahrplan der Staatsbahn verlassen kann, worauf dann?"

(Egon Olsen, Die Olsenbande stellt die Weichen)

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: BR 213

Datum: 26.09.14 17:55

Laut Angaben im Internet wurde die Weiterentwicklung der Deutz-Versuchslokomotive nicht weiter verfolgt, da die Entwicklung anderer Kraftübertragungen für Verbrennungsmotoren derart schnell voranschritt, daß sich eine Weiterentwicklung nicht mehr lohnte.

1936 gab es erste, vereinzelte Planeinsätze. 1943 wurde die Deutz-Versuchslokomotive bei einem Aufenthalt im Deutz-Werk bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und daraufhin zerlegt.

zügige Grüße

FRANK

Mitglied im Verein Freunde der 212 001-2 e.V.

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Peter

Datum: 26.09.14 17:57

Whow!

Allerbesten Dank fuer das Zeigen dieser Schaetze!

Sehr interessant!

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Härtstropfen...

geschrieben von: 44 115

Datum: 26.09.14 19:18

Lieber Martin,
...brauche ich da nicht.Aber EINMALIGE Aufnahmen sind das schon!
Hatte keine Ahnung von dem Diesel und schon gar keine Bilder gesehen.
Schätzchen,ja ich äffe Andere nach,stimmt aber!
Schönes Wochenende und träum'schön vom Diesel-Gebrumm!
Olaf

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Klaus Groß

Datum: 26.09.14 20:12

Hallo Martin,

ich komme aus dem Staunen nicht heraus! Eine solch große Anzahl von Fotos aus verschiedenen Stadien von der Fertigstellung eines Lokomotiv-Exoten und von Versuchsfahrten - ich bin begeistert! Dir und Anselm Daniel gebührt aufrichtiger Dank, dass Ihr diese Schätze dem HiFo und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht habt!

Gruß
Klaus

Umsteuern...

geschrieben von: Essenberger

Datum: 26.09.14 21:09

Moin,
das mit dem Umsteuern kann auch in die Hose gehen.... ;-
Mein Bekannter war Binnenschiffer.

Der Kahn hatte nen Deutz 545 Diesel mit Druckluftstarter:

[www.youtube.com]

Beim Anfahren an die Schleuse also Maschine stop, umsteuern, Maschine neu starten

Leider war die Kopfdichtung undicht, und Kühlwasser wurde unbemerkt in die Anlassluftflasche gedückt.

Beim Neustart Wasserschlag im Motor: Motor fest und der Dampfer fast ungebremst ins Schleusentor...

Glück Auf,

Rüdiger

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: 52 2006

Datum: 26.09.14 21:27

Äußerst spannende Lok von der ich bisher auch nichts wusste. Erinnert ein wenig an russische Diesel-Dampf-Experimente, welche allesamt auch nicht erfolgreich waren.

Was ich mich bei dieser Lok frage, was sich alles unter den Aufbauten der Lok verbirgt. Allzuviel kann es ja eigentlich nicht sein, wenn sich die Antriebszylinder wie bei einer Dampflok an den Seiten befinden und es folglich auch kein Getriebe gibt. Scheinbar hat die Lok in den großen Frontflächen Luftkühler, lässt das darauf schließen, dass die Antriebszylinder wassergekühlt sind?

kondensierte Grüße, Stefan

http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/52KON-1.gifhttp://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/52KON-2.gifhttp://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/SAR25sm.gif
Kondenslok.de + Kondenslok/Keretapi-Forum + Industrial Railways of Indonesia SIG (fc)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Otwf (K)

Datum: 26.09.14 22:16

warum an dem Wagen hinter der Lok die Schlußscheibe steckt

Das ist nach meiner Meinung keine Schlußscheibe.

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: E-Oldtimer

Datum: 26.09.14 23:57

52 2006 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Was ich mich bei dieser Lok frage, was sich alles
> unter den Aufbauten der Lok verbirgt.

Ich hab nochmal in "Bahngeschichten" nachgesehen. Der gute Siegfried Kademann hat tatsächlich einen kompletten Schnitt skizziert. Demnach befand sich im längeren Vorbau oberhalb der hinteren Vorlaufachse ein Hilfsdiesel, dessen Aufpuffrohr auf den Fotos zu sehen ist und der einen davorliegenden 50-bar-Kompressor antrieb (dessen Lüfter auf dem ersten Bild erkennbar ist). Zum Führerhaus hin befand sich das Spülgebläse des Hilfsdiesels, woraus wir schließen können, dass der Hilfsdiesel ein Zweitakter war. Oberhalb des Spülgebläses sind - vermutliche mehrere - Anlassdruckluftflaschen skizziert.

Damit ist auch klar, womit die Lok anfuhr - die Dieselzylinder anzulassen bedeutet ja genau das. Ebenso ist die Funktion der Rohrleitungen unterhalb des Führerhauses geklärt, die vom Druckluftvorrat zumindest zu den äußeren Zylindern reichen. Die Rohre scheinen für ihre Funktion einen relativ großen Durchmesser zu besitzen (Bild 5) - vielleicht waren sie isoliert, um den Wärmeverlust der an sich ja warmen Druckluft zu reduzieren und die Zylinderblöcke weniger auskühlen zu lassen. Unter der Skizze steht "Druckluft-Anfahrhiilfe mit Kraftstoff-Einspritzung, Hauptdiesel mit/ohne Aufladung, 120° Kurbelwellenversatz."
Interessant wäre zu wissen, wie der Anfahrvorgang vor sich ging. Die "Thermolokomotive" anno 1912 stellte bei etwa 10 km/h die Kraftstoffzufuhr an. Ich vermute, hier geschah das deutlich eher.

Im kurzen Vorbau befanden sich die Auspuffanlage (siehe den kurzen "Schornstein"), ein großer Kühlerlüfter (wodurch wir annehmen können, dass das Antriebsaggregat luftgekühlt war) und die Einspritzpumpe. Der Kraftstoffvorrat wird nicht erwähnt; ich denke, er befindet sich in den beiden landen, leicht geneigten Behältern außen an der Lok.

Gruß,
Till

"Das ist unerhört! Das ist ein Skandal! Wenn man sich nicht mal mehr auf den Fahrplan der Staatsbahn verlassen kann, worauf dann?"

(Egon Olsen, Die Olsenbande stellt die Weichen)

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Gio Mielisch

Datum: 27.09.14 00:17

Ich LIEBE das Hifo!!!!!!!!
Phantastisch, vielen Dank an alle!

Gio d'Italia

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Andreas Burow

Datum: 27.09.14 08:11

Sensationelle Bilder! Einen herzlichen Dank für das Aufbereiten und Einstellen hier im Hifo!

Andreas

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: Jucksnjo

Datum: 27.09.14 11:09

Stefan7 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Interessieren würde mich auch, wie das
> Testergebniss ausgefallen ist, vermutlich war es
> nicht so gut gewesen.

Im Grund ist diese Antriebsart vollkommen gefloppt. Grundproblem: Die Druckluft, die zum Anfahren zum Einsatz kommt, entspannt sich im Zylinder und kühlt dabei ab. Der Diesel hingegen, der ab einer gewissen Drehzahl eingespritzt wird, mag es dagegen eher warm, um gut zu zünden. Dieser nicht zu beseitigende physikalische Gegensatz führte immer wieder zu Fehlzündungen und Zerstörungen an der Maschine.

Die Bahn - das Leben in vollen Zügen genießen!

Jucksnjo

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 27.09.14 14:30

Kleine Bemerkung zu diesen echten Raritäten, betreffend das Führerstandsbild: Die Fahrtrichtung wurde tatsächlich mit dem am unteren Bildrand sichtbaren Steuerungshandrad mit abstehendem Griff durch Steuerwellen-(Nockenwellen-)verschiebung geändert. Die linke Hand des Führers ruht auf Anstellhebel des Zuladeluftdrosselventils. Der Hebel vor dem Handrad in der Stirnwand ist der Hauptbrennstoffhebel. Der über dem Namen Welzel sichtbare Hebel ist der Zusatzbrennstoffhebel für kurzzeitige höhere Belastung z.B. beim Beschleunigen oder in Steigungen. Gruß Fritzle

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: S&B

Datum: 27.09.14 14:30

Ja, ich habe mich auch schon gefragt, ab wann der DK vollständig verbrannt sein mag- und ob das vorher eine Menge blauer Wolken gegeben hat.
Und ich muß bei der Gelegenheit an die Diesel PKW mit 2,0 l Motor eines deutschen Herstellers ab Modelljahr Ende 1975 denken, von denen auffallend viele bläuten und stanken... :-(
Grüße
Ulrich

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: E-Oldtimer

Datum: 27.09.14 18:30

Jucksnjo schrieb:
-------------------------------------------------------
> Im Grund ist diese Antriebsart vollkommen
> gefloppt.

Von gefloppt kann kaum eine Rede sein. Großdiesel werden auch heute noch mit Druckluft gestartet. Wie auch sonst?

> Grundproblem: Die Druckluft, die zum
> Anfahren zum Einsatz kommt, entspannt sich im
> Zylinder und kühlt dabei ab. Der Diesel hingegen,
> der ab einer gewissen Drehzahl eingespritzt wird,
> mag es dagegen eher warm, um gut zu zünden.

Du hast das Problem nicht verstanden. Das Kraftstoffgemisch wird bei der Kompression ohnehin erhitzt, nach dem selben Effekt wie die Druckluft im Kompressor. Entscheidend ist, was die Verbrennungswärme mit dem erkalteten Zylinder macht. Massive Metallteile halten zu große Spannungen aufgrund unterschiedlicher Temperaturen nicht ewig aus. Auch dem Zusammenspiel von Kolben und Zylinder (Schmierung!) sind schwankende Temperaturen nicht zuträglich.

> Dieser nicht zu beseitigende physikalische Gegensatz
> führte immer wieder zu Fehlzündungen und
> Zerstörungen an der Maschine.

Das mit dem nicht zu beseitigenden Gegensatz ist Quatsch. Ein Großdiesel wird heute mit Kühlwasser vorgewärmt, damit die paar Arbeitstakte mit Druckluft ihm nicht schaden. Fraglich ist, wie es mit der Lok hier lief. Vorwärmen konnte sie vermutlich nicht. Eine einfache Rechnung aus dem Raddurchmesser, einer angenommenen Beschleunigung von 0,1 m/s^2 (eher unterer Rand) und einer Geschwindigkeit von 8 km/h zum Umstellen auf Diesel (das war der unterste Wert der Thermolokomotive von 1912) ergibt ziemlich genau fünf Arbeitstakte in 22,2 Sekunden. Ich bin kein Motorentechniker, weiß also nicht wie sich das auswirkt. Interessant wäre es aber, kann dazu jemand was sagen?

Gruß,
Till

"Das ist unerhört! Das ist ein Skandal! Wenn man sich nicht mal mehr auf den Fahrplan der Staatsbahn verlassen kann, worauf dann?"

(Egon Olsen, Die Olsenbande stellt die Weichen)

Re: Deutz-Diesellok mit direktem Antrieb von 1933 (m. 14 B.)

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 27.09.14 21:47

> Stefan7 schrieb:


> Im Grund ist diese Antriebsart vollkommen
> gefloppt. Grundproblem: Die Druckluft, die zum
> Anfahren zum Einsatz kommt, entspannt sich im
> Zylinder und kühlt dabei ab. Der Diesel hingegen,
> der ab einer gewissen Drehzahl eingespritzt wird,
> mag es dagegen eher warm, um gut zu zünden. Dieser
> nicht zu beseitigende physikalische Gegensatz
> führte immer wieder zu Fehlzündungen und
> Zerstörungen an der Maschine.

Dieses Problem ist bei den temperaturschwankungs- und kaltstartempindlichen Großdieseln schon längst durch Motorvorwärmung gelöst. Da aber bei dieser Maschine eine Vorwärmung jedoch nicht möglich war, befanden sich in den Verbrennungsräumen 6 elektrisch beheizte Spiralen, ähnlich heutiger Glühkerzen, um die Zündung zu begünstigen, da die Kompressionswärme bei kaltem Motor nicht unbedingt sicher ausreichte. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.

Re: Unter die Haube geguckt...

geschrieben von: Kö0128

Datum: 28.09.14 09:25

52 2006 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Was ich mich bei dieser Lok frage, was sich alles
> unter den Aufbauten der Lok verbirgt.

In "Glasers Annalen" vom 1. Dezember 1937 erschien (auf S. 179 ff.) ein Aufsatz über diese Deutz-Lok, der die Antwort liefert:

http://abload.de/img/deutz_2b2f1u6m.jpg


Herzlichen Dank an Martin für diese vortrefflichen Bilder einer interessanten Maschine!

Gruß,
Markus.

Berlin für Anfänger: Tiergarten ist ein Park, Tierpark ist ein zoologischer Garten, Zoologischer Garten ist kein Park. Alle drei sind Bahnhöfe.
AG Märkische Kleinbahn e.V. Berlin *** Meine HiFo-Bildbeiträge
http://www.abload.de/img/mkb-banner1000ye7dl.jpg



Sammelantwort

geschrieben von: martin welzel

Datum: 28.09.14 19:40

Ja, liebe Freunde,

ich freue mich, dass diese Bilder bei euch ebenso willkommen waren wie bei uns im kleinen Kreis, als Anselm uns die ersten Scans vor einiger Zeit vorführte. Damals waren wir alle der Meinung , diese Bilder seien eine Sensation, zumal man in der Fachliteratur immer nur dasselbe eine Bild sah, oder eine Zeichnung.

Umso mehr freute es uns, dass wir nicht nur die Erlaubnis bekamen, die Bilder hier in uneigennütziger Weise präsentieren zu dürfen, sondern auch noch weitere Bilder in die Hand bekamen.

Daher an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an Frederik Loraing und natürlich an Anselm Daniel für die Vermittlung!

Aus dem Buch meines Freundes Matthias Maier möchte ich noch kurz einen Ausriss vorlegen:

"Die Firma Humboldt-Deutz, die sich seit Mitte der zwanziger Jahre intensiv mit dem unmittelbaren Antrieb und dessen Problemen beim Anfahren beschäftigt hatte, wandelte den auf eigenes Wagnis unternommenen Entwurf einer 1000 PS – 2’B2‘-Lokomotive unter Mitwirkung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in eine Dreizylinder-Lokomotive um. Im Mai 1933 verließ die Lokomotive nach knapp dreijähriger Bauzeit mit eigener Kraft die Deutzer Fabrikhallen.
Der doppelt wirkende Dreizylinder-Dieselmotor, der mit dem wie bei Deutz bis in die heutige Zeit üblichen Zweitakt-Verfahren arbeitete, war wie bei einer Drillings-Dampflokomotive angeordnet. Zum Anfahren wurden, wie bei der Diesel-Klose-Sulzer-Lokomotive von 1912, die Zylinder mit Druckluft beaufschlagt. Zusätzlich wurde jedoch Dieselkraftstoff mit eingespritzt, der sich an einer elektrisch beheizten Glühspirale entzündete und verbrannte, wobei die Zylinder nicht mehr abkühlten.
Mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit wurden die Luft- und Kraftstoff-Füllungen verringert, bis bei etwa 70 km/h der Motor im reinen Dieselbetrieb arbeitete.
Die Lokomotive war bis zu ihrer Zerstörung bei einem Bombenabgriff im zweiten Weltkrieg überwiegend im leichten Reisezugdienst im Kölner Raum eingesetzt. Leistungsmäßig war sie in etwa mit der preußischen P8, Baureihe 38.10-40, vergleichbar.

Umfangreiche Versuchsfahrten beim Lokomotiv-Versuchsamt Berlin-Grunewald bestätigten die Tauglichkeit des direkten Antriebs. Dennoch unterblieb ein Nachbau bzw. ein Weiterbau der Lokomotive, die übrigens nie in den Bestand der Reichsbahn übernommen wurde, da Ende der dreißiger Jahre der schnelllaufende Mehrzylinder-Dieselmotor und sowohl die hydraulische als auch die elektrische Leistungsübertragung einen derartig hohen technischen Stand erreicht hatten, dass der direkte Antrieb uninteressant geworden war."

Quelle: Matthias Maier u.a., Diesellokomotiven deutscher Eisenbahnen, Alba-Verlag Düsseldorf 1997, ISBN 3-87094-155-3

Soviel zu dieser technisch höchst interessanten Lokomotive.

Schönen Tag noch,

Martin