04 - Historisches Forum
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geschrieben von: Klv
Datum: 05.04.14 21:14
Irgendwann nach den Jubiläumsfeierlichkeiten von 1985, bei denen man offenbar den kommerziellen Wert betriebsfähiger historischer Triebfahrzeuge erkannt hatte, wurde bei der DB eine Liste designierter Museumsloks zusammengestellt, die aus jeder Baureihe ein Fahrzeug erhielt, das zum damaligen Zeitpunkt äußerlich noch möglichst nah am Ursprungszustand war. So traf es etwa 110 121, 110 348, 113 311, 140 128, 150 091 oder 218 217, aber auch die praktisch fabrikneue 111 227. Bei all diesen Triebfahrzeugen waren ausdrücklich alle Veränderungen untersagt, die sie weiter vom Ursprungszustand entfernten.
Bis sie dann früher oder später "historisch" herausgeputzt wurden, sahen einige dieser Museumsstücke recht eigenwillig aus. So trugen etwa 113 311 und 218 217 teilweise das aufgeschraubte bzw. lackierte DB-Logo, teilweise jedoch den rot-weißen Klebekeks der 80er Jahre, der ja ebenso authentisch war, wie es auch der Magerkeks gewesen wäre...
Für viele Jahre habe ich das Geschehen rund um die designierten Museumsloks dann nicht mehr verfolgt, zumal ich mich auch nur noch wenig in Deutschland aufhalte. So sehe ich denn heute, daß manche der damals auserkorenen Loks inzwischen wirkliche Schmuckstücke geworden sind (wenn man von manchen nicht authentischen Details absieht, ohne die ein Einsatz im Plandienst nicht mehr möglich wäre), andere dagegen ziemlich zusammengeschustert aussehen (so etwa die 113 311, die jetzt zwar wieder ein komplett silbernes Dach hat, aber dafür noch immer die offenbar reichlich vorhandenen Klebekekse und dazu eine rote Unterkante des Rahmens, obwohl sich bis zu ihrer "Historisierung" die graue bewahrt hatte), während wieder andere (111 227, 151 049 oder 218 217) irgendwann sang- und klanglos von der Museumsliste gestrichen wurden und doch noch in den verkehrsroten Farbtopf gefallen sind.
So stellen sich mir denn heute gleiche mehrere Fragen:
1. Wann genau wurde die Liste der designierten Museumsloks herausgegeben?
2. Wie hieß das zugehörige Dokument bei der DB offiziell? Ist irgendwo sein gesamter Wortlaut einsehbar?
(Mich würde vor allem interessieren, wie genau das Verbot modernerer Details formuliert war.)
3. Welche Tfz enthielt die Liste ursprünglich?
(Ich kriege beim besten Willen nicht mehr alle zusammen, vor allem bei den Triebwagen habe ich breiteste Gedächtnislücken...)
4. Welche Loks wurden später von der Liste gestrichen? Wann und mit welcher Begründung geschah dies jeweils? Wie wurde die Streichung administrativ gehandhabt?
(Bei der 111 227 war der Grund wohl der Verlust ihres Alleinstellungsmerkmals nach Ablieferung der 112.1. Aber warum mußte die notorisch bekannte 218 217 ihren Anstrich irgendwelchen unbedeutenden 217ern "überlassen"?)
5. Kamen irgendwelche Tfz erst nachträglich auf die Liste?
6. Wie lang galt die Liste bzw. das zugehörige Dokument offiziell? Gab es später noch ein Nachfolgedokument vergleichbaren Inhalts?
(Oder ist das Dokument schlicht dadurch obsolet geworden, daß die betroffenen Loks inzwischen alle dem DB Museum gehören?)
7. Welche Besonderheiten gab es beim weiteren Schicksal der einzelnen Tfz?
(Ich denke da etwa an verpatzte Details wie z. B. die grünen Lüfter der 150 091, die später korrigiert wurden.)
Ich möchte mich schon im voraus bei allen Mitforisten bedanken, die mir mit ihrem Zeitzeugenwissen zur Seite stehen. Da hier sicherlich viele Einzelaspekte schon einmal behandelt wurden, bin ich natürlich auch für jeden sachdienlichen Link dankbar.
Es grüßt
Klv
geschrieben von: Jucksnjo
Datum: 06.04.14 11:54
>>Ich denke da etwa an verpatzte Details wie z. B. die grünen Lüfter der 150 091, die später korrigiert wurden.<<
Zumindest bei dieser Frage kann ich weiterhelfen. Die anderen würde mich aber auch interessieren.
Die grünen Lüfter der 150 091 sind dem (damals noch R)AW Dessau zuzuschieben, das es wegen den lackierten Lüftergittern bei den damals ja wohlbekannten E11 und E42 nicht besser wusste.
141 072 dürfte sich wohl auch auf dieser Liste befunden haben. Ausgang bekannt...
Die Bahn - das Leben in vollen Zügen genießen!
Jucksnjo
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:04:06:12:29:40.
Mahlzeit!
110 121 und 140 128 waren 1985 noch weit davon entfernt einmal Museumsloks zu werden und bis auf die blaue, bzw. grüne Farbgebung und die Einfachlampen waren beide Loks schon weitgehend vom Ursprungszustand "entfeinert". Die 110 121 wurde erst gegen Mitte der '90er Jahre auf Initiative des Werkmeisters vom Bw Deutzerfeld Schritt für Schritt in den Ursprungszustand zurückversetzt. Erst kamen die "E10 121"-Schilder, dann die alten Lüftergitter, die Griffstange und erst zuletzt die Regenrinne. Das zog sich über ein Jahr hin, so daß es immer spannend war, in welchem Zustand man die Kiste das nächste mal im Einsatz sehen würde.
Bei der 140 128 ging es wesentlich schneller. Die stand plötzlich komplett als E40 in Deutzerfeld, muß so gegen ´97 oder ´98 gewesen sein.
MfG
B.S.
geschrieben von: Nobbi
Datum: 07.04.14 00:14
Der Originalinhalt dieses Beitrags ist jetzt
hier (Beitrag 04-1671) zu sehen.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.06.26 11:04.
Also das war doch was,
ach ja, Euphorie im Herbst 1985, nachdem das Jubi-Programm solch ein Riesen-Erfolg war.
Also wurden etliche Loks, u.a. aber E41 072 bzw. 141 072 (war die erste "grüne"), der 491 001, der VT 11 5 014/019 resp. 601 014/019, die 218 217 (war die Lackierversuchslok) und die E03 001 resp. 103 001 (war zwar nicht die erste E03, aber die mit der niedrigsten Nummer) V60 150 resp. 260 150 resp. 360 150, V100 1023 resp. 211 023 und 221 108 (V200 108) in den Lieferzustand zurück-lackiert. Diese sollten dann laut internem Hinweis auch in diesem Zustand in Betrieb bleiben und nach Erreichen der Laufleistungsgrenze oder dem Nutzungszeitraum in den Museumsbestand wechseln.
Doch es gab nicht wie bei der DR eine Verfügung mit der Maßgabe, die Loks XX und XY und so weiter sind in den Museumsbestand zu übernehmen, sondern es war eine Good-Will-Aktion, die mit den Heimat-Bw abgesprochen war. Denn diese Bw mussten Restarbeiten ausführen.
Doch die 221 wurde schon 1986 durch einen dummen Rangierunfall aufs Abstellgleis geschoben, als Ersatz kam 221 116 (zuerst in ozeanblau/beige).
Dann kam die Wiedervereinigung und die Zusammenführung von DB und DR - dann der geplante Börsengang - und plötzlich wusste niemand mehr, wo er stand und wer was zu verantworten hatte.
So wanderte die E41 in den Schrott, 218 217 wurde umlackiert, die V60 und V100 wurden (mehr oder weniger abenteuerlich) abgefackelt - auf gut deutsch, das Ganze löste sich in Rauch auf. Mitbetroffen waren dann die 01 150, 23 105, 50 622 und 86 457 von den ehemals betriebsfähigen Museumsloks, weiterhin 45 023, E75 09 usw. usw.
Die E10 121 und die E40 128 wurden vom Bw Köln-Deutzerfeld in Eigenregie unter der Hand zurückgebaut. Die E10 348 (=110 348) war 1985 auserkoren. Dafür waren die Stuttgarter sauer, dass ihre E10 235 nicht dabei war und Köln vorangegangen war. Auch die 290 371 kam erst später dazu und fiel in eine Lücke. Doch ...
Museumspark? Was ist denn das? Fragten sich die oberen in der Ruschestraße ... und da es nirgendwo explizit geschrieben stand, gab es das auch nicht.
Schluss -Ende -Aus
Im Gegenteil, es wurden sogar Loks aus dem offiziellen Museumsbestand verkauft, weitere Verkäufe konnten dann durch Hinweis auf die Denkmalsbestimmungen vereitelt werden.
Nachfragen an die zuständigen Stellen wurden dahingehend beantwortet: Dafür sind wir nicht zuständig.
Und so ging die 175-Jahr-Feier (2010) den Bach runter, bis auf wenige mehr oder noch mehr privat initiierten Events gab es offiziell nichts - und zur Zeit wird zwar 175 Jahre Fernbahn gefeiert, aber auch nur in der Vierten Klasse, d.h. ganz tief unten.
Die neue Bahn hat kein Interesse mehr an ihrer Vergangenheit, mit museal aufgearbeiteten Fahrzeugen lässt sich kein Geld verdienen,
die Fahrzeuge behindern den Ablauf -
Großartige Versprechungen (wie nach dem Unfall des 491 oder dem Brand in Nürnberg) sind nicht das Papier Wert, auf dem sie niedergeschrieben wurden.
Tut mir leid, aber das, was aus der Bahn heute geworden ist ...
Was wurde damals (1984-85) in Eigeninitiative alles auf die Beine gestellt, trotz Dampfverbot und sonstigen Ecken und Kanten?
Damals waren noch echte Eisenbahner am Werk(en) - da galt noch: Ein Mann - ein Wort
Ja so ist nun mal alles gelaufen,
für die Briefmarkensammlung Eures Opas oder Vaters gibt es auch nichts mehr,
die Werte und das, wofür etwas getan wird, haben sich total verändert,
Viele Dinge sind effektiv nichts mehr Wert, selbst Opas alte Märklin-Lokomotive,
die will niemand mehr haben.
Die Museumsvereine suchen dringend junge engagierte Mitarbeiter,
aber deren Werte und Freizeitaktivitäten liegen ganz woanders.
Aber das geht den Heimatmuseen genauso, das ist eben der Zeitgeist.
Um Deine Frage zu beantworten:
1. Es ist halt dumm gelaufen
2. Einige Loks waren zur falschen Zeit am falschen Ort
3. Einige Mit"arbeiter" der Bahn waren auch zur falschen Zeit in dieser für sie viel zu hohen Position völlig überfordert
4. ...
edit Dreckfuhler
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:04:09:18:18:05.
geschrieben von: 38 432
Datum: 11.04.14 22:05
Ich bin schon seit Jahren stiller Beobachter in DSO und nehme diesen Beitrag nun zum Anlass mich auch mal zu Wort zu melden.
Die Liste der designierten Museumslokomotiven der DB wurde 1993 herausgegeben und war z.B. im Eisenbahnmagazin 10/93 veröffentlicht. Bei allen darin enthaltenen Lokomotiven wurde im Betriebsbuch ein Vermerk gemacht, dass an ihnen keine Veränderungen (außer weitere Annäherung an den Originalzustand) mehr vorgenommen werden darf.
Enthalten waren damals folgende Lokomotiven:
103 173 rot-beige Hamburg 1
110 235 blau Stuttgart 1
110 348 blau Frankfurt/M 1
113 311 rot-beige München 1
111 227 ozeanblau-beige München 1
140 536 grün Seelze
141 072 grün Seelze
150 091 grün Nürnberg 2
151 049 grün Nürnberg 2
181 206 blau Saarbrücken 1
211 058 altrot Hof
212 160 altrot Kempten
216 221 altrot Gießen
218 217 rot-beige Regensburg
218 308 altrot Mühldorf
290 371 altrot Darmstadt
323 440 altrot Regensburg
332 109 altrot Aachen
333 078 altrot Darmstadt
360 150 altrot Nürnberg 1
420 250 orange-keiselg. Frankfurt/M
491 001 blau-weiß München 1
701 067 altrot Nürnberg 1
Später kamen noch die Triebwagen 614 005/6+914 003 aus Nürnberg und 420 117/617+421 117 aus München hinzu.
Zur Frage warum die Fahrzeuge dann später doch umlackiert, bzw. nich erhalten wurden ist folgendes anzumerken.
Bis zur Einführung des Verkehrsroten Farbschemas wurden nie alle Fahrzeuge in das aktuelle Farbschema umlackiert bzw. es wurde darauf auch nicht unbedingt großer Wert gelegt. Zu erklären ist die damit, dass die Deutsche Bundesbahn als Monopolist keine Notwendigkeit darin sah, dass alle Fahrzeuge in einem einheitlichen Farbschema sein müssen weil auf den Strecken ja eh nur DB-Loks unterwegs wahren und ein Wiedererkennungswert dadurch nicht nötig war. Dies änderte sich mit der Privatisierung und dem Aufkommen der privaten Eisebahnunternehmen. Somit war nun die DB AG bestrebt nach der Einführung des neuen Verkehrsroten Farbschemas auch alle Fahrzeuge in dieses Farbschema umzulackieren.
Während DB-Fernverkehr und anfangs auch noch DB-Cargo auf die Liste der designierten Museumsloks Rücksicht nahm erklärte der Nahverkehr die Liste für sich als nicht mehr gültig und verfügte auch diese Lokomotiven bei der nächsten HU umzulackieren.
Die ersten Lokomotiven, die es dadurch getroffen hat waren die 110 235 - bei der bei der Umlackierung zudem noch die Griffstangen an der Front und die Regenrinnen entfernt wurden und die Lüftergitter getauscht wurden - und die 218 308.
Aus diesem Grund verlohr dann auch 218 217 ihr rot-beiges Farbkleid. Da sie aber heute dennoch zur Museumslok wurde werden wir es denke ich noch erleben, dass sie sich uns wieder in dieser Farbgebung präsentiert.
Wie bei der 218 217 gilt (mit Ausnahme der 110 235) bei allen Lokomotiven dass sie nur umlackiert wurden und dies somit auch leicht wieder rückgängig gemacht werden kann bzw. dass eine andere zur Museumslok ausgewählte Maschine dann die Ursprungslackierung erhält. Siehe 111 001 statt 111 227.
Und auch der Verlust der 110 235 wurde durch den Erhalt der 110 228 die sich ebenfalls noch weitgehend im Originalzustand befand und aus der selben Bauserie (Kasten E 10 mit Doppellampen und Doppeldüsen-Lüftergittern)ausgeglichen.
Einzig der Verlust der 140 536 ist zu beklagen, da heute keine E 40 der 2.Bauserie im Originalzustand erhalten ist. Sie wurde aber aufgrund der musealen Aufarbeitung der E 40 128 (1.Bauserie) aus der Liste gestrichen.
geschrieben von: MSS
Datum: 12.04.14 14:27
38 432 schrieb:
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> Wie bei der 218 217 gilt (mit Ausnahme der 110
> 235) bei allen Lokomotiven dass sie nur umlackiert
> wurden und dies somit auch leicht wieder
> rückgängig gemacht werden kann bzw. dass eine
> andere zur Museumslok ausgewählte Maschine dann
> die Ursprungslackierung erhält. Siehe 111 001
> statt 111 227.
Obwohl ich der 111 001 sehr schön und völlig berechtigt findet, werde ich weiterhin hoffen das 111 227 auch ein tag wieder blau/beige wird,
wie ich der lok 1997 in München fotografiert haben:
Ebenfalls wäre es natürlich schön, ein S-bahn 111'er wieder zu sehen. Und auch der 111 068 in Orientrot, der ersten in dieser farbgebung :-)
geschrieben von: 38 432
Datum: 13.04.14 13:16
Eine S-Bahn 111 - am Besten 111 111-1 - als Museumslok währe wirklich schön und wird hoffentlich noch umgesetzt. Auch 111 068 hätte als Museumslok ihre Berechtigung. Bei 111 227 müsste man sich meiner Meinung nach aber überlegen ob 111 222 als letzte nicht Drehstromelok für die Deutsche Bundesbahn nicht sinnvoller währe.
geschrieben von: ehemaliger Nutzer
Datum: 13.04.14 13:44
38 432 schrieb:
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> Eine S-Bahn 111 - am Besten 111 111-1 - als
> Museumslok währe wirklich schön und wird
> hoffentlich noch umgesetzt. Auch 111 068 hätte als
> Museumslok ihre Berechtigung. Bei 111 227 müsste
> man sich meiner Meinung nach aber überlegen ob 111
> 222 als letzte nicht Drehstromelok für die
> Deutsche Bundesbahn nicht sinnvoller währe.
Naja,
eine 111 111-1 als S-Bahnausführung wäre schön, aber noch schöner mit dem passenden Wagenpark. Da würde auch ein 3 Wagenpark mit Bx, Abx und Bxf reichen.
Einen Bxf mit Ursprungslack unter der Folie gibt noch in KDA (der Nachtexpresssteuerwagen) und den Rest müsste man bekleben/lackieren.
Aber Dank 96cm Bahnsteighöhe ist das Einsatzgebiet sehr begrenzt.
Gruß
Eric