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 04 - Historisches Forum 

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Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: Jürgen Wensorra

Datum: 12.07.11 21:27

Hallo Forumgemeinde,

nachdem wir in meinen letzten Beitrag einen Ausflug von der Friedericistraße zum Hbf Gera und auf die Eselsbrücke gemacht haben, begeben wie uns heute wieder an das Küchenfenster meiner Oma in Gera in

der Friedericistraße 15, um einen Blick auf die Eisenbahnstrecke von Gera Hbf nach Gera Süd zu werfen.

Nachdem die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), Mitte der siebziger Jahre die Einreise in die DDR mit den Auto erlaubte, habe ich mich mal wieder nach Gera auf den Weg gemacht.

Weiterhin musste man von DDR Bürgern in die DDR eingeladen werden. Das geschah folgendermaßen: Die DDR Bürger stellten bei der Volkspolizei einen Einreiseantrag für die Besucher aus der Bundesrepublik

Deutschland (BRD) etwa 6 Wochen vor der Einreise. Die Volkspolizei überprüfte den Antrag und fällte die Entscheidung BRD Bürger einreisen lassen oder nicht einreisen lassen. Vier Wochen nach

Antragstellung konnten die DDR Bürger bei der Volkspolizei bei positiver Entscheidung die Einreiseunterlagen abholen. Mit der Post verschickten dann die DDR Bürger die Einreiseunterlagen im

Einschreibebrief an die Bundesbürger. Mit diesen Einreiseunterlagen fuhr man dann an die Grenze zur DDR, in meinen Fall war das Wartha. Die Einreiseunterlagen enthielten die Berechtigung zum erlangen

eines Visums für die DDR, Einreiseberechtigung mit PKW und die Zollerklärung, auf der Mitgeführte Geschenke die in der DDR verbleiben sollten aufgelistet werden mussten. Alles wurde von den

Kontrollorganen der DDR genau bei Grenzübertritt überprüft und mit reichlich Stempeln im Reisepass festgehalten. Weiter möchte ich hier nicht auf die Kontrollen eingehen, es würde den Rahmen dieses

Beitrags sprengen.

Mit dem eingestempelten Visum für die Einreise in die DDR musste man sich dann am Ort, in meinen Fall Gera, bei der Volkspolizei anmelden und bekam wenn man auch den Zwangsumtausch vollzogen hatte,

eine Aufenthaltsberechtigung für die Deutsche Demokratische Republik für die Zeit die man bei Antragstellung angegeben hatte, längstens 4 Wochen.

Damit war aber noch nicht alles erledigt. Wenn man in ein Haus mit mehreren Mietwohnungen zu Gast war, so musste man sich noch in das Hausbuch eintragen. Das Hausbuch wurde von einen der Mieter im

Haus geführt und dieser Mieter achtete genau darauf das alle Gäste im Haus auch ihren Pflichten nachkamen.

Sicherlich habe ich noch das Eine oder Andere weggelassen oder vergessen.

Warum schreibe ich das Alles: Ich möchte den Leuten die die DDR nicht kennen gelernt haben oder den Leuten die nie vor der politischen Wende in der DDR waren, mal schildern wie umständlich es war und

was für einen Aufwand nötig war um seinen Hobby, die Deutsche Reichsbahn der DDR zu beobachten und zu fotografieren. Wenn man alles erledigt hatte konnte einen auch noch das Wetter einen Strich durch

die Rechnung machen. Mal so eben wie man das in der Bundesrepublik gewohnt war in ein Bw oder an die Strecke zu fahren war nicht drin. Außerdem gab es ein Fotografierverbot für Eisenbahnanlagen, das

auch Mitte der siebziger Jahre aufgehoben wurde, was aber so wie es mir gesagt wurde, nur für DDR Bürger galt. Bei der Volkspolizei galten BRD Bürger als Ausländer!

Aber nun ist es genug mit der Vorrede, kommen wir nun zu den Aufnahmen aus der Friedericistraße.

Heute möchte ich Euch Dias aus dem Jahr 1977 die ich eingescannt habe zeigen.


http://img12.imageshack.us/img12/3720/1dr110jwd2119.jpg

Fangen wir mal mit einer unbekannten 110 an, die mit ihren Personenzug aus Umbauwagen nach Gera Hbf unterwegs ist. Im Juli 77

Wie ihr auf der Aufnahme erkennen könnt, sind die Büsche an der Strecke wieder hochgewachsen was bei Lokmotiven mit Schlepptender zu Problemen führte, wenn sie vom Hbf nach Gera Süd unterwegs waren.


http://img850.imageshack.us/img850/6170/2dr0105254jwd2133.jpg

Am Küchenfenster ist 01 0525-4 im Juli 77 nach Saalfeld unterwegs.


http://img12.imageshack.us/img12/2262/3dr0105221jwd2228.jpg

Bei 01 0522-1 die auch nach Saalfeld unterwegs ist, ist mir die Aufnahme schon besser gelungen als bei 01 0525-4. Einige werden jetzt denken warum hat der den vertrockneten Baum, der wirklich stört,

nicht entfernt. Erstens hatte ich keine Kettensäge dabei und zweitens hätte der Mensch der das Haushaltsbuch führte etwas dagegen. Nach der Devise, Bundesbürger müssen unter Kontrolle gehalten werden.


http://img683.imageshack.us/img683/8998/4dr5830286jwd2124.jpg

Bei Zügen die Richtung Gera Hbf fuhren, störte der vertrocknete Baum nicht immer. Hier ist nach Gera Hbf die 58 3028-6 im Juni 77 unterwegs mit Güterzug auf den Laufsteg.


http://img692.imageshack.us/img692/103/5dr5830534jwd2129.jpg

In der Gegenrichtung sehen wir hier nun die 58 3053-4 mit einen Personenzug der aus einen Doppelstockgliederzug gebildet wurde.


http://img135.imageshack.us/img135/5762/6dr1200229jwd2114.jpg

Von Gera Süd kommend rollt 120 022-9 am Küchenfenster vorbei.


http://img580.imageshack.us/img580/1245/7dr1202746jwd2122.jpg

Auch das hat es gegeben 120 274-6 mit Doppelstockgliederzug nach Gera Hbf.


http://img31.imageshack.us/img31/6498/8dr5019559jwd2123.jpg

50 1955-9 hat einen Personenzug nach Wünschendorf am Haken als sie vom Hbf Gera ins Blickfeld fährt.


http://img19.imageshack.us/img19/4206/9dr4403242jwd2121.jpg

44 0324-2 ist mit ihren Güterzug nach Gera Hbf unterwegs.


http://img543.imageshack.us/img543/7438/10dr4406899jwd22171.jpg

44 0689-9 ist vor dem Einfahrsignal vom Hbf Gera zum halten gekommen. Da bin ich mal schnell auf dem Dachboden gegangen, um einen erhöhten Standpunkt zum fotografieren zu haben. Ich hatte soeben die

Luke geöffnet, da bekam 44 0689-9 mit ihren „Zwiebelwagenzug“ Einfahrt. Der Ölbrenner der Lok wurde gezündet und dann setzte sich die Fuhre in Bewegung.


http://img215.imageshack.us/img215/3884/11dr4406899jwd22182.jpg

Noch ein Nachschuss auf die 44 0689-9 .Im Hintergrund das Kohlekraftwerk von Gera. Diese Aufnahme hätte die Staatsicherheit sicherlich nicht gerne gesehen, aber ich war nur an der Dampflok

interessiert.


http://img854.imageshack.us/img854/6241/12dr1182823jwd2226.jpg

Wo wir nun schon mal hier Oben sind gleich noch eine Aufnahme in die andere Richtung. 118 282-3 rollt mit ihren Personenzug Richtung Gera Hbf.


http://img713.imageshack.us/img713/8308/dr1310135jwd2132.jpg

Wieder unten am Küchenfenster rollt 131 013-5 ohne Zug nach Gera Hbf vorbei.


http://img823.imageshack.us/img823/821/13dr5830492jwd2113.jpg

58 3049-2 ist nach Gera Süd unterwegs, was für ein Zug am Haken hängt kann ich nicht mehr sagen. Aber wenn man genau im rechten Bildrand hinschaut kann man die rauchenden Schornsteine vom neuen

Kohlekraftwerk Gera Süd erkennen.


http://img692.imageshack.us/img692/2582/dr5830534jwd2227.jpg

58 3053-4 mit Güterzug nach Gera Hbf rollt am Fenster vorbei.


http://img31.imageshack.us/img31/2473/14dr6510317jwd219.jpg

65 1031-7 vom HBw Altenburg bei nicht so guten Wetter nach Gera Süd.


http://img232.imageshack.us/img232/3120/15dr1181643jwd2111.jpg

Und zum Schluss, „der Nürnberger“ der nicht mehr mit der BR 03 ,sondern mit einer vierachsigen 118 bespannt war und als Zielbahnhof Leipzig hatte.Zuglok=118 164-3

Diese Aufnahmen sind so nebenbei entstanden wenn ich bei der Oma in Gera war. 1977 bin ich schon in der näheren Umgebung von Gera auf Jagt nach Triebfahrzeugen der Deutschen Reichsbahn der DDR

gegangen, oder besser gesagt gefahren, das war ja nun mit dem Auto alles möglich. Vielleicht zeige ich nachdem ich meine Aufnahmen aus Gera Euch gezeigt habe, auch davon welche. Alles eine Frage der

Zeit.

Bis zum nächsten Beitrag aus der Friedericistrße 15 sage ich tschüß Euer JWD

Vorheriger Beitrag aus der Fiedericistraße 15 [www.drehscheibe-foren.de]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:07:12:21:35:14.

Re: Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: Benno

Datum: 12.07.11 22:13

Vielen Dank für den Bilderbogen von 9 Baureihen, die eben mal am Fenster Deiner Oma vorbeifuhren. Auch die Erklärung des Aufwandes für eine Einreise in die demokratische der beiden deutschen Republiken war sehr interessant. Was die Oberen damals offenbar für eine Angst hatten ist immer wieder erstaunlich.

Re: Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: BwG

Datum: 12.07.11 22:13

Hallo Jürgen,

wie immer ein sehr gelungener Beitrag mit einer relativ großen Baureihenvielfalt. Freue mich auf Deinen nächsten Beitrag und schenke Dir dafür ein paar 26 Stunden Tage damit es mit der Zeit passt.

MfG BwG

... die Oberen ...

geschrieben von: domino

Datum: 13.07.11 00:03

Hallo "Benno",
du schreibst:

> Was die Oberen damals offenbar für eine Angst hatten ist immer wieder erstaunlich. <

Bei der Ausreise war dann die ganze Prozedur wieder in umgekehrter Reihenfolge angesagt,
wobei man das zwangsumgetauschte Geld natürlich nicht zurück tauschen konnte, sondern nur verpulvern oder man
konnte(sollte) ein Konto in der DDR dafür eröffnen um beim nächsten Besuch wieder darauf zugreifen zu können.
Dann war an der Grenze erst mal aussteigen - beim Auto - und die hintere
Sitzbank hoch klappen bzw. ausbauen angesagt sowie sämtliche Klappen zu öffnen.

Im Zug wiederum war dann erst mal "raus auf die Gänge" angesagt. Mit Spiegeln wurde akribisch unter jede Bank
und hinter jede Klappe geschaut. Unter den Waggons wurden die Hunde einmal drunter her gejagt und zur Sicherheit
auch noch mal mit Spiegeln dran längs gegangen.

Es war schon eine verrückte Zeit.

mfg Klaus

@ JWD: Kein Ort ist vor Bewuchs sicher, damals nicht und heute schon gar nicht mehr.

http://www.dominobahn.de/jk6.jpg

Re: Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: TransLog

Datum: 13.07.11 01:41

Hallo,

schöne Bildergalerie ...

Die 120 274 mit dem Doppelstockzug wird vmtl. einen der WISMUT-Bergbau-Berufsverkehrszüge gefahren haben (Raitzhain - Gera Hbf).
Im Winter waren sie eine Aufgabe der BR 65.10.


Gruß, Ulrich

Grenzgruseleien

geschrieben von: Rübezahl

Datum: 13.07.11 02:04

Das beschriebene Einreise-Prozedere galt für Reisen zu Freunden (das war seit Grundlagenvertrag 1972 neu) oder zu Verwandten (gab's für Bundesbürger immer). Um Schwarztauschversuche mit der nicht frei konvertierbaren Mark der DDR zu vermeiden, gab's bei den Privatreisen, und nur bei diesen, einen Mindestumtausch. Ebenfalls neu seit 1972 waren Tourismusreisen, entweder individuell mit Hotelbuchungen oder pauschal übers Reisebüro (etwa nach Binz). Hier sowie bei Geschäftsreisen gab es keinen Mindesumtausch.

Was die Grenzabfertigung betrifft, so darf man nicht vergessen, daß innerhalb Deutschlands die Nahtstelle im Kalten Krieg verlief und man sich gegenseitig nicht unbedingt traute ! Hat mal einer gefragt, wie denn der BGS DDR-Bürger abfertigte ?
Wartha/Herleshausen habe ich diverse Male überquert und war mal in 15 Minuten "drüben" oder auch mal erst in 45 Minuten, war auch andrangbedingt. Die Abfertigung velief immer höflich, aber bestimmt - die Kontrolle reihte von "Gute Weiterfahrt" bis "Machen Sie mal den Kofferraum auf". Ein einziges Mal wollte jemand unter die Rücksitzbank gucken, das war's.

Wenn ich mir überlege, welchen Zirkus die USA heutezutage veranstalten, will ein Bürger aus einem anderen NATO-Land dort einreisen, dagegen war der bürokratische Vorgang "Einreise in die DDR" (Vorinternetzeit) ein Freundschaftsakt !!!

Mit dem Hausbuch hielt man's in jedem Haus anders - von peinlich genauer Führung bis zur Ignoranz ...

Kleine Anmerkung: die schärfsten Grenzkontrollen mit Pkw-Zerlegung u.a. habe ich zwischen Belgien und Frankreich auf Landstraßenübergängen erlebt - in den 1980er Jahren, eine Zeit, in der auch in Westeuropa noch lange kein freier Reiseverkehr omnipräsent war. So benötigten die Österreicher beispielsweise für Frankreich noch ein Einreisevisum ...

Gruß

Rübezahl

Wirklich interessante Bilder!!!

geschrieben von: Womenzel2005

Datum: 13.07.11 07:37

Insbesondere natürlich das Bild von der 120iger mit dem Doppelstockgliederzug. Und dazu noch eine offene Tür, wenn ich recht sehe...

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"Verspätung ist ja auch das Kerngeschäft der Bahn"
Urban Priol
FDP = Fahr doch Porsche!

Re: Wirklich interessante Bilder!!!

geschrieben von: Benno

Datum: 13.07.11 10:00

Wie verhielt es sich denn, wenn man unerlaubt länger in der DDR blieb?
Mein Vater durfte 1987 mit seinen Eltern nach Hamburg fahren um dort Verwandschaft zu besuchen und er sagt immer, dass es auf den letzten Kilometern zur innerdeutschen Grenze sehr ruhig im Abteil wurde, während nach der Prozedur, dann im Westen eine entspannte Stimmung im Abteil herrschte.
Großvater durfte in den 60er Jahren nichteinmal zum Begräbnis seiner Mutter in den Westen fahren.
Doch so arg das auch war, wir sollten nie vergessen, dass die Ursachen für den damaligen Status Deutsche Ursachen (Hitler, Krieg...) waren.

Re: Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: 44 115

Datum: 13.07.11 11:41

Hallo Jürgen,
finde Deine Erzählung der Einreise-Verhältnisse auch interessant,in diesem Forum durchaus passend.
Und der trock'ne Baum und der dicke Busch...die Bilder haben dadurch sogar was Besonderes!
Vielen Dank!
Beste Grüsse
Olaf

Re: Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: ostseestern

Datum: 13.07.11 12:45

Am stimmungsvollsten und bezeichnend für die DR der 70er finde ich das erste Foto. Heute ein Klassiker - eine 110 mit Rekobüchsen, sogar mit offener Tür. Als Kind habe ich das selbst so erlebt, auch eben diese großen Schiebetüren an den Rekos, die eigentlich recht gefährlich für Kinder waren. Und der Einstieg war, besonders auf kleinen Haltepunkten mit niedrigen Kiesbettbahnsteigen sehr beschwerlich.

Zum Thema Westbesuche hatte ich auch schon mal eigene Eindrücke ausführlicher geschildert. In den 80ern, also meine Jugend, war vieles bereits lockerer gehandhabt. Die Politik der friedlichen Koexistenz, wie es hieß, trug ihre Früchte und brachte für alle Seiten und Ebenen Entspannung mit sich. Mein Cousin aus'm Westen und ich fuhren, ohne den Eltern etwas zu sagen, statt zum Strand ins 250 km entfernte Berlin, wurden dann auch noch beim Schwarzfahren erwischt und von der Trapo "interviewt". Passiert ist uns als Kindern nichts, außer ein "ah, aus Bremen bist Du" zu meinem Cousin und die Nachlösegebühr von 20 Mark pro Nase. Mit dieser Story ernten wir auf Feiern noch heute offen stehende Münder.

Und abschließend, wer Schuld hatte an der deutschen Teilung: Da vertrete ich eine andere Meinung: Adenauer mit seiner Idee des sog. "Rheinischen Bundes" und die dann spätere Währungsunion bedeutete die Quasi-Teilung Deutschlands. Durch das stark abweichende Kursverhältnis zwischen westdeutscher DM und der späteren MdN begann der Osten finanziell als auch personell auszubluten. Allen Verantwortlichen um Adenauer war das bekannt - und auch so gewollt. Die anschließende Schließung der Grenzen war die einzige und rationale Entscheidung - menschlich gesehen natürlich eine Katastrophe. Aber die wirklich Schuldigen saßen damals wie heute in Washington.

Grüße, der Ostseestern

Justitia in suo cuique tribuendo cernitur

Re: Ex Gera Friedericistraße 15 in Farbe

geschrieben von: Benno

Datum: 13.07.11 15:07

Die, die die Schuld der Deutschen Teilung gern im Westen suchen, verweisen auch oft auf die Stalin-Note, laut der Deutschland von den Alliierten geräumt und einen neutralen Status einnehmen sollte. Adenauer hat dies abgeschmettert. Und das ist auch verständlich, Adenauer musste sich integrieren um, auch wenn das paradox klingt, Staatssouveränität wieder zuerlangen. Und diese Integration ging nach Kommunismus oder Kapitalismus. Die Wahl fiel leicht.
Die USA als HAuptschuldigen, heute und damals, hinzustellen, das kenne ich nur von Leuten, die an Verschwörungstheorien glauben.

Hausbuch (2 Scans)

geschrieben von: Bahnwärter

Datum: 13.07.11 19:46

Hallo zusammen,

danke für die Fortsetzung, Jürgen. Ja, die ehemals viergleisige Strecke Gera Hbf - Gera Süd hatte schon eine recht ansehnliche Zugdichte. Die Vielfalt der Fahrzeuge kommt in Deinem Beitrag recht gut zum Ausdruck.

Schön, daß Du auch auf die Reiseformalitäten und das Procedere an der Grenze eingegangen bist. Meine Erinnerungen reichen bis etwa 1960 zurück. Bei all' meinen Fahrten (immer mit dem Zug), und das waren nicht wenige, habe ich einmal bei der Ausreise meinen Koffer öffnen müssen - das war's. Meinen Vater allerdings hielt man 1962 für 24 Stunden in Wartha fest, weil es den Grenzorganen seltsam vorkam, daß er mit Frau und Kindern eingereist war, jedoch allein ausreiste. Erst nach längeren Verhören konnte er den Herren plausibel machen, daß er nur zwei Wochen Urlaub während der Sommerferien bekommen habe (weil seine Kollegen ebenfalls alle Familienväter seien), die nicht berufstätige Ehefrau mit den Kindern noch zwei weitere Wochen bei den Eltern/Großeltern verbrächten. Für meinen Vater war dieser Vorfall Grund genug erst 20 Jahre später, bereits als Rentner, wieder in die DDR einzureisen.

Rentner mit Wohnsitz in der DDR wurden vom BGS übrigens so gut wie überhaupt nicht kontrolliert (Gepäckkontrolle)- weder bei Ein- noch bei Ausreise. Bei den DDR-Organen hatten sie jedoch oft weit mehr auszuhalten als die BRD'ler. Schließlich wollte man nicht, daß Oma und Opa ihr gutes Porzellan mit "in den Westen" nahmen.

Für alle, die nichts mit dem Begriff "Hausbuch" anfangen können, habe ich mal Deckblatt und erste Seite gescannt.

"Eintragungen für besuchsweisen Aufenthalt" waren vom Besucher persönlich vorzunehmen -

"bei Besuchern aus der DDR, wenn der Aufenthalt 30 Tage übersteigt -
"bei Besuchern von außerhalb der DDR binnen 24 Stunden". So steht's geschrieben...


img208.jpg


Hausnummer wurde entfernt


img208a.jpg


Es grüßt
der Bahnwärter

Re: Hausbuch (2 Scans)

geschrieben von: Rübezahl

Datum: 13.07.11 20:11

Schön, daß Du noch ein Hausbuch zeigen konntest.

Ich meinte bei den Kontrollen des BGS weniger die einreisenden Rentner aus der DDR sondern Geschäftsleute, Künstler, Deutrans-Fahrer. Von Mitropa-Personalen weiß ich, daß ihnen oftmals die Ost-Zigaretten beschlagnahmt worden (mehr als 1 geöffnete und eine geschlossene Packung für einen Umlauf mitgeführt).

Gruß

Rübezahl

Re: Hausbuch (2 Scans)

geschrieben von: Womenzel2005

Datum: 14.07.11 07:25

Danke für das einscannen des Hausbuches. Ich weiß zwar das es diese Dinger gab, aber ich habe nie eins gesehen. Und das obwohl ich in der DDR aufgewachsen bin. Wir wohnten allerdings in einem Haus ohne weitere Mieter.

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